„Connecting Continents“ – Kontinente verbinden
Das Ballet BC aus Vancouver zu Gast an der Bonner Oper
Von Simone Hamm
Fast hundert Jahre alt ist die Komposition „Bolero“ von Maurice Ravel. Und hat nichts von ihrem Sog,ihrer Kraft verloren. „Bolero“ ist Vorlage für ungezählte Choreografien gewesen, eine der beeindruckendsten ist die von Maurice Béjart. Es bracht also Mut und Selbstbewusstsein, den „Bolero“ zu vertanzen. Shahar Benjamini hat es gewagt. Ihre Interpretation des „Bolero“ zeigte jetzt eine weltberühmte Kompanie, das Ballet BC aus Vancouver an der Oper Bonn im Rahmen der „Highlights des Internationalen Tanzes“. „Connecting Continents“ ist das Programm aus insgesamt drei Choreografien überschrieben.

„Artists of Ballet BC in Bolero“, Foto: Michael Slobodian
Benjamini hätte sich keine besseren Tänzer für ihren „Bolero“ wünschen können. Die Kompanie des Ballet BC ist ein einziger Organismus, der gemeinsam atmet, tanzt, flattert. Das ist von geradezu animalischer Wucht. Sinnlichkeit pur.
Ein Tänzer erhebt sich aus dem Pulk, strahlend schön, kraftvoll.
Bolero ist ein anwachsendes Crescendo. Da werden die Tänzer zu langbeinigen Wesen in schwarzen Hosen und enganliegende hautfarbenem Oberteil mit dunkelgeschminkten Lippen und Zähnen. Wenn sie den Kopf recken, erinnern sie an Gottesanbeterinnen, wenn sie ihn einziehen, an Insekten, Fliegen, Schaben. Eduardo Jiménez Cabrera, Orlando Harbutt, Kelsey Lewis, Nathan Bear, Kiana Jung und Pei Sun Lai sind atemberaubende, sich völlig verausgabende und doch immer kraftvolle Solisten. Sarah Pipping and Luca Afflittotanzen tanzen großartige Duette in einem Ensemble, das zu einem einzigen pulsierenden Körper wird.
In „Frontier“ von Crystal Pite bewegen schwarz gekleidete Tänzer ihre Arme wie Schwingen. Sie erinnern an einen Schwarm Krähen. Sie werden zu Schatten. Sie sind das Dunkle, Unbekannte, das Rätselhafte, vor dem wir uns ängstigen und das uns doch anzieht.
„Sway“ heißt die Choreografie von Medhi Walerski, Duette und Soli, sie sind inspiriert von Emily Dickinsons Gedicht „Hope is the thing with feathers“. Ein Mann geht auf allen Vieren rückwärts. Auf ihm thront eine Frau. Die Tänzer gleiten über den Boden, beugen dabei die Knie. Ihre Bewegungen sind so flüchtig wie das Wesen der Hoffnung.
