30 Jahre Kooperation Yehudi Menuhin Live Music Now e.V. (LVMN) und Hochschule für Musik und Darstellende Künste
„Herz über Kopf“- Ein besonderes Jubiläumskonzert
„Musik heilt, Musik tröstet, Musik bringt Freude“ Yehudi Menuhin
Dem Violinisten, Bratschisten und Dirigenten Yehudi Menuhin, der sich jahrzehntelang persönlich für Völkerverständigung, Frieden und Menschenrechte einsetzte, lag immer auch die Förderung junger, talentierter Künstler am Herzen. Mit der Gründung der Organisation Live Music Now verband er diese beiden Anliegen, um damit junge Musikerinnen und Musiker zu fördern und ihnen die Gelegenheit zu geben, sich in der Kunst des Vortragens zu üben und den Kontakt zum Publikum zu finden. In der Mainmetropole wurde Yehudi Menuhin Live Music Now Frankfurt am Main e.V. 1996 gegründet. Das 30-jährige Jubiläum wird nun mit einem festlichen Konzert begangen, dessen Besetzung die gewachsene Partnerschaft eindrucksvoll widerspiegelt.

Hans Christian Aavik, ehemaliger Stipendiat von Live Music Now und heute Vertretungsprofessor für Violine an der HfMDK im Jubiläumskonzert, Foto: Susann Koomaegi
Seit der Gründung von Live Music Now 1977 in London organisieren zahlreiche Vereine in England, Deutschland, Österreich und der Schweiz eintrittsfreie Konzerte in sozialen Einrichtungen wie zum Beispiel in Krankenhäusern, Altenheimen, Behindertenstätten Gefängnissen oder Flüchtlingsheimen. Für die Zuhörer ist die Musik oft eine heilende Brücke der Kommunikation. „Das Hören auf andere Stimmen, Gegenstimmen und Dissonanzen – die Regeln der Musik spiegeln das Leben selbst.“ (Yehudi Menuhin)
Gespielt werden diese nicht-öffentlichen Konzerte von jungen Musikerinnen und Musikern, die nicht nur sehr begabt sind, sondern auch das Interesse, die Sensibilität und die Ausstrahlung für das Konzertieren in der jeweiligen Umgebung besitzen.
Yehudi Menuhin Live Music Now arbeitet eng mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main zusammen, wo die Musiker von einer Jury, bestehend aus Hochschulprofessoren, nach strengen musikalischen Kriterien ausgewählt und in die Förderung aufgenommen werden. Für ihre Auftritte erhalten die Künstler ein aus Spendengeldern finanziertes Stipendium.
Live Music Now setzt sich seit jeher für die Förderung junger Musiker*innen ein und bringt Musik in soziale Einrichtungen – getragen ausschließlich durch Spenden. In Deutschland ist die Organisation mittlerweile in 20 Städten und Regionen tätig.
Mit Hans Christian Aavik steht zum Jubiläumskonzert ein Künstler auf der Bühne, der die Förderung des Vereins als ehemaliger Stipendiat von Live Music Now selbst erfahren hat und heute als Vertretungsprofessor für Violine an der HfMDK arbeitet. Er interpretiert Max Bruchs Violinkonzert in g-Moll op. 26 – ein Werk, das seit seiner Uraufführung 1868 nichts von seiner Strahlkraft verloren hat. Begleitet wird er dabei vom Symphonieorchester der HfMDK unter der Leitung von Michael Sanderling.
Das Violinkonzert gilt als Inbegriff romantischer Klangkunst: mitreißend in seiner Dramatik, von großer melodischer Ausdruckskraft und geprägt von einer tief empfundenen Sehnsucht. Besonders der innige zweite Satz, der nahtlos aus dem ersten hervorgeht, berührt mit seiner zarten Sanglichkeit – ein Moment stiller Intensität –, der zu den schönsten Eingebungen der Violinkonzertliteratur zählt.
Das Finale schließlich entfacht ein brillantes Feuerwerk virtuoser Energie. Obwohl Bruchs umfangreiches Œuvre heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist, hat sich dieses Konzert einen festen Platz im internationalen Repertoire gesichert und zählt zu den beliebtesten Violinkonzerten überhaupt.
Mit Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Sinfonie Nr. 5 e-moll op. 64 wiederum erhält der Abend eine zweite große emotionale Dimension. Durchzogen von einem immer wiederkehrenden „Schicksalsmotiv“, entfaltet sich durch alle vier Sätze eine musikalische Erzählung von Zweifel, Hoffnung und triumphaler Überwindung. Zwischen düsterer Klangfarbe, zarter Lyrik und eruptiver Dramatik fordert die Sinfonie den ganzen Ausdrucksreichtum des Orchesters – und belohnt das Publikum mit überwältigender Intensität.
Bemerkenswert ist, dass beide Komponisten ein ambivalentes Verhältnis zu ihren Werken hatten – Publikum und Musiker*innen jedoch haben inzwischen längst ihr Urteil gefällt: Sowohl Bruchs Violinkonzert als auch Tschaikowskys Fünfte zählen heute zu den meistgespielten Werken der Konzertliteratur – geliebt vom Publikum, geschätzt von Generationen von Interpret*innen.
