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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Zukunftsweisende Raumakustik für den Mozart Saal der Alten Oper mittels innovativer Technik und KI im Testverfahren

Der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, Müller-BBM und Fraunhofer IDMT sei Dank

Von Petra Kammann

Der Intendant der Alten Oper Dr. Markus Fein hat einen ausgewählten Kreis zu einem Expertengespräch, einer Pressekonferenz, zu einem zwischen Bach und Liszt schillernden, nicht öffentlichen Konzert und einer ersten öffentlichen Testaufzeichnung in den Mozart-Saal eingeladen, außerdem passend zum Ort den brillanten Pianisten Kit Armstrong als engagierten Botschafter für eine maßgeschneiderte innovative Raumakustik. Für ihn ist die Beschäftigung mit der Musik nämlich nicht allein in enger Beziehung zu anderen Künsten zu sehen, sondern ebenso zu Naturwissenschaften und Mathematik. Auch ist er mit den Potenzialen neuer Technologien und Künstlicher Intelligenz (KI) so sehr vertraut, dass er im Mozart-Saal mit den gestandenen Akustikerexperten neben den Kostproben seiner Klavierkunst auch ein kompetentes Gespräch führen konnte.

Der experimentierfreudige Pianist Kit Armstrong und Christoph Sladeczek, Gruppenleiter Smart Acoustic Solutions am Fraunhofer IDMT, beim ersten öffentlichen akustischen Test im Mozart-Saal, Foto: Petra Kammann

Der Intendant der Alten Oper Markus Fein projizierte gleich zu Beginn schon das Ereignis des Jahres 2030, in dem das Haus ein Doppeljubiläum zu feiern hat: 150 Jahre Oper in Frankfurt, die sich in dem wiederaufgebauten Gebäude, das vor 50 Jahren als Konzerthaus eröffnet wurde, vor dem Krieg befand und sich heute Alte Oper nennt. Beide Gebäude (oder Teile dessen) stehen zwar unter Denkmalschutz, sollen aber zukunftsfähig gemacht werden. Denn einiges sei auch in die Jahre gekommen, zumal gerade der Mozart-Saal ständig multifunktional genutzt werde. Das ziehe eben auch bauliche Veränderungen nach sich und dies nicht „nur“ aus brandschutztechnischen Gründen. So müssten die Decke abgehängt, die Balkone renoviert, verkleidet und der neuen Situation angepasst werden.

„Der Große Saal der Alten Oper gehört – wie uns weltweit konzertierende Musiker*innen immer wieder bestätigen – zu den akustisch besten Konzertsälen in Europa. Wir wollen nun auch für den mehr als 700 Personen fassenden Mozart Saal eine ähnlich perfekte Akustik schaffen; dazu nehmen wir nicht nur bauliche Verbesserungen vor, sondern setzen auch auf innovative Technik und Künstliche Intelligenz“, sagt Markus Fein.

Alte Oper-Intendant Markus Fein wirbt, Beteiligte einbeziehend, für Zukunftsstrategien, Foto: Petra Kammann

Um das organisch zu gewährleisten, dass dieser Ort der Musik und Kultur in den verschiedensten Facetten für eine international angelegte Stadtgesellschaft attraktiv bleibt, hat Fein sich entsprechende Gesprächs- und Kooperationspartner gesucht. Dass dem Forschungsprojekt des Fraunhofer IDMT dabei eine Vorreiterrolle zukommt, passe zum hauseigenen Anspruch, die Alte Oper „fit für den Konzertbetrieb der Zukunft zu machen“. Mit den vom Fraunhofer Institut entwickelten und durch KI gesteuerten Anpassungsmöglichkeiten könne der Saal jeweils individuell auf die akustischen Erfordernisse eingestellt werden: von Kammermusik bis Jazz, von einer Lesung bis hin zu einer Kongressveranstaltung. Daher müsse die derzeitige Akustik dort wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen flexibilisiert werden.

