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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu KultTouren

Starker Auftakt: Eröffnung der Frankfurter Buchmesse mit dem Ehrengast Frankreich

2017, Oktober 11.

Eine besondere Stunde für Europa

Kultur lebt vom Austausch: Der Beginn der Buchmesse

Impressionen von Petra Kammann

„Frankreich als Ehrengast der 69. Frankfurter Buchmesse: Das ist ein Fest für die französische Sprache, mit 180 Autorinnen und Autoren, die aus der ganzen Welt anreisen, um ihre Bücher in Frankfurt zu präsentieren. Der Auftritt Frankreichs bringt uns unser Nachbarland näher, und er lenkt zugleich unseren Blick in die Welt, weil in vielen Ländern Französisch gesprochen wird. Und es hat die wichtigen Politiker Europas auf den Plan gerufen. Am Tag der Eröffnung wurde es dann auch ein Macron-Merkel-Tag. 

v.l.n.r.: Buchmessedirektor Juergen Boos, Staatspräsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, dahinter die neue französische Botschafterin Anne-Marie Descôtes

Der Auftritt setzte ein starkes Zeichen! Neben dem französischen Staatspräsidenten und der deutschen Kanzlerin waren weitere Würdenträger aus dem In- und Ausland zur Eröffnungsfeier gekommen: zum Beispiel die Sécrétaire Perpétuel“ der legendären Académie française Prof. Hélène Carrère d’Encausse sowie zahlreiche LiteratInnen, KünstlerInnen, SchauspielerInnen und VerlegerInnen.

Erwähnenswert ist die Rede des Börsenvereinsvorsteher Riethmüller, der vehement für die Freiheit des Wortes eintrat und darauf hinwies, dass man im letzten Jahr die Rede der in der Türkei inhaftierten regimekritischen türkischen Physikerin, Journalistin und Schriftstellerin Asli Erdogan noch verlas und sie nun anwesend sei. Applaus! Besonders eindrucksvoll war bei der Eröffnungszeremonie die künstlerisch-szenische Darstellung der Sprachlosigkeit „L’hospitalité des langues“ statt einer literarischen Rede, die der libanesischstämmige Franzose, Autor, Schriftsteller und Regisseur Wajdi Mouawad auf die Eröffnungsbühne provokant in den dunklen Zuschauerraum stellte und konterkarierte durch das eindringlich gesungene Lacrimosa. Die Reaktion des hündischen Bellens in der Verzweiflung des Leids ließ die Sehnsucht nach Sprache umso stärker werden. Selbst der redebewusste Macron hielt für einen Moment inne und entschuldigte sich fast dafür, dass er nun doch zum protokollarischen Teil übergehen müsse.

Szene aus  der Performance „L’hospitalité des langues“ des libanesischstämmigen Franzosen, Autors und Regisseurs Wajdi Mouawad

Es folgten dann die mit Leidenschaft vorgetragene Rede des Präsidenten, in der er die Horizonterweiterung beschrieb, die ihm durch Literatur und Kultur in seiner eigenen Erziehung zuteil geworden worden war, und er beschrieb, wie sehr er als Assistent durch seinen Lehrmeister, den französischen Philosophen Paul Ricoeur, geprägt worden war, der trotz seiner Leidensgeschichte mit Deutschland daran festhielt, unbeirrt Husserl ins Französische zu übersetzen. „Europa ist nichts ohne Kultur“, sagte Macron und forderte in seiner Rede mehr auch mehr europäischen Austausch für Studenten und Auszubildende.

„In der Literatur spiegelt sich die Seele unserer freiheitlich verfassten Gesellschaft wider, in der die Freiheit des Geistes und der Meinungsäußerung einher geht mit politischer Freiheit“, sagte Bundeskanzlerin Merkel mit mehr Understatement, wenn auch mit Nachdruck. Sie erinnerte an ihre eigene Erfahrung in der DDR: „Einmal erlebt zu haben, dass man nicht jedes Buch lesen kann, das man lesen möchte, bringt einen dazu dafür kämpfen, dass alle Leute alle Bücher lesen können, die sie lesen möchten.“ Auch daran zu erinnern, war ebenfalls stark, war Frankreich doch im Wendejahr 1989 Schwerpunktthema der Buchmesse und konnte auch miterleben, was die Öffnung der Mauer für Europa bedeutete.

