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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Städelschule

Absolventenausstellung 2016 der Städelschule im MMK 3 „Croissant“ (2)

2016, Juli 22.

Auch so könnte man es sich vorstellen: Da sitzen die diesjährigen Absolventen der Städelschule vormittags beisammen bei Kaffee und – Croissants – , köstlich, unsereiner verspeist, wenn er ihrer habhaft wird, gut und gerne zwei zum Frühstück, selbst drei wären nicht ausgeschlossen. Und wenn man in besagter Runde sich nun noch für die bevorstehende Absolventenausstellung einen Titel aus der Kopfhaut massieren will – na eben: Croissant! Aber so einfach ist die Sache mal wieder nicht, hatte man doch eine andere Bedeutung des französischen Wortes im Sinn: „croissant“ im Sinne von steigend, zunehmend, wachsend – très bien, mes dames et messieurs, endlich mal was in Französisch statt dem ewig-langweiligen Kunst-Englisch: Quelle inspiration magnifique! Bravo, chapeau et félicitations!

Neben dem Gewinner des Absolventenpreises Stuart Middleton verliessen 25 weitere – jetzt ehemalige – Studierende den sicheren Hort dieser einzigartigen Kunsthochschule; es geht fortan hinaus in die freie wie raue Welt einer Existenz am Kunstmarkt, denn Künstlerinnen und Künstler müssen mit ihren Ideen, ihrer Kreativität und – was bei allem nicht zu kurz kommen darf – ihrem (auch und gerade) handwerklichen Können ihren künftigen Lebensunterhalt verdienen. Und das wird beileibe nicht einfach sein! Denn: „Wer Künstler werden will, muss Risiken eingehen“, bekannte jüngst HfG-Präsident Professor Bernd Kracke bei der Rundgangsveranstaltung der Kunsthochschule im benachbarten Offenbach.

Zu denen, die dieses Risiko nicht scheuen, zählen dieses Jahr neben Stuart Middleton und den Studierenden, deren Arbeiten wir nachfolgend (und stellvertretend für all die anderen) abbilden, die vormaligen Studentinnen und Studenten William Alexander Bacon, Kitsum Cheng, Andrew de Freitas, Anders Dickson, Lina Hermsdorf, Benjamin Horns, Martin Kähler, Theresa Kampmeier, Ellen Yeon Kim, Soojung Kim, Yuki Kishino, Chloé Malcotti, Aislinn McNamara, Luzie Meyer, Xerxes Oakman, Bonny Poon und Elif Saydam aus den Klassen der Professorinnen und Professoren Peter Fischli, Douglas Gordon, Judith Hopf, Michael Krebber, Tobias Rehberger, Willem de Rooij, Amy Sillman und Josef Strau.

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Olga Cerkasova, Dead or alive, 2016, Acrylic on canvas Weiterlesen

Absolventenausstellung 2016 der Städelschule im MMK 3 „Croissant“ – Absolventenpreis an Stuart Middleton

2016, Juli 14.

Die Kunst ist international und die Jury unabhängig – so hat denn auch der törichte „Brexit“ keine Rolle bei der Entscheidung gespielt, den diesjährigen Absolventenpreis des Vereins Städelschule Portikus einem Briten zuzusprechen: Stuart Middleton heisst der Glückliche, und er hat die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung verdient.

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So strahlen Preisträger: Stuart Middleton, den man nach dem Spruch der Jury von draussen erst in das vollbesetzte Foyer des MMK 3 hereinholen musste; mit ihm freut sich Anna Goetz vom MMK Frankfurt, Jury-Mitglied und Kuratorin der Ausstellung

Die Preisträgerarbeit: ein „gebasteltes“ Modellauto, ein Mercedes „Sprinter“. Modellautos wecken, keine Frage, den Spieltrieb, besonders in Männern. Ein „Hingucker“ also, zumal direkt auf dem Weg zur Ausstellungshalle anzutreffen. Auf der Dachgalerie reichliches, sperrig erscheinendes, mit Plane und Stricken gesichertes Gepäck, auch eine sechssprossige Leiter fehlt dort nicht, das Fahrzeug selbst mit allerlei Gegenständen vollgestopft bis zum Gehtnichtmehr (ein kurzer Blick zwischen die beim Presserundgang geöffneten Hecktüren war uns erlaubt). Es ist allseitig mit dem Logo G4S versehen, welches – ebenso wie die tiefblaue Lackierung – für eine niederländische Geld- und Werttransportfirma steht. Aber ein gepanzertes Auto will das Modell nicht vermitteln, eher einen auf Erkundungsreise gehenden Camper. Oder birgt der Wagen ein Filmequipment, gar eine notärztliche Erste-Hilfe-Ausrüstung in sich? Eine kleine Absperrung, wie man sie von Strassenbaustellen kennt, umgibt das Modell auf der rechten Seite. Weiterlesen

Städelschule: Rundgang 2016 (2)

2016, Februar 14.

Liebe Städelschülerinnen und Städelschüler, Leserinnen und Leser,

zum diesjährigen Rundgang halten wir eine gute und eine schlechte Nachricht bereit.

