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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Literaturhaus

Buchmessesplitter 3

2017, Oktober 14.

↑ Anstoßen auf das Verlagsjubiläum des Merlin Verlags: Vertreterinnen des Deutsch-französischen Kreises Düsseldorf, Christiane von der Groeben(li) und Ariane Bommers (Mitte),  waren zum Verlagsjubiläum des Merlin Verlags auf die Buchmesse gekommen, um Verlegerin Dr. Katherina E. Meyer (re) die Unterstützung für die Übersetzung von Faoud Larouis neuem Roman „Im aussichtslosen Kampf zwischen Dir und der Welt“ zu überreichen. Außerdem hatten sie auch die Übersetzung des Kinderbuchs von Andren Clément Oubrerie „Mein Hund ist Rassist“ aus dem Little Tiger Verlag gefördert

↓ Der marokkanische Autor Faoud Laroui (hier mit Vorstandsmitglied des DFK Petra Kammann) wird am 18. Oktober im Deutsch-Französischen Kreis in Düsseldorf lesen
Foto: Dr. Katharina E. Meyer

Francfort en français: Und immer wieder geht es um den Ehrengast Frankreich und die französische Sprache…

Frankreichkenner Uli Wickert erläutert am Stand der ARD die aktuelle politische Situation in Frankreich

Passerelles d’Europe: Blaue Stunde am Main mit Matthias Enard auf der Péniche

Die Hotlist 2017: Präsentation und Abstimmung über die besten Bücher aus unabhängigen Verlagen im Frankfurter Literaturhaus 

PREISWÜRDIG
Die Hotlist steht heute als dritter großer Preis der Buchbranche neben dem Deutschen Buchpreis und dem Preis der Leipziger Buchmesse. Die Hotlist präsentiert die zehn besten Bücher des Jahres aus unabhängigen Verlagen des deutschsprachigen Raums. Sie wurde 2009 gegründet und wird vom gemeinnützigen Verein der Hotlist organisiert und ehrenamtlich getragen.  2017 beteiligten sich 184 unabhängige Verlage am Wettbewerb, 4100 Menschen nahmen an der Internetabstimmung über die Liste teil. Der Hauptpreis der Hotlist ist ein Verlagspreis und mit 5000 Euro dotiert. Die Preisverleihung, moderiert von Anna Engel, fand am heutigen Abend im Literaturhaus Frankfurt statt.

Der Preis der Hotlist 2017 geht an den Verlag Matthes & Seitz Berlin für Strategien der Wirtsfindung von Brigitta Falkner.

In der Jurybegründung für den Hauptpreis heißt es:

„Dem Berliner Verlag Matthes & Seitz ist mit Strategien der Wirtsfindung ein ganz besonderes und eigenwillig gestaltetes Buch gelungen. Die Autorin und bildende Künstlerin Brigitta Falkner erkundet darin in Texten und Bildern die wuchernde Welt der Parasiten und Schmarotzer und erweist sich dabei als ebenso kundige wie poetische Naturforscherin.“

Der Verlag Matthes & Seitz Berlin wurde 2004 in Berlin gegründet. Er setzt die verlegerische Tradition fort, die 1977 mit der Gründung des Verlags Matthes & Seitz in München durch Axel Matthes und Claus Seitz begann. Verleger ist seit 2004 Andreas Rötzer, derzeit erscheinen jährlich ca. 80 Neuerscheinungen aus den Bereichen Literatur und Sachbuch. Wichtige Reihen des Programms sind die Naturkunden, Fröhliche Wissenschaft, Batterien und Französische Bibliothek.

Zusätzlich vergaben Buchhändlerinnen und Buchhändler im Rahmen der Hotlist den Melusine-Huss-Preis, der in diesem Jahr an den Verlag Assoziation A für Über Grenzen von Lutz Taufer geht und mit einem Druckgutschein der Druckerei Theiss im Wert von 4000 Euro dotiert ist.

Die Jury 2017: Anna Christen, Lukas Gloor, Christa Gürtler, Matthias Hügle und Peter Wawerzinek.

Der Hessische Film- und Kinopreis wurde festlich  in der Alten Oper verliehen. Darüber später mehr.

Und heute wird die Messe für das Publikum geöffnet…

Alle Fotos: Petra Kammann

Buchmesse Tag 2 – Splitter

2017, Oktober 13.