Nach der Eröffnungszeremonie fand dann auch die erste Begehung des französischen Ehrengast-Pavillons in Anwesenheit von Merkel und Macron statt. Gemeinsam wurden auf der Gutenberg-Presse die Menschenrechte gedruckt.

Macron genoss nicht nur das „Bad in der Menge“. Er diskutierte mit Kindern und Jugendlichen im französischen Pavillon. Aus einer Ecke ertönte das gemeinsame Zitieren des Heineschen Loreley-Gedichts mit französischem Akzent

Zuvor aber hatte Macron eine kleine Lehrstunde an der Frankfurter Goethe-Universität in Sachen Europa gegeben. Er entwickelte die Vision einer Bildungs- und Kulturunion, als er auf dem Podium mit dem deutsch-französischen früheren Abgeordneten im Europa-Parlament Daniel Cohn-Bendit sowie mit dem französischen Sozialwissenschaftler Gilles Kepel diskutierte und den Studenten an der Frankfurter Goethe-Universität Mut für eine europäische Solidarität und Einheit zusprach. Er stellte hier nicht nur wirtschaftliche Argumente in den Vordergrund, sondern stellte die Bildung in den Mittelpunkt seines Räsonnierens und plädierte dafür, dass alle jungen Menschen Zugang zur Literatur bekämen. Er widersprach vehement Dany Cohn-Bendit, der ihn in guter Sponti-Tradition herausforderte, indem er  Schmidt zitierte, dass wer Visionen habe, zum Arzt gehen solle. Dem widersprach Macron vehement :„Ich will keinen Arzt, ich will Visionen!“

Gilles Kepel, Kenner des politischen Islam, wies vor allem auf die Bedrohung durch den Terrorismus hin. Macrons Ausführungen gingen jedoch dahin, dass man eben schon viel früher ansetzen müsse als mit der Organisation von Sicherheitsvorkehrungen, eben bei der Erziehung und der Ausbildung, die allen Kindern zukommen müsse. Am Ende hatte Emmanuel Macron für das studentische Publikum sogar eine offizielle Verlautbarung mitgebracht: Dass er nämlich als französischer Präsident fortan die europäische Flagge und Hymne der französischen Trikolore und Marseillaise zur Seite stellen wird.

v.l.n.r.: Daniel Cohn-Bendit, Staatspräsident Emmanuel Macron und Prof. Gilles Kepel und die Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff

„Ich freue mich auf die nächsten fünf Tage voller Begegnungen, Gespräche und Diskussionen, und wir heißen die französischsprachigen Literaten, Künstler und politischen Gäste hier herzlich willkommen“, sagte der Direktor der Frankfurter Buchmesse Juergen Boos. Und der Commissaire général von „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“ Paul de Sinety:„Diese Einladung zur Frankfurter Buchmesse ist eine Ehre und ein starkes Symbol für die Dynamik der deutsch-französischen Beziehung und die Lebendigkeit des europäischen Projekts. Fast 30 Jahre nach dem letzten Ehrengastauftritt Frankreichs auf der Frankfurter Buchmesse, im selben Jahr in dem die Berliner Mauer fiel, sieht sich Europa heute großen Herausforderung gegenüber. Es ist unsere Aufgabe, gemeinsam mit unseren deutschen und europäischen Partnern, ein Europa der Übersetzung, der Vielfalt und der Gastfreundschaft zu schaffen. Daher ist es der Wunsch des Präsidenten der französischen Republik, Emmanuel Macron, der Jugend unserer europäischen Länder den Zugang zur Kultur zu erleichtern“.

Auch die Musik spielte am Eröffnungsabend mit. Zum Auftakt von „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“ fand außerdem ein deutsch-französisches Konzert in der Alten Oper Frankfurter statt. Die Philharmonie Straßburg und ihre Solisten, Gautier Capuçon und Veronika Eberle, nahmen das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch Frankreich und Deutschland.

