„Hör mir mal zu!“ – Über die bereichernde Sprache und das Miteinander
Zuhören, Falschlesen und bereichernde Missverständnisse
von Petra Kammann
Menschen gehen mit Knöpfen in den Ohren spazieren und Podcasts erleben ungeahnte Hypes. Führt das zu besserem Zuhören? Und gehen die Menschen deswegen auch besser aufeinander ein und miteinander um? Die Autorin Regina Schwarz, bekannt für ihre nachdenkenswerte Sprachlyrik, bekam 2024 für ihre phantasieanregende Gedichtesammlung „Meine Geheimschublade“ (Schweizerisches Jugendschriftenwerk) nicht umsonst den Josef Guggenmoos-Preis für Kinderlyrik. Nun hat sich die erfahrene Autorin, die die Fragen der Kinder ernst nimmt, mit dem Zuhören, Mitteilen und Verstehen beschäftigt. Gerade erschien ihr neuestes Buch „Hör mir mal zu!“

Die Doppelseite über Missverständnisse und Nachfragen aus „Hör mir mal zu!“
Auf 12 Doppelseiten beleuchtet Regina Schwarz gemeinsam mit der in Tokyo aufgewachsenen Illustratorin Yayo Kawamura nun verschiedene Aspekte zum Thema Kommunikation und deren Zustandekommen. Und wie so oft beim Zuhören, geht es hier in Zwiegesprächen durchaus auch um diverse und bisweilen lustige Missverständnisse, die uns zum Schmunzeln bringen.
Wer verstanden hat, dass Missverständnisse aber nichts Schlimmes sein müssen, wenn man sie nur bald aufklärt, der hat dabei noch seinen Spaß und achtet künftig mehr noch auf die lautlichen Feinheiten der Sprache.
Die Autorin führt uns auch vor Augen, wie wir uns mitteilen. Da ist die Körpersprache, köstlich von Kawamura in Szene gesetzt, durchaus vielsagend, gleich, ob wir betrübt die Schultern hängen lassen oder vor Freude tanzen oder eine Blitzidee haben. Und dann gibt es wiederumn so manchen Wortsalat, den man irgendie entwirren muss. Und da heißt das Zauberwort dann schlicht: Nachfragen.
Hören, Zuhören, Lesen und auf das Gehörte reagieren schafft Vertrauen und Kommunikation. Sie bilden gemeinsam eine wichtige Voraussetzung für Informationsaufnahme und Informationsfluss. Das positiv zu erleben, fängt schon bei den Kindern an.
Da geht zum Beispiel Lisa mit dem nicht mehr so gut hörenden Opa spazieren. Unterwegs treffen sie Herrn Wilsing. Opa begrüßt ihn mit: „Guten Tag Herr Wirsing“. Der rauft sich darauf die Haare und Lisa hält sich ein Auge zu und schaltet auf Durchzug. Wie peinlich!.
Und was wird daraus? Es hat Lisa und Opa auf die Idee gebracht, einen Wirsing auf dem Markt zu kaufen. Nur so rein zufällig. Da staunt die Mutter, während sich die verschmitzten Blicke von Lis und Opa treffen. Auch das ist Kommuniukation.
Köstliche Missverständnisse, die uns schmunzeln machen, Doppelseite aus dem Buch
So, wie in der Bäckerei auf einer Tafel steht: „Belecktes Brötchen!“ Nee, das will Lisa auf keinen Fall, nicht mal, wenn ihr Hund „Chico daran geleckt hätte“… Opa klärt sie darüber auf, dass ein gut belegtes Brötchen lecker ist…
Ob er sich da in die Lage des Schreibenden versetzt hat und der Enkeltochter die Finten der deutschen Sprache nahebringen will? Ja, Rückfragen, manchmal auch Ablehnungen bringen oft weiter. Man muss ja nicht Baby Schimmerlos bleiben und andere wegen falsch Verstandenem verteufeln.
Eigentlich auch ein wunderbares Buch für Erwachsene, vor allem für die politisch ganz Korrekten, die ihre Kinderphantasien mit anarchischen Empfindungen gründlich verdrängt haben wie, wenn beim Marmorkuchen vom „Tigerkaka“ die Rede ist und sich die Hauskatze an den Kuchen macht! Im Kinderbuch ist es eben erlaubt. Vorausgesetzt, die Einsprüche sind gewitzt.
Das Buch ist im Verlag Beltz & Gelberg schienen und kostet 16 Euro.


