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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

30 Jahre Kooperation Yehudi Menuhin Live Music Now e.V. (LVMN) und Hochschule für Musik und Darstellende Künste

„Herz über Kopf“- Ein besonderes Jubiläumskonzert

„Musik heilt, Musik tröstet, Musik bringt Freude“ Yehudi Menuhin

Dem Violinisten, Bratschisten und Dirigenten Yehudi Menuhin, der sich jahrzehntelang persönlich für Völkerverständigung, Frieden und Menschenrechte einsetzte, lag immer auch die Förderung junger, talentierter Künstler am Herzen. Mit der Gründung der Organisation Live Music Now verband er diese beiden Anliegen, um damit junge Musikerinnen und Musiker zu fördern und ihnen die Gelegenheit zu geben, sich in der Kunst des Vortragens zu üben und den Kontakt zum Publikum zu finden. In der Mainmetropole wurde Yehudi Menuhin Live Music Now Frankfurt am Main e.V. 1996 gegründet. Das 30-jährige Jubiläum wird nun mit einem festlichen Konzert begangen, dessen Besetzung die gewachsene Partnerschaft eindrucksvoll widerspiegelt.

Hans Christian Aavik, ehemaliger Stipendiat von Live Music Now und heute Vertretungsprofessor für Violine an der HfMDK im Jubiläumskonzert, Foto: Susann Koomaegi

Seit der Gründung von Live Music Now 1977 in London organisieren zahlreiche Vereine in England, Deutschland, Österreich und der Schweiz eintrittsfreie Konzerte in sozialen Einrichtungen wie zum Beispiel in Krankenhäusern, Altenheimen, Behindertenstätten Gefängnissen oder Flüchtlingsheimen. Für die Zuhörer ist die Musik oft eine heilende Brücke der Kommunikation. „Das Hören auf andere Stimmen, Gegenstimmen und Dissonanzen – die Regeln der Musik spiegeln das Leben selbst.“ (Yehudi Menuhin)

Gespielt werden diese nicht-öffentlichen Konzerte von jungen Musikerinnen und Musikern, die nicht nur sehr begabt sind, sondern auch das Interesse, die Sensibilität und die Ausstrahlung für das Konzertieren in der jeweiligen Umgebung besitzen.

Yehudi Menuhin Live Music Now arbeitet eng mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main zusammen, wo die Musiker von einer Jury, bestehend aus Hochschulprofessoren, nach strengen musikalischen Kriterien ausgewählt und in die Förderung aufgenommen werden. Für ihre Auftritte erhalten die Künstler ein aus Spendengeldern finanziertes Stipendium.

Live Music Now setzt sich seit jeher für die Förderung junger Musiker*innen ein und bringt Musik in soziale Einrichtungen – getragen ausschließlich durch Spenden. In Deutschland ist die Organisation mittlerweile in 20 Städten und Regionen tätig.

Mit Hans Christian Aavik steht zum Jubiläumskonzert ein Künstler auf der Bühne, der die Förderung des Vereins als ehemaliger Stipendiat von Live Music Now selbst erfahren hat und heute als Vertretungsprofessor für Violine an der HfMDK arbeitet. Er interpretiert Max Bruchs Vio­lin­kon­zert in g-Moll op. 26 – ein Werk, das seit sei­ner Ur­auf­füh­rung 1868 nichts von sei­ner Strahl­kraft ver­lo­ren hat. Be­glei­tet wird er dabei vom Sym­pho­nie­or­ches­ter der HfMDK unter der Leitung von Michael Sanderling. 

Das Vio­lin­kon­zert gilt als In­be­griff ro­man­ti­scher Klang­kunst: mit­rei­ßend in sei­ner Dra­ma­tik, von gro­ßer me­lo­di­scher Aus­drucks­kraft und ge­prägt von ei­ner tief emp­fun­de­nen Sehn­sucht. Be­son­ders der in­ni­ge zwei­te Satz, der naht­los aus dem ers­ten her­vor­geht, be­rührt mit sei­ner zar­ten Sang­lich­keit – ein Mo­ment stil­ler In­ten­si­tät –, der zu den schöns­ten Ein­ge­bun­gen der Vio­lin­kon­zert­li­te­ra­tur zählt.

Das Fi­na­le schließ­lich ent­facht ein bril­lan­tes Feu­er­werk vir­tuo­ser En­er­gie. Ob­wohl Bruchs um­fang­rei­ches Œu­vre heu­te weit­ge­hend in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten ist, hat sich die­ses Kon­zert ei­nen fes­ten Platz im in­ter­na­tio­na­len Re­per­toire ge­si­chert und zählt zu den be­lieb­tes­ten Vio­lin­kon­zer­ten über­haupt.

