home

FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Kultur regional / Rhein Main

Französischer Abend des International Women’s Club of Frankfurt

2017, April 26.

L’Europe aime la France!
Und es lebe die deutsch-französische Freundschaft!

Französischer Abend des IWC in der Villa Bonn: die französische Generalkonsulin Sophie Laszlo (li.) und die IWC-Präsidentin Susanne Held

Von Petra Kammann

Kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl hatte der International Women’s Club of Frankfurt IWC zu einem französischen Abend in die Villa Bonn geladen mit Live-Musik des Chanson-Duos Winterer & Fox und einem Vortrag der französischen Generalkonsulin Sophie Laszlo, die seit 2013 für das Land Hessen und Rheinland-Pfalz zuständig ist. Am Wochenende darauf kamen für sie weitere Aufgaben hinzu, weil sie auch für die Stimmenauszählung der in Deutschland lebenden Franzosen in Hessen, im Saarland und in Nordrhein-Westfalen zuständig ist.

Atmosphärisch bestens eingestimmt wurde der Abend mit französischen und deutschen Chansonklassikern von Edith Piaf über Kurt Weill und Chansonniers des 21. Jahrhunderts des jungen Chanson-Duos Winterer & Fox, bestehend aus Theresa Winterer (Gesang) und Benedikt Fox (Klavier). Das Duo, gefördert vom Yehudi Menuhin Live Music Now Frankfurt e.V., trat auch bereits im Internationalen Theater in Frankfurt auf mit dem Programm „Eine Katastrophe“ – einige werden sich daran erinnern.

Theresa Winterer vom Chanson-Duo Winterer & Fox beim französischen IWC-Abend in der Frankfurter Villa Bonn

Bemerkenswert war der Charme und die Überzeugungskraft im Dinnerspeech der französischen Sophie Laszlo, die als gestandene Diplomatin politisch nicht zu den anstehenden Wahlen in Frankreich Stellung beziehen konnte. Aber dafür ließ sie keinen Zweifel an ihren Wertevorstellungen. Sie trat für eine offene Gesellschaft, für ein liberales Miteinander und eine innovative Grundhaltung ein und sie beschwor eine demokratische Zukunft Europas. Frankfurt empfand sie als die europäischste Stadt.

Die studierte Politikwissenschaftlerin und ENA-Absolventin (École Nationale d’Administration) war zuvor Kulturrätin und Direktorin des Institut français in Portugal, arbeitete dort auch an der Botschaft  und war stellvertretende Direktorin für Internationale Beziehungen an der ENA in Straßburg, dann Büroleiterin des Botschafters in Bonn und Botschaftsrätin an der Botschaft in Berlin, wo sie sich bei der Direktion der Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen für Menschenrechte, Frauenrechte, Kinderrechte einsetzte. Auch war sie an der Direktion für afrikanische und madagassische Angelegenheiten im französischen Außenministerium in Paris tätig, bevor sie 2013 als Generalkonsulin nach Frankfurt berufen wurde. Wir veröffentlichen ihre auf Deutsch gehaltene Rede im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Präsidentin Held,
Liebe Mitgliederinnen,
Mesdames et Messieurs,

es ist mir eine große Freude heute das Wort an Sie richten zu dürfen zu einem Thema, das mir selbst sehr am Herzen liegt: „Frankreich und Deutschland, Partner in Europa in 2017“.

Die deutsch-französischen Beziehungen waren über Jahrhunderte von einem Hin und Her zwischen Zerwürfnis und gegenseitiger Bewunderung geprägt. Doch heute sind diese einst schwierigen Beziehungen zu einer engen Partnerschaft geworden, die seit 1950 der Grundstein der europäischen Einigung ist. Frankreich und Deutschland bleiben auch in Zukunft Partner.

An dieser Stelle möchte ich Heinrich Heine erwähnen. Bereits im Vormärz war es ihm nicht entgangen, dass wir einen gemeinsamen Auftrag für Europa haben. Ich zitiere aus seinem Werk Französische Zustände: „Wenn wir es dahin bringen, dass die große Menge die Gegenwart versteht, so lassen die Völker sich nicht mehr […] zu Haß und Krieg verhetzen, das große Völkerbündniß, die heilige Allianz der Nationen, kommt zu Stande, […] und wir erlangen Friede und Wohlstand und Freiheit. Dieser Wirksamkeit bleibt mein Leben gewidmet; es ist mein Amt.“

Friede, Wohlstand, Freiheit – das sind die Ziele, die wir für unsere Länder, für Europa und für die ganze Welt verfolgen. Genau das ist der Kern unserer Gemeinschaft: diese Freiheitsliebe, die uns heute immer noch bewegt. Man darf die Geschichte nicht außer Acht lassen: Die deutsch-französische Partnerschaft soll weiter wachsen, um unserem gemeinsamen historischen und kulturellen Erbe gerecht zu sein.

