home

FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Alle Artikel zu Skulptur

„1 + 1 = 3“ und „Tokonoma“: Heide Weidele und Andreas Gärtner im Deutschen Werkbund Hessen

Mittwoch, 7. Dezember 2016

„1 + 1 = 3“ – so lautet ein Ausstellungsformat des Deutschen Werkbundes Hessen. Naturwissenschaftern, namentlich Mathematikern, stünden natürlich bei dieser Formel die Haare zu Berge, aber in der freien, schönen, bildenden Kunst ist alles möglich. Wir begaben uns deshalb – um das mathematisch scheinbar Unmögliche zu studieren – zum Hessischen Werkbund in die Frankfurter Inheidener Strasse, zur Ausstellung von Heide Weidele und Andreas Gärtner mit dem Titel „Tokonoma“. Und staunten nicht schlecht: Sie stimmt tatsächlich, die Formel „1 + 1 = 3“. Wieso? Ganz einfach: Zwei Künstler, die sich mit ihren so unterschiedlichen und doch miteinander korrespondierenden Arbeiten in einer solchen Ausstellung zusammenfinden, erschaffen ein Neues, ein Drittes eben. Kunst schlägt Mathematik.

l1340408-450

↑ Heide Weidele, gelbes ding, 2016, Plastikteile, Spanngurte, Höhe 175 cm, Durchmesser ca. 55 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn
↓ Heide Weidele, ikebana, 2016, Plastikteile, Stoff, Hocker, Höhe 140 cm, Durchmesser ca. 100 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn ;
im Hintergrund: Andreas Gärtner, Untitled, 2014, Malerei, Acryl, Gesso, Gouache, Klebstoff, Sprühfarbe, Papier auf Baumwolle, 85 x 95 cm

ikebana-b-450 Weiterlesen

„ars viva“-Preisträger 2013/2014 im MMK-Zollamt

Donnerstag, 6. März 2014

„Wahrheit / Wirklichkeit“:
Björn Braun, John Skoog und Adrian Williams

In den fünf Sparten Architektur, Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Literatur und Musik fördert der 1951 gegründete „Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V.“ Nachwuchskünstlerinnen und -künstler mit jungen, noch unbekannten Positionen. Im Bereich der Bildenden Kunst ging der mit jeweils 5000 Euro dotierte „ars viva“-Preis 2013/2014 an Björn Braun, John Skoog und Adrian Williams. Unter dem Motto „Wahrheit/Wirklichkeit“ wurden von entsprechenden Fachkreisen 59 Künstlerinnen und Künstler vorgeschlagen, von denen zwölf in die Runde der Finalisten gelangten. Mit dem Preis sind drei Ausstellungen in namhaften Museen verbunden: dieses Mal im Neuen Museum Weimar  (bis Januar 2014), derzeit im MMK-Zollamt und anschliessend (Juni bis September 2014) in der Galleria civica d’arte moderna e contemporanea Torino GAM.

L1190496A-430

Stephan Frucht, Geschäftsführer des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI, Bernd Reiß, MMK-Kurator und Mitglied der Jury, MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer am 8. Februar 2014 in der Pressekonferenz

Zur Entscheidung für die Preisträger zitieren wir den Vorsitzenden des Gremiums Bildende Kunst im Kulturkreis der deutschen Wirtschaft, Ulrich Sauerwein: „Die diesjährigen Preisträger setzen sich in ihren Werken auf sehr unterschiedliche und feinsinnige Art und Weise mit der Relation des Individuums zur Welt auseinander Weiterlesen

„Arte Essenziale“ im Frankfurter Kunstverein

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Gemeinschaftsausstellung mit der italienischen Collezione Maramotti

Über die Weihnachtstage waren wir zu Gast im Städel Museum, bei den Alten Meistern, genauer gesagt bei drei Madonnendarstellungen. Nun naht das „Neue Jahr“, und nicht nur deshalb begeben wir uns zu „neuer Kunst“, genauer gesagt zu zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, deren Arbeiten der Frankfurter Kunstverein unter dem Titel „Arte Essenziale“ präsentiert – noch bis einschliesslich 1. Januar 2012. Es sind also nur noch ein paar Tage Zeit, genug jedoch, diese überaus sehenswerte – wenn auch etwas anstrengende – Ausstellung zu besuchen.

