Museum für Kommunikation Frankfurt: Programm in 2026
Breit gefächert und höchst aktuell
Von Hans-Bernd Heier
Im Rahmen eines Pressegesprächs konnte Dr. Annabelle Hornung eine stolze Bilanz ihres ersten Jahres als Direktorin des Museums für Kommunikation Frankfurt präsentieren. Sie stellte ein facettenreiches, ambitioniertes Ausstellungs- und Vermittlungsprogramm für das laufende Jahr vor – mit dem Fokus auf Künstliche Intelligenz, Medienkompetenz und gesellschaftlichem Dialog.

Über das vielseitige Jahresprogramm informierten (von links): Dr. Corinna Engel, Leiterin Ausstellungen, Bildung, Kommunikation, Direktorin Dr. Annabelle Hornung und Pressereferentin Regina Hock; Foto: Hans-Bernd Heier
Im erfolgreich abgelaufenen Jahr konnte sich das Museum über gut 117.000 Besucherinnen und Besucher freuen. Die höchste Besucherzahl errang die große Sonderausstellung „Apropos Sex“ und lockte rund 49.000 Besuchenden ins Kommunikationsmuseum Frankfurt; (s. Artikel vom 23. Okt. 2025 in FeuilletonFrankfurt).
2025 hatte die neue Leiterin Annabelle Hornung den Themenschwerpunkt auf „Künstliche Intelligenz und Kommunikation“ gesetzt. Seither hat das Museumsteam die Auseinandersetzung mit KI vertieft: Während die Ausstellung „New Realities“ noch bis Anfang 2026 die Wirkmacht bildgenerierender KI erkundete, wurden im Dezember 2025 zwei neue Themeninseln in der Dauerausstellung eröffnet, um die technischen und gesellschaftlichen Auswirkungen im Bereich KI zu vermitteln. Auch 2026 steht die Vermittlung von Künstlicher Intelligenz, ihren Chancen und Risiken im Fokus.

