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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Städtereisen

„SomeTime“ in Middelheim mit Richard Deacon

2017, Mai 30.

Einatmen und Ausatmen in freier Natur und sich inspirieren lassen. Das Middelheim Museum in Antwerpen ist ein Ort der Kultur und der Erholung. Hier kann man neben zahlreichen anderen Skulpturen der letzten 100 Jahre bis zum 24. September auch 31 bedeutende Arbeiten von Richard Deacon entdecken. Der britische Bildhauer nimmt schon seit den 80er Jahren einen Platz an der Spitze der europäischen Bildhauerei ein.

Von Petra Kammann

↑ Einer der 9 Zugänge zum Park. Ab dem 16. Jahrhundert hatten viele wohlhabende Antwerpener Familien ihre Sommerresidenz in Middelheim
↓ Das 2012 zuletzt restaurierte Schloss regt die Phantasie an und macht den Park komplett. Es wurde im 18. Jahrhundert im Stil Ludwigs XVI. gebaut

Das Middelheim Museum ist ein einzigartiges Refugium in der Natur in Nähe des quirligen Zentrums der Hafenstadt Antwerpen und ein Freiluftmuseum, das gegründet wurde, um dem Publikum das Zusammenspiel von Kunst und Natur nahezubringen. Bedeutende Beispiele klassisch-moderner und zeitgenössischer Kunst werden dort in einer herrlichen Parklandschaft präsentiert. Auf dem riesigen Gelände mit allein drei Haupteingängen verliert sich der Besucher nicht, weil sich dort Schaukästen mit einem übersichtlichen Grundriss des gesamten Museums befinden. Weiterlesen

Präsentation des neuen Ritschl-Werkverzeichnisses in Wiesbaden

2017, Mai 16.

Ritschls faszinierendes Spätwerk – ein Fest der Farbe

Von Hans-Bernd Heier

Otto Ritschl, geboren 1885 in Erfurt, gestorben 1976 in Wiesbaden, gehört zu dem Kreis abstrakter Maler, die nach dem Zweiten Weltkrieg die westdeutsche Kunstszene prägten. Er hat ein immenses Werk von rund 1.900 Arbeiten hinterlassen, darunter etwa 1.600 Ölgemälde. Trotz hoch qualitativer Kompositionen ist dem vielseitigen Künstler der internationale Durchbruch versagt geblieben. „Da bin ich doch so alt geworden wie ein Methusalem, hab‘ geschafft wie ein Pferd, den großen Erfolg, nein, den hab‘ ich nicht gehabt“. Dieses lapidare Bekenntnis legte der bedeutende Einzelgänger als Neunzigjähriger nach nahezu 60 Jahren künstlerischen Schaffens ab.

Otto Ritschl „Komposition 76/9“, Öl auf Leinwand, 155 x 130 cm; Foto: Museum Wiesbaden Foto: @ Bernd Fickert

Mit dazu beigetragen hat sicherlich die Diffamierung Ritschls als „entarteter Künstler“ durch die Nationalsozialisten. Er verzichtete deshalb während der Nazi-Diktatur auf weitere Ausstellungen und malte nur noch heimlich. Auch nach dem Krieg mied der Maler, der häufig gegen den Strom schwamm, den von ihm abgelehnten „Kunstrummel“ und zog sich als Einsiedler in sein Wiesbadener Atelierhaus zurück. Beim Verkauf seiner Werke hielt er sich ebenfalls zurück. Wenn ein Kunstfreund ein Gemälde erwerben wollte, das er nicht verkaufen wollte, musste sein Adlatus Wolff Mirus dieses im Schlafzimmer sicherstellen. „Dem Sammler wurde gesagt, das Bild befände sich irgendwo auf Ausstellungstournee und wäre zur Zeit nicht greifbar. Mit der Zeit mussten immer mehr Bilder ins Schlafzimmer gebracht werden“, so Mirus. Ritschl selbst sprach schmunzelnd von „Schlafzimmerbildern“. Weiterlesen

Zeitgenössische Kunst in Antwerpen – Wiedereröffnung des Museum van Hedendaagse Kunst Antwerpen M HKA

2017, Mai 9.

