Interimsqiuartier der Schirn ab Sonntag in der ehemaligen Dondorf Druckerei in Bockenheim
Ein neues Kapitel in der Geschichte der Schirn Kunsthalle
Am Sonntag, den 7. September ist es soweit: Da verlässt die renommierte Kunstinstitution Schirm ihr angestammtes Gebäude am Römerberg, das derzeit energetisch saniert wird, auf Zeit. Mit einer partizipativen Parade „In C – Community“ durch die Innenstadt feiert sie den Umzug in die eigens für die Nutzung der Schirn ertüchtigte, ehemalige Dondorf Druckerei in Bockenheim. Zusammen mit der international renommierten Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests aus Berlin, rund 100 Tänzerinnen und Tänzern und der Techno Marching Band MEUTE sind alle – Frankfurter und Nicht-Frankfurter eingeladen, teilzunehmen.

Marcus Gwechenberger, Martina Weinhart, Susanne Völker, Timon Gremmels und Sebatian Baden (v.l.) vor der Schirn in Bockenheim © Foto: Moritz Bernoully
Die Dondorf Druckerei auf dem Gelände des zukünftigen Kulturcampus Bockenheim gehört dem Land Hessen. Daher äußert sich der Hessische Minister für Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur Timo Gremmels über die kulturelle Zwischennutzung durch die Schirn äußerst positiv: „Der Einzug der Schirn in die ehemalige Dondorf Druckerei ist weit mehr als eine Übergangslösung – er ist ein kraftvoller Auftakt für den Kulturcampus Bockenheim. Die Schirn zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Ausstellungshäusern Deutschlands, und sie wird auch an ihrem neuen Standort ein herausragender Ort für Kultur, Begegnung und Inspiration bleiben. Das Land Hessen hat mit der unentgeltlichen Bereitstellung des Gebäudes den Weg dafür freigemacht, dass hier ein neuer,lebendiger Kulturort entsteht. Gemeinsam mit der Schirn setzen wir ein sichtbares Signal: Die Zukunft des Kulturcampus hat begonnen. Ich bin überzeugt, dass dieser Schritt als Startschuss für eine Entwicklung in guter Erinnerung bleiben wird, die Frankfurt und Hessen kulturell weit über die Region hinaus stärken wird.“,
Die international renommierte Schirn Kunsthalle Frankfurt muss umziehen, weil das Haupthaus in der Innenstadt saniert wird. Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig ist daher froh und dankbar ob des guten Zusammenspiels von Stadt und Land und der neuen Win-Win-Situation: „Wir als Stadt tragen dafür Sorge, dass unsere Gebäude und Kulturbauten gepflegt und erhalten bleiben. Es liegt uns am Herzen, ein so angesehenes Haus wie die Schirn Kunsthalle nachhaltig zu sanieren. Dass wir jetzt diese wunderbare temporäre Lösung in der Dondorf Druckerei auf dem zukünftigen Kulturcampus gefunden haben, freut mich persönlich ganz besonders. Die Schirn hat sich auf dieses Experiment mit bewundernswerter Offenheit eingelassen und die ehemalige Druckerei mit viel Feingefühl saniert und einen großartigen, inspirierenden neuen Ort mit Industriekultur-Charme geschaffen, der die Kulturlandschaft in Frankfurt bereichern wird. Dafür möchte ich mich persönlich bedanken und wünsche unserer Schirn einen tollen Start in ihrem neuen Interimsquartier.“
Miteinanderreden und Verhandeln ist am Ende immer bereichernd. Das Projekt zeige auch in diesem Fall. Die Stadt Frankfurt trägt die Kosten für die Ertüchtigung der Dondorf Druckerei, die insgesamt 6,3 Millionen Euro betragen. Das Land stellt dafür der Schirn das Gebäude kostenfrei zur Verfügung.
Die ehemalige Dondorf Druckerei bietet neue Perspektiven

