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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Mit dem 60. Jubiläum der Marielies Hess-Stiftung steht auch ihr Finale

Ein Resumee: Teil 1 Flüchtige Verfestigung

Das Ende der Marielies Hess-Stiftung am 04.05.2026 im Haus am Dom

Von Brigitta Amalia Gonser

Es spielte der Saxofonist Tobias Rüger, Foto: Alexander Paul Englert

Das war’s also?! Und nun wird die Marielies Hess-Stiftung e.V. mit sofortiger Wirkung aufgelöst und ihre Tätigkeiten werden damit, zum Leidwesen vieler Künstlerinnen und Künstler, eingestellt. Seit der Gründung im Jahre 1966 bis heute hat die Marielies Hess-Stiftung 88 Ausstellungen mit 445 Beteiligungen von 325 Künstlerinnen und Künstlern aus Hessen realisiert: bis 2011 in der Goldhalle des Hessischen Rundfunks, danach in Kooperation mit anderen Frankfurter Kulturinstitutionen ausschließlich an renommierten Standorten in Frankfurt am Main. Aber der Hessische Rundfunk hat sich schon 2007 aus der Förderung der Ausstellungen der Marielies Hess-Stiftung zurückgezogen. Hier also die Highlights seit 2000 in drei Folgen.

Die Kuratorin Brigitta Amalia Gonser, Foto: Alexander Paul Englert

Wir starten mit den Künstlern und Künstlerinnen der letzten vom Hessischen Rundfunk geförderten Gruppenausstellung „Flüchtige Verfestigung“, von 2003, zur Zeit Dr. Bernhard Koßmanns, kuratiert vom Künstler Vollrad Kutscher: mit 22 Installationen im Hessischen Rundfunk, die der damalige Intendant Dr. Helmut Reitze noch als Bekenntnis zum Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verstanden wissen wollte.

Norbert Radermacher installierte sein „Signal“ auf dem Dach des Hörfunkgebäudes unter der großen Satelittenschüssel. Dort blies ein Trompetenspieler einige Takte einer eigens dafür komponierten Melodie jeweils kurz vor 12 Uhr, über den ganzen Zeitraum der Ausstellung „Flüchtige Verfestigung“ hinweg.

Prof. Dr. Michael Crone, Stiftungsvorsitzender, Foto: Alexander Paul Englert

Thomas Sterna. Er baute aus Holz eine aufwendige Raumbox als Installation, der er zwei seiner Performance-Filme von 1998 als Dokumentation zur Seite stellte. Seine Raumbox ist das Symbol für den globalisierten Menschen. Der allgemeine Druck der Verhältnisse gilt im speziellen Sinne für Künstler.

Die Auseinandersetzung mit Sprache und Schrift ist wesentlicher Bestandteil der Arbeiten Jean-Luc Cornecs. In seiner raumgreifenden Installation widmete er sich deutschen Zungenbrechern, die er auf Holzplatten der hr-Studiodekorationen übertragen, ausgesägt und schließlich zu einem vier Meter hohen Scheiterhaufen aufgetürmt hat.

Christine Biehler. Ihre unnachahmliche Raumsituation einer drei Meter hohen Kugel aus Eis lag leicht aufgestemmt auf dem Steinboden des Foyers des Hörfunkgebäudes und veränderte die Situation und Atmosphäre: „deep freeze“. Vergängliche ephemere Substanzen prägen die Arbeiten der Künstlerin.

Ralf Peters ist ein Zeichentransformator. Er übersetzt vorgefundene Zeichen in Animationsfilme. Seine Installation bestand aus einer dreiteiligen gepolsterten Sitzlandschaft in Weiß, Blau, Rot, die die Muster der netzartigen Fußbodenstrukturen der Goldhalle aufgriff. Sie waren Ausgangsmaterial der Animationsfilme dazu.

Martin Brüger. Er installierte einen „Balkon“ in der Goldhalle, deren prägende Fußbodenmuster wurden dabei als Fundformen in Geländer und Gestalt des Kunst-Podestes übernommen und ästhetisiert. So fand beim Betrachter eine Verschiebung der Wahrnehmungsebene statt.

Die Künstlergruppe saasfee. Sie installierte mit „tourist 1.5“ im hr-Café ein großes grün bezogenes Schaumstoffkissen, in das die Sound- und Videomodule eingelassen waren, als Plattform, von der aus sich die virtuelle Welt der „Touristen“ durchwandern ließ. Eine Einladung zum Spiel, zum Verweilen, eine Begegnung mit elektronischen Medien: anstelle des bloßen Konsums ein Angebot zur Interaktion.

Screenshot aus dem Künstlerporträt von Heide Weidele, Video: Frieda Günzel

Heide Weidele. Sie reflektierte mit ihrer Installation „golden hall service card“ als bunte Plastik-Kanister-Card, die sich scheinbar durch eine Fensterscheibe schob, auch Funktionsweise sowie Aufgabe des Rundfunks. Transformation als Schlüsselbegriff ihrer Arbeit bezog sich so indirekt auf künstlerische Rezeption, Wertsysteme und Zugangsmechanismen ebenso wie auf die Informations- und Kulturvermittlung des hr.

