Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Karl Schlögel – Laudatorin Katja Petrowskaja
Ganz im Zeichen der Ukraine
Seit 1950, nunmehr seit 75 Jahren, werden die Träger und Trägerinnen des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels für ihre Verdienste für den Frieden, der Menschlichkeit und der Verständigung der Völker geehrt. In diesem Jahr wählte der Stiftungsrat des Börsenvereins den Historiker und Essayisten Karl Schlögel zum Friedenspreisträger des Jahres 2025 und setzt damit ein Zeichen der Solidarität.

Katja Petrowskaja, Foto: Sasha Andrusyk
Nun steht auch die Laudatorin fest, die den diesjährigen Historiker und Essayisten Karl Schlögel (darüber später mehr) zum Friedenspreisträger des Jahres 2025 ehren wird: die ukrainisch-deutsche Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin und Journalistin Katja Petrowskaja.
Katja Petrowskaja, geboren 1970 in Kiew (Ukraine), studierte von 1987 bis 1992 Literaturwissenschaft und Slawistik in Tartu (Estland). Nach einem Forschungsstipendium für die Stanford University und die Columbia University promovierte sie 1998 in Moskau im Fach Literaturwissenschaft und Slawistik. 1999 zog sie nach Berlin und arbeitete fortan für russischsprachige Medien und deutschsprachige Zeitungen (Neue Zürcher Zeitung, taz, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Deutsche Welle, Snob, Radio Liberty).
Mit der Erzählung „Vielleicht Esther“ gewann Petrowskaja 2013 den Ingeborg-Bachmann-Preis für deutschsprachige Literatur. Der Versuch, den nur noch undeutlich bekannten Gestalten einer weit verzweigten Familie auf die Spur zu kommen, führt sie durch halb Europa und durch die Katastrophen des 20. Jahrhunderts hinein in die Gegenwart des Jahres 2014. Ihr Kompass ist die Sprache – eine Sprache, die sich an den Rändern des Benennbaren entlangbewegt. Das im Frühjahr 2014 im Suhrkamp Verlag veröffentlichte Werk wurde in über 30 Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem „aspekte“-Literaturpreis (2014), dem Ernst-Toller-Preis (2015) und dem Schubart-Literaturpreis (2015).

Der diesjährige Friedenspreisträger Karl Schlögel, Foto: Phil Dera
Der deutsche Historiker und Essayist Karl Schlögel gilt als einer der profiliertesten Kenner Osteuropas, der in seinen Arbeiten detailreiche Alltagsbeobachtungen mit einer raumbezogenen Geschichtsschreibung verbindet, um die Kultur- und Zeitgeschichte Russlands und Osteuropas neu zu erzählen. Mit Werken wie „Terror und Traum“ oder „Das sowjetische Jahrhundert“ hat er Maßstäbe für eine anschauliche, lebendige Geschichtsschreibung gesetzt.
In der Begründung der Jury heißt es u.a.: „Als Wissenschaftler und Flaneur, als Archäologe der Moderne, als Seismograph gesellschaftlicher Veränderungen hat er schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs Städte und Landschaften Mittel- und Osteuropas erkundet. Er hat Kyjiw und Odessa, Lwiw und Charkiw auf die Landkarten seiner Leserinnen und Leser gesetzt und St. Petersburg oder Moskau als europäische Metropolen beschrieben. Mit seiner Erzählweise, die Beobachten, Empfinden und Verstehen verbindet, korrigiert er Vorurteile und weckt Neugier. „Und weiter laute seine Mahnung an uns:, dass es ohne eine freie Ukraine keinen Frieden in Europa geben könne.
Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, den 19. Oktober 2025, in der Frankfurter Paulskirche statt und wird live um 11 Uhr im ZDF übertragen.
(pk)
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2025 geht an Karl Schlögel
Weitere Informationen zum Friedenspreis unter:
www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de
