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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Internationaler Holocaust-Gedenktag am 27. Januar im Hauptgebäude der EZB im Frankfurter Ostend

Ein Garten der Erinnerung: Traumata und Hoffnung für die Zukunft

Von Petra Kammann

Eine ausgesprochen bewegende, feierlich-würdige Veranstaltung zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar im Hauptgebäude der EZB im Frankfurter Ostend: Mit Ansprachen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde, Mirjam Wenzel, der Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, Ina Hartwig, der Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt sowie von Uwe Becker, dem Antisemitismusbeauftragten des Landes Hessen.

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt – Erinnerung an geschichtsträchtigem Ort, Foto: Petra Kammann

Zwei ausdrucksstarke Frauen im Gespräch, die an die Zukunft menschlicher Würde appellierten: Diane von Fürstenberg und EZB-Präsidentin Christine Lagarde, Foto: Petra Kammann

Einer der Höhepunkte: EZB-Präsidentin Lagarde im Gespräch mit der erfolgreichen Modeschöpferin und Philanthropin Diane von Fürstenberg – Tochter von Holocaust-Überlebenden – über deren Familiengeschichte (über die aus Griechenland stammende Mutter: Liliane Halfin geborene Nahmias und den aus Moldawien stammenden Vater: Leon (Lipa) Halfin (1912- 1994), über generationsübergreifende Traumata, Glückserfahrungen und Hoffnung für die Zukunft.

Geschenk des gepflanzten Magnolienblaums an Diane von Fürstenberg, der trug schon Knospen trug, Foto: Petra Kammann

Zu Ehren von deren verstorbener Mutter Lily Nahmias, die Ausschwitz überlebte, bekam Diane von Fürstenberg anschließend einen Magnolienbaum überreicht – eine Neuzüchtung, die fortan den Namen ihrer Mutter trägt.

Rede der EZB-Präsidentin Christine Lagarde in der Erinnerungsstätte

„Mit Initiativen wie dem Garten der Erinnerung schaffen wir ein lebendiges Denkmal und knüpfen ein Band zwischen Erinnerung und Erneuerung. Denn Hoffnung und Verantwortung sollen die Wurzeln unserer Zukunft sein“, so Christine Lagarde. Mit diesem Magnolienbaum wird der Garten der Erinnerung der EZB seinen Anfang nehmen.

Die Harfenistin Anne-Sophie Bertrand und die Violinistin Hagit Halaf spielten Motive aus „Schindlers Liste“, Foto: Petra Kamman

Eindrücklich auch die musikalische Gestaltung der Veranstaltung mit „Orpheus und Eurydike“ von Gluck, berückend gespielt im Hauptgebäude von der Violinistin Hagit Halaf und dem Pianisten Tal Strauss, dann mit Harfe und Violine in der Erinnerungsstätte im kalten Kellergeschoss des Ostflügels der ehemaligen Großmarkthalle, wo es einen fröstelte. Hier wurden zwischen 1941 und 1945 über 10 000 Juden zusammengetrieben, bevor sie in Konzentrationslager deportiert wurden.

Hier im kalten Kellergeschoss wurde der Ernst der Lage besonders deutlich, Foto: Petra Kammann

Überirdisch schön und passend war die gewählte Musik insgesamt. Ebenso der Klagegesang des Kantors Menechem Mendel Guenon, der durch Mark und Bein ging, begleitet von den Worten des Rabbiners der Frankfurter Jüdischen Gemeinde Julien-Chaim Soussan.

Nach jüdischem Brauch: Niederlegen der Steine als Erinnerung an die Toten, v.l.: Kantor Menechem Mendel Guenon, Rabbiner Julien-Chaim Soussan,  Dianes Bruder Philippe Halfin, Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker, Foto: Petra Kammann

Auf dem schmelzenden Schnee des EZB-Geländes mit dem eindrucksvollen Gebäude der denkmalgeschützten einstigen Großmarkthalle des Architekten der „frühen Moderne“ Martin Elsaesser (1927-1928) und dem darüber gebauten rund 185 Meter hohen spektakulär verdrehten Doppel-Büroturm-Keil von Coop Himmelb(l)au klingt nach: Die Erinnerung muss weiter wachsen, damit die nächste Generation auch versteht, was geschah und Antisemitismus künftig keine weitere Nahrung bekommt…

Das Licht der Aufklärung möge weiter leuchten, Foto: Petra Kammann

„Zwischen den Zentren entstehen Spannungsfelder, in denen neue Entwicklungen provoziert werden.“ So lauteten die Worte des Architekten Wolf D. Prix von Coop Himmelb(l)au vor dem Umbau der einstigen Großmarkthalle – die Idee der Erneuerung, die schon Früchte getragen hat.

 

 

Anmerkung:

Von 1941 bis 1945 wurden über 10 000 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger im Kellergeschoss des Ostflügels der Halle zusammengetrieben, bevor sie in Konzentrationslager deportiert wurden. Gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Frankfurt und der Stadt Frankfurt am Main hat die EZB eine Erinnerungsstätte geschaffen, in deren Bauteile Zitate von Opfern und Beobachtern eingraviert sind. Die Worte der Zeitzeugen verdichten sich zu einer Geschichte, die das Ausmaß der Deportationen verdeutlicht, ohne von der Stätte abzulenken.

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