home

FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Darstellende Künste

Wiederentdeckt: Der Künstler Erich Franke im Kunstraum Bernusstraße

2019, März 17.

Erich Franke (1911-2008) – Zeitwende

Theater und Malerei im Strudel geschichtlicher Wenden

Von Petra Kammann

Erich Franke entwickelte unter dem Einfluss der Kunstströmungen der 1920er und 30er Jahre schon früh abstrakte Arbeiten unterschiedlichster Techniken. Das vielfältige Werk des über sieben Jahrzehnte schaffenden Künstlers entfaltete sich vor dem Hintergrund der historischen Phasen und ihrer Wenden. Dem Einfluss modern denkender Lehrer sowie der weltoffenen und künstlerischen Prägung durch seine Familie und Wegbegleiter ist es wohl zu verdanken, dass Erich Franke die abgeschnittenen künstlerischen Fäden wieder aufnehmen konnte. Der mit dem verstorbenen Künstler befreundete Wegbegleiter Thilo Herrmann, der seinen Nachlass verwaltet, präsentiert eine Auswahl der Arbeiten im Kunstraum Bernusstraße.

Experimentelles Bild von Erich Franke: Siegellack mit Draht auf Farbe. Dieses Werk wurde wohl parallel zu Henzes Uraufführung 1949 in Heidelberg gezeigt; © Thilo Herrmann

Weiterlesen

Rückblende: Mein Berlinale-Tagebuch in der Zeit vom 12.bis 17. Februar 2019

2019, März 15.

Berlinale-Kamera für die Filmemacherin Agnès Varda

Einer der außergewöhnlichen Momente dieser Berlinale war die Preisverleihung der Berlinale-Kamera an Agnès Varda. Die bald 91 jährige – ihr Alter ist ihr, wie sie sagt,“wurscht“ – wurde von Noch-Festival-Leiter Dieter Kosslick im Berlinale Palast empfangen. Von hoch oben sah ich den Empfang, die kleine Person, die durch die keck gefärbte Frisur hervorsticht. Aber oben angekommen, ging die kleine Gestalt, verdeckt vom Kordon der Freundes-Eskorte und dem Sicherheitspersonal, schlicht unter. Ich verlor sie aus den Augen. Dann aber ergatterte ich ganz vorne im Kinosaal einen Platz und Agnès Varda schritt am Arm von Kosslick fast hautnah an mir vorbei zur Bühne. Was für eine energiegeladene Künstlerin, die sich über diese Ehrung sichtlich freute. Ihre unbändige Leidenschaft war auch in ihrer kurzen Dankesrede zu erkennen, fein ist ihr Humor.

von Renate Feyerbacher

Berlin: Roter Teppich für die französische Filmemacherin Agnés Varda, Foto: Renate Feyerbacher

Weiterlesen

Der Lyrik einen Resonanzraum geben – Der erste Frankfurter Festivalkongress „Fokus Lyrik“ (1)

2019, März 10.

„Wer A sagt…“ – Es kommt auf den ersten Schritt an und auf die, die folgen

Von Petra Kammann

Vom 7. bis 10. März fand in Frankfurt der große Festivalkongress „Fokus Lyrik“ statt. „Dass Frankfurt eine Stadt der Lyrik ist, würde man auf den ersten Blick nicht erwarten. Zwischen Hochhaustürmen der Banken und Kanzleien läuft der städtische Alltag im Eiltempo ab. Dabei bedarf die freie, spielerische Sprache der Poesie Zeit und Muße“, sagt die Kulturdezernentin der Mainmetropole. Aber kann nicht gerade ein solcher Ort, an dem überdies Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Milieus leben, ein Kraftquell poetischer Energien sein, an dem man zum Innehalten, genauen Hinschauen und zu neuem Atemholen animiert wird? Um solchen und ähnlichen Fragen nachzugehen, hat der Kongress mehr als 100 Akteure der Lyrikszene nach Frankfurt gelockt. Neben einem öffentlichen Programm fanden nicht-öffentliche Roundtables mit Autoren sowie Experten aus den Bereichen Übersetzung, Veranstaltung, Verlage, Buchhandel, Schule, Universität, Kritik, Zeitschriften statt. Da wurden zentrale Anliegen, Thesen und Forderungen in Sachen Lyrik formuliert.

Auftakt – Der schwedische Dichter Magnus William-Olsson öffnet den Brief mit der deutschen Übersetzung; Fotos: Petra Kammann

Weiterlesen

Uraufführung: „Zu der Zeit der Königinmutter“ am Akademietheater in der Wiener Burg

2019, März 7.

Afrikanische Geschichten, seltsam steif inszeniert

Von Simone Hamm

Fiston Mwanza Mujilaist im Kongo aufgewachsen, von dort über Belgien, Deutschland und Frankreich nach Österreich gekommen, lehrt heute an der Universität Graz afrikanische Literatur. Sein Roman „Tram 83“ stand auf der Longlist des Man Booker International Prize. „Zur Zeit der Königinmutter“ ist das erste Stück, das Fiston Mwanza Mujila auf Deutsch geschrieben hat.

Elena Todorova, Christian Pollheimer, Markus Hering, Simon Jensen, Sven Dolinski, Gertraud Jesserer, Foto: Elisabeth Gruber / Burgtheater

Weiterlesen

 „Dalibor“ von Bedřich Smetana in der Oper Frankfurt

2019, März 2.

