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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Mit Know-how und Leidenschaft dem kulturellen Erbe neues Leben eingehaucht

Minister Timon Gremmels überreicht Denkmalschutzpreise im Biebricher Schloss

Von Hans-Bernd Heier

Denkmalschutz wäre ohne den leidenschaftlichen und finanziellen Einsatz vieler Menschen nicht möglich. Dieses Engagement würdigt der Hessische Denkmalschutzpreis. Der Preis wurde 1986 vom Landesamt für Denkmalpflege in Hessen und der LOTTO Hessen GmbH ins Leben gerufen. In diesem Jahr ist er mit 25.000 Euro dotiert; das Geld stiftet LOTTO Hessen. Das Preisgeld für die Kategorie „Ehrenamtspreis“ in Höhe von 7.500 Euro finanziert die Hessische Staatskanzlei. Das Spektrum der ausgezeichneten Objekte reicht vom wiederbelebten Gasthof über die restaurierte historische Turnhalle bis zur Fachwerk-Scheune mit Spa-Innenleben.

Waldecks Huus, Lauterbach (Vogelsberg); dieses Fachwerkhaus von 1820 befand sich fast 50 Jahre in einem „Dornröschenschlaf“, bis es von einer Privatperson wachgeküsst wurde; Foto: © Rahel Welsen

Die Preisträgerinnen und Preisträger haben mit Know-how, viel Leidenschaft und hohem finanziellen Einsatz dem kulturellen Erbe neues Leben eingehaucht. Es wurden Projekte in Frankfurt, Jossgrund (Main-Kinzig-Kreis), Lauterbach (Vogelsbergkreis), Grebenhain (Vogelsbergkreis), Hofgeismar (Landkreis Kassel), Schaafheim (Landkreis Darmstadt-Dieburg), Fulda, Darmstadt und Hochheim (Main-Taunus-Kreis) ausgezeichnet. Unterteilt sind die Preise in die Gruppen: „Privates Bauen“, die undotierte Kategorie „Öffentliches Bauen“ und „Ehrenamtspreis“.

„Mit unserem Hessischen Denkmalschutzpreis ehren wir nicht nur Engagement für unser kulturelles Erbe. Wir ehren auch den Einsatz der Preisträgerinnen und Preisträger für unsere Gesellschaft: Denn wer ein Kulturdenkmal saniert, belebt Innenstädte, stärkt Tourismus und Infrastruktur, unterstützt das traditionell arbeitende Handwerk und stärkt den Klimaschutz durch die Weiternutzung historischer Gebäude“, sagte Hessens Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels bei der Übergabe der Auszeichnungen in der Rotunde des Biebricher Schlosses.  Und weiter: „Die Denkmalpflege lebt vom Ehrenamt. Deshalb unterstützen wir Menschen, die sich in ihrer Freizeit für unser kulturelles Erbe einsetzen: So haben wir die Denkmalförderrichtlinie überarbeitet, um das serviceorientierte, bürgernahe Handeln des Landesamtes für Denkmalpflege zu stärken. Denn ohne den Einsatz zahlreicher Bürgerinnen und Bürger, Initiativen und Vereine wäre es nicht möglich, Denkmäler in ihrer Vielfalt und historischen Bedeutung zu bewahren.“

Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, ergänzte: „Die Auszeichnung mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ist ein aktives Bekenntnis zu unserer lokalen Baukultur. Das behutsame Wieder- und Weiterverwenden historischer Bauten ist ein höchst zeitgemäßer Umgang mit endlichen Ressourcen. Wir würdigen die Leidenschaft von Menschen für den Erhalt von historisch wertvollen Gebäuden. Der Preis ist auch eine Wertschätzung an die ausführenden Handwerker, ohne die jede Planung Papier bleiben würde“.

Zum Erhalt des kulturellen Erbes leistet auch LOTTO Hessen mit den Rubbellosen einen beachtlichen Beitrag. wie Martin J. Blach, Sprecher der Geschäftsführung von, betonte: „Knapp 110 Millionen Euro haben wir seit der Geburtsstunde der Rubbellose im Jahr 1986 für den Denkmalschutz erwirtschaften können, davon rund 5,8 Millionen Euro allein in 2024. Denn jedes verkaufte Rubbellos nutzt dem Denkmalschutz“.

Kategorie: Privates Bauen

Den ersten Preis in der Kategorie „Privates Bauen“ teilen sich zwei Projekte: Gertraud Gonné hat das um 1820 erbaute Fachwerkhaus Waldecks Huus in Lauterbach, das sich seit jeher im Familienbesitz befindet, behutsam und mit viel Eigeninitiative saniert. Dank des profunden Sanierungskonzeptes, der Unterstützung durch regionale Handwerksbetriebe und mit Hilfe der Familie ist es gelungen, dem Gebäude sein ursprüngliches Erscheinungsbild zurückzugeben. Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert.

