home

FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Alle Artikel zu Biennale Arte Venedig

53. Biennale Arte Venedig 2009 (1) – Der Deutsche Pavillon

Dienstag, 23. Juni 2009

l1001765-430-k

Da steht er also, der Portikus des Deutschen Pavillons in den Giardini Pubblici, mit seinen vier vorgebauten Säulen im Stil der nationalsozialistischen Architektur des Jahres 1938, in welchem der Bau seine heutige Gestalt erhielt: der Pavillon, an dem sich Kurator und Künstler des diesjährigen deutschen Beitrags zur Biennale, Nicolaus Schafhausen und Liam Gillick also, weidlich abarbeiten. Schafhausen würde sogar gerne die Abrissbirne gegen den Pavillon schwingen sehen – da gäbe es denn noch sehr vieles mehr an Nazi-Architektur abzureissen in Deutschland und anderswo, fangen wir gleich mit dem Haus der Kunst in München an und hören bei den als Ministerien genutzten Gebäuden in Berlin – denken wir nur an das riesige vormalige Reichsluftfahrt- und heutige Bundesfinanzministerium – noch lange nicht auf. Und die Bundesregierung brauchte über den Abrissbirnenherstellern gewiss keinen staatswirtschaftlichen Schutzschirm aufzuspannen. Weiterlesen

53. Biennale Arte Venedig 2009 (10) – Haegue Yang: Transparenz und Intimität

Donnerstag, 13. August 2009

Gleich zweimal begegnen wir Haegue Yang auf der diesjährigen Biennale in Venedig – wir kennen die Künstlerin von ihrer Ausstellung im Frankfurter Portikus: Sie repräsentiert ihr Land Korea in dessen nationalem Pavillon in den Giardini Pubblici. Ausserdem zeigt sie weitere Arbeiten in einer eigenen Ausstellung in den Arsenale.

l1001737-430

Der nationale Pavillon Koreas in den Giardini Pubblici

Haegue Yang – in Deutschland tritt sie auch unter dem Namen Heike Jung auf – wurde 1971 in Seoul als Tochter einer Schriftstellerin und eines Journalisten geboren. Sie studierte an der Seoul National University, Fine Arts College, und schloss 1999 ihre künstlerische Ausbildung an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule – in Frankfurt am Main als Meisterschülerin bei Professor Georg Herold ab. Haegue Yang lebt und arbeitet in Seoul und in Berlin. Weiterlesen

53. Biennale Arte Venedig 2009 (11) – Das Welttheater des Hans-Peter Feldmann

Donnerstag, 10. September 2009

„Schattenspiel“

Natürlich denken wir bei Hans-Peter Feldmanns Arbeit sofort an Platons Höhlengleichnis: Die Menschen in ihrer begrenzten Wahrnehmungsfähigkeit können nur einen Schatten der gegenständlichen Welt erkennen, das wahre Seiende bleibt ihren Blicken verschlossen. Die Menschen sind aber aufgefordert, sich nicht auf das mit ihren Sinnen Wahrnehmbare ihrer weltlichen Umgebung zu beschränken, sondern das dahinter stehende Verborgene zu ergründen.

Feldmann baut in Venedig eine Reihe mit kleinen, motorisch angetriebenen Karussells, auf denen er zahlreiche Gegenstände und Figuren in Spielzeuggrösse installiert. Lichtstarke Lampen beleuchten die sich langsam drehenden Karussells und werfen die Schatten der Figuren auf die dahinter stehende Wand. Die projizierten, über die Wandfläche gleitenden Schatten überschneiden sich gemäss den Rotationen der Karussellscheiben und bilden ein ständig wechselndes, in jedem Augenblick einzigartiges, sich niemals wiederholendes Ganzes.

l1001985-s-650

Hans-Peter Feldmann, „Schattenspiel“, Installation, 2002 bis 2009, Foto: FeuilletonFrankfurt, © VG Bild-Kunst, Bonn

Weiterlesen

53. Biennale Arte Venedig 2009 (12) – Der Alptraumgarten der Nathalie Djurberg

Donnerstag, 17. September 2009

Sie erhielt den Silbernen Löwen der diesjährigen Biennale Arte als beste Nachwuchskünstlerin: die 1978 in Lysekil geborene schwedische Künstlerin Nathalie Djurberg. Der Titel ihrer Arbeit: „Experimentet“.

Djurberg studierte von 1994 bis 2002 in Göteborg an der Folkuniversitetet und der Hovedskous Art School, ferner an der Malmö Art Academy. Sie stellte neben Malmö und Stockholm in Athen, Basel, Berlin, Bilbao, Brüssel, Budapest, Duisburg, Honolulu, Houston, London, Los Angeles, Mailand, New York, Philadelphia, Rom, Santa Monica, Tallin, Wien und Winterthur aus. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin.

In Venedig baut Djurberg in einem verdunkelten Raum einen surrealistischen, schwülstig-wuchernden Garten Eden auf. In dessen Mitte stehen drei Videomonitore. Zu unterschiedlichen Zeiten laufen dort gespenstisch anmutende Knetanimations-Filme (Claymation).

l1001996-600

Nathalie Djurberg, „Experimentet“, Installation, Foto: FeuilletonFrankfurt, © VG Bild-Kunst, Bonn

Die grotesk gestalteten Figuren treten aus dem Dunkel hervor, haschen und jagen sich, treiben satanische, orgiastische, perverse Satyr-Spiele. Leben und Tod, Macht, Brutalität und Sadismus, Erotik, Sex und Gewalt, aber auch Liebe und Verletzlichkeit sind die Themen der Künstlerin.

Djurbergs Claymation-Arbeiten – es handelt sich um Einzelbild-Aufnahmen in Stop-Motion-Technik – sind sehr aufwendig und arbeitsintensiv. Alles ist handgefertigt: die Plastilin-Figuren, die Perücken, die Bekleidung, die Landschaften und Dekorationen. Die Filme sind mit einer aufwühlenden Lautgestaltung, komponiert von Hans Berg, akustisch untermalt.

„Meine Arbeit bezieht sich“, schrieb Djurberg 2007 im artnet Questionnaire, „auf Situationen aus dem Alltag, auf Situationen, die ausser Kontrolle geraten. Ich interessiere mich für zwischenmenschliche Beziehungen, besonders dann, wenn sie eine politische Dimension haben. Indem eine Situation Gegenstand der Kunst wird, kann diese politisiert werden, sie wird symbolisch.“

→ Auch zur 53. Biennale Arte 2009: Venedig im Zeichen der Musik


53. Biennale Arte Venedig 2009 (2) – John Baldessari

Mittwoch, 24. Juni 2009

l1001724-450

l1002092-450

l1002092-a-450

Empfang in Venedig: Das Statement von John Baldessari am Canal Grande (Fotos: FeuilletonFrankfurt)

John Baldessari, geboren 1931, US-amerikanischer Künstler, wichtigster gegenwärtiger Vertreter der Konzept- und Medienkunst, ausgezeichnet für sein Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen der Biennale 2009

→ 53. Biennale Arte Venedig 2009 (3) – Die Cafeteria von Tobias Rehberger