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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Alle Artikel zu Kunstszene überregional

„Hinter dem Vorhang“ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast

Mittwoch, 4. Januar 2017

Vorhang auf, Vorhang zu und alle Fragen offen …

Im Museum Kunstpalast in Düsseldorf widmet sich eine Ausstellung dem Wechselspiel zwischen Zeigen und Verbergen, Enthüllen und Verhüllen: „Hinter dem Vorhang“. Die Palette der Exponate – Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Fotografien – reicht von der Malerei der Renaissance und des Barock über die Kunst der Moderne bis hin zur Gegenwart, von Tizian über Rubens bis Gerhard Richter. Die hochkarätigen Leihgaben aus internationalen Museen und Privatsammlungen sind noch bis zum 22. Januar 2017 in der Ausstellung zu sehen, u. a. Werke von Lucas Cranach d. Ä., El Greco, Jacopo Tintoretto, Arnold Böcklin, Robert Delaunay, Max Beckmann, Cindy Sherman, Christo und Gerhard Richter.

Petra Kammann

hat sie sich angesehen

Vorhang, Schleier oder drapierter Stoff. Es beginnt sicher schon bei der Sorgfalt, welche die fast noch dem Mittelalter verhafteten Maler den schillernd hingegossenen Faltenwürfen eines Rockes der Darstellung der Muttergottes gewidmet haben. Die trennenden wie vermittelnden Stoffe, das Spiel von erster und zweiter Natur, von Realität und Fiktion, hat die Phantasien der Maler und Bildhauer, der Fotografen und Filmemacher immer wieder inspiriert, so auch Beat Wismer, den 2017 scheidenden Generaldirektor des Düsseldorfer Museum Kunstpalast. Ihm ist es nicht nur gelungen, anhand des Themas „Hinter dem Vorhang“ die Fragen der Kunstrezeption noch einmal gründlich neu zu stellen. Er hat auch künstlerische Schätze und Leihgaben nach Düsseldorf geholt, für die man zahlreiche aufwändige Reisen unternehmen müsste – insgesamt 200 ungewöhnliche Exponate von der Renaissance bis heute hat er in Düsseldorf zusammengetragen.

Das heißt nicht komplett alleine. Gemeinsam mit der Professorin am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, Claudia Blümle, kuratierte Widmer die Ausstellung so, dass in sieben verschiedenen thematischen Gruppierungen ein Zusammenhang zwischen den so unterschiedlichen Exponaten hergestellt wird, dass sowohl die Ambivalenz als auch der Reiz des Verhüllens und Enthüllens sowie das sinnliche Verhältnis von bildender Kunst und Wahrnehmung in der Schau sichtbar wird.

Aino Kannisto, Untitled (Translucent Curtain), 2002 C-Print, Aluminium

Aino Kannisto, Untitled (Translucent Curtain), 2002, C-Print, Aluminium, 90 x 113 cm; courtesy Galerie m Bochum © Aino Kannisto Weiterlesen

„Karl Lagerfeld. Modemethode“ in der Bundeskunsthalle Bonn

Samstag, 16. Mai 2015

Mode hat Methode: Wie Karl Lagerfeld sich ständig neu erfindet, zeigt eine Ausstellung über den Modeschöpfer in der Bonner Bundeskunsthalle

Von Petra Kammann

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Verleger Gerhard Steidl vor einem Foto von Karl Lagerfeld

Kaum ist eine Sache abgeschlossen, ist Karl, der Große (Modedesigner) längst schon wieder woanders: statt nach Bonn zu kommen, hat Karl Lagerfeld Gastgeberin Caroline Prinzessin von Hannover zu Ehren in Monaco gerade den traditionellen Rosenball ausgestattet, und zwar im Stil des Art Déco. Aber auch ohne ihn präsentiert sich die Bundeskunsthalle in Bonn selbstbewusst mit ihrer neuen Karl Lagerfeld-Ausstellung „Modemethode“. Denn hier ist dafür „der ganze Mode-Lagerfeld aus 60 Jahren“ zu sehen, anders, als vor einem Jahr im Essener Folkwang Museum, wo wir in „Parallele Gegensätze“ das Multitalent, den Fotografen, den Buchkünstler und den Modezeichner erleben konnten, oder in der Kunsthalle Hamburg, die unter dem Titel „Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models“ den Versuch unternahm, den Maler Anselm Feuerbach und den Fotografen Lagerfeld in einer Ausstellung zusammenzuführen. Und doch ist Lagerfeld auch in Bonn auf Schritt und Tritt präsent, zumal der weißgepuderte Herr mit Zopf und Vatermörder in strengem Schwarz-Weiß ohnehin sein eigenes Logo ist, was er übrigens durchaus selbstironisch kommentiert: „Ich heiße inzwischen nicht mehr Lagerfeld, sondern Logofeld“ Weiterlesen

