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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Alle Artikel zu Kultur Reisen

Abschied von der Europäischen Kulturhauptstadt 2015 Pilsen / Plzeň (Teil 1)

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Liebeserklärung an eine liebenswerte Stadt (1)

Pilsen / Plzeň – eine überaus dem bunten Leben offene, schöne, ja prächtige, mit der Westböhmischen Universität und der medizinischen Fakultät der Prager Karls-Universität von studentischem Leben geprägte und nicht nur deshalb jugendlich wirkende Stadt, mit etwa 170.000 Einwohnern noch gut überschaubar, Verwaltungs- und Bischofssitz, mit zahlreichen Kultureinrichtungen und -institutionen und, last but not least, Sitz der weltberühmten Brauerei, die im 19. Jahrhundert das Pils (Pilsner) erfand – davon in Teil 2 mehr.

Über eine Fläche von rund 200 mal 150 Meter erstreckt sich der Hauptmarkt (heute Platz der Republik) im Zentrum der unter Denkmalschutz stehenden Altstadt mit der freistehenden St.-Bartholomäus-Kathedrale in seiner Mitte, umrandet von schönsten, perfekt restaurierten Bürgerhäuserfassaden.

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Abschied von der Europäischen Kulturhauptstadt 2015 Pilsen / Plzeň (Teil 2)

Freitag, 1. Januar 2016

Liebeserklärung an eine liebenswerte Stadt (Teil 2)

Pilsen / Plzeň – welch überraschende Anblicke bietet diese Stadt, wie hier zum Beispiel die Grosse Synagoge:

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Nach der Synagoge in Budapest ist sie die zweitgrösste in Europa und – wie wir lesen – die drittgrösste weltweit. Entworfen hat sie der Architekt Emanuel Klotz, im maurisch-romanischen Stil mit Elementer der Neorenaissance errichtet wurde sie in den Jahren 1888 bis 1893. Ursprünglich sollten ihre Türme um 20 Meter höher sein, was der damalige Stadtrat allerdings mit Rücksicht auf die St. Bartholomäus-Kathedrale auf dem Hauptmarkt ablehnte. Aber auch so ist sie ein überaus imposantes Bauwerk.

Eine grüne Oase um die Altstadt herum bildet der dem Verlauf der früheren Stadtmauern folgende Parkanlagenring mit reichem Baumbestand, üppigen Blumenbeeten, Brunnen und Denkmälern und manchen Cafés zum Verweilen und Entspannen. Weiterlesen

Andalusien – christlich-islamischer Kulturschatz / 2

Freitag, 30. November 2012

Ein Reisebericht

2. Teil: Ronda – das schöne „weisse Dorf“

Text und Fotos: Renate Feyerbacher

Unsere nächste Station ist Ronda. Der Amarillos-Bus startet am gut organisierten Bus-Bahnhof in Málaga, fährt vorbei an pittoresken „Weissen Dörfern“ und hält in einigen an. Nur knapp zehn Euro kostet die Fahrt pro Person.

Quartier beziehen wir für eine Nacht im Hotel Ronda, einem intimen Familienhotel. Die Betten sind so breit, dass ich nachfrage, ob das Zimmer für vier Personen gedacht ist. Aber nein, schüttelt die gebildete Señora, eine ehemalige Lehrerin, den Kopf. Die deutschen Besucher seien ihr die liebsten Gäste.

Die Kleinstadt Ronda liegt auf Felsmassen – 780 Meter hoch. Es ist eines der schönsten „Weissen Dörfer“ mit herrlichen Panoramen. Die Stadt, durch eine tiefe Schlucht (El Tajo) mit dem Flüsschen Guadelevin zweigeteilt, wird durch einen Viadukt, die Puente Nuevo, verbunden. Wir steigen über den Treppenpfad, der an der Plaza de Maria de Auxiliadora beginnt, in die Schlucht, denn die architektonische Schönheit dieser Brücke ist erst unten im Tal zu sehen. Sie ist ein Meisterwerk der Ingenieurkunst aus dem 18. Jahrhundert des Architekten Antonio Martin Aldehuela, der sich nach 42 Jahren Bauzeit von dort oben 160 Meter in die Tiefe stürzte. Ronda gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der deutsche Dichter Rainer Maria Rilke war hier 1913 ein begeisterter Gast, ebenso Ernest Hemingway.

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Andalusien – christlich-islamischer Kulturschatz / 1

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Ein Reisebericht

1. Teil: Málaga

Text und Fotos: Renate Feyerbacher

Die Autorin reiste im Juni 2012 mit ihrer Tochter, die Spanisch spricht, durch Andalusien. Bus und Bahn waren ihre Transportmittel. Eine gute Entscheidung.