Heute wird das Enfant terrible der französischen Literaturszene Michel Houellebecque erwartet und die Jury des renommierten Prix Goncourt. Die Spannung wird gehalten. A suivre…

 

Kultur-Brücken in und nach Frankfurt – „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“

2017, Oktober 7.

Buch-Welten, die verbinden

Die Verleihung des Deutschen Buchpreises, des Friedenspreises,  Openbooks. Das alles rückt näher: Bücher und Autoren in Frankfurt sind überall präsent, nicht nur im Literaturhaus und auf der Messe, im Römer, im Haus des Buches, in der Evangelischen Akademie, im Haus am Dom, im Mousonturm undundund. Das große internationale Fest des Buches wird eine Woche lang in der ganzen Stadt zu spüren sein, denn die Frankfurter Buchmesse öffnet in diesen Tagen ihre Tore mit dem Ehrengast Frankreich, wozu der Präsident französische Emanmuel Macron sogar die Schirmherrschaft übernommen hat und das deutsch-französische Tandempaar Merkel-Macron die Buchmesse eröffnen wird, was die politische Dimension dieses Auftritts zeigt …

v.l.n.r.: Dr. Thorsten Ratzel, Direktor der Evangelischen Stadtakademie, Dr. Sonja Vandenrath, Leiterin Fachbereich Literatur  im Kulturamt der Stadt, Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin, Elisabeth Simonet, Leiterin des Verbindungsbüros „Francfort en français“

 

Paul de Sinety, Vorsitzender des Gastlandschwerpunkts Foto: © vinciane verguethen/institut français

Um die 180 französischsprachige SchriftstellerInnen und Kunstschaffenden werden unter dem Motto „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“ vom 8. bis zum 15. Oktober in Frankfurt zusammenkommen. Sie werden u.a. in einem  2500 m2 großen Gastland-Pavillon, der an der Hochschule für Kunst und Design Saint-Étienne in Zusammenarbeit mit dem Frankreich-Kommittee entstand, diskutieren und  zu erleben sein. All diese AutorInnen aus den verschiedensten Bereichen – gleich ob Fiction, Non-Fiction, Kinder- und Jugendbuch oder Comic – kommen aus der ganzen Welt und sind aktuell übersetzt. …“Sie alle träumen, schreiben und zeichnen auf Französisch. (… ) Das Treffen in Frankfurt gibt die Möglichkeit, das zu feiern, was uns – die Bürger Europas – eint und verbindet: die gemeinsame Buchkultur. “ So lautete die Vision des  Generalkommissars Paul de Sinety.

← Das Projekt Passerelles d’Europe ist eines der Highlights des Programms von „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“. Der zur Frankfurter Buchmesse geladene französische Autor Olivier Rolin navigiert nach wochenlanger, literarischer Reise entlang des Rheins und des Mains seit dem 25. August das Hausboot Ange Gabriel  von Namur nach Frankfurt. „Die Schiffsreise, die das Boot von Belgien über Frankreich nach Deutschland führte, ist ein Symbol für die Brücken die die Kultur in Europa zu bauen vermag“, sagte Paul de Sintey, Vorsitzender von „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“.

Während der Frankfurter Buchmesse entsteht am Main nun außerdem ein spannender neuer Veranstaltungsort mit einem besonderen Programm. Während der Dauer der Frankfurter Buchmesse lädt „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“ jeden Abend zu literarischen Aperitifs auf Ange Gabriel ein. Dort wird man u. a. folgende auf die Frankfurter Buchmesse geladene französischsprachige Schriftstellerinnen und Schriftsteller treffen können: Philippe Claudel, Virginie Despentes, Négar Djavadi, Philippe Djian, Gaël Faye, Pascale Kramer, Dany Lafferrière und Kettly Mars. Unter dem Motto Passerelles d’Europe werden hier jeden Abend Autorinnen und Autoren miteinander ins Gespräch kommen – u.a. Nora Bossong, Kamel Daoud, Virginie Despentes, Mathias Énard, Gaël Faye, Alain Mabanckou und Steinunn Sigurdardóttir.

