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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Lichtkunst im AtelierFrankfurt: Beitrag zur Luminale 2018 (4)

Von Erhard Metz

Fünf Tage Luminale im AtelierFrankfurt, Lichtkunst dort fast im gesamten Erdgeschoß – damit setzt das größte Atelier- und Ausstellungshaus in Hessen seinen eigenen Akzent im diesjährigen Luminale-Geschehen. Sieben Positionen greifen wir aus dem Lichtspektakel heraus – „spectaculum“ hier übersetzt mit Begriffen wie „Aufsehenerregendes“, „Augenweide“.

Diese „Augenweide“ beginnt bereits im Hof des stattlichen, Künsten und Kreativität gewidmeten Gebäudes: mit „L’a nuit m’appelle“, einer eben „spektakulären“ Fassaden-Projektion von Matthieu Cretté, begleitet (ab 19 Uhr) von der Performance „Frankfurt Travelling“ von Edwin Schäfer und Matthieu Cretté.

Die sich stets verändernde Projektion – im Bild beispielsweise erkennen wir unschwer ein menschliches Gesicht – bespielt die linke Fassade des Innenhofs mit arabesken Zeichen und Chiffren und bezieht auch das Torhaus mit ein. Wir gehen davon aus, dass die Inszenierung auch die hier und dort zur Akzentuierung erleuchteten Fenster einschließt als Teil der künstlerischen Gesamtkonzeption. Malerisch die kontrastierende, durch geöffnete Fenster sichtbare Einrichtung der Zimmer im Torhaus mit links und rechts jeweils einer Deckenlampe im teils hell, teils spärlich erleuchteten Raum. Ein gelungener Auftakt, der den Appetit auf Lichtkunst auch im Inneren des Künstlerhauses weckt.

In der Pförtnerloge begegnen wie einer wiederum wunderbaren Arbeit der weitbekannten Licht- und Schwarzlicht-Meisterin Diana Ninov, einer Installation mit dem Titel Black Light. Die Szenerie beherrscht eine geometrisch-strenge, dennoch mit verspielten Elementen durchzogene Steifenkomposition, im Detail sehen wir ein poesievolles zauberhaftes Gebinde mit Blüten und einem Schmetterling, ferner einen explodierenden Farbenrausch aus einer roten und einer grünen Lichtquelle.

Oliver Tüchsen – auch er hat wie Ninov sein Atelier im Künstlerhaus – überrascht im Projektraum II mit zwei „Lichtfaßsäulen“, einer mit neckischem Wortspiel verbundenen Installation, die uns an die „KunstSäule“ im Frankfurter Brückenviertel erinnert (auf die wir bei anderer Gelegenheit näher zurückkommen werden). Rotierende Elemente werfen ein wechselndes Lichtspiel auf die benachbarte Wand.

Einer Theaterbühne gleich, samt imaginiertem Souffleurkasten, erscheint uns im Foyer (Waagenraum) die Installation „Fade to grey“ der intermedialen Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern „Die Segel“ mit (nach unserem Stand) Dirk Baumanns, Daniel Eyrich, Lisa Klinger, Erik Pfeiffer, Maximilian Reimann, Sven Schuppar und Tamara Zippel. Eine wechselnde, fast schon ein wenig erzählerische Szenerie, der man auf bereitstehenden Stühlen länger zuschauen kann, um immer wieder Neues zu entdecken und auszuspinnen – und gewiß interessanter als manches Geflimmere auf Fernsehschirmen und Kinoleinwänden.

„Helios“ – benannt nach dem Sonnengott der griechischen Mythologie – heißt die Installation der Gruppe Ingo Kalecinski, Veronica Lykou und Laura Voss, zu sehen im Projektraum II. Wahrlich majestätisch wandelt sich das Farbenspiel vom morgendlichen Aufsteigen unseres heimatlichen wie lebensermöglichenden Gestirns über den Stand im Zenit des Tages bis hin zur abendlichen Dämmerung – sehr sehenswert!

Nicht minder sehenswert die fantasievollen wie atemberaubenden Arbeiten der Installation „Inner space connection“ von Michaela Zeng und André Link im Atelier 0.04: wie schwerelose Flüge durch ferne Welten und Galaxien, Spiralnebel und visualisierte Gravitationsräume. Gern lassen wir uns leichtsinnigerweise mitnehmen … denn wir vergewissern uns denn ja doch hin und wieder des festen Bodens, auf dem wir als Betrachter stehen.

Den Clubraum des AtelierFrankfurt erkennen wir nun wirklich kaum mehr wieder: Er ist verwandelt in einen „Lichterwald“, eine Raumgestaltung des „Kabinetts der Kuriositäten“.

Weitere Installationen sind von Il-Jin Atem Choi (Projektraum I) und von Franziskus Wendels (Atelier 0.01) zu sehen. Performances und überraschende Aktivitäten, vor allem am letzten Luminale-Tag, runden das künstlerische Licht-Spektakulum ab.

Die Veranstaltungen im AtelierFrankfurt enden am (heutigen) Freitag, 23. März 2018, mit der Luminale-Party ab 22 Uhr. Die meisten Installationen schließen dann um 23 Uhr. Das Programm:

22:00 Uhr bis Ende, DAS AUGE, Installation, Edvin Osvath – Zelt im Innenhof
22:00 Uhr bis Ende, PERFORMANCE von Nowis – im gesamten Veranstaltungsbereich
22:00 Uhr bis 0:00 Uhr, UV-Body-Painting, Kunst am eigenen Körper – gemalt von Michaela Zeng und André Link – Atelier 0.04 und im Erdgeschoss
23:00 Uhr: ORBIT I, Performance, femmes off – Clubraum
0:00 Uhr: Baby of Control, Live-Band + Performance, – Zelt im Innenhof
2:00 Uhr: FADE TO GREY, Performance in der Videoinstallation, Die Segel – Foyer

Abgebildete Werke © jeweilige Künstlerinnen und Künstler; Fotos: Erhard Metz

→ Luminale 3 – Spaziergang durch Frankfurt
→ Die Frankfurter Luminale 2018 – eine kleine Auswahl (2)
→ BIENNALE FÜR LICHTKUNST UND STADTGESTALTUNG – Die Luminale 2018 in Frankfurt

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