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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Elisabeth-Norgall-Preis für Martina Böhmer

Die Traumaforscherin für ältere Frauen

In Erinnerung an die Clubgründerin des International Women’s Club  e.V. (IWC) wird alljährlich der Elisabeth-Norgall-Preis an eine Frau verliehen, die sich in besonderer Weise für die Belange und Probleme von Frauen einsetzt. In diesem Jahr wählte das Elisabeth-Norgall-Kommittee Martina Böhmer als Preisträgerin, weil sie sich für  traumatisierte Frauen im Alter engagiert. Sie möchte die Lebensbedingungen und das Wohlbefinden älterer Frauen verbessern, indem sie  ihnen eine spezialisierte Traumaberatung anbietet und sie in aktuellen Situationen von Gewalt und/oder Retraumatisierung unterstützt. Bei der Preisverleihung in der Villa Bonn hielt IWC-Vize-Präsidentin Charlotte Weitbrecht die Laudatio.

Die diesjährige Preisträgerin Martina Böhmer, Foto: IWC

Liebe Martina Böhmer, liebe Gäste und Mitstreiterinnen, 

Der heutige Abend steht im Gedenken an unsere Gründerin  Elisabeth Norgall.  Als Dolmetscherin der amerikanischen Besatzer und ihrer Ehefrauen gründete sie 1946 den International Women´s Club.  Ja, unser Club wird tatsächlich in diesem Jahr 80 Jahre alt! Was mit deutsch-amerikanischen Gesprächen begann, ist bis heute auf 56 Nationen im jetzigen Club gewachsen. Wie wir eben schon in der Begrüßungsansprache vonTina Zapf-Rodriguez, Dezernentin  für Klima, Umwelt und Frauen, gehört haben, lag ihr auch das karitative Engagement sehr am Herzen.

IWC-Vizepäsidentin und Laudatorin Charlotte Weitbrecht und  IWC-Präsidentin Yun Kruse, Foto: privat

Die vielen karitativen Tätigkeiten unseres heutigen IWC sind die Fortsetzung davon. Drei ständige Projekte werden von Mitgliedern unseres Clubs durch monatliches Engagement vor Ort begleitet:  Das Seniorenstift Hohenwald bei Kronberg, die Mosaikschule in Frankfurt und das Mädchenbüro Milena in Bockenheim.

Zusätzlich dazu gibt es jährlich ein von der jeweiligen Präsidentin ausgesuchtes Hilfsprojekt, für welches bis zum Ende des Clubjahres Spenden gesammelt werden. Der IWC, so, wie wir ihn heute Abend erleben, ist der Idee unserer Gründerin zu verdanken. Deshalb verleihen wir ihr zu Ehren den Elisabeth-Norgall-Preis.

Und nun nochmal zu Ihnen, liebe Frau Böhmer!

Heute Abend ehren wir Sie für Ihr Engagement traumatisierter Frauen im Alter! Gerne möchte ich für die Anwesenden hier kurz Ihren bisherigen Lebensweg aufzeigen:

Mehr oder weniger durch einen glücklichen Zufall (oder nennen wir es Schicksal?) fanden Sie im Alter von 30 Jahren zu Ihrem Traumberuf, der Altenpflege.

Während Ihrer langjährigen Tätigkeit in der stationären und ambulanten Altenpflege sowie als Leiterin einer geriatrischen Rehabilitationsstation eines Krankenhauses stellten Sie fest, dass viele ältere Frauen in ihrem früheren Leben traumatischen und belastenden Ereignissen ausgesetzt gewesen waren, wie etwa durch Kriegserfahrungen, durch sexualisierte und häusliche Gewalt oder durch erzwungene Migration.  

Alterstypische Belastungen, wie Erkrankungen, Pflegebedürftigkeit und der Verlust von körperlicher und kognitiver Selbstständigkeit können die Erinnerungen an frühere Ohnmachtserfahrungen wieder wachrufen.

Was Sie dabei auch feststellten, war, dass man oftmals mit sehr einfachen und pragmatischen Mitteln diese, für die Frauen belastenden Situationen entschärfen konnte, statt ihnen Psychopharmaka zu verabreichen, um sie ruhig zu stellen. Dazu musste man allerdings wissen, welche traumatischen Ereignisse ihnen in ihrem früheren Leben zugestoßen waren.

Während Ihrer Arbeit in der Altenpflege konnten Sie durch Gespräche mit den betroffenen Frauen erfahren, an welchen früheren Traumata diese heute noch litten. Dieses Thema ließ Sie nicht mehr los!

