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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Michael Sowas „Fragile Idyllen“ im Caricatura

Sprichwörtliches in brillant-komische Gemälde übersetzt

Von Hans-Bernd Heier

Das Caricatura Frankfurt Museum würdigt den renommierten Maler und Illustrator Michael Sowa anlässlich seines 80. Geburtstags mit einer umfassenden Einzelausstellung. Die Retrospektive „Michael Sowa – Fragile Idyllen“ bietet einen repräsentativen Einblick in das vielseitige Werk eines Künstlers, der sich damit in das kollektive Bildgedächtnis der Bundesrepublik Deutschland eingeschrieben hat. Insgesamt sind 287 Werke aus allen Schaffensperioden in der großartigen Schau versammelt. Dank der Leihgaben von knapp 50 privaten Sammlerinnen und Sammlern ist eine Zusammenstellung gelungen, die es so noch nie zu sehen gab.

Lieber Lesen“; © Michael Sowa

Michael Sowa wurde am 1. Juli 1945 in Berlin geboren, wo er bis heute lebt. Nach einem Kunstpädagogikstudium an der Hochschule der Künste Berlin arbeitete er einige Monate in Teilzeit als Lehrer, beschäftigte sich aber weiter mit Malerei. Seit den frühen 1980er Jahren machte Sowa mit Plakaten für die Partei „Die Grünen“ auf sich aufmerksam, was ihm rasch Anerkennung als Illustrator einbrachte. 1988 lieferte er gleich zwei Titel für die Satirezeitschrift „TITANIC“. Viele Veröffentlichungen in der Satirezeitschrift folgten. Auch erschienen Beiträge in der Süddeutschen Zeitung und in der taz. Mit dem Gemälde „Last Minute Errand“ schaffte Sowa es 2002 sogar auch auf den Titel des renommierten „The New Yorker“.

Besonders geschätzt wird Sowa für seine illustrative Begleitung literarischer Werke namhafter Autoren und Autorinnen, darunter Axel Hacke, Elke Heidenreich, Gerhard Polt, Donna Leon, Roger Willemsen, Max Goldt und Eva Demski. Für die Oper Frankfurt entwarf er das Bühnenbild für die 1998 uraufgeführte Inszenierung der „Zauberflöte“ von Alfred Kirchner, die bis 2022 über 150 Aufführungen erlebte. Bereits ab den 1980er Jahren fanden die Werke des Malers in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland Beachtung. Besonders in Japan feierte der Künstler große Erfolge mit zahlreichen Werkschauen.

„Schweine raus aus Dödenstedt“; © Michael Sowa

Internationale Aufmerksamkeit erlangte Sowa durch seine Mitarbeit am Filmklassiker „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (2001). Die für den Film geschaffenen Tierportraits sowie die Schweinelampe haben längst Kultstatus erreicht. Auch für den Animationsfilm „Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“ (2005) gestaltete der vielfach ausgezeichnete Künstler Szenenbildentwürfe und Kulissenbilder. Sowa erhielt u. a. 1995 den Olaf-Gulbransson-Preis, 2004 den Berliner Buchpreis in der Kategorie Kinderbuch (für „Prinz Tamino“), 2013 den Göttinger Elch für sein satirisches Lebenswerk, 2015 den Sondermann-Preis und zuletzt 2020 den e.o.plauen Preis.

So was wie ein internationaler Erfolg ist nicht zuletzt der thematischen Vielfalt und Zeitlosigkeit seiner Bildwelten zu verdanken. „Trotz aller Absurdität und Skurrilität wohnt Werk ein feinsinniger, universeller und humanistisch geprägter Humor inne. Seine Themen sind das Außergewöhnliche im Alltäglichen und das Alltägliche im Außergewöhnlichen, Menschliches und Tierisches, Stille und Einsamkeit, aber auch Lebendigkeit und Ausgelassenheit“, so Martin Sonntag, Leiter des Caricatura Museums Frankfurt.

Illustration aus Hackes Tierleben; © Michael Sowa

Charakteristisch für seine Arbeiten ist eine altmeisterlich anmutende Malweise in Acryl häufig in gedeckten Farben und erdigen Tönen. Diese verleihen seinen melancholisch traumhaften Bildern eine besondere Tiefe, die oft mit einer tragikomischen Note verbunden ist.

Typisch für sein Gesamtwerk ist ein wiederkehrendes Repertoire an Symbolen und Motiven: tosende Wellen, mächtige Wolkenformationen, nächtliche Landschaften sowie überdimensionale Tier-Gestalten und Schatten, welche die fragilen Idyllen brechen und in gleichermaßen bedrohliche wie humorvolle Szenerien überführen. Und nicht zuletzt sind da die Tiergestalten: Schweine, Katzen, Hasen, Gänse und Hunde bevölkern die tollsten Landschaften und allzu Menschliches spiegelt sich in den vielen portraitierten Tieren wider.

Michael Sowa; Foto: © Stefanie Gritz-Sowa

„Die Sowa’sche Komik lebt von den Kontrasten: mal durch das Spannungsverhältnis zwischen feinmalerischer Technik und naivem Inhalt, mal durch den Bruch des Alltäglichen durch obskure Requisiten. Hinzu kommt die scheinbar unbändige Lust des Malers, Komposita und Sprichwörtliches in brillant-komische Gemälde zu übersetzen, mit Blickwinkeln zu spielen, skurrile Räume und unerklärliche Landschaften zu entwerfen. Das alles schafft Irritierendes, Rätselhaftes und Doppeldeutiges, das einlädt, immer wieder entdeckt zu werden“, erläutert Sonntag.

Im Verlag Antje Kunstmann ist anlässlich des 80. Geburtstags des Künstlers die opulente Sonderausgabe „Michael Sowa – Fragile Idyllen“ erschienen.

Die sehenswerte Präsentation, die noch bis zum 9. November 2025 im Caricatura Frankfurt Museum – Museum für Komische Kunst zu bewundern ist, wird vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain und der FAZIT-Stiftung unterstützt.

Weitere Informationen unter:

www.caricatura-museum.de

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