Mit Pjotr Il­jitsch Tschai­kow­skys Sin­fo­nie Nr. 5 e-moll op. 64 wiederum er­hält der Abend eine zwei­te gro­ße emo­tio­na­le Di­men­si­on. Durch­zo­gen von ei­nem im­mer wie­der­keh­ren­den „Schick­sals­mo­tiv“, ent­fal­tet sich durch alle vier Sät­ze eine mu­si­ka­li­sche Er­zäh­lung von Zwei­fel, Hoff­nung und tri­um­pha­ler Über­win­dung. Zwi­schen düs­te­rer Klang­far­be, zar­ter Ly­rik und erup­ti­ver Dra­ma­tik for­dert die Sin­fo­nie den gan­zen Aus­drucks­reich­tum des Or­ches­ters – und be­lohnt das Publikum mit über­wäl­ti­gen­der In­ten­si­tät.

Be­mer­kens­wert ist, dass bei­de Kom­po­nis­ten ein am­bi­va­len­tes Ver­hält­nis zu ih­ren Wer­ken hat­ten – Pu­bli­kum und Mu­si­ker*in­nen je­doch ha­ben inzwischen längst ihr Ur­teil ge­fällt: So­wohl Bruchs Vio­lin­kon­zert als auch Tschai­kow­skys Fünf­te zäh­len heu­te zu den meist­ge­spiel­ten Wer­ken der Kon­zert­li­te­ra­tur – ge­liebt vom Pu­bli­kum, ge­schätzt von Ge­nera­tio­nen von In­ter­pret*in­nen.

Am 18. April er­war­tet das Pu­bli­kum im hr-Sen­de­saal mit die­sen zwei Meis­ter­wer­ken der Ro­man­tik ein Kon­zert­abend vol­ler Lei­den­schaft, Aus­druck und mu­si­ka­li­scher In­ten­si­tät – ein Fest der Mu­sik, das Herz und Ver­stand glei­cher­ma­ßen be­rührt: HERZ ÜBER KOPF eben.

Das Jubiläumskonzert 

18. April 2026, 19.30 Uhr im hr-Sendesaal

Bertramstraße 8, 60320 Frankfurt am Main

Max Bruch (1838-1920): 1. Violinkonzert g-Moll op. 26
Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893): Sinfonie Nr. 5 e-Moll, op. 64

Hans Christian Aavik, Violine, Leitung Michael Sanderling

 Die Ver­an­stal­tung fin­det in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Kul­tur­part­ner hr2 Kul­tur statt.

 

Hans Chris­ti­an Aa­vik

Hans Chris­ti­an Aa­vik, 1998 in Tal­linn ge­bo­ren, be­gann im Al­ter von fünf Jah­ren mit Vio­linun­ter­richt. 2017 zog er nach Deutsch­land, um an der Hoch­schu­le für Mu­sik und Dar­stel­len­de Kunst Frank­furt (HfMDK) bei Erik Schu­mann und Kam­mer­mu­sik bei An­ge­li­ka Merk­le zu stu­die­ren. Er ist Ge­win­ner des In­ter­na­tio­na­len Carl-Niel­sen-Vio­lin­wett­be­werbs 2022 und gilt als ei­ner der viel­ver­spre­chends­ten jun­gen Gei­ger sei­ner Ge­nera­ti­on. Als So­list ist er in Est­land eta­bliert und tritt in­ter­na­tio­nal u. a. in der Wig­mo­re Hall, der Elb­phil­har­mo­nie, der Ton­hal­le Zü­rich und der Car­ne­gie Hall auf. Hans Chris­ti­an Aa­vik spielt auf ei­ner sel­te­nen Gio­van­ni-Pao­lo-Mag­gi­ni-Vio­li­ne (um 1610) und ei­nem Vic­tor-Fé­tique-Bo­gen, eine Leih­ga­be der Est­ni­schen Stif­tung für Mu­sik­in­stru­men­te und der Fa­mi­lie Sa­pož­nin.

Zu sei­nen jüngs­ten Pro­jek­ten zäh­len Auf­trit­te mit dem Es­to­ni­an Fes­ti­val Or­ches­tra un­ter Paa­vo Jär­vi, eine ei­ge­ne Mo­zart-Rei­he so­wie zahl­rei­che Kon­zert­de­büts mit re­nom­mier­ten Or­ches­tern.  Seit Be­ginn der Sai­son 2025/26 ist er „Young Ar­tist in Fo­cus“ beim Würt­tem­ber­gi­schen Kam­mer­or­ches­ter Heil­bronn. Au­ßer­dem hat er seit dem Win­ter­se­mes­ter 25/26 eine Ver­tre­tungs­pro­fes­sor für Vio­li­ne an der HfMDK inne.