Unterwegs zu den Terminen: Business as usual bei den Fachtagen

Die Frankfurter Buchmesse ist mit über 7.300 Ausstellern aus 102 Ländern, rund 278.000 Besuchern, über 4.000 Veranstaltungen und rund 10.000 akkreditierten Journalisten, davon 2.400 Blogger, die größte Fachmesse für das internationale Publishing. Darüber hinaus ist sie ein branchenübergreifender Treffpunkt für Player aus der Filmwirtschaft und der Gamesbranche. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildet seit 1976 der jährlich wechselnde Ehrengast, in diesem Jahr Frankreich eben, der dem Messepublikum auf vielfältige Weise seinen Buchmarkt, seine Literatur und Kultur präsentiert. Die Frankfurter Buchmesse organisiert die Beteiligung deutscher Verlage an rund 20 internationalen Buchmessen und veranstaltet ganzjährig Fachveranstaltungen in den wichtigen internationalen Märkten. Auch die Angebote für das Publikum sind so vielfältig, dass man nur weniges herausgreifen kann, dass zum Beispiel  Martin Schulz und Gregor Gysi ihre Rundgänge machten, Autoren an ihren jeweiligen Ständen jeweils Interviews gaben, dass der Fischer Verlag sein traditionelles Buchmessefest im Literaturhaus feierte, sich das Ehrengastland Georgien des kommenden Jahr präsentierte undundund…

Eindrücke von Petra Kammann

30 Jahre Passagen Verlag. Störung erwünscht legt die Jubiläumsschrift nahe: Am Stand diskutieren Verleger Peter Engelmann mit Übersetzer (u.a. Jacques Derrida 1.v.l.), Praktikantin Carolin Pfaff und Martin Born, Lektor, Passagen Verlag und Carolin Pfaff

Treffen am Stand des Europa Verlags: v.l.n.r.: Autor Peter Matthews, Michael Goerden, Programmleiter Golkonda Verlag, Verleger Strasser, Barbara Stang

Georgien: Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2018

2018 ist Georgien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse − das Motto des Auftritts lautet „Georgia − Made by Characters“. Das kommende Gastland gab einen ersten Einblick in das umfangreiche Literatur- und Kulturprogramm.

„Georgien ist eine der ältesten Kulturnationen der Welt und verfügt über eine für solch ein kleines Land unglaubliche Fülle an Kulturschätzen“, so Mikheil Giorgadze, Minister für Kultur und Denkmalschutz Georgiens. „Wir freuen uns, dass wir 2018, wenn Georgien den 100. Jahrestag seiner Unabhängigkeit feiert, in Deutschland unsere einzigartige kulturelle Identität zeigen können. Wir wollen ‚Georgia – Made by Characters‘ zu einer Feier der georgischen Literatur, Kultur und Kreativität machen.“ Einen Eindruck von der großen Kulturnation vermitteln bereits die Veranstaltungen, die derzeit im Rahmen des Deutsch-Georgischen Jahres 2017 stattfinden.

Rund 500 Lesungen und Events im deutschsprachigen Raum stimmen ab jetzt auf den Ehrengastauftritt ein. 70 Schriftsteller aus Georgien werden mit ihren Büchern in bis zu 30 Städte in Deutschland, der Schweiz und Österreich reisen und an rund 20 literarischen Festivals wie der lit.COLOGNE, dem Harbour Front Literaturfestival Hamburg sowie den Literaturtagen Zofingen teilnehmen. Die hierzulande wohl bekannteste Autorin ist Nino Haratischwili. Die in Hamburg lebende Georgierin, die ihre Bücher in deutscher Sprache verfasst, hat mit ihrem vielbeachteten Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“ interessante Einblicke in die georgische Geschichte und Lebensart vermittelt.

