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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Frankfurter Kunstverein

Frankfurts „neue“ Altstadt für das Publikum eröffnet

2018, Mai 11.

Neuer Eingang des Frankfurter Kunstvereins zur Gasse „Hinter dem Lämmchen“

Von Erhard Metz

Oberbürgermeister Peter Feldmann eröffnet die „neue“ Frankfurter Altstadt

Dem vom 28. bis 30. September 2018 geplanten großen Altstadtfest wollte man nicht allzu weit vorgreifen – und doch fand die Eröffnung der „neuen“ Frankfurter Altstadt für das Publikum, wenn auch ohne einen förmlichen Festakt, bereits jetzt am 9. Mai statt. „Mit der Altstadt geben wir der Stadt ein Stück Herz und Seele zurück“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann am Pult auf dem beginnenden historischen Krönungsweg bei strahlendem Sonnenschein und fast hochsommerlichen Temperaturen. „Die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt können sich nun das neue Quartier aneignen, ein Stück Frankfurter Geschichte erleben. Neben Stadtreparatur ist es mit der neuen Altstadt gelungen, wesentliche Momente der Frankfurter Stadtgeschichte in die heutige Zeit zu transportieren. Die Stadt wird so ein lebendiges Viertel gewinnen, das vor allem für die Frankfurterinnen und Frankfurter Anziehungspunkt sein wird.“ Weiterlesen

9. Festival der jungen Talente im Frankfurter Kunstverein

2018, Mai 3.

Von Erhard Metz

Wen gerade einmal wieder ein gewisser Überdruss am etablierten Kunstbetrieb mit mancherlei „more of the same“ zu packen droht, der ist in den nächsten Tagen im Frankfurter Kunstverein auf das Beste aufgehoben: Das diesjährige „Festival der jungen Talente“ wird ihm dort – leider nach der Eröffnung am heutigen Donnerstag Abend nur vom 4. bis zum 6. Mai 2018 – ein künstlerisch experimentierendes Feuerwerk abbrennen, das Freunde jungen und aktuellen Kunstgeschehens sich keinesfalls entgehen lassen sollten.

Das bereits 9. Festival dieser Art – im Jahr 2000 vom Verein für Kunstförderung Rhein-Main e.V. gegründet – gastiert heuer nach 2016 zum zweiten Mal im Frankfurter Kunstverein und damit in einem institutionellen Rahmen. Mitwirkende sind inzwischen die Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK), die Hessische Theaterakademie, das Institut für Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen, die Hochschule für Bildende Künste Städelschule, die Studiengänge Dramaturgie und Curatorial Studies an der Goethe Universität Frankfurt sowie erstmalig die Kunsthochschule Mainz.

Pressekonferenz am 2. Mai 2018 mit (v.l.) Professor Heiner Blum, HfG Offenbach, Mitglied des Beirats, Julia Cloot, Stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins, und Grete Steiner, Vorsitzende des Vereins für Kunstförderung Rhein-Main, Offenbach Weiterlesen

Publikumsmagnet für Nachtschwärmer – Die lange Nacht der Museen 2018 in Frankfurt und Offenbach

2018, April 30.

Atemberaubender Kunstgenuss für alle Sinne

Alle Jahre wieder…

Wenn sich am 5. Mai die Nacht über die Stadt senkt, öffnen sich in über 40 Kulturstätten in Frankfurt und Offenbach die Tore zur NACHT DER MUSEEN 2018. Ein paar Tipps fürs nächste Wochenende

50 Jahre 68er: Happenings, Jazz & Minirock im Museum Giersch der Goethe-Universität – Die Schau „Freiraum der Kunst“ erinnert an die legendäre Studiogalerie auf dem Campus Bockenheim

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Bambusskulptur „Big trees“ von Joko Avianto am Haus des Frankfurter Kunstvereins

2016, August 18.