Kit Armstrong, Künstlerischer und wissenschaftlicher Botschafter des Projekts, Foto: Petra Kammann

Dabei würden die neuen technischen Möglichkeiten – er selbst habe sich davon überzeugen können – einen gleichbleibend perfekten Klang garantieren, selbst, wenn sich die akustischen Voraussetzungen im Saal oder auf der Bühne veränderten. Davon würden am Ende nicht nur die Konzertbesucher*innen, sondern auch die Künstler*innen profitieren. Für sie – und das bestätigte auch der anwesende Kit Armstrong – sei es immer wieder eine Herausforderung, sich bei knapper Zeit vor dem eigentlichen Konzert auf ein Instrument einzuspielen. Dabei sei der Klang und damit das, was der Pianist selbst wahrnehme, wenn er sich vorab einspiele, wegen des Nachhalls etwas völlig anderes als in einem vollen Haus, wo eine „Durchhörbarkeit“ nicht immer gewährleistet sei.

Allein, als Armstrong dasselbe Bach-Prädudium und dieselbe Fuge aus dem „Wohltemperierten Klavier“ zunächst raumfüllend auf dem Steinway-Flügel und anschließend auf dem Cembalo spielte, vermittelte er einen unmittelbaren Eindruck von dem, was Klangfülle oder Klangsparsamkeit im Raum bedeuten kann. So ist Armstrong offen und verfügt zudem über eine Doppelbegabung, wenn er begründet sagen kann, warum er sich für eine Erneuerung einsetzt: „Ich liebe neue Erfahrungen und bin von Natur aus neugierig. Mit KI-Systemen, die auf mein Spiel reagieren, habe ich bereits experimentiert und dabei spannende Erkenntnisse gewonnen. Es ist mir daran gelegen, die KI so einzusetzen, dass sie in vielen Bereichen eine Bereicherung darstellen kann, auch in unserer Welt der Musik. Umso mehr freue ich mich, nicht nur jetzt beim Startschuss des Projekts dabei zu sein, sondern die Alte Oper in den kommenden zwei Jahren bei der Entwicklung des neuen Systems zu begleiten und im September 2027 die Ergebnisse selbst ausprobieren zu können.“

v.l.n.r.: Marcus Blome, Vivace, Prof. Dr. Dr. Alexander Grychtolik, Hertie-Stiftung, Dr. Markus Fein, Kit Armstrong, Foto: Petra Kammann

Dennoch – so Fein – solle es keine „Beschallung“ geben, wenn mit Zusatzmitteln gearbeitet werde wie z.B. mit an den Wänden verteilten Rezeptoren und Lautsprechern. Mit dem von Müller BBM – hier vertreten durch den Geschäftsführer Marcus Blome – entwickelten Raumakustiksystem Vivace, das inzwischen an den verschiedensten Ecken der Welt in Konzertsäle eingebaut wird, soll der Saalakustik vielmehr mehr Wärme, Nachhall und Tiefe gegeben werden, die eine besondere Atmosphäre erzeugen können, wie er betont:„Die elektronische Akustik erweitert die Klangvielfalt und die Nutzungsmöglichkeiten des Raumes und eröffnet damit neue Perspektiven der künstlerischen Gestaltung.“

Langfristig unterstützt wird in dem zweijährigen Verfahren die Alte Oper von der in Frankfurt sitzenden Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die sich als „Impulsgeberin für Innovationen“ sieht, „die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen nachhaltig fördern“, wie es die Vorstandsvorsitzende der Stiftung Annette Schavan formuliert. Und auch weiter auch für bemerkenswerte Planungssicherheit sorgt…: „Mit der Unterstützung dieses Projekts möchten wir dazu beitragen, dass die Alte Oper Frankfurt auch in Zukunft ein Ort bleibt, an dem Musik, Wissenschaft und Technologie in besonderer Weise zusammenwirken. Die Verknüpfung von Musik mit ihrer integrativen Rolle und technologischem Fortschritt ist für uns ein zukunftsweisendes Modell, das weit über die Grenzen Frankfurts hinausstrahlen kann.“

Da hat sie nicht einfach nur „in die Tüte“ gesprochen. Denn die Stiftung hat sich mit diesem Engagement für fünf Jahre Förderpartnerschaft verpflichtet. Davon können so manche Kulturschaffende nur träumen. Ein gutes Zeichen für die Kulturmetropole des RheinMain-GebietsFrankfur ist es allemal. Und der Angang mit dem prozessualen Testverfahren wie hier in der Alten Oper ist durchaus als seriös zu bezeichnen und vermittelt Vorfreude, den Raum in naher Zukunft von verschiedenen Plätzen aus neu zu erfahren…

 

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