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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für September, 2023

Letzte Gelegenheit: Morgen endet die Ausstellung „Abe Frajndlich. Chameleon“ im FotografieForumFrankfurt

2023, September 16.

Was bedeutet Heimat, was Sprache? oder: „Light is Live“

Die Kindheit und frühe Jugend des bedeutenden Fotografen Abe Frajndlich war von Migration geprägt, von „Five parents, five countries, and six languages“. Als Kind überlebender Eltern aus dem jüdischen Schtetl von Lodz wurde er 1946 als staatenloses Kind in einem DP-Camp in Zeilsheim, einem Displaced-Persons-Lager in der Nähe von Frankfurt, geboren, wuchs zunächst in Deutschland auf, lebte nach dem Tod der ursprünglichen Eltern in Frankreich, Israel, Brasilien und in den USA. Ab den 1980er Jahren war er für große internationale Medien wie die New York Times oder auch das FAZ-Magazin tätig. In seinen Bildern beschäftigt er sich immer wieder mit Kreativität, Hoffnung und Identität in einer freien Welt.

Abe Frajndlich im Fotografieforum am 12. September 2023, Foto: Petra Kammann

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„Floralia“ im Senckenberg-Museum präsentiert exzellente Blumenbilder

2023, September 15.

Drei außergewöhnliche Frankfurterinnen, drei Epochen – eine Leidenschaft:

Werke zwischen Kunst und Erforschung der Pflanzen

Von Hans-Bernd Heier

Das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zeigt in der Schau „Floralia“ hochkarätige Werke von Maria Sibylla Merian, Elisabeth Schultz und Ulrike Crespo. Zu bewundern ist bis zum 3. Dezember 2023 eine erlesene Auswahl ihrer eindrucksvollen Zeichnungen und Malereien sowie druckgrafischen und experimentell-fotografischen Arbeiten. Die Ausstellung stellt rund 100, teils noch nie gezeigte Werke der drei außergewöhnlichen Frankfurterinnen epochenübergreifend gegenüber und beleuchtet das Verhältnis von Wissenschaft und Kunst. Die Analyse der Flora ist ein wichtiges Gebiet der Biodiversitätsforschung. Gleichzeitig sind Pflanzendarstellungen in der Kunst ein reizvolles Motiv. In Frankfurt haben es diese drei Frauen zur Meisterschaft der künstlerisch-wissenschaftlichen Auseinandersetzung und Bildgebung gebracht.

Elisabeth Schultz „Papaver rhoeas“ (Klatschmohn), aus der Frankfurter Flora, ca. 1835–1894, 31 x 23,6 cm, Foto: Sven Tränkner, © Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

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Impressionen vom Saisonstart der Galerien (2) in Frankfurt vom 8. – 10. September 2023

2023, September 14.

Internationale künstlerische Positionen am „Tag des offenen Denkmals“

von Petra Kammann

Ein großes Sammelsurium in einem Teil des Frankfurter Bahnhofsviertel: Zahlreiche Frisöre, Snackbars, Kebabs, türkische und asiatische Lebens- und Gemüseläden, eine Moschee im Hinterhof der Münchner Straße, die am Willy-Brandt-Platz beginnt, das Bahnhofsviertel durchquert und am Frankfurter Hauptbahnhof endet. Hier tummeln sich Menschen verschiedenster Nationen. Zwischendurch klingelt die Straßenbahn. Die Sonne scheint, die Stimmung ist entspannt. Darüber oft gut erhaltene hohe Altbauten aus der Gründerzeit mit viel Mainsandstein an den Fensterbrüstungen. So auch in der Münchnerstraße 38, in der ich auf das Klingelschild drücke, als es aus dem Lautsprecher tönt: „Im ersten Stock links“. Ich bin verblüfft, wie sorgfältig allein der Hausflur renoviert ist.

Hauseinangang zur Galerie Jean-Claude Maier in der Münchnerstraße, Foto: Petra Kammann

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75 Jahre Jüdische Gemeinde Frankfurt – „Jüdische Gemeinde gab Halt für das Leben nach dem Überleben“

2023, September 12.

Zur 75-Jahr-Feier der Wiederbegründung

Am kommenden Freitag beginnt das zweitägige Neujahrsfest Rosch ha-Shana, mit dem das Jahr 5784 begrüßt wird. Traditionell wird im Neujahrsgottesdienst das Schofar, das ausgehöhlte Horn eines Widders, geblasen. Gleichzeitig feiert die Jüdische Gemeinde Frankfurt 75 Jahre ihrer Wiederbegründung nach der Zeit des Nationalsozialismus. Anfang der 1930er Jahre war sie die zweitgrößte Jüdische Gemeinde Deutschlands. 1933 zählte sie mehr als 30.000 Mitglieder. Während der Shoah wurden etwa 12.000 Mitglieder ermordet. 1948 wurde die Gemeinde wieder aufgebaut. Heute zählt die Gemeinde rund 6300 Mitglieder und gehört damit wieder zu den größten des Landes.

Blick in die Kuppel der Westend-Synagoge, Foto: Petra Kammann

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Impressionen vom Saisonstart der Galerien (1) in Frankfurt vom 8. – 10. September 2023

2023, September 11.