Bleiben oder gehen – der Name eines Albums der deutschen Punkband „Feine Sahne Fischfilet“. Zugegeben – wir kennen es nicht unmittelbar, dies mag generationsbedingt sein, zählen wir doch beileibe nicht mehr zu den Jüngsten dieser Republik.  Aber bleiben oder gehen – dies gilt, im Allgemeinen wie im Besonderen, auch für die Bambus-Skulptur am Haus des Frankfurter Kunstvereins, die Einheimische wie Touristen aus aller Welt seit Mitte September 2015 immer wieder staunend bewundern. Fast könnte man darüber spekulieren, was derzeit der grössere Publikumsmagnet der globalen Tourismusströme in Frankfurt am Main ist: der Römerberg, die Paulskirche, die sich immer deutlicher abzeichnende „neue Altstadt“ – oder eben jene gegenüber alldem so exotisch erscheinende, nicht so recht passen wollende Skulptur am Steinernen Haus des Kunstvereins?

„Big trees (Pohon besar)“ lautet der Titel der Skulptur, der indonesische Künstler Joko Avianto hatte sie im Herbst 2015 in wochenlanger Arbeit aus 1500 jeweils sechs Meter langen Bambusstäben geflochten. Sie war Teil der Ausstellung „Roots. Indonesian Contemporary Art“, die im Zusammenhang mit der letztjährigen Frankfurter Buchmesse (mit Indonesien als Gastland) eröffnet wurde und bis Anfang Januar dieses Jahres lief. Danach sollte das wuchernde Werk wie all die anderen Arbeiten der indonesischen Künstler abgebaut werden. Aber: Sie blieb! Nun bereits seit über einem halben Jahr!

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Joko Avianto, „Big trees (Pohon besar)“, 2015, Fassadeninstallation am Gebäude des Frankfurter Kunstvereins Weiterlesen

„Mechanismen der Gewalt“: Arcangelo Sassolino und Regina José Galindo im Frankfurter Kunstverein

2016, April 5.

Schüsse und dumpfe Schläge dröhnen im Frankfurter Kunstverein, fast schmerzen die Ohren und man spürt das Gebäude erzittern. Es geht heftig zur Sache in der Doppelausstellung „Mechanismen der Gewalt“, kuratiert von Direktorin Franziska Nori und Co-Kurator Eugenio Viola vom Museo d’Arte Contemporanea Donnaregina in Neapel.

Im Souterrain und im Erdgeschoss sowie den beiden oberen Etagen werden gemeinsam Skulpturen und Installationen des italienischen Künstlers Arcangelo Sassolino sowie Arbeiten der guatemaltekischen Künstlerin Regina José Galindo gezeigt. Es geht Sassolino und Galindo um ein „Ausloten der Grenzen der Kunst und die Beschäftigung mit der Frage nach ihrer Rolle in unserer Gesellschaft. Sie verweigern sich dabei einer Reduktion auf einen rein symbolischen Raum und konfrontieren ihre konzeptionellen Ideen mit sozialen oder materiellen Realitäten. Während die Auswirkungen von physischer Gewalt und Machtverhältnissen auf den Körper, sowohl auf den individuellen als auch auf den sozialen, ein zentrales Thema der kompromisslosen Performancekunst von Galindo sind, werden die von Sassolino durch Kräfte bestimmt, die jederzeit ihr Gewaltpotential entladen können“, so der Kunstverein.

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„Afasia 2“, 2008, Ausstellungsansicht, Stahl, Stickstoff 250 Bar, 53 x 70 x 70 cm, Foto FeuilletonFrankfurt, © Frankfurter Kunstverein, Courtesy Pietro Fiorentini

Beginnen wir mit Arcangelo Sassolino. Gleich in der Eingangsebene wird der Besucher mit einem gegenüber dem Lärm aus den oberen Etagen verdächtig stillen Gefäss konfrontiert, dem er sich instinktiv mit Skepsis und Vorsicht nähert. Die Lektüre des Wandtextes bestätigt ihn in dieser Haltung, herrscht in der 600 Kilogramm schweren, mit Stickstoff befüllten Stahlkapsel doch ein Druck von 250 bar (zum Vergleich: dem Hundertfachen etwa eines mit Luft aufgepumpten Autoreifens). Unwillkürlich tritt man ein paar Schritte zurück, denn was wäre, wenn … Nun, das Objekt sei, liest man weiter, von der EU durch eine Fachinstitution geprüft und für Ausstellungszwecke zugelassen worden. Hoffen wir ’s. Weiterlesen

Trevor Paglen: „The Octopus“ im Frankfurter Kunstverein

2015, August 26.

