Skulpturengarten des Kommunikationsmuseums erweitert
Einladung zum Kunst-Diskurs im Freien
Von Hans-Bernd Heier
Zu der vielseitigen Sammlung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation gehört auch Kunst, darunter Werke von Carl Spitzweg, Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter und Max Ernst. Ebenso zählen Installationen und zeitgenössische Kunst mit Medienbezug wie das berühmte „Hummertelefon“ von Salvador Dalí oder das Telefon „S– – “ von Joseph Beuys zu den Spitzenwerken der hochkarätigen Kollektion. Mit der „Kunstspur“ wurde im Museum für Kommunikation Frankfurt in diesem Frühjahr die Mediengeschichte im Spiegel der Kunst neu erzählt. Jetzt wird das Kunst-Angebot mit dem Skulpturengarten erweitert. Am Rande der Blühwiese des Museums sind in dem neuen kleinen Park insgesamt neun Plastiken mit Kommunikationsbezug zu sehen.

„Putto mit Posthorn“, 1914. Künstler unbekannt; Foto; © Museumsstiftung Post und Telekommunikation / Foto: Stefanie Koesling
Besucherinnen und Besucher des Kommunikationsmuseums werden schon vor Betreten des modernen Gebäudes auf Kunst eingestimmt: Sie werden von Nam June Paiks ikonischer Medienplastik „Pre-Bell-Man“ begrüßt. Pferd und Reiter sind nach aufwendiger Restaurierung wieder an den bisherigen Standort zurückgekehrt und gelten als Signet des Frankfurter Hauses.
Auf dem Weg zum Skulpturengarten kommen die Gäste ans Jean-Luc Cornecs beeindruckendem KunstwerkTribuT“ aus dem Jahre 1989 vorbei. Das tönende Ensemble besteht aus Schafen, die aus Draht, Telefonapparaten, -schnüren und -hörern geformt sind und die sich – scheinbar grasend, liegend oder schauend – zu einer Herde formieren. Die Köpfe bestehen aus alten grauen Wählscheibentelefonen aus den 1960er Jahren. Telefonschnüre bilden die gekräuselte Schafwolle und die ehemalige Hörer die Unterschenkel, bei denen teilweise das eine Ende hufförmig gebogen wurde. Mittels eines Zufallsgenerators klingeln die einzelnen Schafe dieser „Herde“ an verschiedenen Stellen und in unterschiedlichen Tönen.

Gartenansicht mit den Skulpturen „Hermes“ und „Merkur“; Foto: Hans-Bernd Heier
Die Umgestaltung der ursprünglichen Rasenfläche zur biodiversitätsfreundlichen Blühwiese hat die Museumsleitung zur Erweiterung des Gartens mit neuen visuellen Anreizen inspiriert. Wie in einem englischen Landschaftspark sollen Skulpturen erheiternde Verrücktheiten, sogenannte „Follies“, im Grünen zwischen dem historischen Villengebäude und dem gläsernen Museumsneubau bilden, wie beispielsweise der „Putto mit Posthorn“, aus dem Jahre 1914. Dieser Putto aus Sandstein stammt aus dem ehemaligen Postamt 70 in Frankfurt-Sachsenhausen.
„Ich freue mich, dass wir zu den bereits bestehenden Skulpturen – zum Beispiel „Elektron“ von Emma Cadwallader-Guild, „Der Lauschende“ oder „Hermes“ des Künstlers Willy Meller – nun im Garten des Museums für Kommunikation Frankfurt noch mehr Plastiken aus unserer Museumssammlung öffentlich präsentieren können. Es ist immer besonders schön, solche Schätze aus der Sammlung zu heben und den Gästen zugänglich machen zu können. Ob Figuren aus der Mythologie oder Darstellungen von Personen aus der Post- und Telekommunikations-Geschichte, alle symbolisieren die hohe Relevanz von Kommunikation, die bis in die heutige Zeit ungebrochen ist“, betont. Direktorin Dr. Annabelle Hornung.
Mit den Neuzugängen befinden sich nun insgesamt neun Plastiken mit Kommunikationsbezug im Museumsgarten. „Die Auswahl wurde bewusst getroffen, um Redeanlässe zu schaffen und die Geschichte der Kommunikation im Außenraum weiter zu reflektieren“, so Hornung.

„Call from Africa” von Henry Munyaradzi; Foto:© Museumsstiftung Post und Telekommunikation / Foto: Stefanie Koesling
Bei den neuen Skulpturen handelt es sich um „Call from Africa” von Henry Munyaradzi, „Generalpostmeister Heinrich von Stephan“ von Reinhold Begas, ein „Putto mit Posthorn“ eines unbekannten Bildhauers, „Generalpostmeister Johann Friedrich von Seegebarth“ von Carl Widemann, „Hermes“ von Engelbert Peiffer und „Merkur“ von Markus Lüpertz.
Natürlich dürfen in einem derartigen Garten nicht die Büsten von dem hochverdienten Generalpostmeister Johann Friedrich von Seegebarth und dem visionären Generalpostmeister Heinrich von Stephan fehlen. Stephans Porträt hat 1893 der renommierte Bildhauer Reinhold Begas für die Halle des neu gebauten Kölner Hauptpostamtes geschaffen.
Besondere Aufmerksamkeit dürfte die Skulptur „Call from Africa” von Henry Munyaradzi Ruwa (aus den Nähe von Harare) aus dem Jahre 1985 wecken. Munyaradzi (1931 – 1998) ist einer der ersten modernen Bildhauer Zimbabwes. Er arbeitete im ländlichen Zimbabwe ohne Schulbildung als Hirte und traditioneller Jäger, als er 1967 zufällig in die Künstlerkolonie Tengenenge kam und Bildhauer bei der Arbeit sah.
Er entwickelte sich als Autodidakt zu einem führenden Bildhauer in Tengenge. Zu dieser Zeit kam es zu einer Wiederbelebung der Steinbildhauertradition Zimbabwes, auch als „Shona-Kunst“ bezeichnet. Mit seinem einfachen Stil aus überschneidenden Formen ließ sich Munyaradzi meist von der natürlichen Form des Steins zu spontaner Arbeit ohne Vorzeichnung inspirieren. Mit Ausstellungen im Musée Rodin in Paris und im New Yorker Museum of Modern Art gelang ihm Anfang der 1970er Jahre sein internationaler Durchbruch.
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