Frankfurts Kunstszene lebt und bebt.

Ein persönlicher Rundgang von Petra Kammann

Endlich wieder. Der Frankfurter Saisonstart, eines der ältesten Galerienwochenende Deutschlands, fand in diesem Jahr zum 29. Mal statt. Die spätsommerlichen Temperaturen hatten die Menschen am Wochenende raus in die Stadt getrieben. Überall brodelte es am Freitag, besonders bei den Galerien in der Fahrgasse. Entsprechend war die Stimmung bei den Vernissagen, Diskussionen oder Performances, auf den Trottoirs vor den Galerien. Daneben führten professionelle Kunstvermittlerinnen in etwa 30 Art-Walks Kunstinteressierte durch die Galerien und Off-Spaces in der Innenstadt, im Ostend, in Sachsenhausen, im Bahnhofsviertel, im Westend und erstmals auch im Nordend. Die professionellen Kunstvermittlerinnen gaben spannende Einblicke in ausgewählte Kunstorte .„Eine lebendige Galerienszene“, hatte Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig verkündet, sei nicht weniger als „ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Stadtlandschaft“. Diese Aussage hatte sich schon am ersten Abend bestätigt.

Blick in die Ausstellung  vom 1822 – Forum Frankfurter Sparkasse, Foto: Petra Kammann

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„Prinz von Homburg – Schlacht bei Fehrbellin“ von Heinrich von Kleist im Theater Willy Praml Naxoshalle

2023, September 8.

Die Schlacht im Lazarett erlebt

Vont Renate Feyerbacher

Sechs Betten, davon fünf belegt: der Kurfürst mit schwerer Kopfverletzung, seine Frau hat keine Arme mehr, die Hand des Prinzen und sein Kopf sind verbunden, sein Auge mit Klappe zugedeckt, hat er es verloren? Obrist Kottwitz wird beatmet und der Graf von Hohenzollern hat eine Beinschiene. Betreut werden sie von der Krankenschwester alias Prinzessin Natalie von Oranien. Das brandenburgische Schlachtfeld… Spielfläche ist die Längsseite der Naxoshalle, das Publikum sitzt dem Geschehen sehr nah.

Birgit Heuser, Jakob Gail, Anna Staab, Foto: Rebekka Waitz

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Phänomenaler Höhepunkt der Ruhrtriennale

2023, September 6.

Dmitri Tcherniakvs Interpretation von Leos Janáceks Oper „Aus einem Totenhaus“

Von Simone Hamm

Die Zuschauer blicken nicht in die Hölle des sibirischen Gefangenenlagers hinein – sie sind mittendrin.“ Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ heißt der Roman Fjodor Michailowitsch Dostojewskis, in dem er die vier Jahre verarbeitete, die er wegen seiner demokratischen Überzeugungen als Zwangsarbeiter in der sibirischen Verbannung verbracht hat. Leos Janácek hat daraus ein fesselnde Oper gemacht: In seinem Libretto erzählt er keine Handlung, sondern reiht Episoden aneinander: Männer, die gegeneinander anrennen, die sich prügeln, zusammen saufen und die sich Geschichten erzählen. Kein Wärter muss sie bewachen. Die Gefangenen quälen sich selbst. Die Hölle, das sind die anderen.

Aus einem Totenhaus, Leoš Janácek, Regie: Dmitri Tcherniakov © Volker Beushausen, Ruhrtriennale 2023

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Eine Feier des Lebens – London, einmal ganz anders

2023, September 5.

Karibischer Karneval, ein Armenviertel, dass zum Hotspot wird und ein blutrünstiger Abschiedsabend

von Simone Hamm

Es ist der größte karibische Karneval außerhalb Brasiliens. Zwei Tage lang bestimmen Sambamusik und farbenprächtige Kostüme das Bild des Londoner Stadtteils Notting Hill: am letzten Sonntag im August und dem darauf folgenden Montag, einem Feiertag.

Die karibischen Tänzer und Tänzerinnen versprühen Lebensfreude pur, Foto: Simone Hamm

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„Kunst am Bau“ – Anregendes Figuren-Ensemble vor Wiesbadens Kongresszentrum

2023, September 4.

Emilia Neumanns Skulpturen-Trio lädt ein zur Entdeckung von Kunst und Raum

Von Hans-Bernd Heier

Der Außenbereich vor dem RheinMain CongressCenter ist um drei farbige Skulpturen bereichert. Ein echter Blickfang! Die Frankfurter Bildhauerin Emilia Neumann setzte sich mit ihrem Figuren-Ensemble in einem Wettbewerb gegen sieben weitere Künstlerinnen und Künstler durch. Mit der Installation und Einweihung der drei amorphen Skulpturen erreicht der von der TriWiCon, Bauherrin des RheinMain CongressCenter, ausgelobte nichtoffene Einladungswettbewerb „Kunst am Bau“ – nach jahrelangem politischen Hickhack einen gelungenen Abschluss.

Skulpturen-Trio von Emilia Neumann vor dem RMCC; Foto: Hans-Bernd Heier

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