„Ein Glück“ – Wachsender Erfolg bei der 3. Auflage des französischen Theaterwettbewerbs in Hessen
Concours-théâtre en langue française des écoles de Hesse
Hessische Finalisten zu Gast in der Carl-Schurz-Schule in Frankfurt
Von Petra Kammann
Spannend war es, die Schüler und Schülerinnen aus Frankfurt, aus den umliegenden Gemeinden und aus ganz Hessen zu erleben, die zu Schuljahresende am Finale des französischen Theaterwettbewerbs in der Carl Schurz-Schule in Frankfurt teilgenommen haben. Inspiriert und voller Hoffnung auf einen Preis kamen sie aus Schwalbach, aus Büdingen und aus Marbach angeschwärmt.

Die Finalisten des französischen Theaterwettbewerbs am 27.6. in der Carl-Schurz-Schule in Frankfurt, in der ersten Reihe links: Inspirator Emmanuel Beaufils, Foto: privat
Eine zweifellos wichtige Erfahrung für Neunt- und Zehntklässler, an einem fremdsprachigen Theaterauftritt teilzunehmen. Mutig und ermutigend, in einer fremden Sprache zu denken, zu phantasieren, zu schreiben und zu sprechen, und dann noch das Geschriebene in Theaterbilder umzusetzen und mit Geringstmitteln auf die Bühne, hier auf die der Schulaula, zu bringen.
Und dazu noch, vor einem Publikum und einer vierköpfigen Jury zu bestehen. Das stärkt zweifellos nicht nur die sprachlichen Fähigkeiten, sondern auch das Selbstbewusstsein der Jugendlichen in oder kurz nach der Pubertät, in einer Phase, in der sich so viel für den Verlauf des weiteren Lebens entscheidet.

Beratung in der Pause, v.li: Emmanuel Beaufils, Elke Waldeier-Odenthal, Thilo Karger, Foto: Petra Kammann
Die fabelhafte Idee kam von Emmanuel Beaufils, dem Attaché für Sprache und Bildung in NRW und Hessen am Institut Français. Er hatte 2023 mit großem Engagement den Wettbewerb in Gang gesetzt. Er selbst brachte zwar den Kooperationspartner Institut francais gewissermaßen von Haus aus mit, doch überzeugte er auch die Vertreter der französischen Bibiliothek „Au plaisir de lire“ in der Carl-Schurz-Schule in Frankfurt. Sie war über viele Jahre ehrenamtlich von der früheren Französischlehrerin Elke Waldeier-Odenthal sowie der Gruppe LESartEN, zu der sie wie auch der Französischlehrer Thilo Karger neben anderen engagierten Lehrinnen und Lehrern gehören. Heute kümmert sich darum Thilo Karger. Er wurde ebenso gewonnen wie Carl-Schurz-Schulleiter Christof Gans, der die angereisten Schüler und Schülerinnen herzlich begrüßte.
Manche Finalisten setzten auch selbstgedrehte Filme oder projizierte Fotos als Bühnenhintergrund ein, Foto: Petra Kammann
Man kann sich vorstellen, dass sowohl eine Menge Arbeit als auch Einfühlungsvermögen hinter einer solchen Organisation steckt. Die Organisation des Concours wird auch von der Gruppe LESartEN geleistet.
Zunächst einmal hatten die Schüler und Schülerinnen der 9. und 10. Klasse Stücke unter einem bestimmten Thema – in diesem Jahr lautete es: „Le bonheur / Das Glück“ – eingereicht, die sie auf der Bühne vor einem Publikum spielen sollten. Allein das Thema setzt natürlich herrliche Phantasien frei. Wer suchte nicht nach dem Glück? Allein, wir haben ganz unterschiedliche Ideen davon, was sich auch in den erfundenen Stücken wiederfand.
Ganze Lebensphasen wurden durchgespielt wie hier eine Hochzeitsszene, Foto: Petra Kammann
Und es spiegelte sich schon in den Titeln wider. Da heißt es zum Beispiel einmal: „Le bonheur a plusieurs visages“ / „Das Glück hat verschiedenen Gesichter“, ein anderes mal ganz poetisch: „La mélodie du bonheur“/“Die Melodie des Glücks“, oder auch ganz profan „Le chewing gum du bonheur“/“Das Kaugummi des Glücks“. 27 Stücke waren insgesamt schon im Januar eingereicht worden, die natürlich alle gelesen und begutachtet werden mussten. Zehn der Stücke von ihnen wurden dann ausgewählt, die beim Finale in der Carl-Schurz-Schule aufgeführt und von einer 4-köpfigen Jury ausgewertet wurden.
Und dann die Trauer im Krankenhaus, weil die Mutter überfordert war, Foto: Petra Kammann
Waren es 2023 noch 14 Stücke, die von hessischen Schulen eingereicht worden waren, so waren es 2024 schon 21 und in diesem Jahr schon 27 Stücke. Mitmachtendenz also steigend. Und ein Hinweis darauf, dass das Life-Erlebnis, auf der Bühne zu stehen und dort per unmittelbarer Rückmeldung Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, doch offensichtlich motivierender ist als nur das Leben nur per tiktok vom Handy aus zu verfolgen. Davon ließ sich übrigens auch das Hessische Kultus- und Bildungsministerium überzeugen, das eine Vertreterin schickte.