Claus Richter baute mit einfachen Mitteln alternative fantastische Systeme, indem er in regelmäßigen Abständen im Laufe der Ausstellung Videosequenzen produzierte, in denen er seine subjektiven Beobachtungen zu Menschen, Abläufen und Vorfällen im Hessischen Rundfunk aufzeichnete und diese auf Monitoren vor Sitzgruppen ablaufen ließ.

Marion Graz‘ Arbeit „Herzliche Grüße“ war eine Videoinstallation zum Thema Bergwanderung, die im gläsernen Fahrstuhl des hr-Eingangsgebäudes zu sehen war.

Marylin Willis audiovisuelle Rauminstallation griff die Rede des OB Walter Kolb auf, die 1949 vom hr für den Fall, dass Frankfurt Bundeshauptstadt würde, aufgezeichnet wurde. Sie verdichtete die Satzfolgen zu Sprachclustern und brachte sie über 16 Lautsprecher in der Goldhalle als Tonfragmente in subtiler Lautstärke zu Gehör.

Nicole Guirauds Rauminstallation im Durchgang zur Goldhalle widmete sich dem Thema Identität in der Fremde. Krieg, Exil, Heimatlosigkeit, kulturelle Grenzen, Flüchtigkeit der Zeit ließen Erinnerungsräume entstehen. Die Reise wird zum Ausdruck einer nach Identität suchenden Künstlerin. Von außen konnte man durch die Fensterfront wie durch eine große Vitrine in Guirauds „Privatmuseum“ blicken. Die Transparenz des Lebens wurde sichtbar.

Herbert Warmuth spielte in seiner Installation mit Raumillusion. Verpackungen lieferten ihm den konzeptionellen Ausgangspunkt für seinen Rundgang im Portikus des hr in einer konkreten Farbabfolge. Es entstand ein Dialog zwischen zweidimensionaler Wandmalerei und dreidimensionalen Verpackungen, zwischen Betrachter und Werk selbst. 

Zóltan Lászlós kleine behutsamen Veränderungen des gewohnten Betrachtungsstandpunktes ermutigen zum Umdenken und ermöglichen einen ganz neuen Blick auf den Ort. Sein steinerner, säulenförmiger Sockel erhebt sich auch heute noch an der Ostzufahrt zum hr-Gelände.

Wolfram DER Spyra ist Klangkünstler und Performer, Musiker und Komponist. Seine Installation „Licht(e) Wege“ auf der Rasenfläche vor dem Eingangsgebäude des hr aus zwölf fragilen Antennen verbreitete über Generatoren ein leises Rauschen, quasi das Signal, das ein Radio oder ein Fernseher gibt, der keinen Empfang hat. Als Kritik an der Flut an tagtäglichen Informationen, an unserem konsumorientierten Hedonismus.

Milen Miltchev platzierte auf dem Rasen vor dem hr-Eingangsgebäude drei hochglanzlackierte und gefaltete Skulpturen, als spielerisch verfremdete Abbilder und wandelbare Objekte des sie umgebenden Raumes und als Konstanten, an denen der Wandel von Zeit und Raum sichtbar wurde. 

Ahmad Rafi wählte für seine Installation „Wenn der Wind weht, denke ich an Dich“ die Zeil in Frankfurt am Main. 100 aus frisch geschnittenen Zweigen geflochtene Nester schwebten auf Seilen zwischen Konstablerwache und Hauptwache. Nester versinnbildlichen für den Künstler Heimat, sichere Orte, Ruhepole. Sie stiften Identität.

Christiana Protto. Sie bezeichnet ihre Installationen selbst als „hybride Räume, in denen sich Öffentliches und Privates mischt“. In ihrer poetischen Installation “Piazzaforte” im Bertramshof ließ sie bunte Wäsche und Kleidungsstücke auf Leinen durch den baumumpflanzten Innenhof wehen. So gelang es ihr, die Beziehungen zwischen öffentlichem Sender und privatem Empfänger zu visualisieren und gleichsam die Grenze von Raum und Zeit zu überwinden.

Sandra Kranich. Sie zeichnet mit Licht: Sie setzt speziell konstruierte Objekte gezielt und choreographisch in Brand. Alles konzentrierte sich für sie und den Betrachter auf den Moment des Feuerwerks. Das Gebäude des hr wurde mit einem flüchtigen Ereignis konfrontiert. Nicht wiederholbar „ausgelöscht“, aber zur partiellen Dokumentation filmisch aufgezeichnet.

Heiner Blum in der Ausstellung „Hidden Stories“, Foto: Petra Kammann

Heiner Blum installierte für 24 Stunden eine Videokamera mit Festeinstellung, verbunden mit einem Zeitsignal, am oberen Balkon des Kaufhofs an der Zeil über dem vielfrequentierten Ausgang der S-und U-Bahnstation Hauptwache. Die Aufnahmen der Soundcollage und des Videosignals waren zeitsynchron miteinander verbunden und wurden in einer Installation im Sendesaal und Foyer des hr präsentiert.

Soweit also die Künstler und Künstlerinnen der Gruppenausstellung „Flüchtige Verfestigung“.

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