Musikalische Begleitung des Festakts mit Chopin durch den renommierten chinesischen Pianisten Xi Zhai, der eine Dozentur der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main auch an der Hochschule für Musik Mainz innehat, Foto: IWC

Berufsbegleitend haben Sie sich deshalb kontinuierlich weiter fortgebildet zur Fachberaterin für Psychotraumatologie, für Alterspsychotherapie und für Gerontologie. Alle diese Fortbildungen dauerten jedes Mal mehrere Jahre!

Seitdem sind Sie als Beraterin und Referentin in der Altenhilfe mit Fortbildungen, Vorträgen und Fallsupervisionen tätig. Über mehrere Jahre leiteten Sie zudem eine Gesprächsgruppe für pflegende Angehörige von Menschen mit der Diagnose Demenz.

Um auch Ihre Kollegen als Pflegende dafür zu sensibilisieren, beschlossen Sie, Ihre Erfahrungen aufzuschreiben.

Ihr im Jahr 2000 veröffentlichtes Buch wurde zum bisher einzigen Standardwerk zu diesem Thema und war ein Meilenstein für die Wahrnehmung des Themas in der Öffentlichkeit.

Ich zitiere daraus: „Ich möchte die Lebenssituation und das Wohlbefinden von älteren Frauen durch Traumafachberatung verbessern und sie in aktuellen Gewaltsituationen und/oder Retraumatisierungen unterstützen. Nicht die alten Frauen mit ihren Verhaltensweisen (den Traumafolgen) sind verrückt oder gar dement, sondern sie reagieren auf gewaltige/verrückte Ereignisse in ihren Leben.“ 

2012 gründeten Sie zusammen mit zwei Kolleginnen den Verein Paula e.V. in Köln, eine Beratungsstelle für Frauen ab 60 Jahren, die sich dafür einsetzt, dass alte und hochaltrige Frauen ein Leben ohne Gewalt im Alter leben können.                                                                                                         

Ein Schwerpunkt der Arbeit des Vereins ist die Sensibilisierung und Wissensvermittlung zum Thema Auswirkungen früherer traumatischer Erfahrungen auf das Leben im Alter. Betroffene können hier Traumafachberatung erhalten. Diese kann in der Beratungsstelle selbst oder auch zuhause bei den Frauen oder in Pflegeeinrichtungen innerhalb von Köln stattfinden.

Zusätzlich werden auch Video- oder Telefonberatungen angeboten. Darüber hinaus gibt es auch Beratung für Angehörige von Betroffenen und für Fachpersonal im Gesundheitsbereich, in Frauenberatungsstellen sowie im Altenhilfe- und Pflegesystem.                                                                                                                   

Seit 2013 sind Sie Projektleiterin verschiedener EU- oder Landes- finanzierter Projekte in NRW.

In den Jahren 2016 und 2017 leiteten Sie zudem die Landesfachstelle „Trauma und Leben im Alter“ der Regionalstelle Nordrhein.

Mit der Verleihung des diesjährigen Elisabeth-Norgall Preises möchten wir dazu beitragen, das Thema „Traumabewältigung von Frauen im Alter“ mehr publik zu machen und Sie für Ihre Pionierarbeit auf diesem Gebiet auszeichnen.

v.l.n.r.: Der Pianist Xi Zhai. an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, IWC-Präsidentin Yun Kruse, Preisträgerin Martina Böhmer, Vizepräsidentin Charlotte Weitbrecht, Tina Zapf-Rodriguez, Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen, Foto: IWC

Liebe Frau Böhmer,

es hat uns sehr beeindruckt, wie unbeirrt Sie sich für „Ihr“ Thema einsetzen und wieviel Energie und Zeit Sie für Ihre eigene Weiterbildung für die Traumabewältigung speziell älterer Frauen investiert haben und noch investieren, um dieser meist vernachlässigten Altersgruppe zu helfen!  

Im Namen des International Women´s Clubs Frankfurt überreichen wir Ihnen heute Abend den Elisabeth Norgall Preis 2026! und gratulieren Ihnen herzlichst. 

Herzlichen Glückwunsch und freuen uns, dass wir diesen Abend in so feierlichem, von Musik umrahmten Rahmen mit Ihnen und angeregten Tischgesprächen in der Villa Bonn begehen können!

 

Das Elisabeth-Norgall-Kommittee 2026:

Charlotte Weitbrecht

Anna-Barbara Martens

Béatrice Portoff

Arianna Pavia

Cornelia Klaus

Almuth Kläs

Weitere Infos unter: 

https://www.iwc-frankfurt.de/norgall-preis

http://www.martinaboehmer.dehttps://

paula-ev-koeln.de/ueber-uns/team/

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