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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Zerbröselt die Kirchenmusik? Nachdenkliches zum „Aschermittwoch der Künstler und Künstlerinnen“

Musikalische „Tonarten“ der Verkündigung

Von Petra Kammann

Beim „Aschermittwoch der Künstler“, einer liebgewordenen Tradition der katholischen Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg, ging es zum Auftakt der 40-tägigen Fastenzeit, immer wieder um Kunst und Glaube zwischen Tradition und Neubeginn. Eingeladen dazu hatten in diesem Jahr ins Haus am Dom die Direktorin des Dommuseums Dr. Bettina Schmitt wie auch der Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus Prof. Dr. Joachim Valentin sowohl Musiker aus der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen und zu Vortrag und Diskussion über „Tonarten der Verkündigung – über Liturgie und Musik“ den kenntnisreichen Freiburger  Theologen und Musikwissenschaftler Prof. Dr. Meinrad Walter.

Auch die beliebten Bachkantaten stehen in liturgischem Zusammenhang, Foto: Petra Kammann

Eine oft beschriebene Tendenz zog sich durch den Abend. Der Besuch von Bach’schen Passionen und Oratorien unter der Leitung prominenter Dirigenten erfreue sich heute großer und zunehmender Beliebtheit, vor allem aber in den urbanen Zentren. Ganz anders auf dem Lande, da stelle das Erleben von Live-Musik in der Kirche häufig das einzige kulturelle Ereignis dar. Oft auch als mehrstimmiges Ereignis aus Laien, Ehrenamtlichen und Profimusikern.

Die Musik mache kein Aufhebens um sich, so gehörten das Orgelspiel in Kirchenräumen, der Kirchenchor, das Singen von Kirchenliedern, die Aufführungen von Oratorien, Kantaten und Passionen noch zum musikalischen Grundwortschatz, so Schmitt.

Wie aber kann das auf Dauer gelingen, wenn es weder eine spezifische Ausbildung noch eine gelebte pastorale Praxis mehr gibt? Wird es in Zukunft überzeugende und sinnbezogene Kirchenmusik überhaupt noch geben, wenn der Zusammenhang zwischen Liturgie, Pastoralem, zwischen Laien und Profis, zwischen Gebet und Musik, nicht mehr gegeben ist, musikalische Amateure – vor allem schon in jungen Jahren – nicht mehr zum Musizieren angehalten, gefordert und gefördert werden? Und was, wenn Theologiestudierende und Kirchenmusikprofis keine Ahnung von der Liturgie geschweige denn den Kontakt zu einer lebendigen Gemeinde mehr haben? Und wie sind zeitgemäße populäre musikalische Ausdrucksformen wie Rock, Pop und Techno mit einzubeziehen?

Bleibt Religion ohne Musik sang- und klanglos? Werden doch im Singen und Spielen von Instrumenten wie auch im Zuhören Gefühle (zumal auch überirdisch schöne) gar erst da lebendig, wo einem oft die Worte fehlen?

Impulsvortrag von Prof. Dr. Meinrad Walter und Einführung von Dr. Bettina Schmitt, Foto:Petra Kammann

Ein Thema, das alle Religionen betrifft? Unter dem Motto „Mit Euch – mit uns“ wurde ein mehrstimmiges Lied mit Musikern aus St. Georgen eingeübt. Der Klang im Raum fiel jedoch noch recht dünn aus. Misstrauen wir unserer eigenen Stimme inzwischen zu sehr? Oder war es gar die Scham? Ist Demut ein Ausweg aus misslicher Lage oder eher ein Dagegenhalten?

Predigten können überzeugen. Aber wie halten wir aus, was wir nicht verstehen? Wie die Stille, die Dehn ung von Zeit, wie das Einströmen ungeahnter Melodien oder auch zunehmend digitaler Medien? Da sei Bach immer ein guter Ratgeber gewesen, wie Walter differenziert erläuterte, der immer Melodien an entscheidenden Punkten in andere Rhythmen, Richtungen und Tonarten gelenkt habe.

Aber wie erreichen wir diejenigen, die J.S. Bach  oder Mozart nicht von Kindesbein an kennengelernt haben? Und wie lässt sich eine poetisch-musikalische Sprache vermitteln, die wir dann auch freudig teilen können? Und das nicht nur rückwärtsgewandt.

Der Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus Prof. Dr. Joachim Valentin versprach in der Diskussion, sich der Sache anzunehmen, Foto: Petra Kammann

„Wer singt, betet doppelt“, zitierte Meinrad Walter Augustinus. „Gute Kunst hilft innezuhalten“, sagt Bettina Schmitt. Zweifellos richtig. Und es trifft auch auf die Musik zu. Aber der Weg dahin ist von Unter- wie von Überforderung des täglichen Praktizierens gezeichnet und setzt doch auch viel Kenntnis und Überblick voraus. Wo also ließe sich ansetzen? Indem man die Trauer mit jemandem teile, um eine gemeinsame Basis zu schaffen?

Gottesdienst mit Bischof Dr. Georg Bätzing im Frankfurter Dom St. Bartholomäus, Foto: Petra Kammann

Im Anschluss an die nachdenklichen Diskussionen ging es mit dem Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing dann zu Aschekreuz und Messfeier in den Kaiserdom und danach noch zum gemeinsamen Essen einer warmen Suppe in die gegenüberliegende „Cucina delle Grazie.“ … Immerhin ein gelungenes Erlebnis des Miteinanderteilens. Mille Grazie.

 

 

 

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