Juergen Boos, Geschäftsführer der Frankfurter Buchmesse, sagte: „Georgien blickt auf eine 15 Jahrhunderte lange literarische Tradition und eine bewegte Geschichte zurück. Dieses kulturelle Erbe prägt und inspiriert zeitgenössische Autorinnen und Autoren auch heute noch. Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 werden unsere Besucherinnen und Besucher aus aller Welt die lebendige Literaturszene des kaukasischen Landes entdecken.“

Im nächsten Jahr werde die georgische literarische Szene in ihrer ganzen Vielfalt in Frankfurt vertreten sein und bei einer Vielzahl an Lesungen, Workshops und Konferenzen spannende Einblicke in die georgische Literatur, Kultur und Lebensart geben. 90 Neuübersetzungen in deutscher Sprache sind geplant. Die Palette reicht von klassischen bis zu zeitgenössischen Autorinnen und Autoren, von Erzählungen, georgischen Epen und Anthologien georgischer Poesie über Sachbücher, Kinder- und Jugendliteratur, Krimis bis hin zu einer Sammlung von kritischen Essays.

Hinzu kommt ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Ausstellungen, Musik-, Theater- oder Filmvorführungen. Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 lädt das Georgische Nationale Filmzentrum zu 15 Filmvorführungen und Diskussionen ein.

Katharina und Andreas J. Meyer, Foto: © Roger von Heereman/Merlin Verlag

Und heute: Zauber des Merlin Verlags

Die Freiheit der Kunst und der gewitzten Verlegerei wird heute mit Autoren wie Fouad Laroui und Boualem Sansal am Merlin Stand gefeiert. Der von Vater Andreas Meyer und Tochter Katharina E. Meyer Inhaber- geführte Verlag wird 60 Jahre alt und  30 Jahre die Verlagsschwester mit den Tigerenten Little Tiger. Wir gratulieren!

Kultur-Brücken in und nach Frankfurt – „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“

2017, Oktober 7.

Buch-Welten, die verbinden

Die Verleihung des Deutschen Buchpreises, des Friedenspreises,  Openbooks. Das alles rückt näher: Bücher und Autoren in Frankfurt sind überall präsent, nicht nur im Literaturhaus und auf der Messe, im Römer, im Haus des Buches, in der Evangelischen Akademie, im Haus am Dom, im Mousonturm undundund. Das große internationale Fest des Buches wird eine Woche lang in der ganzen Stadt zu spüren sein, denn die Frankfurter Buchmesse öffnet in diesen Tagen ihre Tore mit dem Ehrengast Frankreich, wozu der Präsident französische Emanmuel Macron sogar die Schirmherrschaft übernommen hat und das deutsch-französische Tandempaar Merkel-Macron die Buchmesse eröffnen wird, was die politische Dimension dieses Auftritts zeigt …

v.l.n.r.: Dr. Thorsten Ratzel, Direktor der Evangelischen Stadtakademie, Dr. Sonja Vandenrath, Leiterin Fachbereich Literatur  im Kulturamt der Stadt, Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin, Elisabeth Simonet, Leiterin des Verbindungsbüros „Francfort en français“

 

Paul de Sinety, Vorsitzender des Gastlandschwerpunkts Foto: © vinciane verguethen/institut français

Um die 180 französischsprachige SchriftstellerInnen und Kunstschaffenden werden unter dem Motto „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“ vom 8. bis zum 15. Oktober in Frankfurt zusammenkommen. Sie werden u.a. in einem  2500 m2 großen Gastland-Pavillon, der an der Hochschule für Kunst und Design Saint-Étienne in Zusammenarbeit mit dem Frankreich-Kommittee entstand, diskutieren und  zu erleben sein. All diese AutorInnen aus den verschiedensten Bereichen – gleich ob Fiction, Non-Fiction, Kinder- und Jugendbuch oder Comic – kommen aus der ganzen Welt und sind aktuell übersetzt. …“Sie alle träumen, schreiben und zeichnen auf Französisch. (… ) Das Treffen in Frankfurt gibt die Möglichkeit, das zu feiern, was uns – die Bürger Europas – eint und verbindet: die gemeinsame Buchkultur. “ So lautete die Vision des  Generalkommissars Paul de Sinety.

← Das Projekt Passerelles d’Europe ist eines der Highlights des Programms von „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“. Der zur Frankfurter Buchmesse geladene französische Autor Olivier Rolin navigiert nach wochenlanger, literarischer Reise entlang des Rheins und des Mains seit dem 25. August das Hausboot Ange Gabriel  von Namur nach Frankfurt. „Die Schiffsreise, die das Boot von Belgien über Frankreich nach Deutschland führte, ist ein Symbol für die Brücken die die Kultur in Europa zu bauen vermag“, sagte Paul de Sintey, Vorsitzender von „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“.