Lei­ter des Sym­pho­nie­or­ches­ters der HfMDK Mi­cha­el San­der­ling, Foto: Marco Borgre

Mi­cha­el San­der­ling

Mi­cha­el San­der­ling ist seit der Sai­son 2021/2022 Chef­di­ri­gent des Lu­zer­ner Sin­fo­nie­or­ches­ters, zu­vor hat­te er von 2011 bis 2019 die Chef­po­si­ti­on bei der Dresd­ner Phil­har­mo­nie inne. Gas­t­enga­ge­ments führ­ten ihn u. a. zu den Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­kern, zum WDR Sin­fo­nie­or­ches­ter, SWR Sym­pho­nie­or­ches­ter, Ton­hal­le-Or­ches­ter Zü­rich, Con­cert­ge­bou­wor­kest Ams­ter­dam, Or­ches­t­re de Pa­ris, NHK Sym­pho­ny Or­ches­tra oder zum To­ron­to Sym­pho­ny Or­ches­tra. Eine be­son­ders enge Zu­sam­men­ar­beit ver­bin­det ihn mit dem Ge­wand­haus­or­ches­ter Leip­zig und dem Kon­zert­haus­or­ches­ter Ber­lin.

Sei­ne Mu­si­ker­kar­rie­re be­gann er als So­lo­cel­list des Ge­wand­haus­or­ches­ters Leip­zig und an­schlie­ßend des Rund­funk-Sin­fo­nie­or­ches­ters Ber­lin, be­vor er sei­nen Fo­kus aufs Di­ri­gie­ren leg­te.

Als lei­den­schaft­li­cher För­de­rer der jun­gen Mu­si­ker*in­nen­ge­nera­ti­on un­ter­rich­tet er seit 1998 an der HfMDK Frank­furt und ar­bei­tet re­gel­mä­ßig mit nam­haf­ten deut­schen Ju­gend­or­ches­tern zu­sam­men. Zum Win­ter­se­mes­ter 2023/2024 hat er die mu­si­ka­li­sche Lei­tung des Sym­pho­nie­or­ches­ters der HfMDK über­nom­men.

Das Or­ches­ter gas­tiert re­gel­mä­ßig auch au­ßer­halb der Hoch­schu­le, so im Sen­de­saal des Hes­si­schen Rund­funks, in der Hei­lig-Geist-Kir­che in Frank­furt, in der Ba­si­li­ka Klos­ter Eber­bach beim Rhein­gau Mu­sik Fes­ti­val oder in der Al­ten Oper Frank­furt.

HfMDK Sym­pho­nie­or­ches­ter

Es ist ein be­son­de­res En­sem­ble, das Sym­pho­nie­or­ches­ter der HfMDK. Denn die Be­set­zung wech­selt. Stu­die­ren­de fin­den im Rah­men der künst­le­ri­schen In­stru­men­tal­aus­bil­dung im­mer wie­der neu zu ei­nem ho­mo­ge­nen Klang­kör­per zu­sam­men. Sie ler­nen das Mit­ein­an­der­mu­si­zie­ren und er­ar­bei­ten ein sti­lis­tisch breit ge­fä­cher­tes Re­per­toire. Am Ende ei­ner Ar­beits­pha­se steht meist ein Kon­zert, um in Dia­log mit dem Pu­bli­kum zu tre­ten, oder die Auf­nah­me für eine ima­gi­nä­re Zu­hö­rer­schaft.

Mu­si­ka­li­scher Lei­ter ist seit dem Win­ter­se­mes­ter 2023/24 Prof. Mi­cha­el San­der­ling.

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Zur Finanzierung der kostenfreien Konzerte in den sozialen Einrichtungen ist Yehudi MenuhinLive Music Now auf Spenden angewiesen; der Verein finanziert sich ausschließlich aus Spenden, ist als gemeinnützig anerkannt und berechtigt, Spendenbescheinigungen zu erstellen. Alle Mitglieder von LMN sind ehrenamtlich tätig;Auch im Rahmen des Jubiläumskonzerts wird um Unterstützung dieser wichtigen Arbeit gebeten. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Kulturpartner hr2 Kultur statt.

Helfen auch Sie! Helfen Sie uns, anderen eine Freude zu bereiten in Lebensumständen, die unser Mitgefühl und unsere tätige Hilfe fordern.

Tickets ab 15 Euro

https://www.hr-ticketcenter.de/tickets-herz-ueber-kopf-in-frankfurt-am-main-hr-sendesaal-am-18-4-2026/e2520968

Spendenkonto

Yehudi Menuhin Live Music Now
Frankfurt am Main e.V.
Deutsche Bank
IBAN: DE77 5007 0010 0069 6963 00
BIC: DEUTDEFFXXX

auch per Paypal möglich

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