Christmas Tea – Eine Benefizveranstaltung des International Women’s Club ( IWC)
Von Frau zu Frau und von Kultur zu Kultur – Weihnachten in Ost und West
Von Petra Kammann
Heute engagieren sich rund 450 Frauen aus 50 verschiedenen Nationen im International Women´s Club (IWC), einer politisch und religiös unabhängigen Vereinigung für interkulturellen Austausch. Sie pflegen freundschaftliche Beziehungen untereinander und widmen sich sozialen Projekten. Eine ihrer Benefizveranstaltungen, der traditionelle Christmas-Tea, fand auch in diesem Jahr wieder im Frankfurter Römer statt. Mit einem stimmungsvollem Programm, mit weihnachtlichen Klängen und Beiträgen, welche die Internationalität des Clubs widerspiegeln. Da IWC-Mitglieder aktiv Einrichtungen wie das Seniorenstift Hohenwald, die Mosaikschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, sowie die Bildungs- und Integrationseinrichtung Mädchenbüro Milena für geflüchtete Frauen unterstützen, baten sie um Spenden für diese drei Einrichtungen.

Beim Festakt im Kaisersaal: IWC-Präsidentin Yun Kruse, links, und Bürgermeisterin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, Foto: Ursula Klein
Die Sprache der Musik hat in dem vielsprachigen Verein zwangsläufig eine verbindend vermittelnde Kraft und bietet sich daher zur Einstimmung dieser traditionellen Feier an, zumal für die Gestaltung des Clubjahres das diesjährige Jahresmotto des IWC „Gegensatz und Harmonie“ lautet. Ja, gerade jetzt sollte es trotz Meinungsverschiedenheiten um ein Miteinander statt um ein Gegeneinander gehen. Aufmunternd wirkte zu Beginn das junge Hornquartett der Frankfurter Bläserschule mit Namen „Die Hornissen“. Beschwingt spielten sie „Französische Tänze“ und „Let it snow“, während der Chor des IWC im Laufe der Veranstaltung verschiedenste „Lieder der Welt“ als musikalische Intermezzi vortrug.

„Die Hornissen“ – Einstimmung mit dem jungen Hornquartett der Frankfurter Bläserschule, Foto: Petra Kammann

Weihnachtliche „Lieder der Welt“ des IWC-Chors unter der Leitung von Janine Reissmann, Foto: Petra Kammann
Aber auch die Stadt Frankfurt ließ es sich nicht nehmen, diesen wichtigen Festakt zu ihrer Sache zu machen. „Der International Women’s Club gehört seit bald 80 Jahren zu Frankfurt. Er ist ein leuchtendes Vorbild in unserer Stadtgesellschaft. Der transnationale Austausch und das kulturelle Angebot geben den Mitgliedern Kraft und Zusammenhalt. Ihr Einsatz für Menschen, die Hilfe dringend benötigen, macht ganz Frankfurt zu einem solidarischen Ort, an dem sich alle willkommen fühlen dürfen“, sagte Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg und erinnerte daran, dass im vergangenen Sommer nach der weltoffenen Gründerin des IWC Elisabeth Norgall die Neue Börsenstraße in Elisabeth-Norgall-Straße umbenannt wurde.

Yong-Hi Yim-Siegels aus Korea, die Yun Kruse aus China und Junko Miura aus Japan, Foto: Petra Kammann
„Weihnachtliche Erzählungen“ vom asiatischen Dreigestirn
Die diesjährige chinesische Präsidentin des Clubs, die in Deutschland lebende Wirtschaftsinformatikerin Yun Kruse, die während der chinesischen Kulturrevolution in Shanghai aufwuchs und mit 21 Jahren als Au-pair-Mädchen nach Deutschland kam, lernte nicht nur die fremde Sprache Deutsch. Sie hatte hier zunächst vor einem Zusatzstudium soziale Erfahrungen in einer anthroposophischen Einrichtung für geistig Behinderte gemacht, was sie prägte.

