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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Darstellende Künste

Hiob von Joseph Roth in der Wiener Burg

2019, Februar 28.

Die Leiden des alten Mendel – wie das Burgtheater an Joseph Roths Theateradaption von Hiob scheitert

Von Simone Hamm

Joseph Roths Roman „Hiob“ erschien 1930. Distanziert, in einer dunklen, schönen Sprache geschrieben, rührte und rührt er immer noch zu Tränen. Roth zeigt das Innenleben des orthodoxen Tora-Lehrers Mendel Singer, den Gott so hart prüft. Er schaut in die Seele des frommen Mannes, der verloren ist in der Gegenwart, weil er sich immer noch im Alten Testament wähnt. Da muss bei der Bühnenfassung von Koen Tachelet zwangsläufig viel auf der Strecke bleiben.

Peter Simonischek als Mendel Singer

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„Antanas Sutkus. Fotografien“ in den Rüsselsheimer Opelvillen

2019, Februar 12.

Emphatische Abbilder des schlichten Alltags und visionäre Fotografien – so „als ob die Vorahnung einer Flutwelle in der Luft hängt“   

Bekannt wurde er bei uns zunächst mit seinen Aufnahmen von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Heute zählt der 1939 in Kluoniškiai, Kaunas, Litauen, geborene Antanas Sutkus zu den großen humanistischen Fotografen der Welt, denn es sind fast ausschließlich Menschen, die ihn als Motiv interessieren. Geduldig beschäftigt er sich mit denjenigen, denen er begegnet und die er völlig unverstellt in die Kamera blicken lässt. Eine sehenswerte Ausstellung in den Rüsselsheimer Opelvillen zeugt davon.

Von Petra Kammann

Ausstellungsflyer; Foto: Petra Kammann

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Autokunst in Frankfurt und Düsseldorf – als Museumsattraktion

2019, Februar 6.

Von Uwe Kammann

Ein Hingucker, in jeder Hinsicht, dieser Kühlergrill eines Luxuswagens vom Ende der 20er Jahre. Fast niemand, der in der fulminanten Ausstellung zur Frankfurter Moderne im Museum Angewandte Kunst an diesem Ausstellungsstück vorbeiginge. Und der nicht die Fotos studieren würde, die näheren Aufschluss geben: das Schmuckstück gehört zu einer Kleinstauflage einer Marke, die inzwischen längst verschwunden ist – Adler –, damals aber zum Exklusivsten gehörte, was zu kaufen war. „Er ist ein fahrbares Zuhause, das auf der Reise das unbedingte Gefühl der Geborgenheit verleiht“: Mit diesem Spruch bewarb die Marke ihr Modell Standard 8 – noch heute dürften viele Autofahrer mit dieser Versprechung ihre Sehnsucht nach einer eigenen Karosse beflügelt und ihr Auto-Glück grundiert sehen.

Kühlergrill der Frankfurter Luxusmarke Adler, gestaltet von Walter Gropius, ausgestellt im Museum Angewandte Kunst Frankfurt, Foto: Petra Kammann

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Die Ausstellung „Moderne am Main 1919–1933“ im Museum Angewandte Kunst

2019, Februar 4.

Frankfurt zwischen 1925 und 1932: Bauhausparallele, Großstadtutopie und vernetzte Moderne

Anlässlich des 100jährigen Bauhaus-Jubiläums hat inzwischen die erste von drei Ausstellungen zum Neuen Frankfurt begonnen. Das Museum Angewandte Kunst zeigt die „Moderne am Main“ mit Möbeln, Schriften, Mode, Musik, Film und Fotografie. Und sie visualisiert auch das riesige Netzwerk der Menschen, die an der Neugestaltung Frankfurts beteiligt waren.

Von Petra Kammann

Hereinspaziert in die „Moderne am Main“, Foto: Petra Kammann 

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FRANKFURTER ERKLÄRUNG DER „VIELEN“

2019, Februar 2.

Ein deutliches Signal für Weltoffenheit  –  Politisch sehr korrekt

„Die Vielen“ vor dem Historischen Museum stehen für die kulturelle Vielfalt in der Stadt. Foto: Petra Kammann

Als Gastgeber begrüßt Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums, die „Vielen“, 56 Vertreter*innen der Frankfurter Kulturszene, im Sonnemann-Saal des Historischen Museums und bezieht sich dabei auf Leopold Sonnemann, der Radikaldemokrat gewesen sei.

Die Frankfurter Erklärung, in der u.a. auf die demokratischen Traditionen der Stadt eingegangen wird, ist Teil einer deutschlandweiten Kampagne „Die Vielen“. Zeitgleich folgen danach Kulturschaffende und Forscher in 14 anderen Städten dem Beispiel, das Berlin, Hamburg, Dresden und Nordrhein-Westfalen bereits im November gegeben haben. In Frankfurt haben sämtliche großen Frankfurter Museen, Theater, Konzert- und Literaturveranstalter, dazu etliche freie Theatergruppen, kunstwissenschaftliche Einrichtungen, Bildungsstätten und kleinere Initiativen die Erklärung solidarisch unterzeichnet und damit auch ihre Zusammenarbeit für die Zukunft bekundet.

