home

FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Kunstszene Rhein-Main

Stadtmuseum Hofheim zeigt „Ida Kerkovius – im Herzen der Farbe“

2017, Dezember 12.

Zauberin der Farbe mit unverkennbarem Kolorit

Von Hans-Bernd Heier

„Die Farbe ist mir angeboren, hat mir niemals eine Schwierigkeit gemacht“. Mit dieser selbstbewussten Äußerung unterstrich Ida Kerkovius ihre besondere Begabung, die Farbe intuitiv in all ihren facettenreichen Wirkmöglichkeiten einzusetzen und diese neben der Form zum wesentlichen Ausdrucksträger ihrer Bilder zu machen. Für ihr gesamtes malerisches Werk – sowohl das gegenständliche als auch das abstrakte – ist ein außergewöhnliches, intensives Kolorit charakteristisch. Unter dem Titel „Ida Kerkovius – im Herzen der Farbe“ widmet das Stadtmuseum Hofheim der großen Künstlerin der Klassischen Moderne eine umfassende Ausstellung.

„Verkündigung (Selbstbildnis)“, Öl auf Leinwand, 1932; Kunstmuseum Stuttgart

Bereits als junges Mädchen war Ida von Farbe fasziniert. Als sie in Riga, wo sie 1879 als viertes von 12 Kindern in einem wohlhabenden Elternhaus geboren wurde, eine Ausstellung einer Schülerin von Adolf Hölzel sah, war sie sogleich von seinem Farben-Kanon begeistert. Sie beschloss, bei diesem bedeutenden Lehrer, der auf Goethes Farbenlehre aufbauend eine eigene Farbtheorie entwickelt hat, ihre Studien fortzusetzen – zunächst in der Künstlerkolonie Dachau. Diese Zeit war für sie prägend, da sie dort das von Hölzel gelehrte flächige Sehen erlernte, mit dem sie die dreidimensionale Natur auf die zweidimensionale Leinwand übertragen konnte. Später wurde sie in Stuttgart seine Meisterschülerin und Assistentin mit eigenem Atelier an der Akademie. Auch Oskar Schlemmer, Johannes Itten, Willi Baumeister und kurze Zeit auch Emil Nolde zählten zu Hölzels berühmten Schülern.

Weiterlesen

„Von Frankfurt nach New York – Eric und Jula Isenburger“ im Museum Giersch

2017, Oktober 31.

Wiederentdeckung eines vergessenen Künstlerpaares

Von Hans-Bernd Heier

Eric Isenburger: Jula, 1929; Öl auf Leinwand, 80,5 x 60,3 cm; Privatsammlung; Foto: Uwe Dettmar; © Shmuel Elen, Israel

Weiterlesen

Alicja Kwade: „Big Be-Hide“ bei den Bad Homburger Blickachsen

2017, September 24.

Förderpreis der Freunde der Blickachsen 2017 an Alicja Kwade verliehen
Skulpturenausstellung in den Bad Homburger Parkanlagen und Umgebung endet Anfang Oktober

Von Erhard Metz

Wahltag ist ein besonderer Tag, liebe Leserinnen und Leser, und wir gehen doch fest davon aus, dass wir alle zur Wahl gehen – in unserem eigenen wie im Intesse des Gemeinwesens! Soweit, so klar. Und was machen wir sonst noch am Wahltag? Einen schönen Spaziergang, lautet unser Vorschlag, zum Beispiel in den Bad Homburger Parkanlagen, wo uns neben der sagenhaften Champagnerluft auch die schöne Bildhauerkunst empfängt, zumindest noch am Wahltag und über die darauffolgende Woche hinaus bis zum 1. Oktober 2017. Dann enden nämlich die „Blickachsen 11“, die wir jetzt noch einmal geniessen oder allerspätestens kennenlernen sollten. Rund 80 Werke von 37 Künstlerinnen und Künstlern, die meisten unter freiem Himmel, gibt es zu sehen, die Mehrzahl von ihnen im Kurpark und im Schloßpark.

Apropos Wahl: Man kann ja bei einem solchen Rundgang für sich selbst einmal sein Lieblingskunstwerk wählen. Wir hatten uns bereits nach wenigen Wochen recht klar entschieden: für die wunderbare Arbeit „Big Be-Hide“ von Alicja Kwade, etwa mittig im unteren Teil des Kurpark gelegen.