Spa-Scheune, Jossgrund (Main-Kinzig); aus einer abrissreifen Scheune wird Wellness-Oase!; Foto: © Rahel Welsen

Ebenfalls den ersten Preis und 7.500 Euro erhalten Wencke und Dominik Oestreicher sowie Beate und Thomas Schreiber. Sie haben gemeinsam eine alte Scheune in Jossgrund vor dem Abriss gerettet und sie in eine Spa-Scheune umgebaut. Die Erhaltung des ortsbildprägenden Ensembles, zu dem die Scheune aus der Mitte des 18. Jahrhunderts gehört, ist ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung des historischen Ortsbildes und stärkt zudem den Tourismus in der Region.

Der zweite Platz in der Kategorie „Privates Bauen“ in Höhe von 6.000 Euro geht an Anna-Lisa und Quentin Saltzmann für die Sanierung des 1580 erbauten Alten Rathauses in Schaafheim. Sie legten Wert auf materialgerechtes Bauen mit Lehm, Schilfmatten und Kalkputzen. Mit dem dritten Preis in Höhe von 4.000 Euro werden Alexandra und Michael Mans für die Restaurierung der Gaststätte „Zum Roten Ochsen“ in Fulda geehrt. Sie haben das historische Erscheinungsbild des 1960 erbauten Hauses wiederhergestellt.

Kategorie: Öffentliches Bauen

Der erste Preis in der undotierten Kategorie „Öffentliches Bauen“ geht an die Stadt Frankfurt für die Instandsetzung der zwischen 1885 und 1887 erbauten Willemerschule in Frankfurt-Sachsenhausen. Bei der Renovierung wurden Brand-, Wärme- und Schallschutz sowie moderne Haustechnik mit den Erfordernissen eines Kulturdenkmals in Einklang gebracht. So wurden spätere Einbauten zugunsten des ursprünglichen Erscheinungsbildes zurückgebaut, die historischen Eichenfenster und -türen nach historischem Vorbild nachgebildet.

Willemerschule in Frankfurt; Brand-, Wärme- und Schallschutz sind neu, Altes wurde aufgearbeitet; Foto: © Rahel Welsen

Den zweiten Preis in der Kategorie „Öffentliches Bauen“ teilen sich die Städte Hofgeismar und Darmstadt. In Hofgeismar wurde das um 1560 erbaute ehemalige Kaufmannshaus am Markt 5 wiederbelebt. Bei den Renovierungsarbeiten wurden historische Bauelemente wie Bodenfliesen, Sandsteinplatten, Treppenanlagen, Torbögen, Fenster sowie die Eingangstür freigelegt, aufgearbeitet und ergänzt. Als barrierefreies Tourismuszentrum ist das Gebäude nun wieder öffentlich zugänglich. Mit einem weiteren zweiten Preis wird die Stadt Darmstadt ausgezeichnet. Sie hat die Turnhalle der Georg-Büchner-Schule instand setzen lassen. Die 1960 erbaute Turnhalle ist Teil des unter Denkmalschutz stehenden Gesamtensembles der Georg-Büchner-Schule, das zu den fünf Darmstädter Meisterbauten zählt. Historische Ausstattungen wurden aufgearbeitet und wieder eingebaut, nicht bauzeitliche Elemente nach historischem Vorbild ersetzt.

Die Preisträgerinnen und Preisträger sowie die Juroren und Laudatoren nach der Preisverleihung vor dem Biebricher Schloss; Foto: Hans-Bernd Heier

Der Ehrenamtspreis

Zum Ehrenamtspreis sagte Staatssekretär Benedikt Kuhn, Hessens Chef der Staatskanzlei: „Das ehrenamtliche Engagement in der Denkmalpflege ist ein wichtiger Bestandteil unserer kulturellen Identitäten und ein Zeichen für die Verbundenheit mit unserer Geschichte. Menschen, die sich mit Hingabe für den Erhalt historischer Bauwerke einsetzen, stärken das soziale Miteinander und den Zusammenhalt vor Ort“.

Der mit jeweils 2.500 Euro dotierte, von der Hessischen Staatskanzlei gestiftete Ehrenamtspreis geht an:

die Ernst-May-Gesellschaft e.V. in Frankfurt für die Instandsetzung einer historischen Gartenlaube in Frankfurt,

an die Dorfgemeinschaft Grebenhain-Crainfeld für die Restaurierung der Alten Schule aus dem Jahr 1907und

und an Klaus Schmikl aus Hochheim, einem engagierten Vermittler von Geschichte und Archäologie im Main-Taunus-Kreis.

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