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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Juli, 2016

„Pierrot Lunaire“ von Arnold Schönberg und „Anna Toll oder Die Liebe der Treue“ von Michael Langemann an der Oper Frankfurt

2016, Juli 11.

Mondsucht und Bettentausch

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus/Oper Frankfurt und Renate Feyerbacher

Arnold Schönbergs epochales Werk, das 1912 in Berlin seine Uraufführung hatte, und Michael Langemanns Operette des 21.Jahrhunderts hatten am 7. Juli 2016 im Bockenheimer Depot Premiere. Zwei unterschiedliche Stücke, die Beziehung zu Wien haben.

„Pierrot Lunaire“ ist das berühmteste Werk des in Wien geborenen Komponisten Arnold Schönberg (1874-1951). Angeregt zu der Komposition hatte ihn die in Wien geborene, in Berlin lebende Schauspielerin und Diseuse Albertine Zehme (1857-1946), die sich mit dem Verhältnis von Deklamation und Musik beschäftigte. Sie motivierte den Komponisten-Freund, sich mit dem Pierrot-Lunaire-Gedichtzyklus des belgischen Dichters Albert Giraud (1860-1929) zu beschäftigen. 21 der insgesamt 50 symbolistischen Gedichte nahm sich Schönberg vor, die Otto Erich Hartleben ins Deutsche übersetzte. Da gibt es einmalig poetische Wortschöpfungen und Metaphern: „Den Wein, den man mit Augen trinkt …“ (I.Teil 1. Gedicht „Mondestrunken“) oder “Finstere schwarze Riesenfalter töteten der Sonne Glanz …“ (II. Teil 8. Gedicht „Nacht“) oder „Der Mond, ein blankes Türkenschwert auf einem schwarzen Seidenkissen …“ (13. Gedicht „Enthauptung“).

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Pierrot lunaire:
Laura Aikin (Stimme) und David Laera (Ein junger Mann), Foto © Monika Rittershaus
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„Die Temperatur der Wörter“ – Ortsspezifische Installation von Urs Breitenstein in der Weissfrauen Diakoniekirche

2016, Juli 9.


MORD  WEG  HAUS  KRIEG  WUT  PREIS  TOD  LAND

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Acht – einsilbige – Worte sind es, mit denen Urs Breitenstein den Besucher der Weissfrauen Diakoniekirche konfrontiert – ja, es ist eine Konfrontation, im besseren Sinn allerdings dieses Begriffs. Nach Betreten des Kirchenraums sucht jener Besucher zuerst einmal nach Orientierung. Wer aber sich auf die Konfrontation einlassen will, bleibt, setzt sich vielleicht hin auf eine der Bänke unter der Orgelempore. Weiterlesen

Ein neuer – temporärer – Kunst-Tempel: die Kressmann-Halle in Offenbach

2016, Juli 7.

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Da kann man sich nur die „Augen reiben“ – einmal ganz real wegen des allgegenwärtigen Grossbaustellenstaubs, den an- und abfahrende LKW himmelhoch wie flächendeckend aufwirbeln, dann aber auch metaphorisch: Unglaublich zu sehen – in all dem Abriss- und Aufbau-Chaos – ein schneeweiss leuchtender „Tempel“, ein Tempel für Kunst! Trotzt er nur seiner staubigen Umgebung, sucht er den bewussten Kontrast zu ihr? Aber greift er nicht auch die Formensprache der auf der Hafeninsel heranwachsenden Bebauung auf und liegt hierin vielleicht sogar ein Stück Kritik begründet an dem, was auf dieser Landzunge allgegenwärtig geschieht? Weiterlesen

Rosa Lachenmeier präsentiert „Bridges“ im Museumsschiff an der Weseler Werft

2016, Juli 6.

Ein Schiff wird kommen …, sang einst Lale Andersen. In Frankfurt am Main ist es bereits angekommen, am Nordufer, an der Weseler Werft (zwischen Flösserbrücke und dem „Oosten“) hat es festgemacht.

