home

FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Juli, 2024

Junge Kunst im Frankfurter Kunstverein – „Wer hat Macht? Körper im Streik”

2024, Juli 24.

Körperkult, Schönheitswahn, Selbstoptimierung und archaische Erfahrungen

Von Petra Kammann

Nun sind die Tage gezählt, um die aktuelle Ausstellung „Wer hat Macht? Körper im Streik” im Frankfurter Kunstverein mit den neuen Werken von Gintare Sokelyte und Sonja Yakovleva anzuschauen und diese auf sich wirken zu lassen. Die noch bis zum 4. August 2024 laufende Ausstellung zweier aufstrebender Frankfurter Künstlerinnen ist eingebettet in die programmatische Ausrichtung des Frankfurter Kunstvereins, der sich für die Förderung junger Kunst aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet einsetzt und dabei innovative Perspektiven auf gesellschaftliche Fragen präsentiert. Sonja Yakovleva und Gintare Sokelyte bespielen jeweils eine komplette Etage des Frankfurter Kunstvereins.

Kunstverein-Direktorin Franziska Nori mit Gintare Sokelyte und Sonja Yakovleva vor Yakovlevas Scherenschnittarbeit Gym bro, Foto: Petra Kammann

Weiterlesen

Die doppelte „Iphigenie“ beim Festival in Aix-en-Provence, inszeniert von Dmitri Tcherniakov

2024, Juli 24.

Hinter leuchtenden Streben

von Simone Hamm

Eine junge Königstochter soll den Göttern geopfert werden, damit aus einer Flaute ein Wind wird und die Flotte der Grieche gen Troja fahren kann. Durch göttliche Fügung wird das Opfer verhindert. Ein grausamer Krieg beginnt. Das ist die Geschichte von „Iphigénie en Aulide“, der Oper von Christoph Willibald Gluck, die 1774 in Paris uraufgeführt wurde. Sie basiert auf der griechischen Mythologie. 20 Jahre hat der Krieg gedauert. So lange schon lebt die Königstochter in der Fremde. Sie ist nun Priesterin und tötet jetzt selbst im göttlichen Auftrag jeden Fremden, der sich nähert. Da werden zwei Ankömmlinge am Strand gefunden. Es sind ihr tot geglaubter Bruder und sein Freund. Das ist die Geschichte von „Iphigénie en Tauride“. Diese Oper Glucks wurde 1779 uraufgeführt. Gluck hatte es nie vorgehabt, beide Opern an einem Abend  aufzuführen.

IPHIGÉNIE EN TAURIDE beim Festival d’Aix-en-Provence 2024 © Monika Rittershaus

Weiterlesen

Unterwegs im Münsterland und in der Stadt des Westfälischen Friedens

2024, Juli 23.

Friede als höchstes Gut

Reisenotizen von Eldad Stobezki

Freunde hatten uns nach Münster eingeladen. Die Stadt, eingebettet in eine überwältigend schöne Landschaft, überraschte uns auch mit ihrer herrlichen Architektur. Der erste Weg führte uns zur Burg Hülshoff. Dort befindet sich das Center for Literature, in dem entsprechende Veranstaltungen stattfinden, denn in Münster gibt es kein Literaturhaus…

Haus Rüschhaus – Landsitz im Stadtteil Nienberge der Familie Droste-Hülshoff im westfälischen Münster, Foto: Eldad Stobezki

Weiterlesen

Künstlerinnen zwischen Frankfurt und Paris um 1900 im Städel

2024, Juli 22.

Die Netzwerke der „Malweiber“ im Männer-dominierten Kunstbetrieb

Von Hans-Bernd Heier

Die Moderne ist ohne den Beitrag von Künstlerinnen nicht zu denken. Dabei mussten die Malerinnen und Bildhauerinnen viele gesellschaftliche Hürden und Benachteiligungen in der Ausbildung und im Kunstbetrieb überwinden. Private und berufliche Netzwerke waren für die Künstlerinnen im ausgehenden 19. Jahrhundert deshalb von eminenter Bedeutung. Diesen Malerinnen und Bildhauerinnen widmet das Städel unter dem Titel „Städel | Frauen – Künstlerinnen zwischen Frankfurt und Paris um 1900“ erstmals eine große Ausstellung. In der aufwendigen Schau sind rund 80 hochkarätige Gemälde und Skulpturen von insgesamt 26 Künstlerinnen versammelt.

Louise Catherine Breslau „Porträt der Freunde“, 1881, Öl auf Leinwand; MAH Musée d’art et d’histoire, Ville de Genève, achat avec l’aide de la Fondation Diday, 1883; © Musée d’art et d’histoire, Ville de Genève, Foto: Flora Bevilacqua

Weiterlesen

„Pelléas und Mélisande“ beim Festival d’ Art Lyrique in Aix-en-Provence

2024, Juli 20.

