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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

„Book of hours and landscapes“ – Stundenbücher und Landschaften

Für Ohren, Augen und Herz – betörend schöne Klänge in Kapelle und Museum

von Simone Hamm

Peter Zumthor baute am neuen Kölner Diözesanmuseum, als ein Wachendorfer Bauernehepaar sich an ihn wandte. Trudel und Hermann-Josef Scheidtweiler baten den Stararchitekten, auf einem ihrer Felder eine Kapelle zu errichten, „aus Dankbarkeit für ein gutes und erfülltes Leben“. Diese Kapelle solle dem Friedensheiligen Nikolaus von Flüe, Bruder Klaus (1417-1487, heilig gesprochen 1947) gewidmet werden.

Ein Monolith in der Landschaft – Zumthors Bruder Klaus Kapelle lud zum Lauschen ein, Foto: Noah Vinzens

Bruder Klaus hatte einst durch kluge Beratung zweier Kontrahenten einen Krieg verhindert. Er ist der Schutzpatron der Katholischen Landvolkbewegung und der Katholischen Landjugendbewegung, für die Hermann-Josef Scheidtweiler viele Jahre ehrenamtlich gearbeitet hat.

Bruder Klaus war Schweizer wie Peter Zumthor. Und: er war der Lieblingsheilige von Zumthors Mutter. Der Architekt stimmte zu, verzichtete auf jegliches Honorar und stellte nur eine Bedingung: Die Kapelle solle nach seinen Vorstellungen gebaut werden.

Wie ein Monolith wirkt die Bruder Klaus Kapelle inmitten der Felder: ein fünfeckiger, 12 Meter hoher großer Turm, der sich ganz organisch in die karge Landschaft einfügt. 112 Baumstämme wurden im Wald von Bad Münstereifel für das Innengerüst der Kapelle geschlagen und wie ein Zelt, wie ein Wigwam aufgebaut.

 Drei Monate lang ließen die Handwerker ein Feuer glimmen, bis die Stämme verkohlt waren. Verkleidet wurden sie mit vielen Betonschichten, einer Mischung aus rötlich-gelben Sand, Flusskiesel und Zement.Von oben dringt durch eine ovale Öffnung Licht ein, Fenster gibt es keine, nur Lichtröhren.

Ein Ort der Stille, der Kontemplation. Und doch auch ein perfekter Ort, um zu kommunizieren, zu musizieren.

Jeremias Schwarz schuf mit seiner Flöte eine kontemplative Atmosphäre, Foto: Noah Vinzens

„Book of hours and landscapes“ haben die Kuratoren des Kolumbamuseums und das Transient Ensemble ihr „Sinnerlebnis“ genannt, das Architektur, Klangräume, zeitgenössische Musik und bildende Kunst in einen Dialog bringt.

Im Kolumba Museum in Köln gab es zwei Tage lang Ausstellungen und Konzerte mit (meist) zeitgenössischer Musik, Klangerlebnisse. In der Bruder Klaus Kapelle und davor – unter strahlend blauem Himmel – waren Kompositionen von Hildegard von Bingen und Josquin Desprez bis hin zu John Cage und Peter Eötvös zu hören.

Auf dem Feld vor der Kapelle klopften Mitglieder des Transiet Ensembles auf Blättern, Hölzern und Gräsern eine meditative Improvisation von Yoko Ono.

Improvisationen von Yoko Ono draußen in freier Natur, Foto: Noah Vinzens

Und in der Kapelle war Musik der frühen Renaissance zu hören: Josquin Desprez. Olivia Stahn sang, Jeremias Schwarzer, der künstlerische Leiter von „Book of hours and landscapes“, spielte Blockflöte.

Die Cellistin Valerie Fritz saß vor der Mauer der Kapelle, spielte und rezitierte Peter Eötvös‘Poems for Polly“ .

Zu den „Poems für Polly“ spielte die Cellistin Valerie Fritz, Foto: Noah Vinzens

Frank Reinshagen hatte „Note to a mystery man“ komponiert. Er spielte Saxophon, dazu war ein Didgeridoo von Eugen Krah zu hören und von Ferne die sanften Gesänge eines Chores. „Note to a Mystik Man“ hatte Reinshagen seine neue Komposition treffend betitelt.  Die Musiker schickten leise Klänge ihrer sonst so lauten Instrumente hinaus auf die Felder.

Klangerlebnisse in den verschiedenen Räumen des Kolumba Museums, Foto: Noah Vinzens

Das Kolumba Museum liegt im Herzen von Köln. Hier tobt der Verkehr. Aber im Museum selbst ist es den Ausstellungsmachern gelungen, eine ebensolche kontemplative Atmosphäre zu schaffen wie in der Bruder Klaus Kapelle. Auf allen Ebenen, in vielen verschiedenen Räumen wird musiziert. Mitwirkende sind auch hier – wie in der Eifel, die Musiker von Transient und Tonipol, das Ensemble der Rheinischen Musikschule, geleitet von Marei Seuthe.

Entspannung pur in Kölns Stadtmitte im Kolumba, Foto: Noah Vinzens

Die Besucher und Besucherinnen gehen von Raum zu Raum. Es gibt keine festen Anfangszeiten der Performances, jeder bleibt, wo es ihm oder ihr gefällt. Sakrale Kunst hängt an den Wänden und junge Künstler haben mit ihren Werken einzelnen Räume ein anderes Flair verliehen. In Videoprojektionen ist die Bruder Klaus Kapelle zu sehen. Und so schließt sich der Kreis.

 

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