Hessisches Staatsballett bei „tanz.köln“
Überwältigend: das Signaturstück von Sharon Eyal „Corps de Walk“ “ an der Kölner Oper .
Von Simone Hamm
Sharon Eyal hat „Corps de walk“ 2011 für die norwegische Kompanie Carte Blanche choreografiert. Da war sie noch kein Star, der die Häuser füllt. Ihre Tanzabende sind ausverkauft. Auf der diesjährigen Ruhrtriennale gab es für ihr fulminantes „Delay the Sadness“ eine Zusatzvorstellung.

Corps de Walk, Foto: © Sinah Osner
„Corps de Walk“ trägt schon deutlich Sharon Eyals Handschrift: Tänzer, die aneinander vorbeigehen, Körper die scheinbar ineinander fließen, harte Technobeats. DJ Ori Lichtik führt die Tänzer aus dem Club geradewegs auf die Bühne. Da gehen sie zunächst in weißen hautengen Bodysuits in Reihen hin und her. Quer. Diagonal. Geradeaus. Kreuzen sich. Marschieren. Berühren sich nicht. Eine anonyme Masse. Ein einziger Körper. Die Tänzer tragen weiße Kontaktlinsen. Sie wirken fern und unnahbar. Sie biegen sich, strecken sich, stehen auf halber Spitze.
Schon im Titel spielt Sharon Eyal auf „Corps de Ballett“ an. Es ist noch nicht lange her, da wurden die Tänzerinnen der großen Kompanien gemessen, nicht nur die Größe, sondern auch die Arm und Beinlänge. Möglichst einheitlich sollten sie sein. Sharon Eyal feiert die Unterschiede, die Diversität, die Invidiualität. Einzelne treten aus der Gruppe hervor, Paare, kleine Gruppen tanzen, nähern sich vorsichtig einander an.
Dazu kommt die rauschhafte Musik, die die geradezu hypnotische Wirkung der Choreografie unterstreicht. Je länger das Stück dauert, desto überragender wird es. Dem kann sich niemand entziehen.
Auch 15 Jahre nach seiner Uraufführung hat „Corps de walk“ nichts von seiner Kraft verloren.