Die Aufgabe unserer Länder, in Europa eine Vorreiterrolle zu übernehmen, wurde im letzten Jahr dringender denn je und wird es in den kommenden Monaten sicher bleiben: Fast in ganz Europa haben sich Stimmen erhoben, die den Sinn und den Zweck der europäischen Gemeinschaft in Frage stellen. Unsere beiden Länder, vor wie nach den Wahlen in Frankreich und in Deutschland, werden dafür verantwortlich sein, die Einigung unserer Länder und Europas zu bestätigen und zu vertiefen, um den großen Herausforderungen der Zeit gerecht zu werden.

Letztes Jahr wurde sowohl von Unsicherheit als auch von Hoffnungen beherrscht, nicht zuletzt weil 2016 unerwartete politische Ergebnisse hervorgebracht hat. Kein Ereignis hat das europäische Projekt stärker auf die Probe gestellt als die Entscheidung der britischen Bevölkerung, die europäische Gemeinschaft zu verlassen. Die letzte amerikanische Wahl muss auch Europa dazu bewegen, enger zusammenzurücken und handlungsfähiger zu werden. Diese Herausforderung anzunehmen, das Vertrauen und die Einheit wiederherzustellen, verlangte zunächst eine Einigung auf begrenzte und starke Prioritäten, die Definition konkreter und präziser Maßnahmen sowie eines straffen Zeitplans.

Die Interdependenz zwischen innerer und äußerer Sicherheit ist eines der Hauptmerkmale der heutigen Umwelt. Die Herausforderung des internationalen Terrorismus ist somit für die Europäische Union nicht mehr nur eine abstrakte Bedrohung, was uns in den letzten Jahren auf schmerzliche Weise bewusst wurde. Die Bekämpfung des Terrorismus und die Sicherheit unserer Mitbürger gelten zu den obersten gemeinsamen Prioritäten unserer Politik. Die Notwendigkeit, die enge Kooperation und den Informationsaustausch fortzuführen und zu intensivieren, wurde bei einem Treffen zwischen unseren beiden Innenministern am Tag des schrecklichen Anschlags auf den Weihnachtsmarkt in Berlin erneut hervorgehoben.

Neben politischer Geschlossenheit hängt die Zukunft der Europäischen Union natürlich stark von ihrer wirtschaftlichen Leistung ab. Es geht um den Erhalt unseres Platzes im internationalen Wettbewerb. Durch ihn können wir soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit garantieren. Wir dürfen stolz sein auf dieses Modell, das heute in der ganzen Welt als „soziale Marktwirtschaft“ bewundert wird. Wir wollen Unternehmergeist mit Gerechtigkeit verbinden, Belohnung der individuellen Leistung mit Beteiligung aller an den Früchten des Wohlstandes, Einzelverantwortung mit sozialem Zusammenhalt. Wir müssen dieses Modell weiter in der Welt behaupten und dafür die notwendigen Strukturreformen durchsetzen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit bewahren. Damit ist das Ziel auch, das Wachstum durch Investitionen zu fördern.

Die Widerstandsfähigkeit der Eurozone bleibt eine wichtige Herausforderung, auch wenn wir gemeinsam die akute Finanzkrise der vergangenen Jahre überwunden haben. Wir stehen ein für eine bessere Koordinierung der Wirtschaftspolitiken in der EU, die noch – wir müssen ehrlich sein – einen gewissen Verbesserungsbedarf aufweist. Selbstverständlich sind auch die Energiewende sowie die digitale Revolution von großer Bedeutung für die Zukunft der Europäischen Union.

Europa, das ist aber nicht nur eine kluge Politik, das heißt auch, die Menschen mitnehmen und begeistern zu können, insbesondere die jungen Generationen. Frankfurt ist dafür die perfekte Stadt: tastsächlich ist Frankfurt die europäischste Stadt Deutschland und sie ist stolz darauf.

