20 Jahre UNART: der Jugendwettbewerb für multimediale Performance
Spiel-Räume für Einfallsreichtum und Kreativität
Zur Förderung der Kreativität von Kindern und Jugendlichen hatte die Oddo BHF Stiftung 2007 den Wettbewerb „UNART – Jugendwettbewerb für multimediale Performances“ ins Leben gerufen. Bei dem zweijährig veranstalteten Projekt entwickeln Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren kurze Performances zu Themen ihrer Wahl und Lebenswelt, indem sie alle Sparten der darstellenden Künste miteinander kombinieren. Dabei arbeitet die Stiftung mit drei großen Theatern zusammen, die den Wettbewerb ausschreiben und auf die Bühne bringen: dem Schauspiel Frankfurt, dem Thalia Theater Hamburg und dem Staatsschauspiel Dresden. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums am 29. April 2026 hielt Prof. Dr. Verena Metze-Mangold im Bockenheimer Depot folgende Rede, die sich mit dem schillernden Begriff UNART auseinandersetzt.

v.l.n.r.: Moderatorin Joy Owie, Laudatorin Prof. Dr. Verena Metze-Mangold und Moderator Lenz Leuenroth, Foto: Petra Kammann
WAS für ein Wort: UNART! Lassen Sie sich dieses Wort mal auf der Zunge zergehen. Was da mitschwingt?

Martina Droste, Leiterin Junges Schauspiel Frankfurt, berichtet von der Notwendigkeit, Jugendliche bei der Darstellung zu unterstützen, Foto: Petra Kammann
»Unbotmäßig!«, mindestens; aber auch »Ungehörig!«, nicht selten: »Ungezogen!«, – und im gesellschaftlichen Subtext heißt das dann: »Unstatthaft!«. Freud hätte gesagt: abnorm. Eben: außerhalb der Norm.
Wer je zu hören bekam: »Das ist eine UNART, die Du Dir schleunigst abgewöhnen solltest« weiß, dass das eigene Verhalten nicht gerade auf Billigung stößt. Eine Eigenart, die eine schlechte Gepflogenheit ist. Bestenfalls eine Marotte. Eine Schrulle. In Großbritannien würde man sagen: ein Tick -: Meine Damen und Herren: Ich sage nicht, dass ein Tick in Großbritannien nicht gesellschaftsfähig wäre. Ganz im Gegenteil.
Aber in Deutschland? Jedenfalls nicht preisverdächtig! Un-denkbar!
Viel zu sehr signalisiert die UNART Aufsässigkeit, Frechheit, Ungezogenheit, ja Trotz. Sie ist widerborstig, widerspenstig, widersetzlich – was heißt, gegen die Ordnung gesetzt –, nicht selten auch noch ungebärdig, ungeschliffen – wie sie so daher kommt– und damit schlechterdings: eine nicht statthafte UNSITTE. ….
Doch es ist nicht so schwer, den Vorhang unserer Urteile aufzureißen und unsere Wahrnehmung zu schulen!
Meine Damen und Herren: Wäre es nicht eine kluge ART, das »Un-« der »UnART« von der »Art« zu trennen und und neu zu verbinden? Und damit gleichsam etwas Neues kunstvoll einzuüben? Etwa in: »Un-gewohnt!«; ja, das ist es, zweifellos. Oder »Ungehalten!«
Denken Sie nur an die »Ungehaltene(n) Reden ungehaltener Frauen«, ein Quell der Einsicht. der unvergessenen Autorin Christine Brückner.(1921 † 1996 l)
Und was sucht der moderne Konzertbesucher? Ist es nicht das »Un-gehörte!« zu hören, und dadurch das »Un-erhörte« der Musik in sich zum Klingen zu bringen? Was der Museumsbesucher: das »Un-gesehene« zu sehen, sehen zu lernen, um nicht einfach alles »unbesehen« durchzuwinken. Vielmehr: „Die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen“ (wie es Marx einmal sagte) in der Erfahrung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen!
Was sich so öffnet, ist ein Spielraum. EineSpielzeit. EinSpielraum für UNART, den Jugendwettbewerb für multimediale Performances. Eine Spielzeit für Jugendliche an deutschen Bühnen in Frankfurt, Hamburg, Dresden und Berlin.
Ich gratuliere allen, die seit 20 Jahren an diesem Projekt beteiligt waren! Und allen die heute hier sind!
Ich beglückwünsche Sie, Philippe Oddo, für Ihren Mut! Und die deutsch-französische ODDO Bank und ihre Stiftung zu dieser Brutstätte an Einfallsreichtum und Kreativität! Wenn diese deutsch-französische Achse so blendend funktioniert, lässt das hoffen für die Zukunft eines kreativen Europas!
ZUM HINTERGRUND
Als 2018 der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e. V.mit seinen Partnern Handelsblatt und ZDF den Deutschen Kulturförderpreis vergeben wurde, war der Gewinner des Deutschen Kulturförderpreises UNART. Diese bundesweit einzigartige Auszeichnung würdigte innovative Kulturförderprojekte von Unternehmen aller Größen und Branchen sowie unternehmensnaher Stiftungen. Und da traf sich die Zielsetzung der Oddo Bank BHF Stiftung mit dem Kulturförderpreis: Beide wollten innovative Perspektiven und neue Blickachsen entdecken und fördern.