Der Hof der ehemaligen Dondorf Druckerei in Bockenheim © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2025, Foto: Norbert Miguletz
Während der Sanierung des Stammhauses am Römer präsentiert die Schirn in der ehemaligen Dondorf Druckerei temporär ein internationales Ausstellungsprogramm zur Kunst der Moderne und Gegenwart. Das Gebäudeensemble wurde durch die Schirn für ihre Nutzung räumlich angepasst und ertüchtigt. Der Umbaumaßnahme ging eine Schadstoffsanierung voran, die das Hauptgebäude, die Nebengebäude sowie die angrenzende Ausstellungshalle betraf.
Auch der Dezernent für Planen und Wohnen Marcus Gwechenberger ist froh, dass das Gebäude der ehemaligen Dondorf Druckerei erhalten bleiben und weiterhin genutzt werden kann und lobt die zügige Vorgehensweise: „Innerhalb kürzester Zeit haben wir für dieses stadtbildprägende Backsteingebäude eine gute Lösung gefunden, die den Kulturcampus mit Leben füllt. So verbinden wir den Erhalt wertvoller Bausubstanz mit nachhaltiger Stadtentwicklung. Dass hier nun Kunst, Kultur und Initiativen einziehen können, ist ein Gewinn – nicht nur für den Kulturcampus, sondern für die gesamte Stadt“.
In der Schirn Bockenheim werden wie bislang am Römer jeweils zwei Kunstausstellungen parallel gezeigt. Dafür wurden im ersten Stockwerk des Hauptgebäudes ein klimatisierter Ausstellungsraum nach musealen Standards eingerichtet und die anliegende Ausstellungshalle für die Präsentation zeitgenössischer Kunst vorbereitet. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes wurde ein offenes, multifunktionales Foyer geschaffen, das Raum für Vermittlungsangebote und Veranstaltungen sowie ein Café und Aufenthaltsmöglichkeiten schafft und den Innenhof mit einbindet.
Natürlich ist Schirn-Direktor Sebastian Baden ist begeistert vom Interimsort und, dass alle an einem Strang gezogen haben: „Die ehemalige Dondorf Druckerei ist ein besonderer Ort, der durch zivilgesellschaftliches Engagement zahlreicher Initiativen nun erhalten bliebt. Dank der gemeinsamen Unterstützung durch die Stadt Frankfurt und das Land Hessen konnten wir hier innerhalb kürzester Zeit einen einladenden Kunstort schaffen. Die Eröffnungsparade ‚In C – Community‘ ist ein partizipatives und prozesshaftes Projekt von Sasha Waltz & Guests, das auf Vielfalt und Gemeinschaft setzt. Ganz in diesem Sinne möchten wir den neuen temporären Standort der Schirn eröffnen und gestalten. Wir laden unser Publikum, Kunstbegeisterte, unsere alten und neuen Nachbarinnen und Nachbarn ein, den Umzug der Schirn in Form einer Parade durch die Frankfurter Innenstadt mit uns zu feiern und gemeinsam die Türen zur neuen Schirn in Bockenheim zu öffnen. Hier wird die Kunsthalle in den kommenden Jahren gastieren und ein innovatives Programm aus hochkarätigen Ausstellungen, Vermittlungsprogrammen und Events entwickeln und so einen Ort der Begegnung, der Kunst und Kreativität für ein breites Publikum und alle Altersgruppen anbieten.“
Eröffnungsfeier mit bunter Parade vom Römerberg nach Bockenheim

„In C – Community“ am neuen Standort der Schirn Kunsthalle Frankfurt © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2025, Tänzer*innen: Niranh Söntgen, Kristina Veit und Lydia Tesfai, Foto: Harry Miller
Am Sonntag, den 7. September um 15 Uhr startet die partizipative Tanzperformance „In C- Community“ von Sasha Waltz & Guests an der Schirn auf dem Römerberg. Rund 100 Tänzerinnen und Tänzer in bunten Gewändern setzen sich von dort aus in Bewegung in Richtung Bockenheim, begleitet von der Techno Marching Band MEUTE. Dann geht es einmal quer durch die Stadt, über die Hauptwache, den Opernplatz, die Bockenheimer Landstraße bis zur Dondorf Druckerei.
Martina Weinhart, Kuratorin der Schirn Kunsthalle Frankfurt, erklärt das Konzept: „Die Compagnie Sasha Waltz & Guests hat mit ‚In C‘ einen innovativen und experimentellen Kosmos erschaffen, der Künstlerinnen und Künstler verschiedener Genres, Menschen und Communities in wechselnden Formationen und Variationen zusammenbringt. Das Stück basiert auf einem modularen System aus choreografischen Figuren, die die Freiheit des Individuums und seine Einbindung in die Gemeinschaft kunstvoll ausloten. Dabei entsteht eine ebenso dynamische wie mitreißende Verbindung von Tanz, Musik und Raum, bei der alle ein gemeinsames Ganzes kreieren: Die beteiligten Tänzerinnen und Tänzer, die Musiker, dieZuschauerinnen und Zuschauer und alle diejenigen, die die Parade der Schirn begleiten.“
Gefördert wurde das Projekt „In C – Community“ nicht zuletzt vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Susanne Völker, dessen neue Geschäftsführerin, betont daher: „Ein spartenübergreifender Umzug der Schirn Kunsthalle Frankfurt ins Interim ist konsequent. Auf der Grundlage von Terry Rileys offener Komposition ‚In. C‘ von 1964 hat die Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests ebenso variables wie choreographisches Material entwickelt, das experimentell angelegt ist und sich gemeinsam mit Rileys Musik kontinuierlich weiterentwickeln kann. Anlässlich ihres Umzugs in die ehemalige Dondorf Druckerei verbindet die Schirn in dem experimentellen Projekt ‚In C – Community‘ gemeinsam mit der Brass-Techno-Band MEUTE rund 100 Tänzer/innen und das Publikum. Die partizipative Performance praktiziert Teilhabe als demokratisches Prinzip und setzt damit den Ton für den Auftakt des SCHIRN-Programms am neuen Standort“. Als Kulturfonds Frankfurt RheinMain fördern wir dieses Projekt deshalb gerne und wünschen der SCHIRN am Interimsstandort ein treues und neues Publikum.“
Um 16 Uhr soll die Parade an der Dondorf Druckerei ankommen. Ab 16:30 Uhr gibt es Grußworte von Oberbürgermeister Mike Josef, Kulturdezernentin Ina Hartwig, Schirn-Direktor Sebastian Baden und Schirn-Kuratorin Martina Weinhart. Danach wird die Tanzperformance das Gebäude an verschiedenen Orten auf verschiedenen Etagen eröffnen und bespielen. Und ab 18:30 Uhr legt DJ ABIBA auf. Also, nichts wie hin! Da zeigt sich, wer sowohl beweglich ist und Interesse an gemeinschaftlichem Handeln hat!