Während der Frankfurter Buchmesse entsteht am Main nun außerdem ein spannender neuer Veranstaltungsort mit einem besonderen Programm. Während der Dauer der Frankfurter Buchmesse lädt „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“ jeden Abend zu literarischen Aperitifs auf Ange Gabriel ein. Dort wird man u. a. folgende auf die Frankfurter Buchmesse geladene französischsprachige Schriftstellerinnen und Schriftsteller treffen können: Philippe Claudel, Virginie Despentes, Négar Djavadi, Philippe Djian, Gaël Faye, Pascale Kramer, Dany Lafferrière und Kettly Mars. Unter dem Motto Passerelles d’Europe werden hier jeden Abend Autorinnen und Autoren miteinander ins Gespräch kommen – u.a. Nora Bossong, Kamel Daoud, Virginie Despentes, Mathias Énard, Gaël Faye, Alain Mabanckou und Steinunn Sigurdardóttir.

und zur Erinnerung… 

Mit dem Schriftsteller André Malraux und dem Theaterintendanten Jack Lang hatte Frankreich zwei bedeutende Kulturminister. Malraux, der 1959 als erster Minister in diesem Amt in der Fünften Republik ernannt wurde,  förderte umstrittene Autoren wie Jean Genet und die moderne Kunst. Aus seiner Zeit stammen die Deckenmalereien in der Pariser Oper Garnier und im Théâtre de l’Odéon, die er jeweils bei Marc Chagall und André Masson in Auftrag gegeben hatte. Auf seine Initiative geht auch die berühmte Fondation Maeght, das Kunstparadies über den Dächern, Hügeln und Tälern der Côte d’ Azur mit Blick auf das Mittelmeer in Saint Paul de Vence, zurück.

Und Jack Lang? Der leitet heute das Institut du monde arabe in Paris und rief unter anderem 1982 die Fête de la Musique ins Leben und begleitete die Ära François Mitterrand mit einer so umfassenden kulturellen Tätigkeit, dass er auch Anteil an der architektonischen Umgestaltung von Paris hatte. So geht auf ihn die gläserne Pyramide am Louvre und der neue Triumphbogen „La Grande Arche“ in La Défense zurück. Im Rahmen der Dezentralisierung Frankreichs stieß er auch die Gründung zahlreicher Kulturhäuser in der Provinz an. Aber – einige Leser werden sich sicher noch erinnern –, er war es auch, der im schicksalsträchtigen Jahr 1989 die erfolgreiche Frankfurter Buchmesse eröffnete, ebenfalls mit dem Schwerpunkt Frankreich …

Françoise Nyssen über die Buchkultur heute

Und nun hat der neue französische Staatspräsident Emanuel Macron die in Brüssel geborene Françoise Nyssen zur Kulturministerin berufen. Die studierte Molekularbiologin hat ein besonderes Verhältnis zu Büchern. Nachdem sie den renommierten Verlag Actes Sud  nach dem Tod ihres Vaters in Arles übernommen hat, hat sie dort selbst auch selbst einige bedeutende Literaten gefördert und veröffentlicht: Autoren wie Paul Auster oder Goncourtpreisträger Mathias Enard, Philosophen wie Edgar Morin oder die Nobelpreisträger Imre Kertész und Swetlana Alexijewitsch, um nur einige zu nennen. Wir möchten Sie daher mit ihrem Statement vertraut machen, wie sie die Buchwelt als Teil der Kultur eingebettet sieht.                                                                                                     pk

Françoise Nyssen, die französische Kulturministerin, Foto: Didier Plowy  

„Kultur ist vollkommen sinnlos, wenn sie nicht dem bedingungslosen Willen entspricht, das Leben der Menschen zu verändern.“ Mit diesen Worten erinnert Romain Gary an die emanzipatorische Kraft der Kultur und ich greife sie gerne auf, um auf die besondere Stellung zu verweisen, die der Kultur in unserem Land zukommen soll. Getragen von politischen Impulsen muss Kultur alle Menschen erreichen, um den immensen Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Unsere Kultur ist über Jahrhunderte gewachsen. Wie könnten wir das Erbe unserer Denker, AutorInnen und KünstlerInnen vergessen, die der Stimme Frankreichs und unseren Talenten über unsere Grenzen hinaus immer wieder Gehör verliehen haben? Es ist unsere Pflicht, diesen Reichtum weiter zu geben, damit die jüngeren Generationen aus ihm schöpfen können, um diese gemeinsame Geschichte fortzuschreiben.

