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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Schauspiel

Starke Stücke im Schauspiel Frankfurt ( 12 )  

2017, November 3.

Premierenmarathon zum Saisonauftakt unter der neuen Intendanz von Anselm Weber

Von Renate Feyerbacher

 

„Richard III.“ von William Shakespeare ( “rICHard”) – Machtspiele

Richard ist nicht tot zu kriegen. Welche Gesellschaft bringt ein solches Monster hervor? Wie kommt es, dass ein mächtiges Land von einem Psychopathen regiert wird? Warum wird es nicht verhindert? Fragen, die hoch aktuell sind.

Ein schwieriges Stück hat William Shakespeare (1564-1616) hinterlassen, das Vorwissen verlangt. Die Geschichte beginnt im Mittelalter, die Motive reichen aber bis in die Jetzt-Zeit. Dramaturgin, Autorin und Übersetzerin Gabriella Bussacker und Regisseur Jan Bosse, die schon länger zusammenarbeiten, haben dieses frühe Shakespeare-Werk neu übersetzt und bearbeitet. Kommt dem Jetzt entgegen, die Metaphern sind verständlicher. Schon sein Titel „rICHard III“ deutet auf die Ego-Ziele des Despoten, der ohne Grund bösartig sein will. Er nimmt sich die Freiheit zum Bösen: „Nicht in der Lage, schöne Unterhaltung zu genießen, bin ich entschlossen, den Bösewicht zu geben.“ und später:  „Mit stahlharten Lügen, mit stichhaltigen Beweisen“ wird er Menschen, sogar seine Brüder, ermorden lassen. Die Parabel, die Shakespeare schrieb, hat nichts an Brisanz eingebüßt.

Richard III;  Regie: Jan Bosse Wolfram Koch, Mechthild Großmann; Foto: Arno Declair

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45. Römerberggespräche: Was soll das Theater?

2017, Oktober 21.

Über die Zukunft der Städtischen Bühnen – „Die Stadt muss sich bekennen“

Ein Beitrag von Uwe Kammann

Mehr als 50 Jahre waren Frankfurts Städtische Bühnen Schauplatz zahlloser Inszenierungen und erlebten denkwürdige Auseinandersetzungen. Nun ist das Bauwerk, die „Theaterdoppelanlage“, die Schauspiel und Oper umfasst, marode. Wie soll es weitergehen? Neubau oder Sanierung? Von dem Tag an, an dem die möglichen Kosten bekannt wurden, wurden leidenschaftliche und kontroverse Debatten geführt. Da stellte sich nicht nur  die Frage nach dem Standort am Willy-Brandt-Platz, sondern auch nach der gesellschaftlichen Position des Theaters. Welche Aufgaben sollen Schauspiel und Oper in Zukunft haben? Die Römerberggespräche wollten in der Diskussion erkunden, welche Gestaltungschancen derzeit bestehen.

Die Doppelanlage: Oper und Schauspiel unter einem Dach 

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Das New Yorker Lincoln Center Festival: Theaterschwerpunkt auf Kompanien aus dem Nahen Osten

2017, August 2.

Das Lincoln Center Festival in New York gibt es seit nunmehr 50 Jahren. Es zeigt herausragende Produktionen aus Tanz, Theater und Musik. In diesem Jahr hat das Festival seinen Theaterschwerpunkt auf Kompanien aus dem Nahen Osten gelegt. Künstler aus Israel, aus dem Maghreb, aus Syrien sind zu Gast.

Ein Beitrag aus New York von

Simone Hamm

In „To The End of The Land“:  Efrat Ben Zur und Dror, Performance Images_credit Stephanie Berger 

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Zur Debatte um die Zukunft von Schauspiel/Oper in Frankfurt

2017, Juni 28.

Schock? – Chance!

Ein Zwischenruf von Uwe Kammann 

DANKE FRANKFURT FÜR 8 GLÜCKLICHE THEATERJAHRE: Riesengroß der Schriftzug am Frankfurter Schauspielhaus. Er markiert das Ende der Intendanz Oliver Reeses am Main, vor dem Wechsel an die Spree. Die Abschiedsparty, so die Bekundungen, war fröhlich, ausgelassen. Und die Bilanz: allenthalben positive Stimmen.

