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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Alle Artikel zu Musik

„Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Helmut Lachenmann an der Oper Frankfurt

Mittwoch, 23. September 2015

Durch Hören zu sich kommen – ein „Wahrnehmungsabenteuer“

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus/Oper Frankfurt und Renate Feyerbacher

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Helmut Lachenmann am Abend der Erstaufführung an der Oper Frankfurt; Foto: Renate Feyerbacher

„Musik mit Bildern“ hat Komponist Helmut Lachenmann sein Werk genannt, das 1997 an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführt und am 18. September 2015 seine szenische Erstaufführung an der Oper Frankfurt hatte. Konzertant war das Opus bereits 2002 in der Alten Oper Frankfurt zu hören.

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Michael Mendl (Schauspieler; in der Bildmitte sitzend und auf der Leinwand) sowie im Hintergrund die Zuschauer, das Ensemble und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester; Foto © Monika Rittershaus

„Es war fürchterlich kalt“, so beginnt das Märchen von Hans Christian Andersen (1805-1875), das eines der traurigsten der Weltliteratur ist. Weiterlesen

„Rienzi, der letzte der Tribunen“ – Oper von Richard Wagner

Samstag, 18. Mai 2013

Konzertante Koproduktion von Oper Frankfurt und Alte Oper Frankfurt

Von Renate Feyerbacher
Fotografien: Wolfgang Runkel / Oper Frankfurt

Musikalisch wieder ein Höhepunkt.

„Rienzi“ ist Wagners dritte vollendete Oper nach „Die Feen“ und „Das Liebesverbot“. Bei ihrer Uraufführung 1842 in Dresden war sie erfolgreich. Sie bescherte dem neunundzwanzigjährigen Komponisten den musikalischen Durchbruch.

Claudia Mahnke (Adriano; sitzend) und Peter Bronder (Rienzi) sowie das Frankfurter Opern- und Museumsorchester; Foto © Wolfgang Runkel

Die lange Ouvertüre, deren Einleitungsmotiv im Ohr blieb und bleibt, nimmt alle anderen Motive der Oper vorweg. Wie fast alle seine Werke strotzte die Oper vor Überlänge, aber selbst die gekürzte Form von drei Stunden erfordert Geduld. Weiterlesen

„Teufelswerk Tango“ – Hommage an Astor Piazzolla

Mittwoch, 31. März 2010

„Teufelswerk Tango“ – Hommage an Astor Piazzolla

Das Ensemble „Mi Loco Tango“ –
die Frankfurter Erben

von Renate Feyerbacher

„Immer nur Tango, Tango“, so hat Astor Piazzolla (1921 bis 1992) gestöhnt. Sein Vater hörte diese Musik immer wieder im wirtschaftlichen Exil – das war in New York Mitte der zwanziger Jahre. Der Vater hatte Heimweh nach Argentinien. Der junge Astor mochte den Tango nicht, viel lieber den Jazz und die Musik von Johann Sebastian Bach. Aber er lernte dem Vater zuliebe Bandoneon spielen. Dieses um 1846 erstmals gebaute Harmonikainstrument mit bis zu 200 Tönen wurde um 1900 zum Soloinstrument bei den klassischen Tangoensembles Argentiniens. Als der junge Piazzolla 18 Jahre alt war, kehrte die Familie nach Buenos Aires zurück. Da hörte er zum ersten Mal eine neuartige Tangomusik. Dieses Ereignis wurde zu einem Schlüsselerlebnis. Damals hatte der Tango allerdings keinen guten Ruf. Es war die Musik der einfachen Leute, die Upper Class mied sie. Tango wurde in Kaschemmen, Kneipen und Bordellen gespielt. Das tat auch Astor Piazzolla.

Dann lernte er den Komponisten klassischer Musik Alberto Ginastera (1916 bis 1983) kennen und studierte ab1940 bei ihm. Er orientierte sich neu. 1954 bekam er ein Stipendium in Paris und lernte bei der Komponistin, Dirigentin und Musikpädagogin Nadia Boulanger (1887 bis 1979), zu deren Schülerkreis Aaron Copland, Philip Glass oder Igor Markevitch gehörten. Piazzolla schämte sich, ihr zu sagen, dass er Tango – und vor allem wo er ihn – gespielt hatte. Beim Durchblättern von Piazzollas ersten Kompositionen findet Nadia Boulanger zwar Einflüsse grosser moderner Komponisten, aber keine eigene Handschrift. Er spielt schliesslich einen Tango und die Lehrmeisterin schnauzt ihn an: „Du Idiot! Merkst Du nicht, dass dies der echte Piazzolla ist, nicht jener andere? … Dein Tango ist die neue Musik und sie ist ehrlich“ (zitiert nach Eckhard Weber: „Astor Piazzolla – der Schöpfer des Tango Nuevo“).

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Das Ensemble „Mi Loco Tango“; Foto: Markus Herrmann Weiterlesen

40 Jahre Junge Deutsche Philharmonie

Samstag, 29. November 2014

Drehscheibe zwischen Hochschulen und öffentlichem Musikbetrieb
Generationsübergreifendes Projekt und einmaliges Ausbildungszentrum

Von Renate Feyerbacher

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Die Dirigenten Lothar Zagrosek und Jonathan Nott mit Vorstandsmitglied Peter Amann, Fagottist, und Miriam Schmaderer, Geigerin und Vorstandssprecherin; Foto: JDPh / Achim Reissner

In einem feierlichen Festakt im Oktober 2014 in der Alten Oper Frankfurt wurde das 40-jährige Bestehen dieses einmaligen Orchesters begangen. Michael Quast hatte mit einer humorvoll-informativen Moderation durch die Musikstücke von Giovanni Gabrieli (1557-1612) bis hin zu Conlon Nancarrow (1912-1997) geführt. 200 Musiker, heutige und ehemalige Mitglieder der Jungen Deutschen Philharmonie, füllten zweitweise die Bühne. Die ungebremste Spielfreude begeisterte das Publikum. Ausserdem übergab Dirigent Lothar Zagrosek den Dirigentenstab an Jonathan Nott. Der anschliessende Empfang, zu dem alle eingeladen waren, war ein Familienfest. Weiterlesen

55. Biennale Arte Venedig 2013 (7)

Mittwoch, 24. Juli 2013

Anri Sala: RAVEL RAVEL UNRAVEL
Der französische Pavillon im deutschen Haus

Dass zur aktuellen Kunst-Biennale in Venedig Deutschland und Frankreich ihre Länderpavillons getauscht haben, wird sich zwischenzeitlich bis, na ja, sagen wir mal, Untergriesbach im südöstlichsten Zipfel des schönen bayerischen Freistaats und somit auch der gesamten Republik herumgesprochen haben.

Dass der unglücklicher Weise im Jahr 1938 nazischwanger verkleidete Bau – es handelt sich um den ursprünglich Bayerischen Pavillon in den venezianischen Gärten – mit der grimmigen Aufschrift GERMANIA bei Künstlern und Kuratoren schon traditionell-habituell ein schlechtes Ansehen geniesst – ebenfalls.

So nimmt es nicht wunder, dass Kuratorin Christine Macel und Künstler Anri Sala als erstes den Haupteingang hinter den ungeliebten Säulen zusperren und verblenden liessen und das geneigte Publikum zum Lieferanteneingang irgendwo links hinten am Gebüsch baten: dies gehört mit zum Gesamtkunstwerk. Zum Glück wies ein mannshoher Hinweis den Weg – selbstverständlich nicht in der Sprache des für den Pavillon gastgebenden Landes – versteht sich. Weiterlesen