Die chinesische IWC-Präsidentin Yun Kruse vermittelte eine anrührende Geschichte, Foto: Ursula Klein
Sie trug zum Christmas Tea bei, indem sie eine chinesische Geschichte über den armen Bettler Wu Sun erzählte, der in seinem Leben viele Werte verkörperte, die sich auch im Christentum widerspiegeln: wie Barmherzigkeit gegenüber den Schwachen. Denn Wu Xun wurde 1838 als siebtes Kind armer Bauern in der Provinz Shandong geboren und verlor bereits im Alter von 8 Jahren seinen Vater. Die Familie war so arm, dass sie kaum genug zu essen hatte. Und der Junge konnte nicht einmal die Schule besuchen. Mit 16 wurde er daher als Knecht zu einem entfernten Verwandten geschickt. Da er aber weder schreiben, lesen noch rechnen konnte, verachtete, schikanierte und betrog man ihn. Und für seine dreijährige Arbeit erhielt er nicht einmal einen Lohn.
In dieser Zeit, in der Bildung nur den Reichen offenstand, entstand im Herzen des „Analphabeten“ der Wunsch, armen Kindern zu ermöglichen, dass sie zur Schule gehen können. Ihm war nicht entgangen, dass Kinder aus armen Familien von der Schule abgewiesen wurden, wenn sie die Schulgebühren nicht zahlen konnten. Er selbst kannte das Gefühl der Demütigung und Hilflosigkeit nur allzu gut, dass man ohne Geld, sozialen Status und Beziehungen nicht viel erreichen konnte. Alles, worauf er sich verlassen konnte, war er selbst. So wählte der 21-Jährige den niedrigsten und bescheidensten Weg, um durch Betteln und mühselige Gelegenheitsarbeiten Geld zu sammeln. Mit dem Ertrag wollte er für diese Kinder eine kostenlose Schule zu gründen.
Er aß schlecht, trug zerrissene Kleidungsstücke, erledigte unbeliebte Arbeiten. In mehr als 30 Jahren führten ihn aber seine Bettelreisen in verschiedene chinesische Provinzen. 1888 hatte er so viel Geld angespart, dass er ein rund 15 Hektar großes Ackerland als „Schulland“ erwerben konnte, um darauf seine erste Wohltätigkeitsschule zu gründen. Dazu sprach er die Gelehrten des Landes an und bat sie inständig, dort Unterricht zu geben. Gleichzeitig besuchte er arme Familien, um sie davon zu überzeugen, dass sie ihre Kinder auf die Schule schicken sollten. 50 Schüler konnten zunächst ohne Schulgeld dort aufgenommen werden. Wu Xuns selbstloses Handeln löste aber schon bald positive gesellschaftliche Reaktionen aus. So befreite der Gouverneur der Provinz Shandong das „Schulland“ von Steuern und Abgaben.
Schon zwei Jahre später gründete Wu Xun in Zusammenarbeit mit einem buddhistischen Tempel eine weitere gebührenfreie Schule. In seinem letzten Lebensjahr, 1896, errichtete er mit weiteren Almosen sowie mit Spenden von Beamten die 3. Schule. Aus Loyalität zu seinem Lebensziel – gebührenfreie Schulen zu errichten – blieb Wu Xun lebenslang unverheiratet und ohne eigenes Zuhause. Friedlich und mit einem Lächeln im Gesicht starb der 58-Jährige in einer von ihm gegründeten Schule inmitten der hellen Stimmen lesender Schüler…
„Gegensatz und Harmonie“
Mit der Erinnerung an diese Geschichte zog Yun Kruse Parallelen zum christlichen Weihnachtsfest, bei dem Werte wie Barmherzigkeit, Selbstverzicht und ähnliche Tugenden schließlich für alle Menschen eine universale Grundlage bilden. Das gelte für sie im Westen ebenso wie in der asiatischen Kultur.

