Abschied von der Akram Khan Dance Company
Die dunkle Nacht der Frauen
von Simone Hamm
Akkram Khans Choreografie „Thikra: Night of Remembering“ auf Einladung von tanz.köln an der Bühnen der Stadt Köln
Szenenbild aus: „Thikra: Night of Remembering“ Akkram Khan, Foto:© Maxime Dos / Tanz Köln
Auf der abgedunkelten Bühne ist ein rosaschimmernder Fels zu sehen. Darauf steht eine Frau in rotem Gewand. Eine Göttin, eine Magierin, eine Schamanin. Langsam schreitet sie eine Treppe herab. Sie geht auf eine weißgewandete junge Frau zu, die am Boden liegt. Sie wird sie opfern oder ihr den Teufel austreiben. Das bleibt der Phantasie der ZuschauerInnen überlassen. Sie verzieht das Gesicht zu Grimassen.
Die Tänzerinnen, die aus verschiedenen Teilen der Welt kommen, tragen ihr langes, schwarzes Haar offen. Sie tanzen Schritte aus dem indischen Bharatanatyam zur soghaften, sehr rhythmischen Musik des indisch-amerikanischen Komponisten Aditya Prakash. Tabla, Streichinstrumente, Gesang aus Indien, aus Saudi Arabien, aus Bulgarien.
Die Tänzerinnen biegen ihre Hände, strecken die Arme, spielen mit ihrem Haar, stampfen in den Boden, gehen in die Knie. Sie tragen weite, erdfarbene Röcke und enge Oberteile, sie tanzen elegant und kraftvoll zugleich.
Mit „Thikra – Night of Remembering“ verabschiedet sich die Akram Khan Company von ihren Zuschauern. „Thikra“ ist ihr letzter Auftritt, die Tanzkompanie wird aufgelöst. Khan möchte weniger touren, an festen Orten arbeiten. Er sieht „Thikra“ weniger als Abschied, vielmehr als Feier für 25 Jahre Akram Khan Company.

Szenenbild aus: „Thikra: Night of Remembering“, Akkram Khan, Foto: © Maxime Dos / Tanz Köln
Entstanden ist „Thikra“ in Al-Ula , einer Wüstenstadt in Saudiarabien. Khan hat mit der in London lebenden saudischen Künstlerin Manal AlDowayan zusammen gearbeitet. Sie zeigen ein Ritual, wie es hätte sein können. Sie haben es erfunden. Einmal im Jahr rufen die Stammesfrauen ihre Vorfahren herbei. Das ist die Nacht, in der die Matriarchin mit ihren beiden Schwestern zurückkommt. Gemeinsam gehen sie zurück in die Vergangenheit.
Mir haben die indischen Passagen gefallen, die zarten Handbewegungen, Das kräftige in den Boden Stampfen. Das wirkt immer höchst elegant, sehr genau und sehr beeindruckend. Der grimassierten Stammesfrau konnte ich weniger abgewinnen. Von den indisch anmutenden Tanz wurde ich hineingezogen, verzaubert, bei der Opferzeremonie blieb ich außen vor.
Vielleicht wollte Akram Khan einfach zu viel in diese Choreografie stecken.
Vielleicht hätte „Thikra“ in der saudischen Wüste zwischen den roten Felsen einen großen Reiz gehabt. Vielleicht war das Ganze mit zu viel Bedeutung aufgeladen. Aber: die wunderbaren Tänzerinnen haben doch jede Minute des Abend zu einem Genuss werden lassen.
BESETZUNG
Regisseur & Choreograf Akram Khan
Visuelle Leitung, Kostüm & Szenografie Manal Al Dowayan
Narratives Konzept Manal AlDowayan und Akram Khan
Komponist Aditya Prakash
Tongestaltung Gareth Fry
Lichtdesign Zeynep Kepekli
Dramaturgie Blue Pieta
Probenleitung Chris Tudor
Künstlerische Mitarbeit & Coach Mavin Khoo
Tanz Pallavi Anand, Ching-Ying Chien, Kavya Ganesh, Jyotsna Jagannathan, Divya Ravi, Azusa Seyama Prioville, Elpida Skourou, Shreema Upadhyaya, Kimberly Yap, Mei Fei Soo, Joy Alpuerto Ritter

