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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Januar, 2013

Bruno und Peer

2013, Januar 13.

Der Problembär und der Problempeer

Bruno – wer erinnert sich noch an ihn? Den aus dem norditalienischen alpinen Adamello-Brenta-Naturpark ausgewanderten Braunbären, der im zarten Alter von zwei Jahren im Juni 2006 auf Geheiss der Bayerischen Staatsregierung hingemeuchelt wurde, ihn, den Bär, der doch nur sein friedliches Bärenleben fristen wollte, mal ein paar Bienenstöcke plündern, mal ein paar Schafe oder Ziegen verspeisen, was die Menschen ja eben auch tun. Die halbe Bevölkerung nahm damals Anteil an Brunos Schicksal.

Aber die Bayerische Staatsregierung hatte ihn zum Problembären erklärt, und so musste er sterben. Kein anderer übrigens als der den Gebirgsschützen (die allerdings eine solche Tat niemals vollbracht hätten, das wäre ihnen gegen die Schützenehre gegangen), also der den Gebirgsschützen so nahe stehende Edmund Stoiber – seinerzeit Ministerpräsident des schönen Bayernfreistaats, Schöpfer unzähliger rhetorischer Spitzenprodukte, von denen wenigstens die legendäre Zehn-Minuten-Rede (hier unbedingt anklicken!) eigentlich zum Welterbe erhoben werden müsste – jener Edmund Stoiber also hatte, so lesen wir, den armen Bruno zum Problembären erkoren. In einer Pressekonferenz unterschied er damals vor den staunenden Journalisten, wie wir weiter lesen, zwischen einem Normalbär mit erwartungsgemässem Verhalten, einem Problembär und einem Schadbär. Zahlreiche Kabarettisten griffen diese wunderbar sinnstiftende Klassifizierung dankbar auf und identifizierten alsbald entsprechend Normalpolitiker, Problempolitiker und Schadpolitiker. Weiterlesen

Ungleiche Freunde: Soma Morgenstern und Joseph Roth

2013, Januar 12.

„So wurde ihnen die Flucht zur Heimat“
Ausstellung in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main

Von Renate Feyerbacher

Seine Werke wurden weltberühmt, vor allem seine Romane „Hiob“ (1930) und „Radetzkymarsch“ (1934): Die Rede ist von (Moses) Joseph Roth, der 1894 im ostgalizischen Brody geboren wird. Der seinen Vater nicht kennt und als Einzelkind aufwächst. Diese Weltberühmheit als Schriftsteller erreichte der vier Jahre ältere Salomo (Soma) Morgenstern nicht, der im ostgalizischen Budzanów als jüngstes von fünf Geschwistern  geboren wird, aber in verschiedenen Ortschaften aufwächst. Damals gehörten die Geburtsorte beider Autoren zu Österreich-Ungarn, dann ab 1919 zu Polen, heute zur Ukraine.

Joseph Roth, 1926, Bildnachweis: wikimedia commons, s/a, cambridgeforecast.wordpress.com/2006/09

Soma Morgenstern liest, Fotografie 1960er Jahre, Ausstellungsansicht, Foto: Renate Feyerbacher Weiterlesen

Ein europäisches Märchen

2013, Januar 9.

10 Männer, ein Grieche, ein Italiener, ein Franzose, ein Portugiese, ein Spanier, ein Zypriot, ein Finne, ein Österreicher, ein Holländer und ein Deutscher, treffen sich regelmässig zum Essen.

So war es auch wieder neulich. Die Rechnung für alle zusammen betrug stets genau 500 Euro, denn man speiste schon gern auf hohem Niveau.

Die Gäste bezahlten die Rechnung, so wie wir unsere Steuern, und das sah so aus:

Vier Gäste, der Grieche, der Portugiese, der Spanier und der Italiener, zahlten nichts.

Der Zypriot zahlte 1 Euro,
der Franzose 5 Euro,
der Österreicher 50 Euro,
der Finne 80 Euro,
der Holländer 100 Euro und
der Deutsche 264 Euro. Weiterlesen

“Artists in Residence”-Programm 2012 Frankfurt am Main / 6

2013, Januar 7.

Alpine Gothic aus Salzburg

Alpine Gothic, ein Künstlertrio aus Salzburg, nimmt in seiner nahezu raumgreifenden Installation „Höhenrausch“ im ATELIERFRANKFURT seine Artists in Residence-Stadt direkt zum Thema. „Das Projekt wirft“, so die Gruppe, „einen neuen Blick auf die Stadtlandschaft Frankfurts. Ausgehend von einem Modell der Stadt Frankfurt wird ihre bauliche Struktur in eine ‚alpine Landschaft‘ transformiert“. Die Arbeit entstand in Kooperation mit Andreas Milcz, einem Modellbauer im Stadtplanungsamt Frankfurt am Main.

Klingt nicht nur interessant, ist es auch. Lassen Sie uns näher sehen …

… und lassen Sie Alpine Gothic weiter sprechen: Weiterlesen

Dreikönigstag 2013

2013, Januar 6.