Yong-Hi Yim-Siegels dachte über ihre Weihnachtserfahrung in Süd-Korea nach, Foto: Petra Kammann
Die südkoreanische Yong-Hi Yim-Siegels, IWC-Clubpräsidentin 2021-2222, die in in den 70er Jahren nach Deutschland kam, hier studierte und während des Studiums ihren deutschen Mann kennenlernte, blickte zurück auf die festlichen Rituale in Korea. In Korea gilt zwar der 25. Dezember als gesetzlicher Feiertag, wo auch westlich-weihnachtliche Lichterdekorationen übernommen werden. Bedeutender aber sei für die Koreaner der 8. April, den man als das Fest der Geburt Buddhas als großes Lotuslaternenfest feiert, das eher vergleichbar mit dem christlichen Fest der Geburt Christi ist. Da kommen Menschen und Familien zusammen, speisen miteinander, stellen Kim-chi her, auch kostenlos für die Armen, und teilen Werte wie Liebe, Frieden und Dankbarkeit miteinander.
Da Yong-Hi in Korea in einer multireligiösen Familie aufwuchs, fiel es ihr leicht, Trennendes, als auch Verbindendes der Kulturen zu sehen. Ihre Mutter war katholisch getauft, ihr Vater konfessionslos. Heute leben etwa 30% Christen und 20 % Buddhisten und 50% Atheisten in Süd-Korea. Sie sprach über ihre erste überraschend-kuriose Weihnachtserfahrung als Kind im Korea der späten 60er Jahre, also nach dem Ende des Korea-Kriegs und der Befreiung durch US-Unterstützung. Die amerikanischen Soldaten hatten nach und nach neue Weihnachtsbräuche in das Land eingeführt. So bekam sie eine Banane geschenkt und wusste überhaupt nicht, was das ist und was sie damit anfangen sollte.
Nicht „meine Religion“, sondern „unsere Familien-Religion“
Ganz anders wiederum in Japan. Da feiere man zwar ebenfalls Weihnachten – doch ohne tiefere religiöse Bedeutung. Wichtiger aber sei der Neujahrstag. Die Japaner verbinden religiöse Rituale oft mit dem Alltag, ohne sie streng gläubig auszuüben. Zwar gebe es auch gläubige Christen, aber für die meisten Menschen sei Weihnachten vor allem ein fröhlicher Tag, an dem man Geschenke austausche, gut esse und Zeit miteinander verbringe.

Beitrag der Japanerin Juno Miura, Foto: Petra Kammann
Zu Neujahr gehe man dann in den Schrein, wo einer alten Vorstellung gemäß Götter in allen Dingen wohnen. Besonders wichtig sei es, den Silvesterabend und die ersten Tage des neuen Jahres mit der Familie zu verbringen, den Tempel zu besuchen, um „Joya no Kane“ – die Glocke der Silvesternacht, die 108 mal schlägt – zu hören: Die Zahl 108 stehe für die weltliche Versuchungen und Begierden, für negative Gefühle, die durch das Läuten der Glocke symbolisch gereinigt würden, sodass man geläutert in das neue Jahr gehen könne.
In Japan spreche man auch nicht von „meiner Religion“, sondern von „unserer Familien-Religion“. So sei z.B die Religion ihrer eigenen Familie buddhistisch, ihr Bruder habe ZEN studiert und auch in einem ZEN-Tempel gewohnt, nun aber sei er als Student in Genf katholisch geworden. Das führe aber nicht etwa zu einem Konflikt.
Man orientiere sich an einem beliebten japanischen Volksmärchen „Kasa-Jizō „. Dem buddhistischen Gedankengut nach sind Jizō kleine Stein/Statuen, die man heute noch überall in Japan – außer in Okinawa – am Wegesrand sehen kann. Sie gelten als eine Art Schutzgeist, erzählen von Güte, Mitgefühl und unerwartetem Glück, von Liebe, Frieden und Dankbarkeit. Werte, die sich auch auf unsere westliche Kultur übertragen ließen.
Dankbarkeit für geschenkte Zeit
Natürlich waren der Dank und die Freude groß, als Schatzmeisterin Inge Paulus das Spendenergebnis gegen Ende der Veranstaltung bekannt gab. Sage und schreibe 10.300 Euro waren zusammengekommen, die nun in die drei Arbeitsgruppen: das Seniorenstift Hohenwald, die Mosaikschule sowie das Mädchenbüro Milena fließen können. Alle drei Einrichtungen werden von Mitgliedern des IWC aktiv durch monatlich stattfindende Aktivitäten unterstützt.