Ausgesprochen beindruckend ist die Größenentwicklung des Mobiltelefons om 9,4 Kilogramm schweren Gerät im Aktenkoffer zum kleinen handlichen, hochleistungsfähigen Handy; Foto: Hans-Bernd Heier
Im Januar feiert die Mobiltelefonie ihr 100-jähriges Jubiläum. Diese begann am 7. Januar 1926 mit dem ersten Telefongespräch in einem fahrenden Zug. Dieser langen Historie widmet das Museum seit dem 14. Januar die Pop-Up-Ausstellung „100 Jahre unterwegs telefonieren“. Die kleine, aber besonders informative Sonderschau begrüßt Besucher gleich links im Museumsfoyer.
Ergänzt wird die Vor-Ort-Ausstellung mit einer digitalen Präsentation auf der Webseite des Museums. Eine zweite Pop-Up-Ausstellung findet im Rahmen der „World Design Capital 2026“ statt: Sie zeigt Klassiker aus der Dauerausstellung, die Designgeschichte geschrieben haben, wie etwa den sog. „Schneewittchen-Sarg“ von BRAUN oder den Kuba Komet. Die Exponate werden ab dem 1. Juni 2026 im Foyer präsentiert.
Die erste Sonderausstellung des Jahres „Die Nazis waren ja nicht einfach weg“ eröffnet bereits in der Woche des Gedenktags zur Befreiung von Auschwitz am 29. Januar 2026 und richtet sich insbesondere an junge Menschen. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Schulmuseum der Universität Erlangen-Nürnberg entstanden und thematisiert den Umgang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland seit 1945.
Sie greift die Perspektive von Kindern und Jugendlichen verschiedener Epochen auf und thematisiert die Situation der Überlebenden der Verfolgung sowie der vormaligen Täter und Mitläufer, aber auch deren Nachkommen.
Das Begleitprogramm der Ausstellung stellt lokale Bezüge zum Thema Erinnerungskultur her. Am 25. Februar lädt das Museum zum Erzählcafé ein, in dem Frankfurter Initiativen (u.a. die Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main und Förderverein für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ Katzbach in den Adlerwerken) von ihrer Arbeit berichten. Schulklassen ab der Jahrgangsstufe 10 können am 26. Februar mit Zeitzeugen aus dem Rhein-Main-Gebiet ins Gespräch kommen. Und ab April führt die Historikerin Kathrin Rahlwes Interessierte an wichtige Orte der Frankfurter NS-Vergangenheit.
Mit „Samizdat: Worte der Freiheit“ rückt das Museum ab 19. August anlässlich des Buchmesse-Gastlandes Tschechien die Produktion und Verbreitung verbotener Literatur und Gedanken in der Tschechoslowakei in den Fokus. Als Reaktion auf die strenge Zensur und die staatliche Kontrolle über alle offiziellen Publikationen in der Sowjetunion entstand Samizdat (russisch: „Selbstverlag“) mit dem Ziel der Reproduktion und Verbreitung von als nicht systemkonform eingestufter Literatur und anderer Texte.
Nachdem staatliche Zensur bereits in der Kaiserzeit und der nationalsozialistischen Besatzung unterlaufen wurde, gab es in der Tschechoslowakei eine gut organisierte Samizdat-Bewegung, zu denen auch bekannte Autoren wie beispielsweise der spätere Präsident Václav Havel zählten.
Ein Highlight des vielfältigen Ausstellungsreigens ist schließlich die große Sonderschau „Familienbande“, die im Herbst eröffnet wird. Sie lädt dazu ein, die Vielfalt von Familien und die Entwicklung von Familienkommunikation zu entdecken. Begleitend zu „Familienbande“ wird ein intergenerationeller Audioguide entwickelt, der die Inhalte der Ausstellung anhand unterschiedlicher Perspektiven auf das Thema Familie vermittelt. Mehr Informationen dazu unter:
https://www.mfk-frankfurt.de/familienbande/
Demokratieförderung durch Medienbildung – Das zentrale Anliegen, das Hornung zum Amtsantritt formuliert hatte, nämlich Medienkompetenz und -bildung als Demokratiestärkung zu begreifen, wurde bereits 2025 umgesetzt. Dabei reichte das Angebot von der Entdeckungstour für die Kleinsten bis hin zur Führung mit demenziell erkrankten Menschen.
Auch 2026 wird das Museum für Kommunikation mit seinen Workshops und Führungen seinen Gästen Tools und Kompetenzen an die Hand geben, die den Umgang mit Kommunikationstechnologien fördern. Gemeinsam mit der Volkshochschule (vhs) Frankfurt organisiert es drei Weiterbildungskurse, die sich u.a. an ältere Menschen wenden und hilfreiche Tipps geben, wie KI-Apps etwa für Textverarbeitung und Recherche eingesetzt werden können, um den Alltag zu erleichtern.
Ein anderer Kurs befasst sich mit der Festschreibung von menschlichen Vorurteilen durch KI sowie mit damit verbundenen neuen Formen der Diskriminierung.

Gesprächsrunde des Ideenforums; Foto: © Museum für Kommunikation Frankfurt
Um die Bedürfnisse und Erfahrungen von Menschen unterschiedlichen Alters mit KI noch stärker in das Museumsprogramm einzubinden, hat das Museumsteam ein neues Gesprächsformat entwickelt, das Ideenforum: Am 6. Dezember 2025 kamen 100 interessierte Menschen zusammen, um über persönliche Erfahrungen, Perspektiven auf Kommunikation und Gesellschaft und Zugänge zu „AI Literacy“ ins Gespräch zu kommen. Am 14. März ist der zweite Teil dieser Veranstaltungsreihe geplant.
Das Museum hat außerdem eine Umfrage zum Nutzungsverhalten der Besucher konzipiert. Daran haben bis jetzt fast 100 Menschen teilgenommen. Die Auswertung der Umfrage bekräftigt ein starkes Interesse daran, KI in soziale, kulturelle und politische Kontexte einordnen zu können. Dabei werden Lernformate bevorzugt, die angeleitet und strukturiert sind. Die Mehrheit der Befragten wünscht sich eine Mischung aus Zuhören und Ausprobieren in kleinen Gruppen.
„Apropos Sex“ im Museum für Kommunikation Frankfurt
„NACHRICHTEN – NEWS“ – große Sonderausstellung im Kommunikationsmuseum
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