und zur Erinnerung… 

Mit dem Schriftsteller André Malraux und dem Theaterintendanten Jack Lang hatte Frankreich zwei bedeutende Kulturminister. Malraux, der 1959 als erster Minister in diesem Amt in der Fünften Republik ernannt wurde,  förderte umstrittene Autoren wie Jean Genet und die moderne Kunst. Aus seiner Zeit stammen die Deckenmalereien in der Pariser Oper Garnier und im Théâtre de l’Odéon, die er jeweils bei Marc Chagall und André Masson in Auftrag gegeben hatte. Auf seine Initiative geht auch die berühmte Fondation Maeght, das Kunstparadies über den Dächern, Hügeln und Tälern der Côte d’ Azur mit Blick auf das Mittelmeer in Saint Paul de Vence, zurück.

Und Jack Lang? Der leitet heute das Institut du monde arabe in Paris und rief unter anderem 1982 die Fête de la Musique ins Leben und begleitete die Ära François Mitterrand mit einer so umfassenden kulturellen Tätigkeit, dass er auch Anteil an der architektonischen Umgestaltung von Paris hatte. So geht auf ihn die gläserne Pyramide am Louvre und der neue Triumphbogen „La Grande Arche“ in La Défense zurück. Im Rahmen der Dezentralisierung Frankreichs stieß er auch die Gründung zahlreicher Kulturhäuser in der Provinz an. Aber – einige Leser werden sich sicher noch erinnern –, er war es auch, der im schicksalsträchtigen Jahr 1989 die erfolgreiche Frankfurter Buchmesse eröffnete, ebenfalls mit dem Schwerpunkt Frankreich …

Françoise Nyssen über die Buchkultur heute

Und nun hat der neue französische Staatspräsident Emanuel Macron die in Brüssel geborene Françoise Nyssen zur Kulturministerin berufen. Die studierte Molekularbiologin hat ein besonderes Verhältnis zu Büchern. Nachdem sie den renommierten Verlag Actes Sud  nach dem Tod ihres Vaters in Arles übernommen hat, hat sie dort selbst auch selbst einige bedeutende Literaten gefördert und veröffentlicht: Autoren wie Paul Auster oder Goncourtpreisträger Mathias Enard, Philosophen wie Edgar Morin oder die Nobelpreisträger Imre Kertész und Swetlana Alexijewitsch, um nur einige zu nennen. Wir möchten Sie daher mit ihrem Statement vertraut machen, wie sie die Buchwelt als Teil der Kultur eingebettet sieht.                                                                                                     pk

Françoise Nyssen, die französische Kulturministerin, Foto: Didier Plowy  

„Kultur ist vollkommen sinnlos, wenn sie nicht dem bedingungslosen Willen entspricht, das Leben der Menschen zu verändern.“ Mit diesen Worten erinnert Romain Gary an die emanzipatorische Kraft der Kultur und ich greife sie gerne auf, um auf die besondere Stellung zu verweisen, die der Kultur in unserem Land zukommen soll. Getragen von politischen Impulsen muss Kultur alle Menschen erreichen, um den immensen Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Unsere Kultur ist über Jahrhunderte gewachsen. Wie könnten wir das Erbe unserer Denker, AutorInnen und KünstlerInnen vergessen, die der Stimme Frankreichs und unseren Talenten über unsere Grenzen hinaus immer wieder Gehör verliehen haben? Es ist unsere Pflicht, diesen Reichtum weiter zu geben, damit die jüngeren Generationen aus ihm schöpfen können, um diese gemeinsame Geschichte fortzuschreiben.

Kultur ist nicht das ewige Memorieren einer glorreichen Vergangenheit, sondern sie schreibt unsere Gegenwart und sie ist die Wegbereiterin unserer Zukunft. In den kreativen Neuschöpfungen unserer Künstler entsteht jeden Tag die Zukunft unseres Landes. Sie sollen in ihrer ganzen Vielfalt von allen geteilt werden können. Daher freue ich mich, dass die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr den französischen Sprachraum und einige Schwerpunkte seines Facettenreichtums würdigt.