Verzögerter Abflug

Der Regen prasselt ununterbrochen. Das Flugzeug der Lufthansa, das uns von Frankfurt nach Málaga bringen soll, hat Verspätung. „Bitte geben Sie ihr Handgepäck auf, die Maschine ist komplett ausgebucht“, schallt es laufend aus dem Lautsprecher. Viele Passagiere, ich denke die meisten, streben zu den andalusischen Stränden an der Costa del Sol, nach Marbella, Fuengirola, Nerja, Torremolinos, wo es die berühmten Chiringuitos gibt, gehobene Holzhütten, eine Art Strandbars, die preiswertes Essen anbieten. Sie gehören zur spanischen Lebensart.

Dann endlich der Einstieg, aber noch lange kein Abheben. Denn wir hatten gesehen, dass sich die Crew um eine Dame kümmerte. Später eine Durchsage des Flugkapitäns: „Das Gepäck muss wieder ausgeladen werden, weil sie das Flugzeug wegen Flugangst verlassen hat“. Ich bin froh, dass ich die meinige im Griff habe und sie fast vergesse, als uns schon bald nach dem Start bei starkem Regen über den Wolken die Sonne lacht. Kurz vor der Landung in Málaga kommt sie allerdings wieder, die Flugangst. Könnte die Landepiste im Meer enden, wenn die Maschine zu flott ist?  In Nizza hatte ich es erleben müssen, dass die Swissair wieder durchstartete, weil sie beim Landeanflug zu schnell war. Wäre sie im Meer gelandet? Der Flugkapitän entschuldigte sich später. Diesmal eine Landung ohne Probleme auf dem Flughafen Pablo Ruiz Picasso von Málaga.

Blick vom Gibralfaro Weiterlesen

Andalusien – christlich-islamischer Kulturschatz / 3

Freitag, 8. März 2013

Ein Reisebericht

3. Teil: Cádiz

Text und Fotos: Renate Feyerbacher

Durch wunderschöne Landschaft, vorbei an „Weissen Dörfern“ führt uns die Busfahrt von Ronda nach Cádiz. Nur von Weitem sehen wir Arcos de la Frontera auf einem steilen Felsen thronen. Wir hätten die Reise unterbrechen müssen, aber zu spät erfuhr ich von der Schönheit dieses „Weissen Dorfes“ mit malerischen Gassen und Häusern mit Stützbögen. Seine maurische Festung galt als uneinnehmbar, fiel aber dann doch bereits 1264 in christliche Hände.

Auf dem Weg nach Cádiz begleiten uns riesige Sonnenblumenfelder. Kurz vor Jerez de la Frontera, Spaniens Stadt des Sherrys, wo der Bus Station macht, beherrschen grosse Pferde- und Stierzuchtfarmen die Region.

Diese etwa 210.000 Einwohner zählende Stadt wird die „kleine Schwester von Sevilla“ genannt. Hier gibt es eine Königlich-Andalusische Schule der Reitkunst, Pferdeballett, das Andalusische Zentrum des Flamenco sowie zahlreiche Museen wie ein Pferdemuseum, ein Archäologisches Museum, ein Uhrenmuseum und ein Weinmuseum. Allen Bahn- und Busreisenden bietet der Jugendstilbahnhof ein zauberhaftes Entrée. 700 Bodegas soll es in der Stadt geben.

Nicht allzu weit nordwestlich von Jerez de la Frontera liegt der National- und Naturpark Doñana, der 1994 zum UNESCO Naturerbe ernannt wurde. Er ist Refugium unter anderem für Raubvögel, Kraniche, Flamingos. Vor allem kümmert man sich hier um bedrohte Luchse.

Doñana ist das grösste Feuchtgebiet Spaniens. Der Fluss Gualdaquivir, der in der Nähe von Jaén, im östlichen Andalusien entspringt, die Städte Córdoba und Sevilla berührt, nördlich von Cádiz ins Meer mündet, ist Teil dieses Parks.

Die Fahrt von Jerez de la Frontera nach Cádiz führt durch eine Marschen-und Wasserlandschaft. Ein Wall und Brücken verbinden die Stadt, die etwa 127.000 Einwohner hat, mit dem Festland. Das Wasser des Atlantiks umspült quasi die Altstadt von Cádiz. Das neue Cádiz ist von architektonisch lieblos gestalteten Wohnhäusern geprägt.

Wir verlassen den Bus am Bahnhof und begeben uns ins Hotel, das in der engen, belebten Einkaufsstrasse San Francisco liegt. Nur wenige Schritte haben wir zur Plaza de Mina. Hier, dem Ort des Museo de Cádiz, pulsiert das Leben. Es wimmelt von spielenden Kindern und älteren Gaditanos. So werden die Bewohner der Stadt genannt. Gades nannten die Römer sie, von wo aus Silber, Kupfer, Wein und Wolle nach Rom verschifft wurde. Eingerahmt ist der Platz von schönen, aber renovierungsbedürftigen Kolonialhäusern.

Majolika im Hotel Weiterlesen