Zuerst die gute: Wir gratulieren herzlich den Rundgang-Preisträgerinnen und -preisträgern:

Antje und Jürgen Conzelmann-Preis
Eliza Douglas (Klasse Willem de Rooij)

Ernst & Young-Preis
Kitsum Cheng (Klasse Judith Hopf)

Preis der Frankfurter Künstlerhilfe e.V.
Valentina Knezevic (Klasse Douglas Gordon)

Engel & Völkers-Preis
Benjamin Horns (Klasse Michael Krebber)

Preis der Landwirtschaftlichen Rentenbank
(Gruppen-Förderpreis) Natalia Rolon und Bradley Davies (Klasse Michael Krebber)

Linklaters LLP Preis
Elif Saydam (Klasse Amy Sillman)

Stylepark Preis
Janusch Ertler (Klasse Douglas Gordon)

Pre Real Estate-Preis
Filmpreis (geteilt) Rosa Aiello und Alexey Vanushkin

Filigran Trägersysteme-Preis
Joon Yeon Park (Klasse Tobias Rehberger)

Preis der Hans und Stefan Bernbeck-Stiftung
(Reisestipendium) Mickael Marman (Klasse Michael Krebber)

Der diesjährigen Jury gehörten an: Professor Vinzenz Hediger (Filmwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt), Professorin Isabelle Graw (Kunsttheorie, Städelschule) und Philip Graf Solms (Vorstandsmitglied Städelschule Portikus e.V.).

Und nun die schlechte Nachricht:

Unser diesjähriger Rundgang nebst traditioneller Bild-Berichterstattung fiel leider der Februar-Grippe zum Opfer (abgesehen von einigen wenigen fotografischen Impressionen während des vorausgegangenen Pressegesprächs). Shit happens, c’est la vie, dumm gelaufen!

Hier nun diese leider nur wenigen Impressionen:

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↑ Blick in das Atelier H8
↓ Eine Arbeit von Dario Wokurka

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Städelschule: Rundgang 2016

2016, Februar 11.

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Wieder einmal öffnet heuer die Städelschule (ihr offizieller Titel lautet Staatliche Hochschule für Bildende Künste) ihre Ateliers für das Publikum zur traditionellen Rundgangsveranstaltung – und wie in den vergangenen Jahren werden etwa 15.000 Besucherinnen und Besucher und möglichst noch mehr erwartet. Der Startschuss fällt am Freitag, 12. Februar 2016, um 18 Uhr mit der Verleihung der Rundgangspreise in der Mensa des Hauptgebäudes Dürerstrasse und anschliessend um 20 Uhr mit der Eröffnung der ersten Einzelausstellung des libanesischen Künstlers Lawrence Abu Hamdan in der der Hochschule zugehörigen Ausstellungshalle Portikus auf der Maininsel.

Während des dreitägigen Events werden Studierende der international renommierten Professoren wie Ben van Berkel, Johan Bettum, Peter Fischli, Douglas Gordon, Judith Hopf, Michael Krebber, Tobias Rehberger, Willem de Rooij und Amy Sillman, ihre Ateliers öffnen und der Öffentlichkeit einen Einblick in ihre Praxis gewähren. Zu den Lehrenden gehören ferner die Professoren Daniel Birnbaum, Isabelle Graw und Philippe Pirotte. Die Studierenden des Studiengangs Curatorial & Critical Studies haben ein Programm von Vorträgen und Gesprächen zusammengestellt, die in der Aula des Hauptgebäudes stattfinden werden. Videokünstler und Filmemacher zeigen ihre Produktionen im Deutschen Filmmuseum und die Architekturklasse stellt in ihren Klassenräumen aus.

Öffnungszeiten: im Haupthaus Dürerstrasse 10 und 24 und in der Dependance Daimlerstrasse 32 von Freitag, 12. Februar bis Sonntag, 14. Februar 2016 jeweils von 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Das reichhaltige Programm nebst Führungen und weiteren Informationen ist auf der Website der Städelschule publiziert.

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Städelschul-Rektor Professor Philippe Pirotte im Pressegespräch Weiterlesen

Absolventenausstellung 2015 der Städelschule „Parked Like Serious Oysters“ im MMK 3 (Teil 3)

2015, November 10.

„Parked Like Serious Oysters“: Mit dem etwas schräg anmutenden Titel der diesjährigen Absolventenausstellung haben wir uns bislang noch kaum beschäftigt. Nun gibt es die weltweit verbreitete, artenreiche Tierfamilie der Austern seit etwa 250 Millionen Jahren, für viele Menschen zählen die Muscheln zu den Kulinarien, und ihre Perlen schätzen Mode- und Schmuckindustrie – aber das hatten die Städel-Studierenden bei der Titelwahl wohl nicht im Sinn. Nein, sie entnahmen dazu vielmehr einen Satz aus dem „Manifeste Cannibale Dada“. Erfunden hatte es der französische Künstler und Schriftsteller Francis Picabia (1879 – 1953), der es 1920 in Paris immerhin von dem berühmten Dichter und Schriftsteller André Breton (1896 – 1966) vortragen liess. „Que faites vous ici, parqués comme des huîtres sérieuses … ?“ heisst es im die damaligen Anwesenden provozierenden französischen Originaltext. Das Manifest findet man übrigens im SCHIRN-Magazin im Rahmen eines erhellenden Beitrags von Katharina Cichosch veröffentlicht.

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Francis Picabia in seinem Atelier; Bildnachweis: wikimedia commons/Sammlung George Grantham Bain in der Library of Congress, Washington D.C.

Um Protest gegen die bürgerliche Welt und ihre Werte gehe es also, gegen die Starrheit des bestehenden Systems; mit dem Titel hätten die Absolventen ein Zitat ausgewählt, das als Vorsatz für die Zukunft verstanden werden kann: sich nicht festlegen zu lassen und stets mit bestimmtem Blick Neuem und Unbekanntem entgegenzutreten, so das MMK. Weiterlesen