Große Dankbarkeit bei den Schenkenden und Beschenkten, Foto: Petra Kammann
Die neue Leiterin der Mosaikschule Anja Maria Vogel bedankte sich neben den finanziellen Zuwendungen für die kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem IWC, für das echte Miteinander, das Zuhören und die geschenkte Zeit der IWC-Damen und deren persönlichen Einsatz. Ihr Dank galt besonders Sabine Lang-Heinrich, die sich seit Jahren dort als ehrenamtliche Integrationshelferin zweimal wöchentlich engagiert. Dass die geschenkte Zeit etwas Besonderes ist , darin waren sich die Vertreterinnen beider Institutionen einig. Maneesorn Koldehofe vom Mädchenbüro Milena ergänzte noch die Bedeutung der Deutschkurse für geflüchtete Frauen, die in ihrem Land schon einmal in qualifizierten Berufen (wie Ärztinnen und Ingenieurinnen) gearbeitet hätten, nun aber erst einmal hier im fremden Land, weit unter ihrer Qualifikation arbeiteten, und unter Mühen erst einmal die völlig neue Sprache erlernen müssten. Da seien die Zuwendungen der IWC-Damen sehr hilfreich.

Rosemarie Schroeter, die über die Jahre Musik in das Seniorenstift Hohenwald gebracht hat, freute sich über das Lob des Hospitaameisters Zelle, Foto: Petra Kammanmn
Auch ein Herr war diesmal dabei, der Worte des Dankes sprach: Manuel Zelle, Hospitalmeister und Geschäftsführer sämtlicher Tochtergesellschaften der mehr als 750-jährigen Frankfurter Stiftung Hospital zum Heiligen Geist, für die das Thema wie Helfen und Heilen im Vordergrund steht. Auch er dankte für die Zeit, die Kraft und die Energie der IWC-Damen in der langjährigen Partnerschaft mit dem Seniorenstift Hohenwald auf unübliche Weise.

Manuel Zelle, Hospitalmeister der alten Frankfurter Stiftung Hospital zum Heiligen Geist, Foto: Petra Kammann
Er ließ Monat für Monat die vielfältigen IWC-Aktivitäten eines Jahres Revue passieren: Januar – Nostalgiekino, große Technik und Erinnerungsfreude, Februar – Faschingsmusik, März – berührende Harfenmusik, April/Mai: Shanty Chor aus Oberursel, Juni – Sommer-Busausflug nach Bad Homburg mit Kuchen, Konzert und einem gemeinsamen Spaziergang, Juli – Anschaffung und Transport eines Klaviers, ein langfristig angelegter kultureller Gewinn für das Haus. (Der IWC-Frau Rosemarie Schroeter, die seit nunmehr 50 Jahren über die Musik mit dem Seniorenstift Hohenwald verbunden ist, dankte Zelle persönlich. Beide sind passionierte Klavierspieler), September – Multi-Instrumentenkonzert, Oktober – Oktoberfestmusik bei fröhlicher Stimmung mit Brezeln und Apfelwein, November – Gitarre und Mandoline, Dezember – mit einem musikalischen Programm, das durch kleine Leckereien und Bethmännchen für alle BewohnerInnen abgerundet wurde.

Feierlicher Auszug des IWC-Chors aus dem Kaisersaal, Foto: Petra Kammann
Nach dem gemeinsamen Singen von „Stille Nacht, Heilige Nacht“ zogen die Sängerinnen des IWC-Chors wie in einer Prozession, singend mit einer brennenden Kerze in der Hand, aus dem Kaisersaal ins Foyer, um das Fest bei einem Glas Wein und kleinen Leckereien ausklingen zu lassen.

Jeder Teilnehmerin wurde mit einem Lächeln eine individuelle Weihnachtssüßigkeit überreicht, Foto: Petra Kammann
Denn wenn sich eine Tür schließt, geht eine neue auf. So wurde jeder Teilnehmerin am Ausgang des Kaisersaals mit einem Lächeln auch noch eine selbstgebackene Weihnachtsfigur aus dem Gabenkorb überreicht. Der anschließende Umtrunk im feierlich geschmückten Foyer diente dann dem freien Austausch und Netzwerken untereinander, sind doch persönliche Begegnungen im digitalen Zeitalter heute von besonderer Bedeutung.