Diese Sprache, die unser gemeinsames Erbe darstellt und die uns allen eigen ist, steht ihrem Wesen nach für Offenheit, Geselligkeit und schöpferische Kraft. „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“ ist ein Fest des Buchs, der Büchermenschen und der AutorInnen – aber auch eine gute Gelegenheit, um über die Rolle der Kultur bei der Stärkung der deutsch-französischen, ja der europäischen Beziehungen nachzudenken.

Kultur ist das beste Gegenmittel gegen Intoleranz und Fanatismus. Sie ist ein grundlegender Raum der Begegnung, des Austauschs und der Diskussion. Räumen wir ihr also die ihr zustehende Bedeutung in einem Europa ein, wie wir es uns wünschen: stark, großzügig und bereit für die Herausforderungen der Zukunft.

Dieses kulturelle Europa kann nur durch eine gemeinsame Vision entstehen. Die Kraft der deutsch-französischen Beziehungen bleibt der Grundstein dieses Bestrebens. Mein Wunsch ist es, dass wir die Zusammenarbeit und den kulturellen Austausch zwischen unseren beiden Ländern verstärken. Ich denke dabei nicht zuletzt an unsere übereinstimmenden Standpunkte im Bereich der Buchpolitik, die wir heute in Zeiten, in denen in Europa grundlegende Debatten im Gange sind, bekräftigen müssen.

Diese Zusammenarbeit müssen wir stärken. Mehr denn je ist es unsere Pflicht, gemeinsam Meinungs- und Schaffensfreiheit, die Stärkung der Urheberrechte und der kulturellen Vielfalt in einer offenen Welt zu verteidigen.

Für Frankreich und das französische Kulturministerium ist es eine große Ehre und zugleich eine einzigartige Herausforderung, gemeinsam mit unseren deutschen Partnern diese gemeinsame Vision mit Nachdruck zu verfolgen: Mit ihr können wir ein Europa der Kulturen schaffen, in dem das Buch die ihm gebührende Rolle einnimmt.

Je vous écris d’Europe  – Ich schreibe Euch aus Europa 

Am Sonntag, den 8. Oktober geht es bereits los um 11 Uhr los mit Podiumsdiskussionen auf französisch und deutsch, mit Übersetzung, zum Thema Je vous écris d’Europe im Haus am Dom. Persönlichkeiten aus den Bereichen Literatur, Illustration, Geschichte und Philosophie erzählen, was man in Europa erlebt, schreibt, denkt, woran man sich erinnert und was man vergisst.

11h00 ERÖFFNUNG

11h30 -13h00 PODIUMSDISKUSSIONEN

Die europäische Freundschaft

Der deutsche Regisseur Thomas Ostermeier empfängt denSchriftsteller, Dichter, Übersetzer und Dramaturgen Olivier Cadiot, mit dem er bereits mehrfach zusammengearbeitet hat, zu einem Austausch über die europäische Freundschaft. Oder muss man sie immer noch und immer wieder erfinden ? Mit: Thomas Ostermeier, Olivier Cadiot

12h00 -13h00 

D’autres vies que les nôtres –  Vom Leben und von verschiedenen Leben erzählen, in Büchern und durch Bücher. Wenn der Roman und die Erzählung die Gesellschaft herausfordern. Mit: Christophe Boltanski, Marie Darrieussecq, Maylis de Kérangal, Anna Kim

14h30 -15h30 

Literatur wozu? Die Welt hat sich verändert, die Literatur ist am Ende. Stimmt das? Und was wäre, wenn wir die Lage nutzten, um Konzepte des Schreibens, der Belletristik, der Literatur zu überdenken ? Mit: Olivier Cadiot, Bruno Latour, Moderation: Frédéric Boyer

15h30-17h00 

Die Gespenster Europas: Begegnungen, Freundschaften, Austausch, Übersetzungen, aber auch Kriege, Massaker, Lager… Europa ist ein heimgesuchter Kontinent. Haben seine Gespenster uns noch etwas zu sagen ? Mit: Mickaël Foessel, Jérôme Ferrari, Cécile Wajsbrot, Markus Messling

15h30-17h00 

Reiseliteratur Literatur entsteht oft aus Reisen und Ortswechseln, und sie kann unseren Blick auf die anderen, die Welt und unsere Umgebung verändern. Mit: Laurent Gaudé, Jean-Christophe Bailly, Céline Minard

