THE GREAT CHRISTMAS CIRCUS zum 12. Mal in Frankfurt
Wagemutige Artisten in der Manege und ein Clownstar
Von Walter H. Krämer
Alle Jahre wieder und diesmal zum zwölften Mal schlägt der Zirkus Carl Busch seine Zelte am Ratsweg in Frankfurt am Main auf. Schon von Weitem sichtbar, das weißblaue Zelt im eingezäunten Gelände, das Schauplatz für THE GREAT CHRISTMAS CIRCUS ist und der die Besucher*innen aller Altersgruppen mit einem wahrlich beeindruckenden Programm zu begeistern weiß.

Der Clown ist der Star, Foto: Circus Carl Busch / Stefan Gierisch
Die ältesten Zeugnisse über die Existenz von artistischen Darbietungen sind schon über 5000 Jahre alt und finden in diversen Bildwerken ihren Ausdruck. Allerdings hatte das, was damals zwar den gleichen Wortlaut trug, kaum etwas mit der kunterbunten Zirkuswelt von heute zu tun.
Die neuzeitliche Geschichte des Zirkus, wie wir ihn heute kennen, hat ihren Ursprung in England Mitte des 18. Jahrhunderts. Ehemalige englische Kavallerie- Offiziere traten als Zirkusartisten auf und glänzten mit Pferdedressuren und akrobatischen Kunststücken auf ihrem Pferd. Vor allem die für den Zirkus heute noch charakteristische runde Manege verweist auf diese Entwicklung aus dem Kunstreiten heraus. Als Begründer des klassischen Zirkus gilt der Kunstreiter Philip Astley, welcher 1782 mit dem sogenannten „Astleys Amphitheater“ das erste feststehende Zirkuszelt entwickelte. Als die drei grundlegenden Bausteine des Zirkus galten von nun an Tiervorführungen, artistische Darbietungen und die Clownerie. Tiere im Zirkus sind heute mehr denn je umstritten – aber Akrobatik und Clowns weiß man zu schätzen.

Unüblich – die Jonglage mit Fußbällen, Foto: Circus Carl Busch / Stefan Gierisch
Die Dramaturgie des knapp dreistündigen Programms – inklusive einer Pause von 20 Minuten – ist durchdacht und macht Sinn. Erstklassische Artisten, moderne Lichttechnik, mitreißende Livemusik. Ein achtköpfiges Circus-Orchester aus Moldawien unter der Leitung von Kapellmeister Petru Haruta begleitet die einzelnen Nummern mit ausgesuchten Melodien von Klassik bis Pop – mitreißend, verträumt oder spannungsvoll. Die Tochter des Circus Direktors, auch seine Frau und sein Sohn sind Teil des Programms und gefallen mit Gesangseinlagen, die geschickt in die Umbaupausen platziert sind und eine wohltuende Abwechslung für das strapazierte Nervenkostüm der Zuschauer*innen bieten.
Henry Ayala – „The Prince of Clowns“ – ist zurück in der Manege und verzaubert das Publikum. Er ist der Star und das Herz der Show mit seinen Spielen mit dem Publikum und einzelnen Zuschauer*innen und spätestens dann, wenn Henry als vertrottelter Kellner eine Spaghetti-Schlacht veranstaltet und seinen Gast zum Wahnsinn treibt, bleibt kein Auge trocken. Und dann wagt er sich sogar noch aufs Hochseil um dort in schwindelerregender Höhe zusammen mit der Ayala-Truppe waghalsige Menschen-Pyramiden zu zeigen und einmal locker mit dem Rad über das Hochseil zu fahren. Unglaublich.

Das Todesrad lässt den Atem stocken, Foto: Circus Carl Busch / Stefan Gierisch
Mit dem Chilenen Sergio Ignacio Celedon Quezada tritt ein weiterer wagemutiger Artist in die Arena. Auf dem rotierenden sogenannten Todesrad wagt der 33-jährige Salti mit Schrauben und sogar einen doppelten Salto. Feuchte Hände, stockender Atem und großer Jubel, wenn es vollbracht ist und man wundert sich, dass das alles ohne Netz und doppelten Boden passieren kann. Lesen Sie zu der Frage nach den Risiken für die Artist*innen die Antwort eines Sprechers des Circus am Ende des Artikels. *
Viktor und Nadiia Polishuk aus der Ukraine fliegen an Strapaten-Bändern durch die Lüfte und zeigen ein Pas-de Deux der Extraklasse – poetisch, sinnlich und luftig leicht. Atemberaubend, wenn beide sich ausschließlich mehrfach im sogenannten Zahnhang – sprich ausschließlich mit der Kraft Ihrer Zähne – aneinander festhalten und durch die Luft schweben. Kaum zu glauben und doch wahr!
Der Lauf auf dem Hochseil gehört zu den ältesten Akrobatik-Disziplinen überhaupt! Früher waren es oft fahrende Gaukler, die auf mittelalterlichen Marktplätzen ihr Seil am Kirchturm festzurrten und mit ihren waghalsigen Balancen in schwindelerregender Höhe für Begeisterung sorgten. Die Hochseil-Artisten des Frankfurter Weihnachtscircus – die vierköpfige Ayala-Truppe rund um Clown Henry – kommt aus Südamerika und sorgt hier und heute für Nervenkitzel und Staunen über so viel artistisches Können.