Optisches Dankeschön zum Abschied von Oliver Reese (Fotos: Uwe Kammann)

Ein Abschied, der zusammenfällt mit einer Debatte, die schon einige Jahre nicht nur die Insider beschäftigt, die aber erst jetzt, mit der Vorlage eines Gutachtens, kräftig Fahrt aufgenommen und viel Wirbel ausgelöst hat. Wobei, keine Frage, der Aussagekern der nun vorliegenden Machbarkeitsstudie einem schon den Atem verschlagen kann. Denn auf sage und schreibe gut 900 Millionen Euro schätzen die Autoren die Kosten, die für die bauliche Zukunft von Schauspiel und Oper zu veranschlagen sind. Und dies ganz unabhängig von den Modellen, die denkbar sind.

Sie reichen von der Sanierung beider Häuser – die in der bürokratisch getauften Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz wie siamesische Zwillinge verbunden sind – bis zum Abriss beider Einrichtungen und zum Neubau an anderer Stelle. Auch hier wieder mit Variationen. So ist weiter ein gemeinsames Haus denkbar, ebenso aber eine klare Trennung mit zwei neuen Bauten. Dabei kämen verschiedene Standorte in Frage.

Wobei weiter zu überlegen ist: Wie lässt sich das jetzige Doppelhaus mit der gemeinsamen, verbindenden Fassade überhaupt sanieren: bei laufendem Betrieb oder besser mit einem zeitweiligen Umzug von Theater und Oper, also einer Auslagerung an andere Spielorte? Ist es günstiger, dies für beide Häuser gleichzeitig zu praktizieren, oder geht es besser Zug um Zug? Und: Wohin könnte man in der Zwischenzeit ausweichen, wie lange würde die Interimslösung dauern? Und was wäre dafür an Kosten zu veranschlagen?

Jede Frage, die beantwortet wird, wirft mindestens drei neue auf. Das alles steht unter den großen Fragezeichen: Welche Maßnahmen sind unbedingt notwendig, welcher Aufwand scheint dafür angemessen? Welcher Stellenwert – und damit: welcher Wert – wird dem Theater beigemessen? Und schließlich: In welchem Zeitraum soll die Aufgabe bewältigt werden, die städtischen Großbühnen zukunftsfähig zu machen?

Ist der gegenwärtige Zustand wirklich so schlecht?

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Oliver Reese geht – Anselm Weber kommt

2017, Juni 23.

Reese: „Es waren acht glückliche Theaterjahre. Wir hatten eine tolle Zeit.“
Publikumslieblinge gehen

Von Renate Feyerbacher

Am 24. Juni 2017, verabschiedet sich Oliver Reese mit „One Song for the Road – ein musikalischer Rückblick auf acht Jahre Intendanz“ vom Frankfurter Publikum. Zwei Monate zuvor hatte er Bilanz gezogen: 1.375.000 Besucher haben in den Jahren von 2009 bis heute die Sprechtheater besucht. Das ist ein Zuwachs von 61 Prozent. Auch die Einnahmen konnten um 150 Prozent gesteigert werden. 255 Premieren – ohne die „Box“ – mit 5.250 Vorstellungen in Frankfurt und 150 Gastspielen ausserhalb der Stadt gab es.

So manche hatten ihn anfangs bedauert. Frankfurt sei schwierig, das Publikum verstockt, die finanzielle Situation angespannt und Querelen alltäglich. Reese, der seinen Intendantenposten am Deutschen Theater in Berlin aufgegeben hatte, verhehlt nicht, dass der Anfang schwierig war. Für jede Anschaffung habe angefragt werden müssen. Das wurde jedoch geändert und habe ihn mit Opernintendant Bernd Loebe gleichgestellt.

Foto: Oliver Reese am 6. Juni 2017. In Reeses Ära wurden ein Schauspiel-, ein Regie- und ein Autorenstudio gegründet; Foto: Renate Feyerbacher Weiterlesen