„lagqaffe“ ist Elisabeth Wolf

Freitag, 17. September 2010

Heute entführen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, virtuell nach Leipzig, und wer weiss, ob sich dem Virtuellen nicht bald eine reale Reise in diese Stadt anschliessen könnte, die zu den weltweit ältesten Universitäts- und Messeplätzen zählt. Und weil auch die Kunst in Leipzig prominent zu Hause ist, so würde es sich schicken, den 30. September ins Auge zu fassen, und wenn Sie denn tatsächlich vor Ort wären, sollten Sie Ihre Schritte gegen 18 Uhr in das „Eishaus“ in der südvorstädtischen Karl-Liebknecht-Strasse lenken, wo ohnehin „die Post abgeht“, der Bär steppt oder in diesem Fall besser gesagt „der Affe los ist“. Denn dort ist Vernissage mit Arbeiten der Künstlerin „lagqaffe“! Sie stellt unter dem Titel „In Zwischenzeiten“ gemeinsam mit dem Berliner Graffiti-Künstler Paot aus. Weiterlesen

„Mapping the Studio“ in Venedig (1): Palazzo Grassi

Donnerstag, 12. August 2010

Wir möchten unseren Leserinnen und Lesern für ihren nächsten Aufenthalt in Venedig den Besuch zweier fantastischer Museen ans Herz legen: des „Palazzo Grassi“ und der „Punta della Dogana“ des französischen Milliardärs François Pinault respektive der François Pinault Foundation (Firmenimperium Pinault-Printemps-Redoute mit unter anderem Gucci, Puma, Yves Saint Laurent, Le Printemps oder dem Nobelweingut Château Latour und – setzen Sie sich fest hin – dem Auktionshaus Christie’s!)

Nun trifft es sich, dass in Zeiten der – ideologiepolitisch allem Anschein nach gewollten oder zumindest billigend in Kauf genommenen – Finanznot öffentlicher Haushalte (Steuergeschenke der Koalition an Hotellerie, Erben usw. lassen grüssen) auch die Diskussion um in öffentlicher und privater Trägerschaft betriebene Museen auflebt. Während sich erstere der Gefahr zunehmender finanzieller Auszehrung ausgesetzt sehen – dem finanzministeriellen wie kommunalen Rotstift fällt neben dem Sozialen zu allernächst die Kultur zum Opfer – , fliessen beträchtliche Gelder hoch Vermögender, vor allem über Stiftungen, in deren private Projekte, selbstverständlich nach dem bekannten Motto „Wer zahlt, schafft an“. Und wer beobachtet, mit welch euphorischem Jubel jene genannten politischen Kräfte hierzulande einem von den USA herüberzubranden drohenden „Philanthro-Kapitalismus“ das Wort reden, wird Schlimmeres befürchten müssen. In Vergessenheit gerät darüber, dass die vermeintlichen Grossherzigkeiten der Bill Gates, Warren Buffet und Co. mit erheblichen Steuergeschenken über und über belohnt werden, die wiederum das Steueraufkommen verkürzen und dem Gemeinwesen dringend notwendige finanzielle Mittel entziehen, so dass letztlich die Allgemeinheit den Preis für privatmilliardäre „Wohltaten“ zu entrichten hat, die jedoch dann von Entscheidungen über eine sinnvolle, im öffentlichen Interesse liegende Verwendung (ebenso wie das staatliche Gemeinwesen selbst) im wesentlichen ausgeschlossen ist.

Auf der anderen Seite verkennen wir keineswegs die bedeutsame kulturelle Rolle, die beispielsweise im Rhein-Main-Gebiet – im regionalen Rahmen – etwa dem Frankfurter Museum Giersch oder den Rüsselsheimer Opelvillen zukommt.

Nach diesem Exkurs ins Grundsätzliche nun zurück zum Palazzo Grassi und zur Punta della Dogana. Beginnen wir heute mit ersterem. Und heben gleich zu Beginn hervor, dass die Venetianer jeden Mittwoch freien Eintritt in die beiden Museen haben.

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Der Palazzo Grassi am Canal Grande, Foto: FeuilletonFrankfurt Weiterlesen

„Mapping the Studio“ in Venedig (2): Punta della Dogana

Sonntag, 29. August 2010

Palazzo Grassi und Punta della Dogana – zwei fantastische Museen in Venedig mit Werken der klassischen und zeitgenössischen Moderne aus der Sammlung François Pinault. Heute stellen wir die Punta della Dogana vor.

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Das Dreieck der Punta della Dogana am Auslauf des Canal Grande in die Bucht von San Marco; © Palazzo Grassi, ORCH orsenigo_chemollo

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Blick vom Portikus der Punta della Dogana auf den Campanile di San Marco; Foto: FeuilletonFrankfurt

Wenn es ein Maximum gäbe, ein Ensemble von einer der fantastischsten Städte der Welt, blaugrünem Meereswasser samt frischer salziger Brise, dem berühmten „Mantel der Geschichte“, dessen Saum zu streifen wir uns wähnen, und einer einzigartigen Ausstellung eben jener eingangs genannten Kunst, so wäre es hier und nirgend anderswo anzutreffen: an der Punta della Dogana. Weiterlesen