Zum 9. November – Licht und Schatten. Jubel und Abgrund
Der 9. November – 1918, 1938, 1989
Licht und Schatten. Jubel und Abgrund: Der 9. November ist der Schicksalstag der Deutschen. Bundespräsident Steinmeier hat anlässlich des 9. Novembers zu einer Matinee ins Schloss Bellevue eingeladen, um an die Ausrufung der Republik 1918, die Novemberpogrome 1938 und den Mauerfall 1989 zu erinnern.

Matinée im Schloss Bellevue mit Marina Galic, Jens Harzer und der Cellistin Nora Krahl, Foto: Bundespräsidialamt
Die Schauspieler Jens Harzer und Marina Galic haben – begleitet von der Cellistin Nora Krahl – aus Texten gelesen, die diese Ambivalenz reflektieren: Auszüge aus dem Tagebuch von Harry Graf Kessler (1918), Gedichte und Zeugnisse von Paul Celan und Nelly Sachs (1938) sowie Gedichte von Barbara Köhler, Elke Erb und Nadja Küchenmeister (1989).
Der Diplomat, Verleger, Publizist und Kunstmäzen Harry Graf Kessler, auch der „rote Graf“ genannt, führte ab seinem zwölften Lebensjahr über 57 Jahre Tagebuch und schuf damit ein Protokoll Europas aus der Zeit seiner größten Kraftentfaltung, aber auch am Beginn seines Weges in den Abgrund (Karl Schlögel). Begrüßte er 1914 zunächst den Krieg, wandelte er sich 1918 zum überzeugten Republikaner und Pazifisten und starb 1937 als Antifaschist im französischen Exil.
Das Leben der weltbekannten Dichter Paul Celan und Nelly Sachs ist durch ein tiefes Trauma geprägt: Paul Celans Eltern wurden im Juni 1942 von den Nationalsozialisten aus Czernowitz in ein Zwangsarbeiterlager deportiert. Beide starben bald darauf. Nelly Sachs und ihrer Mutter gelang es mit einer der letzten Passagiermaschinen aus Berlin nach Stockholm zu fliehen; den Befehl für den Abtransport in ein Konzentrationslager hatten sie da bereits erhalten. Beide Dichter fühlten sich in ihrer Verpflichtung, mit ihren Gedichten für die Ermordeten der Schoah Zeugnis abzulegen, verschwistert. Aber auch im Schmerz des Überlebt-Habens. (Marie Schmidt, SZ)
Die Büchner-Preisträgerin Elke Erb (1938–2024) und die Huchel-Preisträgerin Barbara Köhler (1959–2021) waren wichtige Dichterinnen zunächst der inoffiziellen Lyrikszene der DDR und später des vereinigten Deutschlands. Nadja Küchenmeister (*1981) bringt die Sicht einer jüngeren Generation ein.
Rede des Bundespräsidenten
„Die Selbstbehauptung der Demokratie – das ist die Aufgabe unserer Zeit.“ Bundespräsident Fran-Walter Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum 9. November, Foto: Bundespräsidialamt
In seiner Rede warnte der Bundespräsident vor den Gefahren für unsere Demokratie, die aus Extremismus und Antisemitismus erwachsen: Nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren Demokratie und Freiheit so bedroht.
Seine Forderung: eine wehrhafte Demokratie, in der es mit Extremisten keine politische Zusammenarbeit geben dürfe. Denn aus dem „Nie wieder!“ erwachse eine Verantwortung, die niemals vergehe. Sein direkter Appell an uns alle: Vertrauen wir uns selbst! Tun wir, was getan werden muss!