Ein Hochgenuss: Katie Mitchells Interpretation von Claude Debussys Oper

Von Simone Hamm

Ganz selten werden beim Opernfestival in Aix-en-Provence Produktionen wieder aufgenommen. Katie Mitchells bahnbrechende feministische Inszenierung von Claude Debussys „Pelléas und Mélisande“ aus dem Jahre 2016 gehört mit Recht dazu. Für Katie Mitchell ist Mélisande nicht nur Projektionsfläche von Männerphantasien, von Männern, die überhaupt nichts über sie wissen und die sie doch sofort besitzen wollen.

Pelléas-et-Mélisande, Festival-dAix-en-Provence 2024 Foto ©: Jean-Louis-Fernandez

Weiterlesen

Georg-Büchner-Preis 2024 an den Lyriker Oswald Egger

2024, Juli 20.

Ausgezeichnete lyrische Prosa

Ein starkes Gegengewicht zur Verknappung und Schnelllebigkeit unserer Gegenwart

Mit dem Georg-Büchner-Preis würdigt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung jedes Jahr herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Benannt nach dem Dramatiker Georg Büchner, zählt er zu den renommiertesten Literaturpreisen in Deutschland und geht in diesem Jahr an den Poeten Oswald Egger. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird am 2. November 2024 in Darmstadt überreicht.

Der diesjährige Büchnerpreisträger Oswald Egger,  Foto: Katharina Hinsberg

Weiterlesen

Giacomo Puccinis „Madama Butterfly“ beim Festival d’Aix-en-Provence

2024, Juli 18.

Kraniche unterm Sternenhimmel von Aix

Simone Hamm über Andrea Breths grandiose Inszenierung

Unterm Sternhimmel im großen Freilichttheater Theâtre de L’Archevéché wird Giacomo Puccinis Madama Butterfly gezeigt. Die sechzehnjährige Cio-Cio San, gennant Butterfly hält sich für die glücklichste Frau Japans, weil der amerikanische Marineoffizier Pinkerton sie heiratet. Für ihn ist es ein Spiel, er weiß, dass diese Hochzeit in Amerika nicht anerkannt werden wird und will nach seiner Rückkehr aus Nagasaki ohnehin eine Amerikanerin heiraten…

„Madama Butterfly“ Festival d’Aix-en-Provence 2024 © Ruth Walz

Weiterlesen

„Palimpseste“ – Eine Tandem-Ausstellung von Susanne Windelen und Jochen Fischer im Haus am Dom

2024, Juli 17.

Vielschichtige Überschreibung fragiler Zeiteben

Ein Rundgang mit der Kunstwissenschaftlerin Brigitta Amalia Gonser  

In der astralen Atmosphäre des denkmalgeschützten Zollamtsaales mit dem seltsamen Indigoblaulicht der recycelten früheren Fensterfolien entfaltet sich, in einem offenen visuellen Diskurs effektvoll in Szene gesetzt, die Tandem-Ausstellung „Palimpseste“ mit Installationen, skulpturalen Objekten und Zeichnungen der arrivierten Frankfurter Künstler Susanne Windelen und Jochen Fischer. Zwei dialogierende „Mengen von Aussagen“, die – mit den Worten Michel Foucaults –  je „einem gleichen“ ästhetischen „Formationssystem zugehören“ empfangen den Betrachter.

Susanne Windelen, Gesamtansicht, Foto: © Michael Meisen, Frankfurt am Main

Weiterlesen

„Meine italienische Reise“

2024, Juli 16.

Die Zitronenblüte war schon vorbei…

Reisenotizen von Eldad Stobezki

Mantua zum Beispiel

Meine ungeschriebene Wunschliste hat zwei Spalten: Die Autoren, von denen ich noch nichts gelesen habe und die Städte, die ich noch sehen möchte. Mantua zum Beispiel. Warum gerade Mantua? Wegen der drei künstlichen Seen, die die Stadt umgeben? Wegen der gut erhaltenen Renaissance-Architektur? Weil sich in Mantua bekanntermaßen die erste Stufe zur Durchdringung kabbalistischen Denkens im Judentum auf dem Weg nach Deutschland und Polen findet?

Der Turm der Basilika  Sant’Andrea  in Mantua, Foto: Eldad Stobezki

Weiterlesen

Preis der Autorenstiftung 2024 für die Drehbuchautorin und Filmemacherin Sylke Ender

2024, Juli 15.

Schlamassel allüberall

von Renate Feyerbacher

„Was für ein Schlamassel“, was für eine verfahrene, unangenehme Situation, wieso bin ich da hineingeraten, so fragt man sich gelegentlich. Im Film „Schlamassel“ von Sylke Enders ist die Krise, die Klemme, die Ausweglosigkeit, sind Misslichkeiten ständig Thema. Konflikte über Konflikte, über die aber keiner bisher wirklich sprach. Der Film: das humorvolle Drama von Johanna, einer jungen Frau, einer Fotojournalistin, die mit sich und ihrer Familie ringt und eine andere, fremde Familie, deren Mutter, Oma, eine ehemalige KZ-Aufseherin in Ravensbrück, namens Anneliese Deckert in große Verwirrung stürzt…

Sylke Enders bei der Preisverleihung in Frankfurt, Foto:Renate Feyerbacher

Weiterlesen