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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Nach dem Schirn-Umzug – Filmische Installationen von Stephanie Comilan

Märchenhafte „Science Fictions Documentaries“

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert vom 25. September 2025 bis zum 4. Januar 2026 parallel zum Gastlandauftritt der Philippinen auf der Frankfurter Buchmesse die philippinisch-kanadische Künstlerin und Filmemacherin Stephanie Comilan (*1980) in einer großen Soloausstellung im temporären Standort in Bockenheim. Erstmals in Deutschland zu sehen sind deren eindrucksvolle filmische Installationen zwischen Dokumentation und poetischer Erzählung. Die Ausstellung verbindet den Ozean und die Seefahrt, die den Inselstaat der Philippinen prägen, mit Fragen zur indigenen Kultur und zum kulturellen Austausch.

Stephanie Comilang, Still von Search for Life I, 2024, Video, Farbe, Ton, 20:20 Min. Courtesy the artist, ChertLüdde, Berlin, and Daniel Faria Gallery, Toronto. Search for Life is a work in the form of a diptych commissioned by TBA21, Sharjah Art Foundation, and The Vega Foundation. Collection of The Vega Foundation

Comilang befasst sich mit migratorischen Erfahrungen und erkundet Ökonomie, Arbeit, Technologie und postkoloniale Verflechtungen in einem globalen Zusammenhang. Mensch und Natur, Heimat, Arbeitsmigration und Diaspora sowie der Umgang mit Ressourcen sind wiederkehrende Anliegen ihrer vielschichtigen Erzählungen.

Ihre beiden jüngsten Filme Search for Life. Diptych (2024/25) sowie Diaspora Ad Astra (2020) können als Prolog verstanden werden. Diese aufwändig produzierten Filme setzt Comilang in raumgreifende Installationen mit textilen Arbeiten und skulpturalen Objekten in Beziehung.

Stephanie Comilang, Still von Search for Life I, 2024, Video, Farbe, Ton,  Courtesy the artist, ChertLüdde, Berlin, and Daniel Faria Gallery, Toronto. Search for Life is a work in the form of a diptych commissioned by TBA21, Sharjah Art Foundation, and The Vega Foundation. Collection of The Vega Foundation

Die Künstlerin dringt tief in den jeweiligen Kontext ein und verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie kombiniert Recherchen und historische Fakten mit fiktionalen Elementen und persönlichen Erzählungen unterschiedlicher Protagonist*innen, wobei immer wieder Fragen der Zugehörigkeit und die Suche nach der (eigenen) Identität aufscheinen.

Stephanie Comilang, Still von Search for Life II, 2025. Video, Farbe, Ton, 18:22. Min. Courtesy the artist, ChertLüdde, Berlin, and Daniel Faria Gallery, Toronto. Search for Life is a work in the form of a diptych commissioned by TBA21, Sharjah Art Foundation, and The Vega Foundation. Collection of The Vega Foundation

Comilang konfrontiert Märchenhaftes mit harten Realitäten; sie vereint Fiktion und Authentizität auch technisch durch eine Kombination von High-End-Produktion mit Drohnen- und Smartphone-Aufnahmen, Vlog-Vignetten oder auch Livestreams. Dafür hat die Künstlerin einen eigenen Begriff geprägt: Sie selbst bezeichnet ihre Filme als „science fiction documentaries“.

Ergänzt wird die Videoinstallation durch textile Arbeiten aus Denim mit it Stickereien von abstrahierten Blüten von Kolonialwaren wie Mango, Kakao, Kaffee und Banane.und skulpturale Elemente: Auf zwei lebensgroßen Figuren wird Piña-Gewebe gezeigt, eine traditionelle Textilfaser aus Ananasblättern. Die Stoffe verweisen auf die kolonialen Verflechtungen zwischen den Philippinen, Spanien und Mexiko und wurden digital mit Pflanzen- und Schmetterlingsmotiven bestickt, was die traditionelle Handwerkstechnik mit der zeitgenössischen Computertechnologie zusammenführt.

Porträt von Stephanie Comilang in ihrem Studio, Berlin, 2024 Courtesy of the artist and ChertLüdde, Berlin; Daniel Faria Gallery, Toronto, und Fundación TBA21, Madrid, Foto: Trevor Good

STEPHANIE COMILANG (*1980, Toronto, Kanada)

ist eine philippinisch-kanadische Künstlerin, die in Berlin lebt und arbeitet. Ihre Arbeiten wurden bereits in der Tate Modern in London (2022), dem Hamburger Bahnhof in Berlin (2021), auf dem Internationalen Film Festival in Rotterdam (2018), im Museo Thyssen Bornemisza in Madrid (2024) sowie auf der Sharjah Biennale in den Vereinigten Arabischen Emiraten (2025) gezeigt. 2019 erhielt Comilang mit dem Sobey Art Award den renommiertesten kanadischen Kunstpreis.

„STEPHANIE COMILANG. COORDINATES AT DAWN“

25. SEPTEMBER 2025 – 4. JANUAR 2026

Zur Ausstellung „Stephanie Comilang. Coordinates at Dawn“ erscheinen im Printmagazin Beiträge von Gün Tank, Hera Chan und Anna Deller-Yee. SCHIRN PAPER, Ausgabe 1, Herbst 2025 (erscheint am 14. September 2025), herausgegeben von der Schirn Kunsthalle Frankfurt, mit Beiträgen von Hera Chan, Anna Deller Yee, Odile Kennel,Marc Krause, Talia Kwartler, Anja Nolte, Ingrid Pfeiffer, raumlabor, Philine Sollmann, Gün Tank und Sasha Waltz & Guests, deutsch–englische Ausgabe, ca. 80 Seiten, ca. 50 Abbildungen, 19 × 26 cm, Broschur, 15 € (Schirn)

ERÖFFNUNG

Mittwoch, 24. September, 19 Uhr

Die Schirn lädt zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung „Stephanie Comilang. Coordinates at Dawn“ ein. Mit Live-Musik von DJ JenniRae.

ARTIST TALK

Donnerstag, 20. November, 19 Uhr

Die Künstlerin Stephanie Comilang spricht mit der Kuratorin Martina Weinhart über die Werke und die Konzeption der Ausstellung. Das Event findet mit der Unterstützung der Botschaft von Kanada statt.

OFFENER LESEBEREICH

Zur Ausstellung wurde im Foyer ein Lesebereich eingerichtet, der während der Öffnungszeiten der Schirn auch ohne Ticket kostenfrei zugänglich ist. Dort sind Publikationen zusammengestellt, die sich direkt, aber auch assoziativ auf das Werk von Stephanie Comilang und die zentralen Fragen ihrer Arbeiten – Migration, Postkolonialismus, Natur und Technologie – beziehen. Der offene Leseraum kann aktiv genutzt werden – zum Stöbern, zum Vertiefen von Gedanken, für Gespräche.

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