Offen für die Kultur einer imaginären Welt:

Das Kunstland Flandern

Von Petra Kammann

↑ Das frisch renovierte Gebäude des M HKA in Antwerpen in einem umgebauten Getreidesilo

↓ Blick in einen der lichten Räume der ständigen Sammlung des M HKA, Fotos: M HKA

Über das Meer und die Schelde kam die Welt schon immer nach Antwerpen. In der zweitgrößten Hafenstadt auf dem europäischen Festland brummt es auch heute noch. Hier stellt man sich auf die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft ein. Das hippe Viertel „T’Eilandje“ („Inselchen“), das älteste Hafengebiet von Antwerpen, das einst die Lagerhäuser der Stadt beherbergte, war nach der Verlagerung des Hafengeschehens nach außen zunächst einmal heruntergekommen. Nach und nach entstand hier aber wieder eine neue spannende Architektur wie etwa das MAS (das Museum aan den Strom) oder das Auswanderer-Museum, das Red Star Line Museum.

Antwerpen war nicht zuletzt der Lage wegen auch immer wieder ein Zentrum der Ein- und Auswanderer. Heute leben in der belgischen Hafenmetropole 174 Nationen. Das inspiriert nicht nur die Avantgarde der Architektur, sondern auch die Künste. Hier leben profilierte international bekannte Künstler wie Jan Fabre, Luc Tuymans, David Claerbout oder Panamarenko. Künstlerisch gibt es u.a. eine lange Beziehung der Wide White Space Gallery von Betty und Gerd Lohaus zur rheinischen Kunstszene der 60er und 70er Jahre, u.a. durch Joseph Beuys, aber auch durch die Szene der ZERO-Künstler, die damals schon im Hessenhuis in Antwerpen ausstellten. Weiterlesen

Stadt, Land, Fluss – Luxemburg

2017, Mai 3.

Luxemburg ist einer der kleinsten Flächenstaaten der Erde und nach Malta das zweitkleinste Land der Europäischen Union. Neben Singapur soll es das sicherste Land sein. Die weltoffene Stadt Luxemburg im gleichnamigen Großherzogtum, auf französisch Grand-Duché de Luxembourg, auf luxemburgisch Groussherzogtum Lëtzebuerg, übrigens das letzte von ehemals neun, empfängt fröhlich ihre Gäste aller Nationen. 

Von Elke Backert

Schengen im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Luxemburg am 14. Juni 1985 wurde zum Schauplatz der berühmten Unterzeichnung des Schengener Abkommens

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Musik im Hafen: die Elbphilharmonie

2017, April 30.

Von Angelika Campbell

Die Elbphilharmonie in der Hamburger HafenCity – viel ist über sie geredet und geschrieben worden: Architektur-Highlight, Millionengrab, Klangwunderwerk, Skandalbau, German Must-See.

Am 21. April 2017, das war vor genau 100 Tagen, nahm das Haus mit der feierlichen Eröffnung den Betrieb auf. 190 allesamt ausverkaufte Konzerte mit mehr als 250.000 begeisterten Besuchern fanden seit dem 11. Januar bis Ende April dort statt und zeigten die Vielfalt, die auch in Zukunft das Elbphilharmonie-Programm bestimmt: große Orchesterkonzerte, feine Kammermusikabende, thematische Festivals, Jazz, Weltmusik und Pop. Außerdem gab es in dieser kurzen Zeitspanne bereits über 230 Instrumentenworkshops für Schulklassen und Musikliebhaber. Unzählige denkwürdige Momente mit reichlich Gänsehaut, staunenden Augen und einige Tränen der Rührung waren seitdem zu registrieren — und damit ist zweifellos noch lange nicht Schluss..

Majestätisch an der Elbe, Foto: Iwan Baan

Auch die Plaza legte einen Raketenstart hin: Die seit dem 4. November geöffnete öffentliche Aussichtsplattform hat bereits über 1,6 Millionen Besucher angezogen; mehr als das Schloss Neuschwanstein in einem Jahr – wenn das der alte König Ludwig II. wüsste… Auch er hat für seine Bauwerke viel Geld ausgegeben und die 789 Millionen Euro, die letztlich für die Elbphilharmonie aufgebracht werden mussten, waren und sind natürlich immer noch ein Thema. Aber mehr und mehr sehen selbst harte Kritiker den Wert dieser Institution, die weltweit Beachtung findet und Hamburg weiter in den Fokus des internationalen Tourismus rücken wird. Weiterlesen