Alicja Kwade, Big Be-Hide, 2017, Stein, Aluminium, pulverbeschichteter Stahl, Spiegelglas, 190 x 230 x 206 cm, Kurpark Bad Homburg

Weiterlesen

Kultur und Kunst – Religion und Kunst?

2017, September 5.

Essay über die Kunst als zweitmächtigste Ausprägung der Kultur

Von Gunnar Schanno

→  Kultur und Kunst: das Museum als Ersatz für den Kirchgang?

 

Wir sprachen davon, dass wir den Kulturbegriff ein wenig aus seiner Begriffslosigkeit befreien können, wenn wir seine Unbestimmtheit eingrenzen, sein Alles-und-Nichts, seine Gestaltlosigkeit, seine Verführung zur Bequemlichkeit in lockerer definitorischer Ungenauigkeit, seine Kalkülhaftigkeit beim Gebrauch als Missbrauchsbegriff im Berufen auf ihn, wenn im schlimmsten Falle in Schützenhilfe mit dem Unterbegriff dessen, was Tradition genannt wird, auch Verletzendes an Mensch, Tier oder Natur gerechtfertigt werden kann. Wir können des Begriffs ein wenig habhaft werden, wenn wir ihn besagterweise in seinen beiden mächtigsten Ausprägungen bestimmen und unterscheiden: der Religion und der Kunst.

Freilich überwölbt der Begriff der Kultur wie ein Gewebeteppich synthesebildend eine ganze Gemeinschaft, eine Ethnie, eine Region, eine Nation, einen Staat, ein Volk im Sinne der Gesamtkultur. Es sind also nicht allein ihre beiden mächtigsten Ausprägungen, es sind auch interagierend die Formen von Sitten und Brauchtum, von Zeitgeist und Mode. Es sind auch ihre Ausprägungen im Sinne emotional gestimmter Verarbeitung des rein Sachlichen, Wirklichen, Realen, des Nützlich-Utilitären, ganz allgemein des Zivilisatorischen. Kultur ist all das, was für Individuum und Gemeinschaft subjektiv-individualisierend, geradezu epigenetisch, über das Funktionale des Lebenserhaltenden hinausführt und all den kulturellen Einzelphänomen in eben jener Synthese den Charakter einer „Kultur“ genannten Einheit verleiht. Weiterlesen

Betulia Liberata – Mozarts „Kirchenbegehung“ an der Oper Frankfurt

2017, Juni 25.

Heilige Handlung – sehr irdisch menschlich turbulent

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Barbara Aumüller / Oper Frankfurt

Schon beim Betreten des Bockenheimer Depots, der einstigen Straßenbahnhalle, ist man in Erstaunen versetzt. Die „Azione sacra“ von Wolfgang Amadeus Mozart, die am 21. Juni 2017 Premiere und Frankfurter Erstaufführung hatte, hatte diesen profanen Ort in eine Kirche verwandelt. In den alten Kirchenbänken sitzen einige Betende. Wenn der Zuschauer sozusagen im Chor hinter dem Altar seinen Platz eingenommen hat, hat er noch ein Aha- Erlebnis: die Kirchenempore (Westportal) schmückt eine Nachbildung des Gemäldes mit Judith und Holofernes, das der Barock-Maler Giovanni Battista Piazzetta um 1720 schuf. Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester, mit historischen Blasinstrumenten und auf Darmsaiten musizierend, ist seitlich rechts plaziert. Mit musikalischer Wucht setzt die Ouvertüre ein. Kaum zu glauben, dass sie von einem 15-Jährigen komponiert wurde.

Theo Lebow (Tenor) und Sydney Mancasola (Sopran II) sowie im Hintergrund Brandon Cedel (Bass) und Karen Vuong (Sopran I); Foto © Barbara Aumüller

Die biblische Geschichte von Judit (in der Bibel ohne h) und Holofernes eigenet sich durchaus als Opernstoff. Doch Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) komponierte keine Oper, sondern ein Oratorium, eine Gattung, die er nur insgesamt dreimal schuf.

Weiterlesen