Wer zum bevorstehenden Frankfurter Museumsuferfest unterwegs sein will – und das werden nicht wenige sein -, sollte keinesfalls die Doppelausstellung im Frankfurter Kunstverein versäumen, die am kommenden Sonntag, 30. August 2015, auslaufen wird.

Thomas Feuersteins opulentes Werk PSYCHOPROSA“ haben wir bereits vorgestellt. Heute werfen wir einen Blick auf die Parallelaustellung mit dem Werk „The Octopus“ des US-amerikanischen Künstlers Trevor Paglen.

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Trevor Paglen, Bildnachweis: Frankfurter Kunstverein

„Trevor Paglen macht sichtbar, was nach Willen der NSA unsichtbar bleiben soll. Der Frankfurter Kunstverein zeigt sein jüngstes Werk … Die Paglen-Retrospektive … liefert ein sehr gutes Argument dafür, warum eine Stadt neben den grossen Museumstankern einen Kunstverein braucht.“ Julia Voss, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Juni 2015

Trevor Paglens Bilder zeigen dokumentarisch geheime Orte der Macht, die nach den Interessen der die Macht Ausübenden verborgen bleiben sollten. Seine Kunst ist eine hoch politische, kann jedoch zugleich in einem gewissen, wohl eher zufällig sich ergebenden Kontext zu zwei anderen derzeit in Frankfurt gezeigten Ausstellungen gesehen werden, bei denen es ebenfalls um ein Verstecken, ein Verbergen, um ein Tarnen und „Unsichtbarmachen“ (wie es dem Tintenfisch, einer Oberart des Octopus, gelingt) geht: „Vom Verbergen“ – so bereits der Titel – im Museum Angewandte Kunst und – in einem weiteren Sinne – auch die Präsentation „Tuchfühlung – Kostas Murkudis und die Sammlung des MMK“ im MMK 2, bei der es unter anderem um ein lustbetontes textiles Verbergen des – weiblichen – Körpers geht. FeuilletonFrankfurt wird auf die Ausstellungen zurückkommen. Weiterlesen

Thomas Feuerstein: „Psychoprosa“ im Frankfurter Kunstverein

2015, Juni 10.

„Psychoprosa“: Von „Psilamin“ aus Dopamin und Psilocin und von Schleim als bildhauerischem Material

Ob der 1829 gegründete Frankfurter Kunstverein – er zählt nicht nur zu den ältesten, sondern inzwischen auch zu den grössten und international renommiertesten Kunstvereinen Deutschlands – jemals ein solches Spektakel in seinen Räumlichkeiten beherbergt hat, wie es sich derzeit im historischen, 1464 begründeten Steinernen Haus samt seinem heute unter Denkmalschutz stehenden Anbau aus den 1960er Jahren ereignet, wissen wir nicht, halten es aber kaum für möglich. Über die drei Ausstellungsebenen hinweg hat der österreichische Künster Thomas Feuerstein eine skulpturale Installation in Gestalt eines riesigen Laboratoriums errichtet, in welchem er aus Algen und Pilzen Dopamin und Psilocin gewinnt, mit denen er das von ihm synthetisierte und als „molekulare Skulptur“ deklarierte „Psilamin“ erzeugt. Und es kommt noch toller: Aus all den biochemischen Prozessen entsteht als Neben-, – wenn nicht gar als Hauptprodukt – Schleim!

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Thomas Feuerstein im Pressegespräch

Nun, Thomas Feuerstein, 1968 in Innsbruck geboren, ist wie gesagt Künstler, studierte in seiner Geburtssstadt Kunstgeschichte und Philosophie, promovierte, übernahm Lehraufträge und Gastprofessuren an verschiedenen Einrichtungen in Österreich und der Schweiz und an der Universität für angewandte Kunst in Wien, wo er heute lebt und arbeitet. Wenn er jetzt also „Psilamin“ erzeugt, so geschieht dies – wie er schmunzelnd einräumt – in „enger Zusammenarbeit“ mit zwei Biochemikern: Thomas Seppi von der Medizinischen Universität Innsbruck und dem Chemiker Ingo Wartusch.