Kultur ist nicht das ewige Memorieren einer glorreichen Vergangenheit, sondern sie schreibt unsere Gegenwart und sie ist die Wegbereiterin unserer Zukunft. In den kreativen Neuschöpfungen unserer Künstler entsteht jeden Tag die Zukunft unseres Landes. Sie sollen in ihrer ganzen Vielfalt von allen geteilt werden können. Daher freue ich mich, dass die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr den französischen Sprachraum und einige Schwerpunkte seines Facettenreichtums würdigt.

Diese Sprache, die unser gemeinsames Erbe darstellt und die uns allen eigen ist, steht ihrem Wesen nach für Offenheit, Geselligkeit und schöpferische Kraft. „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“ ist ein Fest des Buchs, der Büchermenschen und der AutorInnen – aber auch eine gute Gelegenheit, um über die Rolle der Kultur bei der Stärkung der deutsch-französischen, ja der europäischen Beziehungen nachzudenken.

Kultur ist das beste Gegenmittel gegen Intoleranz und Fanatismus. Sie ist ein grundlegender Raum der Begegnung, des Austauschs und der Diskussion. Räumen wir ihr also die ihr zustehende Bedeutung in einem Europa ein, wie wir es uns wünschen: stark, großzügig und bereit für die Herausforderungen der Zukunft.

Dieses kulturelle Europa kann nur durch eine gemeinsame Vision entstehen. Die Kraft der deutsch-französischen Beziehungen bleibt der Grundstein dieses Bestrebens. Mein Wunsch ist es, dass wir die Zusammenarbeit und den kulturellen Austausch zwischen unseren beiden Ländern verstärken. Ich denke dabei nicht zuletzt an unsere übereinstimmenden Standpunkte im Bereich der Buchpolitik, die wir heute in Zeiten, in denen in Europa grundlegende Debatten im Gange sind, bekräftigen müssen.

Diese Zusammenarbeit müssen wir stärken. Mehr denn je ist es unsere Pflicht, gemeinsam Meinungs- und Schaffensfreiheit, die Stärkung der Urheberrechte und der kulturellen Vielfalt in einer offenen Welt zu verteidigen.

Für Frankreich und das französische Kulturministerium ist es eine große Ehre und zugleich eine einzigartige Herausforderung, gemeinsam mit unseren deutschen Partnern diese gemeinsame Vision mit Nachdruck zu verfolgen: Mit ihr können wir ein Europa der Kulturen schaffen, in dem das Buch die ihm gebührende Rolle einnimmt.

Je vous écris d’Europe  – Ich schreibe Euch aus Europa 

Am Sonntag, den 8. Oktober geht es bereits los um 11 Uhr los mit Podiumsdiskussionen auf französisch und deutsch, mit Übersetzung, zum Thema Je vous écris d’Europe im Haus am Dom. Persönlichkeiten aus den Bereichen Literatur, Illustration, Geschichte und Philosophie erzählen, was man in Europa erlebt, schreibt, denkt, woran man sich erinnert und was man vergisst.

11h00 ERÖFFNUNG

11h30 -13h00 PODIUMSDISKUSSIONEN

Die europäische Freundschaft

Der deutsche Regisseur Thomas Ostermeier empfängt denSchriftsteller, Dichter, Übersetzer und Dramaturgen Olivier Cadiot, mit dem er bereits mehrfach zusammengearbeitet hat, zu einem Austausch über die europäische Freundschaft. Oder muss man sie immer noch und immer wieder erfinden ? Mit: Thomas Ostermeier, Olivier Cadiot

12h00 -13h00 

D’autres vies que les nôtres –  Vom Leben und von verschiedenen Leben erzählen, in Büchern und durch Bücher. Wenn der Roman und die Erzählung die Gesellschaft herausfordern. Mit: Christophe Boltanski, Marie Darrieussecq, Maylis de Kérangal, Anna Kim