Es ist ein besonderes Schiff: die Péniche „Willi“ (vormals „St. Joseph“) des Vereins Historische Binnenschifffahrt, 1909 als antriebsloser Kanal- und Treidelkahn gebaut, 1961 motorisiert, 1983 stillgelegt und anschliessend von der Gesellschaft zur Förderung des Deutschen Rheinschiffahrtsmuseums in Mannheim übernommen, später Museumsschiff des Mannheimer „Technoseums“, seit 2004 im Besitz des Vereins Historische Binnenschifffahrt in Muttenz/Schweiz, der es renovierte und 2007 wieder in Fahrt nahm. Seitdem hat das Schiff in verschiedenen Städten angelegt und über die Funktion eines Museumsschiffes hinaus als Ort kultureller Veranstaltungen eine neue, adäquate Aufgabe gefunden.

Seit Freitag vergangener Woche beherbergt es an der Weseler Werft die leider nur zehntägige Ausstellung „Bridges“ der Schweizer Künstlerin Rosa Lachenmeier. Bereits 2015 „bespielte“ sie den 33 Meter langen ehemaligen Laderaum des damals im Basler Rheinhafen vertäuten Schiffs mit einigen ihrer Werke. Für die aktuelle Ausstellung, zu der der Verein Historische Binnenschifffahrt gemeinsam mit dem Generalkonsul der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Markus Meli, eingeladen hatte, hat Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann die Schirmherrschaft übernommen.

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Oberbürgermeister Peter Feldmann, Schirmherr der Ausstellung, Rosa Lachenmeier und (rechts) Generalkonsul Markus Meli; Bildnachweis: Presse- und Informationsamt Frankfurt, Foto © Schweizerisches Generalkonsulat Frankfurt

Brücken über den Main sind das Thema der aktuellen Ausstellung der Künstlerin, Brücken, historische wie neuzeitliche, die die nördlichen mit den südlichen Stadtteilen der Mainmetropole verbinden, von grossem architektonischen wie zugleich wirtschaftlichem und kulturellem Interesse.

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Rosa Lachenmeier vor ihrer Arbeit „Tanz der Brücken“ Weiterlesen

„Wozzeck“ von Alban Berg an der Oper Frankfurt

2016, Juli 4.

Diagnose: Angstpsychose

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus / Oper Frankfurt

Wozzeck“: faszinierendes Libretto, emotionale Musik, psychologisch-tiefe Inszenierung, beeindruckende Leistung der Sänger-Schauspieler und des Orchesters.

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Audun Iversen (Wozzeck) und Claudia Mahnke (Marie); Foto © Monika Rittershaus

Von Alban Berg (1885-1935) stammt zur Musik auch der Text der Oper, der Originalpassagen aus Georg Büchners Drama „Woyzeck“ übernimmt. Der im hessischen Goddelau geborene Schriftsteller Büchner (1813-1837) schrieb das Dramenfragment, dem ein wahrer Kriminalfall zugrunde liegt, im Jahr 1836. Es wurde 1879 in der Erstausgabe sämtlicher Werke veröffentlicht, kam aber erst 1913 in München zur Uraufführung. Die Oper „Wozzeck“ hatte ihre Uraufführung wiederum zwölf Jahre später in Berlin. Wobei der Dirigent Hermann Scherchen in Frankfurt 1924 bereits eine Kostprobe uraufführte, die den Titel „Drei Bruchstücke aus Wozzeck“ hiess. Weiterlesen

Die Kurische Nehrung – „Sylt des Baltikums“?

2016, Juli 3.

Von Elke Backert

Ist das nicht ein Traum – ein Sandstrand so ohne Menschen!“ Die Damen aus Deutschland sind überwältigt. Die Kurische Nehrung, jene Landzunge, 97 Kilometer lang und bis zu vier Kilometer breit, die sich die Russische Föderation und Litauen teilen, zwischen Kaliningrad, der einstigen ostpreußischen Hauptstadt Königsberg, und Klaipèda, ehemals Memel, in der Ostsee gelegen, wurde Ende 2000 in die UNESCO-Liste als Welterbe aufgenommen.

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Endlos und fast unberührt: der Sandstrand der Kurischen Nehrung an der Ostsee

Kurische Nehrung Tote Duenen-650 Weiterlesen