Wir haben schon wirksame Mittel, um das Bewusstsein für eine europäische Identität zu entwickeln. Dazu gehören auch die zahlreichen Städtepartnerschaften und deutsch-französische Gesellschaften, die sich seit über 50 Jahren zwischen unseren beiden Ländern entfalten. Es gibt so viele freundschaftliche Bande zwischen den Menschen in Frankreich und in Deutschland, so viele Jugendaustausche im Rahmen der Schulpartnerschaften oder des DFJW, die heutzutage ein wertvolles Kapital darstellen. Die gewachsene und gelebte Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich ist auch deshalb so einzigartig, weil sie eben nicht nur politisch motiviert ist.

2017 ist ein ereignisvolles Jahr für das deutsch-französische Tandem, nicht nur als Wahljahr, sondern auch als französisches Kultur- und Sportjahr in Deutschland. Im Oktober ist Frankreich Ehrengast bei der Frankfurter Buchmesse. Und bis dahin feiern wir bundesweit mit vielen Veranstaltungen unsere Sprache und Kultur. Ein französisches Kulturjahr, bei dem vor allem die Jugend im Mittelpunkt stehen soll. Und 2017 wird eine weitere Brücke entstehen, wenn die Tour de France in Düsseldorf am 1. Juli ihren „Grand Départ“ nimmt.

Meine Damen und Herren, Frankreich und Deutschland sind zwei Partnerländer, die sich unterscheiden, aber vor allen Dingen ergänzen! Zwei Länder, die eine gemeinsame Aufgabe haben: Europa zu stärken.

Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit.

Fotos: Petra Kammann

→ zahlreiche weitere Beiträge zum IWC

→ Elisabeth-Norgall-Preis des IWC

 

Gertrud-Eysoldt-Ring und Kurt-Hübner-Regiepreis 2016

2017, April 21.

Gertrud-Eysoldt-Ring 2016 an Schauspielerin Jana Schulz
Kurt-Hübner-Regiepreis an Alexander Eisenach

Von Renate Feyerbacher

Die Crème de la Crème der Theaterleute kam im März 2017 nach Bensheim, wo zum 31. Mal, seit 1986, der Gertrud-Eysoldt-Ring für außergewöhnliche schauspielerische Leistungen verliehen wurde. Der Preis, den die Stadt Bensheim zusammen mit der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste vergibt, ist mit 10.000 Euro dotiert und nach der Schauspielerin und Regisseurin Gertrud Eysoldt (1870-1955) benannt, die in Berlin, in München und an Theatern anderer Städte spielte. Der Stifter des Preises, der Theaterkritiker Wilhelm Ringelband (Johanna-, Friedrich Wilhelm- und Will-Ringelband-Stiftung), war ihr eng verbunden. Theaterfrau und Kritiker pflegten einen intensiven Briefwechsel.

Jana Schulz, 1977 in Bielefeld geboren, ist die neue Preisträgerin. Sie erhielt den Ring für ihre Rolle als Rose Bernd im gleichnamigen Stück von Nobelpreisträger Gerhard Hauptmann (1862-1946). Das naturalistische Drama (1903) hatte 2015 am Schauspielhaus Bochum Premiere.

Die Jury – Wilfried Schulz, Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, Marion Tiedtke, Ausbildungsdirektorin und Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, und Stefan Bachmann, Intendant des Schauspiels Köln – begründete ihre Entscheidung: „Jana Schulz sucht mit aller Radikalität, mit kämpferischem Elan und größter Leidenschaft die je eigene Menschlichkeit ihrer Figuren. Sie sprengt in den vielen weiblichen und männlichen Hauptrollen die Grenzen jedes gendergebundenen Spiels. Sie ist in den letzten Jahren zu einer der ausdrücklichsten, wandelbarsten und wahrhaftigsten Schauspielerinnen geworden.“

Professor Hans-Jürgen Drescher, Präsident der Akademie der Darstellenden Künste, überreicht Jana Schulz die Preisurkunde

Weiterlesen

Yves Kleins „Theatre of the Void“ im BOZAR in Brüssel

2017, April 20.