14h30 -15h30 

Literatur wozu? Die Welt hat sich verändert, die Literatur ist am Ende. Stimmt das? Und was wäre, wenn wir die Lage nutzten, um Konzepte des Schreibens, der Belletristik, der Literatur zu überdenken ? Mit: Olivier Cadiot, Bruno Latour, Moderation: Frédéric Boyer

15h30-17h00 

Die Gespenster Europas: Begegnungen, Freundschaften, Austausch, Übersetzungen, aber auch Kriege, Massaker, Lager… Europa ist ein heimgesuchter Kontinent. Haben seine Gespenster uns noch etwas zu sagen ? Mit: Mickaël Foessel, Jérôme Ferrari, Cécile Wajsbrot, Markus Messling

15h30-17h00 

Reiseliteratur Literatur entsteht oft aus Reisen und Ortswechseln, und sie kann unseren Blick auf die anderen, die Welt und unsere Umgebung verändern. Mit: Laurent Gaudé, Jean-Christophe Bailly, Céline Minard

16h00-17h00 AUTORENDUO

Jugendbuch: Französisch-deutscher Dialog zwischen den Jugendbuchautoren Jean-Claude Mourlevat und Jörg Mühle nach ihrer gemeinsamen Teilnahme an einem Austauschprogramm. Mit: Jean-Claude Mourlevat, Jörg Mühle

17h00-18h30

Wo sind die „großen Ideen” und die Intellektuellen geblieben? Müssen wir um die großen Ideen trauern und uns resigniert vom Universalgelehrten verabschieden, einem Konzept, das Europa erfunden und gefeiert hat ? Wir wetten, dass diese Frauen und Männer noch nicht vollkommen verschwunden sind. Mit: Laurent Jeanpierre, Peter Engelmann, Martin Saar, Bénédicte Savoy (angefragt) Moderation: Markus Messling

17h00 -18h30 

Die Nacht der Ignoranz Welchen Platz haben Religionen im heutigen Europa und wie werden sie wahrgenommen ? Lässt sich die „Nacht der Ignoranz“, die sich über uns legt, mittels Literatur und Sprache abwenden? Mit: Rachid Benzine, Thomas Römer, Bruno Latour

19h00

Held(inn)en. VERNISSAGE Seit mehr als 180 Jahren spielen überwiegend männliche Helden die Hauptrolle im Comic. Deswegen haben sich auf Initiative von Lyon BD und von Jean Christophe Deveney sich etwa zwanzig Comic-Autoren ein Konzept ausgedacht, das dieses Thema aufgreift und zum Nachdenken anregt. Anlässlich dieser Ausstellung präsentiert die deutsche Autorin Birgit Weyhe ein neues, unveröffentlichtes Werk. Ausstellung 9.10 -12.11.17 im HAUS AM DOM, Domplatz 3, 60311 Frankfurt a. M. www.hausamdom@bistumlimburg.de

 

Weitere Infos über „Francfort en français“
in Feuilletonfrankfurt:

→  Paul de Sinety, dem französischen Commissaire Général der Buchmesse

→ Pierre Monnet – Leiter des Institut franςais Franco-Allemand de sciences historiques et sociales (IFRA-SHS)

Tanguy Viel und „Le silence de la mer“ – Eine Buchhandlung

→ Struwwelpeter recoiffé“ im Frankfurter Struwwelpeter-Museum

→  Der französische Wort-Schrift-Künstler

→ Joachim Gaucks Ehrung in Paris

→ http://www.feuilletonfrankfurt.de/2017/04/26/franzoesischer-abend-des-international-womens-club-of-frankfurt/

→ http://www.feuilletonfrankfurt.de/2017/04/07/francfort-en-francais-frankfurt-auf-franzoesisch-/

→ Märchenerzähler – Von Charles Perrault zu den Brüdern Grimm

→ http://www.feuilletonfrankfurt.de/2017/08/09/francfort-en-francais-frankfurt-auf-franzoesisch/

Pierre Monnet – Leiter des Institut franςais Franco-Allemand de sciences historiques et sociales (IFRA-SHS)

2017, August 28.