Arte essenziale – essenzielle, also grundlegende, wesentliche, unabdingbare Kunst? Was ist das?

Zunächst einmal gilt es, betont Holger Kube Ventura, Direktor des Kunstvereins, sehr genau hinzusehen auf das, was vor uns liegt, also das Material zu erforschen und zu definieren, um als Betrachter die Materialität der Objekte als Kunstwerke in ihrem räumlichen und zeitlichen Kontext zu erfassen, zu verstehen und auch zu hinterfragen. Federico Ferrari, Professor für Philosophie der Kunst an der renommierten Mailänder Accademia di belle Arti di Brera und Kurator der gemeinsam mit der Collezione Maramotti realisierten Ausstellung, auf den der Begriff Arte essenziale zurückgeht, sucht nach dem „Ursprung künstlerischer Praxis unter besondere Berücksichtigung des Wesens der künstlerischen Geste“. Er misst dabei dem künstlerischen Ausgangsmaterial eine entscheidende Bedeutung zu. Alltägliche, banale Materialien (wir denken an die Arte povera) können dabei zu „symbolisch aufgeladenen“ Materialien wie zum Beispiel Marmor oder Bronze in Beziehung treten und einen neuen Sinnzusammenhang erschliessen.

Weiterlesen

„Blickachsen 10“ in Bad Homburg und Rhein-Main (9)

Dienstag, 22. September 2015

Peter Rogiers: „Wild Boys & Girls“

Es war bereits beim Aufbau leicht erkennbar: es wird ein Sockelwerk!

L1250473-600

Aber steht der Sockel nicht ein wenig schief? Nein, eine Täuschung, durch die besondere Position der eigentlichen Skulptur auf dem Sockel, wenn man vor der Arbeit steht.

L1270408-500

Wild Boys & Girls, 2013, Aluminiumguss, Betonsockel, 178 x 65 x 84 cm Weiterlesen

„Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (11)

Mittwoch, 30. September 2015

Bart Van Dijck: „De dood van Jacob Van Artevelde“

Das recht umfangreiche, oft erzählerische Werk Bart Van Dijcks (1974 im belgisch-flandrischen Bonheiden geboren) – es umfasst Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien, Videos und Performances – lässt sich nicht so ganz einfach erschliessen, umfasst es doch manche Volkstraditionen, Rituale und kulturelle Identitäten, die nicht jeder Betrachter kennen kann. Seine im Bad Homburger Schlossgarten installierte Arbeit bezieht sich auf den flandrischen Freiheitskämpfer Jacob Van Artevelde, um 1290 in Gent geboren, woselbst er 1345 ermordet wurde. Der Protagonist spielte im anglo-französischen, sogenannten Hundertjährigen Krieg eine nicht unumstrittene Rolle zwischen den beiden rivalisierenden Mächten. Die Stadt Gent setzte ihm 1863 – in der Zeit nationalistischer Strömungen also – auf dem Freitagsmarkt ein imposantes Denkmal.

20110410_Gent_(0093)-450

Jacob Van Artevelde: Denkmal auf dem Freitagsmarkt in Gent; Foto: Donar Reiskoffer/wikimedia commons GFDL

Im Schlossgarten, an der mächtigen, 1822 gepflanzten, heute über 20 Meter hohen und über 35 Meter ausladenden, dem Landgrafen Friederich VI. Joseph vom Duke of Cambridge geschenkten Libanonzeder lehnt der ermordete Jacob Van Artevelde – nein, das tut er natürlich nicht, es ist eine Puppe, die der Künstler an den weit über Bad Homburg hinaus bekannten, berühmten Baum legt.

L1270338-450

De dood van Jacob Van Artevelde, 2008, Polyurethan, Vubonite, Rindsleder, Epoxidharz, 100 x 106 x 260 cm Weiterlesen