Botschafter des Blau und der Leere

Yves Klein (1928 – 1962) schuf nicht nur Bilder und Skulpturen, er beeinflusste die Entwicklung der Performancekunst, schrieb Theater- und Musikstücke und er experimentierte radikal mit Architektur. Vor allem aber inszenierte er die „Leere“. Das dokumentiert noch bis zum 8. August 2017 die facettenreiche Ausstellung „Theatre of the Void“ im Brüsseler Palais des Beaux Arts BOZAR, die in Zusammenarbeit mit der Tate Liverpool entstand. Das BOZAR ist bestens erreichbar, denn es liegt in unmittelbarer Nähe des Bahnhof Bruxelles-Midi, an dem die Schnellzüge Thalys und ICE halten. Petra Kammann besuchte die Ausstellung für FeuilletonFrankfurt.

Die Horta-Halle im BOZAR in Brüssel: Von hier aus geht es in die Yves Klein-Ausstellung „Theatre of the Void“. Hier fanden und finden verschiedene Performances im Geiste Yves Kleins statt

Seit Jahrhunderten steht die Farbe Blau für Transzendenz, in der Romantik für die Sehnsucht. Für den traumtänzerischen Künstler Yves Klein repräsentiert sie beides und gleichzeitig auch das einzig Reale. Sein Name ging sogar als Brand in eine normierte Farbe ein: das IKB-Blau, das International Klein Blue. Er ließ sich das strahlende Ultramarinblau patentieren und vom „Institut National de la propriété industrielle“ unter der Nummer 63471 schützen. Die darin enthaltenen Pigmente, hergestellt aus dem seltenen Metall Kobalt, sind fast so teuer wie das kostbare Lapislazuli. In der Industrie werden die Pigmente verwendet, um Glas oder Porzellan blau zu färben – Yves Klein nutzte sie, um daraus Bild-Analogien zum Himmel zu schaffen. Mit seinen großflächigen Monochromen, die so blau sind wie der Himmel über Nizza, irritierte er seine Zeitgenossen und begeisterte Sammler und Kunstkenner.

Blick in die Ausstellung: Überall strahlt das intensive Blau durch

Weiterlesen

Blickachsen 11 in Bad Homburg und Rhein-Main

2017, April 19.

Von Erhard Metz

Wer als Kunst-, gar als Skulpturenliebhaber in diesen Tagen und Wochen durch die Bad Homburger Parkanlagen spaziert und auf merkwürdige, grellgrün oder in baustellen-orange lackierte Fahrzeuge trifft, ahnt: die neuen „Blickachsen“ nahen! Einige der Großplastiken stehen bereits am ihnen zugedachten Platz, für andere werden die Fundamante für den späteren – wenn auch befristeten – sicheren Halt gegraben. Und wenn der Spaziergänger große LKWs gewahrt, deren Aufschriften auf Spezialfirmen für Kunsttransporte schließen lassen, gerät diese Erkenntnis zur Gewißheit.

Weiterlesen

Isabel Franke: „Pensées Visibles“ in der Volksbank Dreieich, Neu-Isenburg

2017, April 18.

Von Esther Erfert

Isabel Franke lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Bad Soden (Ts.) und hat ihr Atelier in den „Heddernheimer Höfen“.

Ihre Kunst unterwirft sich keinen Konventionen und richtet sich nach keinen strengen künstlerischen Regeln. Der Titel der Ausstellung „Pensées visibles“ – sichtbare, bildgewordene Gedanken – lässt den Betrachter erahnen, dass er hier tief in das vielfältige und mehrschichtige Denken einer Künstlerin eintauchen wird. Mythologische, philosophische und politische Themen scheinen in Isabel Frankes Werken auf. Sie setzt sich mit alten wie mit aktuellen Sujets auseinander und bietet dem Betrachter einen Reflexionskosmos, der über das Kunstwerk hinausgeht. Die Interpretation eines Werkes überlässt Franke weitgehend dem Betrachter. Er selbst soll es erkunden und sich seine eigenen Gedanken machen.

Die Denkansätze in dieser Ausführung stellen eine kleine Hilfestellung dar, sie sind aber keine unumstößlichen Interpretationen.

Frankes Techniken variieren und die Bilder und Objekte entstehen oft aus elementaren Materialien wie Wachs, Blei, Sand und Glas, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Diese kombiniert sie mit moderneren „Materialien“ wie Fotografien, digitaler Bildbearbeitung, LED-Technik etc.

„WHAT A SHAME“ PANDORA SAID, 2016, 16mm film, trockenblumen, led, 30 x 30 x 39 cm Weiterlesen