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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Städtereisen

Frankfurt ist eine Messe wert – Die Jury des Prix Goncourt auf der Buchmesse

2017, Oktober 12.

Messeimpressionen mit französischen Autoren am Tag 1 nach der Eröffnung

von Petra Kammann

↑“Monsieur Apostrophe“ Bernard Pivot, Vorsitzender der Jury des renommierten Prix Goncourt. Seine beliebte Büchersendung „Apostrophe“ im Französischen Fernsehen wurde auch Namensgeber der
↓ französischen Brasserie auf der Messe. In Paris wird beim traditionellen Mittagessen im Restaurant Drouant getagt. Cela change. In Frankfurt war die Ästhetik des Pavillon français stilbildend. 

Das war wohl einmalig und eine echte Premiere! Die Jury der Académie Goncourt, die seit 1903 für den legendären französischen Buchpreis stimmt, die sich in Paris regelmäßig zum Mittagessen im Restaurant „Drouant“ trifft, tagte in Frankfurt im Ehrengast-Pavillon: Wer in die engere Auswahl des prestigeträchtigen mit symbolischen 10 Euro dotierten französischen Literaturpreises „Prix Goncourt” kommt, wurde in diesem Jahr von der gesamten Jury und ihres Vorsitzenden Bernard Pivot auf der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben.

Die Jurymitglieder diskutierten auch darüber, welche Auswirkungen der Preis im Ausland hat und welche Folgen für den Autor, dessen Romane häufig verfilmt werden. Der französische Roman „La Disparition de Josef Mengele“ („Das Verschwinden von Josef Mengele“) von Olivier Guez sei als einer von acht Titeln in die engere Wahl genommen worden. Zuletzt hatte die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani, die mit diskutierte, den Prix Goncourt für ihren provokativen Roman „Chanson douce“–  ein Drama von existenzieller Wucht – bekommen, der gerade auch auf Deutsch unter dem Titel „Dann schlaf auch du“ erschienen ist. Ihr Roman wird nicht nur in verschiedene Sprachen übersetzt, er wird wohl auch verfilmt werden.

Die prominent besetzte Jury mit Pierre Assouline, Françoise Chandernagor, Philippe Claudel, Paule Constant, Didier Decoin, Virginie Despentes, Tahar Ben Jelloun, Patrick Rambaud und Éric-Emmanuel Schmitt und ihrem Präsidenten Bernard Pivot, stellte dem Publikum Erfahrungen der Autoren vor

„Escales littéraires“ – Lesen und Schreiben im Hotel

„Literarische Reise nach Frankreich“  –  „Escales littéraires“ war ein anderes Format, das außerhalb der Buchmesse stattfand und in Frankreich schon seit 10 Jahren Schule gemacht hat. In Zusammenarbeit mit Atout France lasen im Sofitel Frankfurt Opera zwei Schriftstellerinnen, deren Geschichten in Regionen Frankreichs verankert sind.

Carole Martinez’, welche 2011 den Prix Goncourt des lycéens, für „Du domaine  des Murmures“ erhalten hatte, erzählte in ihrem bildreichen  und mit verschiedenen Preisen bedachten Roman „Le coeur cousu“(Das genähte Herz) die Geschichte der Frasquita Carasco, die sich in der Enge ihres abgelegenen andalusischen Dorfes gefangen fühlt – bis ein unscheinbares Nähkästchen ihr eine völlig neue Welt eröffnet und sie erkennt, dass sie aus der Enge ihres Dorfes entfliehen musste. Kongenial las der deutsch-französische  Regisseur und Schauspieler Stéphane Bittoun längere Passagen auf deutsch. Köstlich die Beschreibung eines Hühnerhofs mit der ihm eigenen Hackordnung…

Die literarischen Gäste: Carole Martinez las ein Kapitel des Romans auf Französisch 

Christine Cazon im Gespräch mit der Feuilleton-Redakteurin der FAZ, Lena Bopp

Ganz anders war die Lektüre aus „Stürmische Côte d’azur“ und ein Gespräch, das FAZ-Kritikerin Lena Bopp führte mit Christine Canon, Erfinderin des Commissaire Léon Duval, der reif für die Insel ist, und sie sprachen über die Erfahrungen der in Cannes lebenden Autorin. Der dritte Fall der Côte-d’Azur-Krimireihe um den Kommissar Léon Duval führt den Ermittler auf die Insel Sainte Marguerite. Unmittelbar vor Cannes gelegen, ist sie ein beliebtes Naherholungsgebiet und völlig anders als das glamouröse Cannes. Im Sommer pendeln die Fähren unablässig zwischen der Stadt und dem kleinen Inselhafen hin und her. Doch inzwischen ist es Herbst geworden, ein Sturmtief liegt über der Bucht, als auf einer Yacht im Hafen von Sainte Marguerite…

Die MET Opera in New York eröffnet die Spielzeit mit Bellini „Norma“

2017, Oktober 1.

Die Opernfreunde in New York haben einen scheinbar endlos langen Sommer ohne MET Aufführungen verbracht. Jetzt eröffnete die MET ihre Spielzeit mit Bellinis „Norma“.

von Simone Hamm, New York

Norma, die gallische Priesterin der Druiden, hat sich in einen Feind verliebt, den römischen Feldherrn Pollione. Nicht zuletzt deshalb mahnt sie die aufbegehrenden Gallier zur Ruhe. Noch sei die Zeit für einen Aufstand gegen die römische Besatzungsmacht nicht gekommen. Wofür oder wogegen Norma sich schlußendlich auch entscheiden wird –sie ist die Herrin über Krieg und Frieden  – die MET Opera in New York eröffnet die Spielzeit mit Bellini „Norma“, es wird sie unglücklich machen.