Am 18. April erwartet das Publikum im hr-Sendesaal mit diesen zwei Meisterwerken der Romantik ein Konzertabend voller Leidenschaft, Ausdruck und musikalischer Intensität – ein Fest der Musik, das Herz und Verstand gleichermaßen berührt: HERZ ÜBER KOPF eben.
Das Jubiläumskonzert
Bertramstraße 8, 60320 Frankfurt am Main
Max Bruch (1838-1920): 1. Violinkonzert g-Moll op. 26
Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893): Sinfonie Nr. 5 e-Moll, op. 64
Hans Christian Aavik, Violine, Leitung Michael Sanderling
Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Kulturpartner hr2 Kultur statt.
Hans Christian Aavik
Hans Christian Aavik, 1998 in Tallinn geboren, begann im Alter von fünf Jahren mit Violinunterricht. 2017 zog er nach Deutschland, um an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK) bei Erik Schumann und Kammermusik bei Angelika Merkle zu studieren. Er ist Gewinner des Internationalen Carl-Nielsen-Violinwettbewerbs 2022 und gilt als einer der vielversprechendsten jungen Geiger seiner Generation. Als Solist ist er in Estland etabliert und tritt international u. a. in der Wigmore Hall, der Elbphilharmonie, der Tonhalle Zürich und der Carnegie Hall auf. Hans Christian Aavik spielt auf einer seltenen Giovanni-Paolo-Maggini-Violine (um 1610) und einem Victor-Fétique-Bogen, eine Leihgabe der Estnischen Stiftung für Musikinstrumente und der Familie Sapožnin.
Zu seinen jüngsten Projekten zählen Auftritte mit dem Estonian Festival Orchestra unter Paavo Järvi, eine eigene Mozart-Reihe sowie zahlreiche Konzertdebüts mit renommierten Orchestern. Seit Beginn der Saison 2025/26 ist er „Young Artist in Focus“ beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn. Außerdem hat er seit dem Wintersemester 25/26 eine Vertretungsprofessor für Violine an der HfMDK inne.

Leiter des Symphonieorchesters der HfMDK Michael Sanderling, Foto: Marco Borgre
Michael Sanderling
Michael Sanderling ist seit der Saison 2021/2022 Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters, zuvor hatte er von 2011 bis 2019 die Chefposition bei der Dresdner Philharmonie inne. Gastengagements führten ihn u. a. zu den Berliner Philharmonikern, zum WDR Sinfonieorchester, SWR Symphonieorchester, Tonhalle-Orchester Zürich, Concertgebouworkest Amsterdam, Orchestre de Paris, NHK Symphony Orchestra oder zum Toronto Symphony Orchestra. Eine besonders enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Gewandhausorchester Leipzig und dem Konzerthausorchester Berlin.
Seine Musikerkarriere begann er als Solocellist des Gewandhausorchesters Leipzig und anschließend des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, bevor er seinen Fokus aufs Dirigieren legte.
Als leidenschaftlicher Förderer der jungen Musiker*innengeneration unterrichtet er seit 1998 an der HfMDK Frankfurt und arbeitet regelmäßig mit namhaften deutschen Jugendorchestern zusammen. Zum Wintersemester 2023/2024 hat er die musikalische Leitung des Symphonieorchesters der HfMDK übernommen.
Das Orchester gastiert regelmäßig auch außerhalb der Hochschule, so im Sendesaal des Hessischen Rundfunks, in der Heilig-Geist-Kirche in Frankfurt, in der Basilika Kloster Eberbach beim Rheingau Musik Festival oder in der Alten Oper Frankfurt.
HfMDK Symphonieorchester
Es ist ein besonderes Ensemble, das Symphonieorchester der HfMDK. Denn die Besetzung wechselt. Studierende finden im Rahmen der künstlerischen Instrumentalausbildung immer wieder neu zu einem homogenen Klangkörper zusammen. Sie lernen das Miteinandermusizieren und erarbeiten ein stilistisch breit gefächertes Repertoire. Am Ende einer Arbeitsphase steht meist ein Konzert, um in Dialog mit dem Publikum zu treten, oder die Aufnahme für eine imaginäre Zuhörerschaft.
Musikalischer Leiter ist seit dem Wintersemester 2023/24 Prof. Michael Sanderling.
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Zur Finanzierung der kostenfreien Konzerte in den sozialen Einrichtungen ist Yehudi MenuhinLive Music Now auf Spenden angewiesen; der Verein finanziert sich ausschließlich aus Spenden, ist als gemeinnützig anerkannt und berechtigt, Spendenbescheinigungen zu erstellen. Alle Mitglieder von LMN sind ehrenamtlich tätig;Auch im Rahmen des Jubiläumskonzerts wird um Unterstützung dieser wichtigen Arbeit gebeten. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Kulturpartner hr2 Kultur statt.
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