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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Warten in Teheran – Warten in Köln

„In the Meantime: A Play Across Two Continents“

Von Simone Hamm

Amineh Aranis semifiktionales Theaterstück über eine erzwungene Trennung

Amineh Arani und und Roxana Samadi, Foto: © Thomas Schäkel

Amineh Arani kommt in einem weiten roten Jumpsuit auf die Bühne, auf der nur zwei Stühle, ein Hocker und ein Tischchen stehen, darauf ein aufgeklappter Laptop. Sie sieht darauf ein Wohnzimmer, einen Mann, ihren Mann, Mohammad Kamal Alavi. Diese ZOOM-Bilder werden vergrößert und an die Wand projiziert.

Er lebt in der gemeinsamen Wohnung in Teheran. Er darf sein Land nicht verlassen. Amineh Arani lebt in Frankreich und Deutschland. Sie hat mitgearbeitet an dem heimlich im Iran gedrehten Films „Die heilige Saat des Feigenbaums“ von Mohammad Rasoulof, der für den Oscar nominiert war. Sie hatte auch eine Nebenrolle gespielt. Weil die Repressalien in ihrem Heimatland unerträglich wurden, verließ sie es.

Amineh Arani wollte diese erzwungene Trennung in einem Theaterstück zeigen. „In the Meantime: A Play Across Two Continents“ haben Amineh Arani und Stefan Otten, die beiden Regisseure, den Abend gennant

Es ist eine Koproduktion des Orangerie Theater Köln und dem Schauspiel Köln.

Der Mann und seine Frau sprechen miteinander, sind uneins, wo der Tisch stehen soll, in der Küche oder im Wohnzimmer? Besser in der Küche. Im Wohnzimmer, nah am Fenster könnten sie zu leicht abgehört werden. Sie hilft ihm schieben. Virtuell. Eine Übersetzerin überträgt das Farsi ins Deutsche.

Amineh Arani trägt nur einen Ohrring. Mohammad Kamal Alavi findet in der Wohnung in Teheran den anderen. „So sind wir“, sagt sie. Sie fragt, ob das kleine Baby Marylin verstanden habe, dass die Mama weggegangen ist, weggehen musste. Sie möchte ein Foto von ihm sehen. Das Foto eines großen, hellbraunen Hundes wird gezeigt.

So hat dieser Abend nicht nur sehr berührende und traurige Momente, sondern auch lustige. Und diese Balance zwischen Tragik und Komik wird den ganzen Abend über gehalten.

Jetzt wurde das Stück in den Spielplan des Schauspiel Köln aufgenommen. Aber wenige Tage nach dem Angriff Israels und der USA auf den Iran ist alles anders geworden. Amineh Arani hat keinen Kontakt mehr zu ihrem Mann.

Dennoch wollten die Schauspieler „In The Meantime – A Play Across Two Continents“ zeigen.

IN THE MEANTIME: A PLAY ACROSS TWO CONTINENTS – Amineh Arani und Roxana Samadi, Foto: © Thomas Schäkel

Zuerst arbeiten sie mit Videos aus den vorhergehenden Aufführungen. Dann bleiben der Laptop und das an die Wand geworfene Bild schwarz.

Roxana Ramadi tritt heraus aus der Übersetzerrolle, umarmt die unruhige Ehefrau. Wir bekommen eine Ahnung davon, was es für sie bedeutet, nicht zu wissen, wie es ihrem Mann geht, wie es den Menschen im Iran geht.

Leise und behutsam bringen Arani und Otten das auf die Bühne. Und wir haben all das im Kopf,  was dort nicht zu sehen ist: Die Bomben auf Teheran, die mutigen Frauen, die „Fau, Leben, Freiheit“ skandierten. Den erneuten Aufstand und wie er blutig niedergeschlagen wird.

Die Übersetzerin und die Ehefrau zitieren aus Samuel Becketts „Warten auf Godot“. Und mehr und mehr wird dieses Theaterstück, das eine Stück tragische Realität gezeigt hat, zu einem absurden Abend. Warten, Hoffen, Bangen.

Trotz alledem ist „In the Meantime – A Play Across Two Continents“ kein hoffnungsloses Stück. Es ist eine Liebesgeschichte über viele tausend Kilometer hinweg.

In the Meantime: A Play Across two Continents von Amineh Arani / Eine Koproduktion des Orangerie Theater und dem Schauspiel Köln
Inszenierung: Amineh Arani, Stefan Otteni | Schauspiel: Amineh Arani, Mohammad Kamal Alavi, Roxana Samadi | Video-Kunst & Film: Shahab Kermani | Visuals: Günes Aksoy | Kostüme: Sarah Kavandi | Video Schnitt: Ehsan Vaseghi | Technik: Simon Kwame | Dramaturgie:

 

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