Aussichtsloser Widerstand gegen das totalitäre System, der gescheiterte Traum von Freiheit und die Vision von einer gewaltfreien Welt

von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus / Oper Frankfurt

Gordon Bintner (Vladislav; links auf dem Stuhl sitzend), Aleš Briscein (Dalibor; rechts auf dem Stuhl sitzend) und Ensemble

Die  Oper „Dalibor“ wird selten aufgeführt. Dabei hielt Bedřich Smetana sie für seine beste Bühnenkomposition…

Weiterlesen

Hiob von Joseph Roth in der Wiener Burg

2019, Februar 28.

Die Leiden des alten Mendel – wie das Burgtheater an Joseph Roths Theateradaption von Hiob scheitert

Von Simone Hamm

Joseph Roths Roman „Hiob“ erschien 1930. Distanziert, in einer dunklen, schönen Sprache geschrieben, rührte und rührt er immer noch zu Tränen. Roth zeigt das Innenleben des orthodoxen Tora-Lehrers Mendel Singer, den Gott so hart prüft. Er schaut in die Seele des frommen Mannes, der verloren ist in der Gegenwart, weil er sich immer noch im Alten Testament wähnt. Da muss bei der Bühnenfassung von Koen Tachelet zwangsläufig viel auf der Strecke bleiben.

Peter Simonischek als Mendel Singer

Weiterlesen

„Antanas Sutkus. Fotografien“ in den Rüsselsheimer Opelvillen

2019, Februar 12.

Emphatische Abbilder des schlichten Alltags und visionäre Fotografien – so „als ob die Vorahnung einer Flutwelle in der Luft hängt“   

Bekannt wurde er bei uns zunächst mit seinen Aufnahmen von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Heute zählt der 1939 in Kluoniškiai, Kaunas, Litauen, geborene Antanas Sutkus zu den großen humanistischen Fotografen der Welt, denn es sind fast ausschließlich Menschen, die ihn als Motiv interessieren. Geduldig beschäftigt er sich mit denjenigen, denen er begegnet und die er völlig unverstellt in die Kamera blicken lässt. Eine sehenswerte Ausstellung in den Rüsselsheimer Opelvillen zeugt davon.

Von Petra Kammann

Ausstellungsflyer; Foto: Petra Kammann

Weiterlesen

Autokunst in Frankfurt und Düsseldorf – als Museumsattraktion

2019, Februar 6.

Von Uwe Kammann

Ein Hingucker, in jeder Hinsicht, dieser Kühlergrill eines Luxuswagens vom Ende der 20er Jahre. Fast niemand, der in der fulminanten Ausstellung zur Frankfurter Moderne im Museum Angewandte Kunst an diesem Ausstellungsstück vorbeiginge. Und der nicht die Fotos studieren würde, die näheren Aufschluss geben: das Schmuckstück gehört zu einer Kleinstauflage einer Marke, die inzwischen längst verschwunden ist – Adler –, damals aber zum Exklusivsten gehörte, was zu kaufen war. „Er ist ein fahrbares Zuhause, das auf der Reise das unbedingte Gefühl der Geborgenheit verleiht“: Mit diesem Spruch bewarb die Marke ihr Modell Standard 8 – noch heute dürften viele Autofahrer mit dieser Versprechung ihre Sehnsucht nach einer eigenen Karosse beflügelt und ihr Auto-Glück grundiert sehen.

Kühlergrill der Frankfurter Luxusmarke Adler, gestaltet von Walter Gropius, ausgestellt im Museum Angewandte Kunst Frankfurt, Foto: Petra Kammann

Weiterlesen

Die Ausstellung „Moderne am Main 1919–1933“ im Museum Angewandte Kunst

2019, Februar 4.

Frankfurt zwischen 1925 und 1932: Bauhausparallele, Großstadtutopie und vernetzte Moderne

Anlässlich des 100jährigen Bauhaus-Jubiläums hat inzwischen die erste von drei Ausstellungen zum Neuen Frankfurt begonnen. Das Museum Angewandte Kunst zeigt die „Moderne am Main“ mit Möbeln, Schriften, Mode, Musik, Film und Fotografie. Und sie visualisiert auch das riesige Netzwerk der Menschen, die an der Neugestaltung Frankfurts beteiligt waren.

Von Petra Kammann

Hereinspaziert in die „Moderne am Main“, Foto: Petra Kammann 

Weiterlesen

FRANKFURTER ERKLÄRUNG DER „VIELEN“

2019, Februar 2.

Ein deutliches Signal für Weltoffenheit  –  Politisch sehr korrekt

„Die Vielen“ vor dem Historischen Museum stehen für die kulturelle Vielfalt in der Stadt. Foto: Petra Kammann

Als Gastgeber begrüßt Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums, die „Vielen“, 56 Vertreter*innen der Frankfurter Kulturszene, im Sonnemann-Saal des Historischen Museums und bezieht sich dabei auf Leopold Sonnemann, der Radikaldemokrat gewesen sei.

Die Frankfurter Erklärung, in der u.a. auf die demokratischen Traditionen der Stadt eingegangen wird, ist Teil einer deutschlandweiten Kampagne „Die Vielen“. Zeitgleich folgen danach Kulturschaffende und Forscher in 14 anderen Städten dem Beispiel, das Berlin, Hamburg, Dresden und Nordrhein-Westfalen bereits im November gegeben haben. In Frankfurt haben sämtliche großen Frankfurter Museen, Theater, Konzert- und Literaturveranstalter, dazu etliche freie Theatergruppen, kunstwissenschaftliche Einrichtungen, Bildungsstätten und kleinere Initiativen die Erklärung solidarisch unterzeichnet und damit auch ihre Zusammenarbeit für die Zukunft bekundet.

Weiterlesen