Atemberaubende Balanceakte auf dem Hochseil, Foto: Circus Carl Busch / Stefan Gierisch
Rubel Medini ist ein Balance-Künstler allererster Güte. Sein Metier ist die Rola Rola. Auf wackeligem Untergrund stapelt er Bälle, Rollen und Bretter zu abenteuerlichen Konstrukten aufeinander und hält auf den wackeligen Türmen souverän das Gleichgewicht. Und wie es sich für den Spross einer traditionsreichen italienischen Circus-Familie gehört, hat Rubel trotzdem noch Zeit während seiner waghalsigen Balancen augenzwinkernd mit dem Publikum zu flirten.
Das Schlappseil hat seinen Namen daher, dass das Drahtseil, auf dem die Artistin balanciert, nicht straff gespannt ist, sondern schlaff durchhängt. Was es zusätzlich kompliziert macht, darauf zu laufen, denn die Artistin muss nicht nur auf dem schmalen Silberdraht das Gleichgewicht halten, sondern auch die Bewegung des Seils ausgleichen. Mit der Ukrainerin Tetiana Kundyk ist nun eine der weltbesten Schlappseil-Artistinnen in Frankfurt zu sehen und zu erleben – bereits auf mehreren Festivals für ihren sinnlichen Tanz auf dem schwankenden Seil mit Preisen ausgezeichnet und in Frankfurt bejubelt.
Bleibt noch der Blick auf die Tiere, den mitgereisten Zoo und die Pferdedressuren. Angeblich auf Wunsch des Publikums weiterhin im Programm. Juniorchefin Natascha Wille präsentiert gemeinsam mit Manuel Frank Neues aus dem großen Marstall des Circus Carl Busch. Pechschwarze Friesen, edle Araber und quirlige Miniponys bevölkern die Manege und der Geruch von Sägespänen und Pferd durchflutet das Zelt. Sicher kein Genuss für alle. Trotz des Versprechens artgerechter Haltung, weiß man heute um das Leid der Tiere, besonders auch der Pferde, um solche Dressurleistungen zu vollbringen.

Die dressierten Pferde, Foto: Walter H. Krämer
Das Programm braucht diese Tiernummern nicht. Es reicht völlig, auf das Können und die körperlichen, mentalen und stimmlichen Leistungen der Künstler*innen zu vertrauen und zu bauen. Und es wäre an der Zeit, dass sich auch der Circus Carl Busch von seinen Tieren verabschiedet – auch wenn es schwerfallen mag, diese Traditionslinie zu verlassen. Lesen Sie auch hierzu nach Anfrage die Überlegungen eines Mitarbeiters des Circus am Ende des Artikels. *

Blick ins Restaurant, Foto: Walter H. Krämer
Weihnachtsbaum, weihnachtliche Tischdekorationen und Klänge verbreiten im Foyer einen Hauch von Weihnachten. Zuckerwatte, Bratwurst, Popcorn und Getränke aller Art sorgen für das leibliche Wohl der Besucher*innen, die so das Geschehen in der Manege gestärkt verfolgen und genießen können.
Die Show mit Gesangseinlagen, Clownerien und artistischen Hochleistungen ist mitreißend und Zirkuskunst auf höchstem Niveau. Im letzten Jahr besuchten über 80.000 große und kleine Menschen eine der Shows. Den Circus-Leuten ist zu wünschen, dass es in diesem Jahr mindestens genauso viele werden.

Schlussbild mit Konfetti, Foto: Walter H. Krämer
Nicht alle Künstler*innen und Attraktionen sind hier erwähnt. Lassen sie sich also überraschen und gönnen sie sich einen Besuch im Weihnachtszirkus am Ratsweg in Frankfurt am Main. THE GREAT CHRISTMAS CIRCUS gastiert in Frankfurt am Main.
https://www.great-christmas-circus.de/
* Ich habe nachgefragt: zu den Tieren – Streichelzoo und Pferdedressuren – und zu den Risiken für die Artist*innen bezüglich Absturzgefahr. Ein Mitarbeiter und Sprecher des Circus Carl Busch hat dankenswerter Weise und wie folgt geantwortet:
„Pferde gehören für uns zum Circus dazu, es waren die Pferde, die der Manege zu Philip Astleys Zeiten seine runde Form gegeben haben. Dass in der heutigen Zeit der Kontakt zwischen Mensch und Tier immer mehr verpönt ist, finden wir sehr schade und als einen kulturellen Verlust. Zumal unsere Circus-Pferde beste Verpflegung, viel Bewegung und Abwechslung erhalten.
Der Streichelzoo ist wirtschaftlich nicht notwendig, aber wir machen damit vielen Kindern eine große Freude und erhalten daher auch diese Circus-Tradition am Leben.
Risiko gehört zum Artistenberuf dazu, aber genau wie beim Bergsteiger oder Skifahrer ist es ein kalkuliertes Risiko, das durch jahrelanges Training und Respekt vor der Höhe minimiert wird. „Selbstverständlich sind alle Artisten kranken- und unfallversichert.“
Ticket-Hotline:
069 / 13 40 400
