Schätze aus dem Bode-Museum Berlin im Ikonenmuseum Frankfurt
„Ikonen auf dem Weg“
Die erste Sonderausstellung im Ikonenmuseum seit seiner Neueinrichtung würdigt die fast 30-jährige Zusammenarbeit des Museums mit dem Bode-Museum Berlin (Staatliche Museen zu Berlin – Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst). Inmitten der Dauerausstellung präsentiert sie ausgesuchte Ikonen der postbyzantinischen und russischen Ikonenmalerei aus der Sammlung des Museums für Byzantinische Kunst, die seit 1999 als Dauerleihgaben im Frankfurter Ikonenmuseum waren. Dabei treten die fein gearbeiteten, vorwiegend kleinformatigen Ikonen der Muttergottes, vom Leben und der Passion Jesu Christi und ausgewählter Heiliger, die der Verehrung im Privaten dienten, in einen Dialog mit den oft aus kirchlichen Kontexten stammenden, dauerhaft ausgestellten Ikonen im Ausstellungsraum.

Szenen aus dem Marienleben, Linker Flügel aus einem Marientriptychon Russland, um 1600, Eitempera über Leinwand auf Holz, Inv.-Nr. 11285b, Dauerleihgabe Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Foto: Wolfgang Günzel
Wenn im Ausstellungstitel von Ikonen auf dem Weg die Rede ist, dann meint das die Provenienz der ausgewählten Werke, ein im Zuge der Forschung gesammeltes Wissen über die äußerst wechselvolle Geschichte der Berliner Ikonensammlung und die Wege, die die ausgestellten Werke bis hierher zurückgelegt haben. Ikonen auf dem Weg widmet sich einer Auswahl an Ikonen, die nach dieser Ausstellung für die Umsetzung eines Forschungsprojektes nach Berlin zurückkehren.
Besondere Faszination von Ikonen

Kreuzabnahme von Angelo Bizamano Otranto, Italien, um 1530, Eitempera auf Tannenholz Inv.-Nr. 11286, Dauerleihgabe Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Foto: Wolfgang Günzel
Im 19. Jahrhundert hatten europäische Reisende italo-byzantinische, griechische, russische und auch koptische Ikonen als wertvolle Sammel- und Museumsobjekte entdeckt. Insbesondere möglichst alte Ikonen, die das herausragende kunsthandwerkliche Können in Russland, Griechenland, Italien, dem Balkan wie auch Syrien und Ägypten bezeugten, waren begehrt. Für die religiöse Praxis orthodoxer Christinnen und Christen weltweit sind Ikonen als portable Medien zur Kommunikation mit dem Göttlichen unerlässlich, denn sie bringen das Heilige und die Heiligen in ihren Alltag. Aber die kunstvollen Darstellungen der Heiligen und ihrer Geschichten in Gold, satten Temperafarben und eigenen Malkonventionen üben darüberhinaus auch auf Händler, Sammler, Kunstliebhaber und Museumsleiter eine besondere Faszination aus.
Die Berliner Ikonensammlung: eine der ältesten Museumssammlungen ostkirchlicher Kunst weltweit

Muttergottes von Wladimir Russland, um 1600, Eitempera auf Holz, Randauflagen aus Metall, ehem. Riza Inv.-Nr. 5/71, Dauerleihgabe Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Foto: Wolfgang Günzel
Die Ikonen der bereits seit 1821 zusammengetragenen Berliner Sammlung aus diesen Regionen, die aus dem 15. bis 18. Jahrhundert stammen, haben besonders lange und verzweigte Wege zurückgelegt. Mit einem Fokus auf Erwerbung und Provenienz nimmt die Ausstellung diese Wege der Ikonen in den Blick, die sich visuell auch an ihren sonst meist verborgenen Rückseiten nachvollziehen lassen.
Entwicklungen in Gesellschaft, Politik, Sammlungs- und Museumsgeschichte haben sich in die Ikonen anhand von Etiketten, Stempeln und Siegeln ihrer vielen Stationen eingeschrieben. Diese sind in der Ausstellung erstmals zu entdecken, indem besondere Rückseiten einiger Ikonen gezeigt werden.