16h00-17h00 AUTORENDUO

Jugendbuch: Französisch-deutscher Dialog zwischen den Jugendbuchautoren Jean-Claude Mourlevat und Jörg Mühle nach ihrer gemeinsamen Teilnahme an einem Austauschprogramm. Mit: Jean-Claude Mourlevat, Jörg Mühle

17h00-18h30

Wo sind die „großen Ideen” und die Intellektuellen geblieben? Müssen wir um die großen Ideen trauern und uns resigniert vom Universalgelehrten verabschieden, einem Konzept, das Europa erfunden und gefeiert hat ? Wir wetten, dass diese Frauen und Männer noch nicht vollkommen verschwunden sind. Mit: Laurent Jeanpierre, Peter Engelmann, Martin Saar, Bénédicte Savoy (angefragt) Moderation: Markus Messling

17h00 -18h30 

Die Nacht der Ignoranz Welchen Platz haben Religionen im heutigen Europa und wie werden sie wahrgenommen ? Lässt sich die „Nacht der Ignoranz“, die sich über uns legt, mittels Literatur und Sprache abwenden? Mit: Rachid Benzine, Thomas Römer, Bruno Latour

19h00

Held(inn)en. VERNISSAGE Seit mehr als 180 Jahren spielen überwiegend männliche Helden die Hauptrolle im Comic. Deswegen haben sich auf Initiative von Lyon BD und von Jean Christophe Deveney sich etwa zwanzig Comic-Autoren ein Konzept ausgedacht, das dieses Thema aufgreift und zum Nachdenken anregt. Anlässlich dieser Ausstellung präsentiert die deutsche Autorin Birgit Weyhe ein neues, unveröffentlichtes Werk. Ausstellung 9.10 -12.11.17 im HAUS AM DOM, Domplatz 3, 60311 Frankfurt a. M. www.hausamdom@bistumlimburg.de

 

Weitere Infos über „Francfort en français“
in Feuilletonfrankfurt:

→  Paul de Sinety, dem französischen Commissaire Général der Buchmesse

→ Pierre Monnet – Leiter des Institut franςais Franco-Allemand de sciences historiques et sociales (IFRA-SHS)

Tanguy Viel und „Le silence de la mer“ – Eine Buchhandlung

→ Struwwelpeter recoiffé“ im Frankfurter Struwwelpeter-Museum

→  Der französische Wort-Schrift-Künstler

→ Joachim Gaucks Ehrung in Paris

→ http://www.feuilletonfrankfurt.de/2017/04/26/franzoesischer-abend-des-international-womens-club-of-frankfurt/

→ http://www.feuilletonfrankfurt.de/2017/04/07/francfort-en-francais-frankfurt-auf-franzoesisch-/

→ Märchenerzähler – Von Charles Perrault zu den Brüdern Grimm

→ http://www.feuilletonfrankfurt.de/2017/08/09/francfort-en-francais-frankfurt-auf-franzoesisch/

Rheingau Literaturpreis 2017 an Ingo Schulze für den Roman „Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst“

2017, September 26.

Wein-Lese mit liquidem Preis

Schelmische Glückssuche in Zeiten der Wende 

Von Petra Kammann

Preisträger Ingo Schulze

 

Zum Abschluss des Rheingau Literatur Festivals, das vom 14. bis 23. September 2017 erfolgreich unter der künstlerischen Leitung von Prof. Dr. Heiner Boehncke an verschiedenen Orten im Rheingau stattgefunden hat, wurde am 24. September zum 24. Mal der Rheingau Literatur Preis 2017 auf Burg Schwarzenstein in Geisenheim-Johannisberg vergeben. Ein ungewöhnlicher Preis, weil er u.a. mit 111 Flaschen besten Rheingauer Rieslings sowie mit 11.111 Euro belohnt wird. In diesem Jahr erhielt diese besondere Auszeichnung der Schriftsteller Ingo Schulze für seinen Roman „Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst“ (Verlag S.Fischer).