Von einem Spektakel sprachen wir – und erinnern uns heute noch lebhaft an die riesige „Honigpumpe am Arbeitsplatz“ von Joseph Beuys zur documenta 6 im Jahr 1977 im Fridericianum Kassel (unserer Heimatstadt, in der wir zur Liebe zur Kunst sozialisiert wurden), oder etwa auch an Paola Pivis „Cocktail Party“ im Frankfurter Portikus, bei der gewaltig dröhnende Maschinerien unter anderem Rotwein, Olivenöl und Milch in einen überdimensionalen wie nachdenklich stimmenden Kreislauf brachten Weiterlesen

“New Frankfurt Internationals” 2015: “Solid Signs” (6)

2015, April 24.

Markus Walenzyk „moment to monument“

Es ist vielleicht das Chef-d’Œuvre der in dieser Ausstellung gezeigten Videokunst, eine mit Ton unterlegte Video-Performance, die den Betrachter in Bann zieht und ihn auch im Nachhinein nicht so schnell loslässt, sondern ihn noch vielfach beschäftigt. Die fulminante Arbeit eröffnet einen weiten Horizont an Deutungen, Assoziationen und Interpretationen.

Das Werk enthält eine Handlung, ja eine Erzählung: Der Künstler-Protagonist hockt auf dem Boden einer Art Ur-Landschaft, formt aus einer erdhaften Masse im fast slapstick-haften Zeitraffer-Tempo – auch die Wolken jagen über den Himmel – vor sich eine sich zu einer Bergkulisse auftürmenden Mauer, die ihn am Ende völlig den Blicken des Zuschauers entzieht. Mit der Masse bestreicht er auch die Wangen und versiegelt schliesslich mit ihr den Mund. Dann geschieht etwas Wundersames: Die Umgebung um den Berg, einem vulkanähnlichen, spitzgipfelnden erratischen Block, begrünt sich, erst eine Siedlung und dann eine Stadt mit Hochhäusern und zivilisatorischen Strukturen bilden sich heran, dann aber breiten sich Seenlandschaften, zunächst schön anzusehen, aus, sie werden zu Meeren und die städtischen Strukturen versinken in ihren Wassern. Auch der Berg beginnt zu erodieren, bildet Schründe und Schluchten, kollabiert in sich selbst und versinkt im Meer. Zurück bleibt eine dunkte, ähnlich der Anfangsszene unbestimmte Ur-Landschaft. „Die Zeit, der Ausschnitt einer kleinen Ewigkeit, Dinge, die beständig scheinen und doch vergehen“ schreibt der Künstler.

Natürlich sind wir geneigt, an die biblische Genesis zu denken („und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenkloss“, 2. Mose 7), an die evolutionäre Entwicklung der Welt, an deren zunächst konstruktive, dann aber immer mehr zerstörerische Inbesitznahme durch den Menschen, die letzten Endes, durch dessen Hybris verschuldet, in den Untergang führt. Ein gewaltiger Bogen spannt sich zwischen Schöpfung und Apokalypse.

Die Arbeit ist jedoch vielschichtig, sie könnte auch von der künstlerischen Existenz handeln, deren kreativer Entfaltung wie deren möglichem, in Selbstisolation gefangenem Untergang. Wie steht es mit der künstlerischen Existenz in der Gesellschaft? Ist auch der künstlerische Prozess von Werden und Vergehen bestimmt? Was wird einmal vom Künstler bleiben, was von seinem Werk?

Faszinierend die virtuos gehandhabte Technik der Video-Arbeit: Der Künstler Markus Walenzyk bringt sich unmittelbar körperlich in sie ein und konfrontiert sich zugleich in seiner menschlichen und künstlerischen Existenz mit dem digitalen Produktionsgeschehen.

Eine – nur unzulängliche, vom Autor von der Projektionsfläche abfotografierte – Folge an Ausstellungsansichten sollen und können nur dazu einladen, noch bis kommenden Sonntag den Frankfurter Kunstverein zu besuchen und sich dieses Video im Original anzusehen, dessen Suggestivkraft sich kaum jemand wird entziehen können:

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“New Frankfurt Internationals” 2015: “Solid Signs” (4)

2015, April 16.