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„La forza del destino“ von Giuseppe Verdi an der Oper Frankfurt Opferszenarien noch und noch Verdis politisches Statement

2019, Januar 31.

von Renate Feyerbacher

Fotos: Monika Rittershaus / Oper Frankfurt

Unfreiwillig fällt ein Schuss aus der Pistole Don Alvaros, Sohn eines Spaniers und einer Inkaprinzessin, der den Marchese von Calatrava, den Vater von Leonora, tötet. So beginnt die Oper „La forza del destino“ („Die Macht des Schicksals“), die 2005 zuletzt zwei konzertante Aufführungen in der Alten Oper und nun, nach 35 Jahren, eine Neuinszenierung an der Oper Frankfurt erlebte. Damals wurde allerdings die umgearbeitete Fassung von 1869 gespielt. Diesmal hatte sich das Produktions-Team für die Urfassung von 1862 entschieden. Bejubelt wurden Sängerin und Sänger, lautstark ausgebuht von einigen die Inszenierung. Zu Recht?

v.l.n.r. Franz-Josef Selig (Marchese von Calatrava), Michelle Bradley (Donna Leonora) und Hovhannes Ayvazyan (Don Alvaro) sowie im Film Thesele Kemane (Don Alvaro)

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DFF – Neuer Name und neues Design für die führende internationale Filmerbe-Institution

2019, Januar 28.

In Frankfurt und Umgebung ist das Gebäude am Schaumainkai 41 wohl den meisten als Filmmuseum bekannt. Doch haben sich im Laufe der Jahre die verschiedenen zusammengeführten Bereiche geradezu biotopisch entwickelt. 70 Jahre sind es in diesem Jahre her, dass das „Deutsche Institut für Filmkunde“ in Wiesbaden gegründet wurde, aus dem letztlich das Frankfurter Filmmuseum hervorgegangen ist, das wiederum bis 1984 zunächst im Historischen Museum als „Kommunales Kino“ beheimatet war…

DFF-Direktorin Ellen Harrington stellt die neue Corporate Identity vor

Von Petra Kammann

Nachdem dann das neue Haus als Filmmuseum inklusive des Instituts am Museumsufer eingeweiht worden war, wurde 1998 das Deutsche Institut für Filmkunde in Deutsches Filminstitut (DIF) umbenannt. Das Deutsche Filminstitut und das Deutsche Filmmuseum wiederum fusionierten 2006, was nach außen hin kaum mehr verstanden wurde.

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Kleist, Feuchtwanger und Houellebecq in Bochum

2019, Januar 26.

Johan Simons führt Bochum zurück in die erste Liga der Schauspielhäuser

Von Simone Hamm

Es beginnt mit einem lauten Rums. Stockfinster ist es im Zuschauerraum des Bochumer Theaters. Auch auf der Bühne. Dann knallen Plastikstühle und -tische, Regalteile, Zimmerpalmen, Matratzen und Kleidungsstücke auf die Bühne. Es hat einen Terroranschlag gegeben im Club „Eldorador Aphrodite“ – 117 Menschen sind getötet worden…

Die Erstinszenierung von „Unterwerfung“ entstand 2017 in Kooperation von NTGent und Action Zoo Humain und Chokri Ben Chikha, Text: nach Michel Houellebecq, Deutsch mit englischen Übertiteln, Regie: Johan Simons, Foto: Tobias Kruse

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„Hautnah“ – Filmkostüme von Barbara Baum im Deutschen Filmmuseum Frankfurt

2019, Januar 14.

Subtiles Spiel mit historischen Stoffen

Text und Fotos: Renate Feyerbacher

Videoinstallation der Videokünstler Siegfried Barth und Oliver Weiss im Eingangsbereich

Das Kostüm ist die halbe Rolle – davon ist Barbara Baum überzeugt. In ihrer Ansicht wird sie von Filmschauspielerin Hanna Schygulla unterstützt: „Ihre Kostüme machten Rollen.“ Unvergessen Hanna Schygulla als Willie Bunterberg im Film „Lili Marleen“ von Rainer Werner Fassbinder (1980). Die schöpferische Kostümbildnerin, eine der besten Deutschlands, und auch international gefeiert, schuf ein faszinierendes Abend-Ensemble aus Silberlamé, mit dem Willie am Ende des Films als Sängerin die Bühne betritt. Sie sollte darin wirken „wie in einem Panzer eingeschlossen“, so Fassbinder. Verwendet hat Barbara Baum einen Originalstoff aus den zwanziger Jahren, der heute allerdings Spuren des Zerfalls aufweist. Ein Höhepunkt der Ausstellung „Hautnah“ im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt.

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Der Tänzer Akram Khan, „Xenos“ und die Geschichte des britischen Soldaten

2019, Januar 11.

„Erst wenn die Löwen ihre Geschichte selber erzählen, werden die Jäger nicht mehr Helden sein“, lautet ein afrikanisches Sprichwort. Geschichte ist immer die Geschichte der Sieger. Die Geschichtsschreibung, die man in Europa und Amerika kennt, ist westliche Geschichtsschreibung. Vieles bleibt ungesagt. Etwa, dass über eine Million Soldaten aus britischen Kolonien im ersten Weltkrieg auf Seiten der Briten kämpften. Viele starben. Heute weiß kaum jemand davon.

Ein Beitrag von Simone Hamm

Albträume des Gefangenen in: „Xenos“ von Akram Khan, Foto: Jean Louis Fernandez, Oper Köln
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