Eine Ehre für die Schüler: die Präsenz des französischen Generalkonsuls Nicolas Bergeret beim Finale, Foto: Petra Kammann
Kein Wunder also, dass der französische Generalkonsul Nicolas Bergeret es sich nicht nehmen ließ, eigens zum Ereignis zu kommen und eine aufmunternde Rede an die Schüler zu halten. Er berichtete begeistert vom starken Engagement der hessischen Schulen für die französische Sprache, das er erfuhr, seitdem er knapp ein Jahr in Frankfurt residiert. Da habe er schon so manch engagierte Lehrkräfte und hochmotivierte Schüler erlebt.
Gleichzeitig hob er hervor, dass Begeisterung auch für das Erlernen des Französischen vom Institut français ausgehe, das mit interessanten französischen Angeboten lockt etwa mit dem Internet-Teamwettbewerb, dem Prix des lycéens allemands, oder mit der Cineéfête. Auch, dass jedes Jahr allein mehr als 3000 Schülerinnen und Schüler in Hessen das DELF (Diplôme d’Etudes en Langue Française) scolaire ablegten, also ein Sprachzertifikat, mit dem Ziel, Schülerinnen und Schüler zur Wahl des Faches Französisch zu motivieren, zur Auseinandersetzung mit der französischen Sprache, nicht zuletzt mit der frankophonen Kultur.

v.li: Dr. Daniela Neumann, Emmanuel Beaufils, Nicolas Bergeret, ein Jurymitglied, Foto: Petra Kammann
Bergeret fügte hinzu, gerade deshalb sei der Theaterwettbewerb ein „wunderbares Beispiel für modernen, kreativen Fremdsprachenunterricht, der nicht nur die Sprachkompetenz“ fördere, sondern auch „Teamgeist, Selbstvertrauen und interkulturelles Verständnis“. So war in diesem Zusammenhang auch Dr. Danila Neumann als Vertreterin des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen aus Wiesbaden angereist.
Ausgesprochen französisch schloss Bergeret seine Rede auf Deutsch mit dem Satz: „Es lebe das Theater! Es lebe die französische Sprache! Es lebe die deutsch-französische Freundschaftt!“

v.li.: Dr. Danila Neumann, Elke Waldeier-Odenthal, Schulleiter Christof Gans, Foto: Petra Kammann
Dr. Danila Neumann wiederum trat zunächst mit einer Maske vor das Publikum und rekurierte in ihrer Rede auf die antike Schauspieltradition der „persona“ , bei der die Schauspieler Masken trugen, nicht etwa „als Versteck“, sondern vielmehr „als Verstärker“. Denn die Maske vergrößere Emotionen und mache Charaktere deutlich. Und sie schlug einen Bogen in die Gegenwart, auf Social Media: „Wir sagen manchmal nicht, was wir wirklich denken. Wir ziehen eine Maske auf, um dazuzugehören, stark zu wirken oder einfach nicht aufzufallen und wir lassen ,die Maske fallen‘, um uns zu zeigen, wie wir wirklich sind.“ Ganz echt und authentisch.
Genau das aber mache Theater zu einem Ort der unmittelbaren Auseinandersetzung mit dem Menschen. Auf der Bühne Freude und Schmerz zu erleben, das sei Theater: „ein Spiel, das manchmal ernster ist als die Realität – und genau deswegen berührt.“
Auch Bergeret hatte sich zum Theaterspiel selbst geäußert: „Theater im Fremdsprachenunterricht ist ein ganz besonderer Zugang zur Sprache. Es geht nicht nur um Grammatik oder Vokabeln – es geht um Ausdruck, um Emotion. Wer Theater spielt, erlebt die Sprache mit allen Sinnen, taucht in andere Rollen ein und macht die Sprache lebendig.“
Neumann wiederum schloss ihre Rede mit einem Zitat von Albert Camus und nahm dabei Bezug auf das in diesem Jahr vorgegebene Thema Glück: „Glück ist eine große Sache: Es bedeutet, sein zu wollen, was man ist.“ Das Glück hat viele Gesichter.
Und es ist ein Glück, möchte man hinzufügen, wenn man solche wunderbaren Mitstreiter für die Sache hat.
Noch herrscht unruhige Stimmung in der Aula: Wer wird gewinnen?, Foto: Petra Kammann
Die 4-köpfige unabhängige Jury hat sich nach den einfallsreichen präsentierten Stücken die Entscheidung für die drei ersten Stücke nicht gerade leichtgemacht.

Schüler der Albert-Einstein-Schule auf der Bühne, Foto: Petra Kammann
Die Preisgekrönten
Der erste Preis ging an die Isaak-Emil-Lichtigfeld-Schule in Frankfurt für das Stück „La mélodie du bonheur“
Der zweite Preis an die Albert-Einstein-Schule in Schwalbach für „Le bonheur a plusieur visages“
Der dritte Preis ebenfalls an die Albert-Einstein-Schule in Schwalbach für „L’amitié où l’argent“
An der Albert–Einstein–Schule im Main-Taunus-Kreis kann Französisch als 1. Fremdsprache (ab der 5. Klasse) oder als 2. Fremdsprache (ab der 7. Klasse) erlernt werden.
Auch das ist eine Auszeichnung: Die 10 Finalisten
Adolf-Reichwein-Gymnasium– Heusenstamm. Pièce : Le Pacte rouge
Albert-Einstein-Schule – Schwalbach am Taunus mit: Le bonheur a plusieurs visages
Albert-Einstein-Schule Schwalbach mit : Le chemin du bonheur
Albert-Einstein-Schule – Schwalbach mit: L’amitié ou l’argent
FCSF – Freie Christliche Schule Frankfurt mit : L‘énigme du bonheur
FCSF -Freie Christliche Schule Frankfurt – mit : Road Trip vers le Bonheur
Isaak-Emil-Lichtigfeld-Schule – Frankfurt. mit : La mélodie du Bonheur
Kaiserin-Friedrich-Gymnasium – Bad Homburg mit: Le chewing-gum de bonheur
Martin-Luther-Schule – Marburg. mit: La vie de Nathalie
Wolfgang-Ernst-Gymnasium- Büdingen mit: La formule du bonheur