Seit Tagen sind die Sternsinger unterwegs und schreiben an die Haustüren der katholischen Gläubigen den Segenswunsch C + M + B, das Kürzel für „Christus mansionem benedicat“ und nicht für die Namen der „Könige“, der „Magier“ und Sterndeuter, der Weisen aus dem Morgenland Caspar, Melchior, Balthasar, wie viele meinen. Eine schöne Tradition, bei der zugleich für wohltätige Zwecke gesammelt wird.

Die im Evangelium des Matthäus beschriebene Ankunft der „Könige“, die das neugeborene Kind anbeten, zählt zu den bekannten Motiven im Bereich der christlich-abendländischen Malerei.

Sandro Botticelli (1445 bis 1510), Anbetung der Heiligen Drei Könige (Zanobi-Altar, 1475), Tempera auf Holz, 111 x 134 cm, Florenz, Galleria degli Uffizi (Bildnachweis: wikimedia commons)

Ein kirchlicher Feiertag also, der derzeit als verkaufsoffener dem rüden hemmungslosen Kommerz ausgeliefert werden soll und wird, beispielsweise in dem schrecklichen Einkaufszentrum „Loop5“ im hessischen Weiterstadt. Die „Allianz für einen freien Sonntag“ von Kirchen und Gewerkschaften hält dieses Gebaren im Blick auf das Hessische Ladenöffnungsgesetz (HLöG) für „offensichtlich rechtswidrig“. Das Verwaltungsgericht Darmstadt und der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel haben aus formalen Gründen Eilanträge gegen den dreiköniglichen Kommerzbetrieb abgewiesen. Nun soll eine Normenkontrollklage Licht in dieses dunkle Kapitel neuester hessischer Rechtsprechung bringen. Anders als Weiterstadt hat Sulzbach bei Frankfurt am Main den geplanten dreiköniglichen Verkaufsrummel im Main-Taunus-Zentrum abgesagt – Respekt und Chapeau!

 

“Artists in Residence”-Programm 2012 Frankfurt am Main / 5

2013, Januar 4.

Flo Maak in Dubrovnik

 

Irgend etwas stimmt hier doch nicht – zwischen den Aufnahmen vom 24. November und vom 11. Dezember 2012 ist etwas geschehen, sehen Sie es, geschätzte Leserinnen und Leser? Was ist mit dem „blauen“ Bild? Na klar, es wurde umgedreht gehängt. Hing es denn zunächst falsch? War es ein Versehen, oder war es eine Absicht des Künstlers? Man weiss ja nie … Weiterlesen

„And the Oscar® goes to …“

2013, Januar 3.

85 Jahre Bester Film im Deutschen Filmmuseum Frankfurt

Text und Fotos: Renate Feyerbacher

In diesen Tagen werden die Stimmzettel des ersten Wahlgangs ausgefüllt. Die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences Los Angeles (AMPAS®) – sie kommen aus den unterschiedlichsten Berufszweigen der Filmbranche, es sind Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Kostümbildner usw. – wählen aus einer Liste von zehn Filmen die besten, die sie in ihrer Sparte gekürt sehen wollen. Die Wahl der etwa 6000 ist anonym und geheim. Notare werten die Stimmzettel im Januar aus, und nach Bekanntgabe gibt es Sondervorführungen der nominierten Filme. Im Februar beginnt der zweite Wahlgang, der am 19. Februar endet. Am Sonntag, den 24. Februar 2013, verfolgen Millionen von Filmfans wieder weltweit vor dem Fernseher die 85. Oscar®-Preisverleihung. Weiterlesen

“Artists in Residence”-Programm 2012 Frankfurt am Main / 4

2013, Januar 2.

Kwang Mo Lim aus Seoul

Kwang Mo wurde 1979 in Seoul geboren. Im Jahr 2007 schloss er sein Studium der künstlerischen Fotografie an der Kaywon School of Art & Design ab. Bereits ein Jahr später wurde er Preisträger der 2. (2006 in der südkoreanischen 2,5-Millionen-Stadt gegründeten) Daegu Photobiennale, einem inzwischen etablierten Festival für internationale zeitgenössische Fotografie. 2010 nahm er am Förderprogramm des SeMA Seoul Museum of Art für herausragende Nachwuchskünstler teil. Anschliessend waren seine Arbeiten in verschiedenen Ausstellungen in Seoul und Busan, unter anderem im Kumho Museum of Art in Seoul, sowie in der Galerie Paris-Beijing zu sehen.

In seiner Foto-Serie „History of Ice“ beschäftigt sich Kwang Mo mit dem Klimawandel und den dramatischen Prozessen beim Abschmelzen des Eises in der Arktis und der Antarktis.

Aus der Serie „History of Ice“, 2012, Archival pigment print, 165 x 125 cm

“Artists in Residence 2012″, ATELIERFRANKFURT, bis 25. Januar 2013

Abgebildete Arbeiten © Kwang Mo Lim; Fotos: FeuilletonFrankfurt

→  “Artists in Residence”-Programm 2012 Frankfurt am Main / 5

 

Her mit dem nächsten Fettnäpfchen …

2013, Januar 1.

… und fröhlich hinein, mit dem Kanzlerkandidaten ins neue Wahljahr!

© Marlies Odehnal