„Stricheln und Sticheln“ im Caricatura Salon in Frankfurt
Satire als Seismograph für die Verfasstheit einer Gesellschaft
Von Hans-Bernd Heier
Unsere demokratische Gesellschaft steht vor riesigen Herausforderungen: Wie sichern wir unsere stabile Grundordnung und ein geregeltes Miteinander, das auf humanistischen Grundwerten basiert? Wie gehen wir um mit Rechtspopulismus und Extremismus? Das Caricatura Museum Frankfurt geht in der kleinen, aber feinen Schau „Stricheln und Sticheln – Satire in der Krise der Demokratie“ diesen Fragen zum gegenwärtigen Zustand unserer Demokratie nach und präsentiert exzellente Cartoons, Karikaturen, Texte und satirische Gedichte namhafter zeitgenössischer Vertretern der Komischen Kunst.

Ausstellungsplakat; © Caricatura Museum Frankfurt
„Irgendeine Krise ist immer, denn Angst gehört anscheinend zu unserer Genetik“, schreibt Martin Sonntag, Leiter des Caricatura Museums Frankfurt, in der Begleitbroschüre zur Schau. „Eine solche Relativierung kann allerdings dazu führen, dass eine relevante Krise als solche nicht mehr ernst genommen wird“, wie beispielsweise Ölkrise, Klimakrise oder Krise der Demokratie, “Und am Ende steht wieder die Frage: Wie konnte es nur soweit kommen? Eine Frage, die uns anscheinend ratlos zurücklässt“, so Sonntag weiter.
Hier setzt eindrucksvoll die Caricatura-Schau „Stricheln und Sticheln“ an. Denn Karikaturen sind politische Bildung in prägnantem Kurzformat. Hier werden Komik und satirische Übertreibung zum kritischen Instrument. „In ihrer Überspitzung provozieren sie Haltung und schaffen Raum für lebendigen Meinungsaustausch. Als kritisches Korrektiv ermöglichen sie niederschwelligen Zugang zur politischen Debatte und bieten Orientierung. Als gewaltfreies Instrument können sie dazu beitragen, Tabus zu brechen und extremistische Positionen in ihrer Absurdität zu entlarven. Dabei zeigt Satire wie ein Seismograph die Verfasstheit einer Gesellschaft an: Je freier sie arbeiten kann, desto aufgeklärter ist ihr Umfeld“, betont Kuratorin Irina Kosenko.

Cartoons von Katharina Greve und Greser & Lenz; Foto: Copyright Katharina Greve
Gezeigt werden bis zum 7. Juni 2026 erlesene Arbeiten der Cartoonistin und Comic-Zeichnerin Katharina Greve, der Karikaturisten-Duos Greser & Lenz und Hauck & Bauer sowie satirische Gedichte des Autors Thomas Gsella. Alle sind bestens bekannt durch ihre Veröffentlichungen im Satire-Magazin „TITANIC“. Die mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Könnern zählen zu den renommiertesten Vertretern ihrer Zunft.
Die ursprüngliche Idee zur Ausstellung stammt vom Verein KulturSzene Churfranken RheinMain. Das Caricatura Museum hat das Konzept in Zusammenarbeit mit dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain weiterentwickelt. Die Ausstellung findet nun im Rahmen von World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 statt. Um die Reichweite der Schau zu erhöhen, ist sie als Wanderausstellung konzipiert und soll im Anschluss, wie Dr. Susanne Völker, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, betont, im Rahmen von „80 Jahren Hessen“ als Multiplikator an weiteren Orten in der Region gezeigt werden. So sind weitere Präsentationen u. a. in Hanau, Offenbach Bad Homburg geplant.
In der in sechs Kapiteln gegliederten Ausstellung – Volkssouveränität, Grundrechte, Wahlen, Gewaltenteilung, kritische Öffentlichkeit und unabhängige Medien – regen 37 Cartoons und sieben tiefgründige Gedichte zum kritischen und nachdenklichen Meinungsaustausch ein.
Die ebenso beeindruckende wie humorvolle Schau „Stricheln und Sticheln – Satire in der Krise der Demokratie“ ist bis zum 7. Juni im Caricatura Museum Frankfurt zu sehen.
Ebenfalls bis zum 7. Juni ist auch noch die große Sonderausstellung „Das kann nur Perscheid – Das Beste aus Perscheids Abgründen“ zu genießen
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