Rückseite der Ikone Muttergottes von Wladimir Russland, um 1600, Foto: Wolfgang Günzel
Die Hälfte der 82 Leihgaben aus den Beständen des Bode-Museums wird im September 2026 zurück nach Berlin reisen, während ausgewählte Stücke der Sammlung weiterhin im Frankfurter Ikonenmuseum ausgestellt bleiben. Daher bietet diese Ausstellung die Gelegenheit, die Ikonen näher kennenzulernen, ehe sie ihre nächste Reise zurück nach Berlin antreten. Dort sollen anhand eines Forschungsprojekts Wissenslücken zu ihrer Geschichte geschlossen und Neues über ihr wirkliches Alter, verborgene Malschichten und unbekannte Wege der Ikonen hervorgebracht werden.
Booklet zur Ausstellung
Zur Ausstellung erscheint ein begleitendes Booklet, das jede Ikone in Bild und Text porträtiert und ausgewählte Rückseiten abbildet. In einem ebenfalls enthaltenen Essay widmet sich die Berliner Kunsthistorikerin Annett Alvers der Herkunft und Geschichte der Ikonensammlung des Museums für Byzantinische Kunst im Bode-Museum. Hier fasst sie erste Forschungsergebnisse zu den verschiedenen Etappen der Sammlungsgeschichte und Provenienz zusammen und stellt Akteur:innen vor, die diese Sammlung und ihre museale Ausstellung prägten. Die wechselhafte Geschichte der Ikonen einer der ältesten und bekanntesten Museumssammlungen ostkirchlicher Kunst weltweit wird so anhand einzelner Stücke erlebbar.

Noli me tangere Rechter Seitenflügel eines Triptychons Italo-Kretisch, um 1500 Eitempera auf Holz Inv.-Nr. 11276 Dauerleihgabe Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Wolfgang Günzel
In einem weiteren Teil des Booklets können diese zurückgelegten Wege der sakralen Kunstwerke im Anschluss an die Ikonenbeschreibungen anhand der aufgelisteten Stationen von Erwerbung und Provenienz exemplarisch nachvollzogen werden.
Ikonenmuseum
Stiftung Dr. Schmidt-Voigt
Brückenstr. 3-7
60594 Frankfurt
Telefon: 069 212 36262
Mail: projekte.ikonenmuseum@stadt-frankfurt.de
Eintrittspreise
6 Euro, ermäßigt 4 Euro
Kombiticket für das Museum Angewandte Kunst und das Ikonenmuseum: 14 Euro, ermäßigt 7 Euro
Öffnungszeiten
Mi 12–20 Uhr, Do und Fr 12–17 Uhr, Sa und So 10–17 Uhr
Öffnungszeiten an den Feiertagen
Christi Himmelfahrt, 14. Mai 2026 – 10–17 Uhr geöffnet
Pfingstsonntag, 24. Mai 2026 – 10–17 Uhr geöffnet
Pfingstmontag, 25. Mai 2026 – 10–17 Uhr geöffnet
Wäldchestag, 26. Mai 2026 – geschlossen
Fronleichnam, 4. Juni 2026 – 10–17 Uhr geöffnet
Die Ausstellung Ikonen auf dem Weg. Schätze aus dem Bode-Museum Berlin wurde kuratiert Dr. Konstanze Runge
Dauer der Ausstellung
13. Mai – 30. August 2026
Führungen und Veranstaltungen
IkonenmuseumIkonen auf dem Weg. Schätze aus dem Bode-Museum Berlin
17. Mai Sonntag 15 Uhr
Öffentliche Führung in russischer Sprache
20. Mai Mittwoch 18 Uhr
Standing ovations:
Versammlung zu Ehren der Gottesmutter
24. Mai Sonntag 15 Uhr
Öffentliche Führung durch Ikonen auf dem Weg. Schätze aus dem Bode-Museum Berlin
14. Juni Sonntag 15 Uhr
Öffentliche Führung in russischer Sprache
21. Juni Sonntag 15 Uhr
Öffentliche Führung
Quelle: Ikonenmuseum