Sonja Peichl, Geschäftsführerin Oddo BHF Stiftung, auf der Bühne des Bockenheimer Depot Ihre Rede: s.u., Foto: Petra Kammann
2018 hatten sich rund 80 Bewerber mit ihren Projekten.beteiligt. Die von einer renommierten Jury unter Vorsitz des ehemaligen Deutsch Bankers Clemens Börsig ausgewählten drei Preisträger wurden damals im Rahmen einer festlichen Gala in der Berliner Niederlassung der DZ BANK AG bekannt gegeben und ausgezeichnet. Die BHF BANK Stiftung der Oddo Bank erhielt den Preis in der Kategorie »Große Unternehmen« . Auf Einladung des Juryvorsitzenden hatte Prof. Dr. Verena Metze-Mangold einerzeit die Laudatio gehalten. Die Journalistin, Politikwissenschaftlerin, Autorin, Honorarprofessorin und Präsidentin a. D. der Deutschen UNESCO-Kommission konnte ihre Erfahrungen einbringen.

← Zehn Jahre lang hatte Verena Metze-Mangold die Evangelische Medien-Akademie in Frankfurt geleitet. Als Bereichsleiterin in der Intendanz des Hessischen Rundfunks verantwortete sie die Kommunikation, war ARD-Sprecherin in der Zeit der deutschen Einheit, baute Medienforschung, Marketing, Neue Medien und Filmförderung auf. Von 2001 bis 2009 vertrat sie Deutschland im Zwischenstaatlichen Rat „Information for All“ der UNESCO, war Stiftungsratsvorsitzende der Stiftung Digitale Chancen (SDC) und ist heute Vorständin der Stiftung Digitale Chancen.
Heute ist sie ist stellvertretende Vorsitzende des Think Tanks „Bergweg-Forum Denken der Zukunft e.V. „, Mitglied des Kuratoriums der Candid-Foundation, Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission, des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) sowie des Forschungsbeirats des ifa, der das Auswärtige Amt berät. Sie lehrt Politische Kommunikation und Internationales Recht an der Hochschule für Wirtschaft und Technologie (HTW) in Berlin. Außerdem ist sie bundesweit als Kommunikationsberaterin und -Trainerin tätig.
Weitere Informationen unter:
https://www.schauspielfrankfurt.de/
Anbei auch die Begrüßungsrede von Sonja Peichl, Geschäftsführerin Oddo BHG Stiftung :