Der 1962 in Dresden geborene und heute in Berlin lebende Ingo Schulze war kurz nach der Wende vor allem durch sein erstes Buch „33 Augenblicke des Glücks“ und seine „Simple Storys“ bekannt geworden. Inzwischen ist er mit verschiedenen internationalen Preisen ausgezeichnet und in 30 Sprachen übersetzt worden. 

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Orte der Reflexion und das Europa der Klöster

2017, September 2.

Klösterlich raffinierte Einfachheit

Eine Installation in situ von Prisca Cosnier in der Chapelle de Saint-Esprit

Text und Fotos: Petra Kammann
→ Die Land Art-Künstlerin Prisca Cosnier griff geometrische Elemente der mittelalterlichen Architektur auf

Im Herzen der Stadt Auray im Morbihan befindet sich auf einem großen Platz eine 40 Meter lange, 10 Meter breite und 15 bis 20 Meter hohe einschiffige Kirche. Das älteste Gebäude der bretonischen Stadt, die „Chapelle de Saint-Esprit“ aus dem 13. Jahrhundert, eine ursprünglich als herzogliche Kapelle gestaltete Kirche, wurde im 14. Jahrhundert vom Orden des Heiligen Geistes (Ordre du Saint-Esprit), dem bedeutendsten Ritterorden Frankreichs, zu einem Stift und Spital umgebaut und erweitert.

Die religiöse Anlage wurde wie so vieles in Frankreich in der Zeit der Französischen Revolution ab 1794 zur Militärkaserne umfunktioniert, was sie bis ins 20. Jahrhundert hinein auch blieb, bis sie Eigentum der Stadt Auray wurde. Im Zweiten Weltkrieg fanden die Bewohner der Stadt hier Schutz. Zeitweise beherbergte sie auch die Feuerwehrleute und war ein Gymnasium. Die umliegenden Klostergebäude sind jedoch inzwischen zerstört. Übrig blieb nur noch ein Skelett der einschiffigen Kirche mit allerlei Wasserschäden, die, nachdem sie 1982 zum historischen Denkmal erhoben wurde, nach und nach behoben wurden.

Das Gebäude war schon völlig dem Zerfall preisgegeben, als eine Initiative es „rettete“, teilweise jedenfalls. Da die Sanierungskosten hoch sind und die Kirche nach wie vor unbeheizt ist, hat man sich ab 2007 nach einer alternativen Nutzung für diesen besonderen Ort umgesehen, um ihn mit neuem Leben zu füllen. 2011 war es dann soweit. Das architektonisch und historisch besondere Gebäude sollte für künstlerische und wissenschaftliche Begegnungen genutzt werden. Weiterlesen

„SIBYLLE – Die Fotografen“ in den Opelvillen in Rüsselsheim

2017, August 31.

Puppenposen abgeschafft

DDR-Modejournal als Forum für künstlerisch ambitionierte Fotografie

Von Hans-Bernd Heier

→ Cover 1964/2; © Foto: Günter Rössler © Reproduktionsfoto: Werner Mahler

Zum ersten Mal wird die Bedeutung der „SIBYLLE ‒ Zeitschrift für Mode und Kultur“ für die Entwicklung der Kunstfotografie Ostdeutschlands in einer Ausstellung eingehend beleuchtet. SIBYLLE war ein Modejournal in der DDR, das von der Namensgeberin Sibylle Boden-Gerstner im staatlichen Auftrag gegründet worden war. Durch die vorgestellten Modeentwürfe des assoziierten staatlichen Deutschen Modeinstituts, des späteren „Modeinstituts der DDR“, sollten kulturelle Maßstäbe gesetzt werden. Die Frauenzeitschrift, die als „Ost-Vogue“ galt, erschien ab 1956 sechsmal pro Jahr in einer Auflage von nur 200.000 Exemplaren im „Verlag für die Frau“, Leipzig. Sie war stets schnell vergriffen, sprach die Zeitschrift doch alle Altersgruppen an. Besonders begehrt waren die beigelegten Schnittmuster-Hefte, denn die abgebildete Kleidung war nicht in den volkseigenen Läden erhältlich. „Die Modefotos dienten nicht dem Marketing, sondern der Ästhetik“, so Dr. Beate Kemfert, Vorstand der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim und Kuratorin der imposanten Schau.

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