↑ Heute liegt das Institut Franco-Allemand de sciences historiques et sociales (IFRA-SHS) auf dem Campus und kooperiert mit der Goethe-Universität

Wanderer zwischen den Welten

Für den heutigen Leiter des Institut Franco-Allemand de sciences historiques et sociales (IFRA-SHS) in Frankfurt, Prof. Pierre Monnet, ist es nach 28 Jahren die zweite Frankfurter Buchmesse, die Frankreich zum Schwerpunktthema hat. Seinerzeit konnte der Franzose noch seinen zweijährigen Zivildienst im damaligen Institut franςais absolvieren und dort als Referent für Buch- und Verlagswesen mit dem ehemaligen Institutsleiter Alain Lance das Schwerpunktthema der Buchmesse vorbereiten. Lance wiederum, auch als Übersetzer und Schriftsteller bekannt, leitete später u. a. , von 1985 bis 1991, das Pariser „Maison des écrivains et de la littérature“ (Literaturhaus). FeuilletonFrankfurt wollte wissen, was heute anders ist und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zwischen den europäischen Nachbarn gibt. Das Ergebnis des Gesprächs fasst Petra Kammann zusammen.

Prof. Dr. Pierre Monnet, Leiter des Institut Franco-Allemand de sciences historiques et sociales (IFRA-SHS) pendelt zwischen Paris und Frankfurt

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Interview mit Paul de Sinety, dem französischen Commissaire Général der Buchmesse

2017, Juni 18.

En marche: Die französische Sprache, die Gastfreundschaft und die Geselligkeit

Vom 11. bis zum 15. Oktober 2017 wird Frankreich Ehrengast der 69. Frankfurter Buchmesse sein. Dieser Auftritt Frankreichs auf der Frankfurter Buchmesse bildet den Höhepunkt eines französischen Kulturjahrs in ganz Deutschland mit einem vielfältigen und spartenübergreifenden Programm. Ein FeuilletonFrankfurt-Gespräch mit Paul de Sinety, dem Verantwortlichen für das Gastland Frankreich auf der kommenden Frankfurter Buchmesse und eine Vorschau auf das, was uns im Herbst erwartet.

Von Petra Kammann

Petra Kammann: Sie sind Generalkommissar für das Ehrengastland Frankreich der kommenden Frankfurter Buchmesse. In Deutschland ist Paul de Sinety noch nicht ganz so bekannt wie der neue Präsident Emmanuel Macron. Daher meine erste Frage: Wer eigentlich ist Paul de Sinety und was hat ihn motiviert, dieses Amt zu übernehmen in einer Zeit, die politisch nicht ganz unkompliziert war, zumal doch Europa und die deutsch-französische Freundschaft fast schon auf der Kippe zu stehen schienen? 

Paul de Sinety: In den letzten zehn Jahren habe ich die Förderung des französischen Buches auf internationaler Ebene betrieben. Zuletzt war ich als Berater für Kultur in Marokko verantwortlich. Zu dem Zeitpunkt, als die Entscheidung fiel, dass Frankreich das Gastland der Frankfurter Buchmesse sein würde, ist der damalige Premierminister auf mich zugekommen und hat mich gebeten, mich um das Programm zu kümmern.

Was heißt: Sie waren Berater? Was genau haben Sie gemacht? Und welche Auswirkung hat das auf Ihre jetzige Tätigkeit als Kurator des Frankreichthemas auf der Buchmesse? 

Ich habe die verschiedensten Veranstaltungen mit Autoren und anderen Intellektuellen organisiert. Und das eben auch international. So bin ich beispielsweise mit rund 40 französischen Schriftstellern quer durch Russland gereist, in einem Zug von Moskau nach Wladiwostok, wo ich dann jeweils intellektuelle Debatten organisiert habe. Etwas Ähnliches habe ich eben auch in New York oder in Los Angeles oder auch in Peking betrieben. Bei dieser internationalen Arbeit, die mit der Vermittlung französischer Literatur und Sprache zusammenhing, ist mir bewusst geworden, was es mit der Frankophonie auf sich hat, vor allem zuletzt in Marokko. Daneben habe ich die französischen Autoren und literarischen Strömungen ebenso kennengelernt wie die Verlegerszene oder auch die Kultur der Diplomatie. Wenn also bei der Buchmesse in Frankfurt die französische Sprache im Mittelpunkt stehen soll, sind die verschiedenen Facetten der Sprache und ihre vielfältigen Dimensionen zu beachten.

Auf einer Messe geht es natürlich auch um den wirtschaftlichen Aspekt. Erst dann um die Förderung der Literatur… Weiterlesen