Florian Haas: „Frankfurter Totentanz“ im Frankfurter Kunstverein

Es ist das „Opus magnum“ der „New Frankfurt Internationals 2015 Solid Signs“: zunächst einmal allein schon von seiner schieren materiellen Grösse her – nimmt die monumentale Darstellung doch eine gesamte Wandbreite im Obergeschoß des Frankfurter Kunstvereins in Anspruch. Und zweitens: kein anderes Werk dieser Gemeinschaftsausstellung der Kunstvereine von Frankfurt und Wiesbaden dürfte bei den Apologeten von immerwährendem Wachstum, Finanzkapitalismus und Globalisierung auf soviel Kritik, ja Missbilligung, Nichtachtung oder gar Häme stossen. Dies vor allem aktuell vor dem Hintergrund, dass die hochkriminellen Ausschreitungen im Rahmen der jüngsten „Blockupy“-Aktionen vom März dieses Jahres all die sehr wohl nachvollziehbaren gesellschaftspolitischen Thesen und Forderungen dieser und vergleichbarer anderer Bewegungen nachhaltig desavouiert haben.

Florian Haas‘ Arbeiten darf man einer „politischen Kunst“ zurechnen. Aber wann ist Kunst politisch? Wenn sie gegen Herrschaft agiert und opponiert? Wenn sie sich umgekehrt in den Dienst von Herrschaft stellt? Man muss sich ins Bewusstsein rufen, dass nicht wenige und gerade hoch anerkannte Küstler in Europa über die Jahrhunderte hinweg und durchaus höchst bereitwillig im Dienst politischer – weltlicher wie geistlich-kirchlicher – Herrschaft standen, diese Herrschaft dem gemeinen Volk gegenüber versinnbildlichten und als gottgegeben schönfärbten und sich dafür von der Obrigkeit feiern und eben nicht gerade schlecht alimentieren liessen. Nein, Florian Haas hat mit diesen nichts gemein – er ist ein oppositioneller und damit fast schon vorgegeben ein unbequemer Künstler.

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↑↓ Florian Haas, Frankfurter Totentanz, 2015, Tapete, 12,70 x 4,65 m; Ausstellungsansicht, Foto: Norbert Miguletz; © VG Bild-Kunst, Bonn Weiterlesen

“New Frankfurt Internationals” 2015: “Solid Signs” (3)

2015, April 14.

Zwei „Qualja“ von Emilia Neumann –
geheimnisvolle Vorhänge von Helena Schlichting

Wer im Lexikon nach „Qualja“ sucht, tut dies vergeblich; im Obergeschoss des Frankfurter Kunstvereins hingegen wird der Suchende fündig. Im Lexikon aber findet man „Qualia“ – es ist die Mehrzahl von Quale – als einen Begriff der Philosophie des Geistes. Volker Gadenne, Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität Linz, hat uns den Begriff verständlich gemacht: „Menschen haben Empfindungen und Gefühle, und sie können Arten solcher mentaler Ereignisse wiedererkennen und unterscheiden. Sie haben erfahren, wie der Geschmack einer Zitrone ist und wie er sich von dem eines Stücks Schokolade unterscheidet … Dieses erlebte ‚wie‘ eines mentalen Zustandes ist ein Quale (Plural Qualia). Man nennt es auch die Erlebnisqualität oder phänomenale Qualität des betreffenden mentalen Zustandes oder Ereignisses. Oft werden auch diese Zustände oder Ereignisse selbst Qualia genannt. Qualia sind weiterhin durch die Formulierung beschrieben worden, ‚wie es für ein Subjekt ist‘, in dem mentalen Zustand zu sein, wie sich der Zustand ‚an-fühlt‘ …“ (Quelle: www.sprache-werner.info, herausgegeben von Ulrich Werner, München).

Was denken wir – nein, was empfinden, was fühlen wir, wonach suchen wir in uns selbst, wenn wir vor Emilia Neumanns „Qualja“ stehen, sie umrunden, sie betrachten, uns über sie verwundern, sie zugleich schön, aber irgendwie auch komisch, „knubbelig“, „putzig“ finden, in ihre Körperlichkeit hineinblicken, den Horizont unserer Erinnerungen nach ähnlich Gesehenem, dabei Empfundenen, gar nach Vertrautem abtasten?

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