Sondra Radvanovsky in in der Titelrolle von Bellinis Oper „Norma“. Photo von Paola Kudacki/Metropolitan Opera

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Das Trio Wanderer – schon 30 Jahre unterwegs

2017, August 23.

Allein in diesem Sommer gab es verschiedene besondere Auftritte des bekannten französischen „Trio Wanderer“. Gerade noch spielte das Ensemble auf dem Klavierfestival La Roque d’Anthéron, wo die Musiker seit Jahren auch Masterclasses leiten. Angekündigt waren sie auch kürzlich auf dem Internationalen Baalbeck-Festival im Libanon, das sie wegen Passschwierigkeiten jedoch nicht wahrnehmen konnten. Dafür spielten sie zur Freude der Besucher kurz zuvor auf den „Musicales du golfe“ in Vannes. Locker und völlig unprätentiös fanden sich die drei Weltstars dort im Théâtre de Bretagne in Vannes ein, bevor sie auf die Bühne traten.

Von Petra Kammann

Das Trio Wanderer bei den „Musicales du Golfe“, Jean-Marc Phillips-Varjabédian erläutert die Dumka-Suite; Alle Fotos: Petra Kammann

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Schätze im Musée d‘ Arts in Nantes (2)

2017, Juli 29.

Einladung zu einer Zeitreise durch das Museum

Text und Fotos: Petra Kammann

Einladend die bewegliche Lichtplastik von Dominique Blais vor dem Museum ©D.Blais, „Sans titre“

Text und Fotos: Petra Kammann

Ende Juni eröffnete das ehemalige Musée des Beaux-Arts in Nantes, eines der größten französischen Kunstmuseen, nach einer mehrere Jahre andauernden Renovierung und Erweiterung unter dem neuen Namen Musée d’arts de Nantes seine Türen. Der im Herzen von Nantes gelegene typische Beaux-Arts-Palais aus dem 19. Jahrhundert und eine bereits im 17. Jahrhundert erbaute Kapelle, die nun miteinander verbunden wurden –, repräsentieren den tradierten Bürgerstolz der Stadtbewohner. Die wertvolle und erweiterte Sammlung ist nun sowohl  für die Bewohner wie für die Besucher der Stadt ein neuer Anziehungspunkt. Die auf das Gebäude fein abgestimmte Museografie der Sammlung wie auch das umfangreiche Educationprogramm sollen fortan auch für die demokratische Öffnung des Museums stehen.

Die Architektur ist inspiriert vom Ort, den Materialien und vom Licht. Der historische Teil ist in dem für Nantes so charakteristischen  Tuffstein gehalten und strahlt nun Helligkeit und Frische aus. Aufgang in die erste Etage des durch das Londoner Büro Stanton Williams renovierten Museums

„Kultur ist kein Luxus, es ist eine dringende Notwendigkeit und die Basis für alles“. Als die neue französische Kulturministerin Françoise Nyssen das renovierte und erweiterte Kunstmuseum in Nantes mit diesen Worten  eröffnete, stand dahinter ein ganzes Programm. Ihre Aussage bezog sich zweifellos auf das vorbildliche Beispiel der kunstaffinen Stadt, die ihrer Meinung nach nicht nur Strahlkraft besitzt, sondern auch Zusammenhalt stiftet: das soll es sowohl für die Besucher wie auch für die Nantaiser,  welche schon lange nicht mehr die Kunstwerke des einstigen Musée des Beaux Arts gesehen hatten. Es sollte eine Art Renaissance und Wiedererweckung der Wahrnehmung werden und der Beginn eines Gesprächs darüber, was die Dinge im Innersten zusammenhält. Denn nicht allein der Bau ist frisch. Die Kunstwerke  – darunter auch einige restaurierte – sind in neue thematische Zusammenhänge gestellt worden, was auch einem größeren Publikum den Zugang zu neuen wie zu den älteren Kunstwerken erleichtern wird.

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Das Musée d’Arts de Nantes und eine filgrane Installation von Susanne Fritscher

2017, Juli 17.

Das ehemalige Musée des Beaux Arts von Nantes wurde als Musée d’Arts de Nantes  zum Sommeranfang 2017 nach 6-jähriger Renovierung wieder eröffnet. 

Eindrücke und Fotos von Petra Kammann


Die frisch renovierte Fassade des Musée d’Arts de Nantes

Nantes ist seit einigen Jahren eine dynamische Stadt, die auf Innovation und Kreativindustrie gesetzt hat. „Le voyage à Nantes“ – so der stadteigene Slogan – ist immer eine Reise wert, besonders aber auch der Kunst wegen. Dabei hat die einstige Hafenstadt an der Loiremündung ihre Geschichte nicht vernachlässigt, so auch nicht das Musée des Beaux Arts, das bislang in einem mächtigen Palais des ausgehenden 19. Jahrhunderts seine kostbare Kunstsammlung vom 13. bis zum 20. Jahrhundert beherbergte. Weiterlesen