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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Bildende Künste

„Rubens. Kraft der Verwandlung“ im Städel – faszinierender Blick auf Meisterwerke des Barock

2018, Februar 16.

Großmeister der kreativen Neuinterpretation – farbstarke Gemälde von sinnlicher Fülle und überwältigender Vitalität

Von Hans-Bernd Heier

Peter Paul Rubens hat die europäische Barockmalerei geprägt wie kaum ein anderer Künstler. Er war bereits im 17. Jahrhundert ein „Star“. Seine meist großformatigen, farbstarken Bilder von sinnlicher Fülle und überwältigender Vitalität sind in aller Welt gezeigt worden. Seine „Sex and Crime“-Darstellungen haben auch in den letzten Jahrzehnten ein Millionenpublikum angelockt. Das Städel Museum rückt in der gerade eröffneten großen Schau „Rubens. Kraft der Verwandlung“ erstmals einen anderen, ebenso faszinierenden Aspekt von Rubens‘ künstlerischer Bedeutung in den Fokus: Das flämische Malergenie war ein Meister der kreativen Neuinterpretation. Seinen Ruhm verdankt er einem einfachen Erfolgsrezept: Für die eigenen Bilderfindungen ließ er sich von Kunstwerken aus der Antike und Renaissance inspirieren und trat mit ihnen in einen intensiven Dialog.

Peter Paul Rubens „Das Urteil des Paris“, um 1639, Öl auf Leinwand, 199 x 381 cm; Madrid, Museo National del Prado

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Städelschule: Rundgang 2018 (4)

2018, Februar 15.

Künstlerdasein im Prekariat –
Sehnsuchtsblick aufs Städel

Von Erhard Metz

Vier wunderbare Arbeiten, denen wir unseren eigenen Preis zugesprochen hätten, greifen wir aus dem diesjährigen Rundgang durch die Städelschule heraus.

Unlängst, Ende Januar, diskutierten der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann und drei Mitbewerberinnen um dieses Amt im Ausstellungsraum Eulengasse mit Künstlerinnen und Künstlern über deren existentielle Situation in Frankfurt am Main. Ganz im Vordergrund standen dabei die für die meisten kaum mehr erschwinglich hohe Mieten für Ateliers und Wohnungen, ferner die notwendige Künstlerförderung wie auch eine Gründerhilfe beim Aufbau einer künstlerischen Existenz. Vier Studierende der Städelschule gaben in der jüngsten Rundgangsveranstaltung, so meinen wir, je nach Temperament und Inspiration ungewollt eine künstlerische Antwort darauf – mal deftig-sarkastisch, mal romantisch-poetisch.

Janusch Ertler, Kiste 1

Janusch Ertler baut im Zentrum der Lichthalle ein geniales Künstler-Einraum-Wohnschlaf-Atelier, ein fünf bis sechs Quadratmeter kleines „Zimmer“ (in Frankfurt für wieviel hundert Euro Miete monatlich?) sollte dafür reichen. Das – nicht ohne Ironie – fein säuberlich bezogene Bett fährt in den All-in-one-Atelierarbeitstisch ein, in den Bettschubladen lagern die fertigen wie unfertigen Arbeiten. Wenn er im Herbst sein Studium beendet haben werde, sagt der Künstlerstudent, werde er zunächst in solchen Umständen leben und arbeiten müssen. Und wiederum von feiner Ironie: Das Kunstwerk ist aus wertvollen Materialien handwerklich meisterhaft gearbeitet: aus afrikanischem Mahagonie und sibirischer Lärche.

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Städelschule: Rundgang 2018 (3)

2018, Februar 12.

Rundgangpreise 2018

Von Erhard Metz

Es fügte sich nun einmal, dass die am vergangenen Freitag für 18 Uhr ausgelobte – wie es hieß „feierliche“ – Eröffnung der Rundgangsveranstaltung durch die Städelschule mit der Verleihung der Rundgangpreise dieses Jahr in die „tollen Tage“ der karnevalistisch-närrischen Hoch-Zeit fiel. Und so schöpften wir zunächst einen dahin gehenden Verdacht, dass es angesichts dieses besonderen Umstands zu einem eben karnevalistisch orientierten Ablauf der Feier in der Mensa des Schulgebäudes kommen werde, als gegen 17 Uhr dort noch keinerlei Anzeichen irgendeiner Vorbereitung auf die für Preisstifter wie Städelschulstudierende beidermaßen bedeutsame Veranstaltung getroffen waren – als da wären Aufstellung einer größeren Stuhlreihe für die Repräsentanten von Sponsoren und Hochschule, Einrichtung und zumindest minimale Dekoration eines Podiums für die Ansprachen sowie einer angemessenen Übertragungsanlage (Mikrofon, Verstärker, Lautsprecher), wie dies in all den Jahren zuvor der Fall war. Nun, es wurde bereits 17.30 Uhr und darüber hinaus, die Mensa füllte sich minütlich, aber die erwarteten Anzeichen der erwähnten Art blieben aus. Man fragte sich: War eine künstlerische Aktion geplant, etwa ein Happening guter alter Art? Weiter nun, so gegen 17.45 Uhr, wurden erstmals erkennbar auch die Städelschuloberen des Problems gewahr, dass da irgend etwas nicht stimmte bzw. fehlte. Et voilà, schwuppdiwupp, stürzten hilfreich tätige Personen herbei, das Vermisste zumindest notdürftig zu etablieren, so dass es mit hinnehmbarer Verspätung endlich losgehen konnte. Wie auch immer: eine schöne Slapstick-Einlage – und wie sagt der karnevalistisch gestimmte Kölner: Et hätt noch immer jot jejange!

Das charmante Moderatorenpaar Viviana Abelson und John Ryaner Weiterlesen

Städelschule: Rundgang 2018 (2)

2018, Februar 10.

Von Erhard Metz

Hat eine Rundgangsveranstaltung der Frankfurter Hochschule für Bildende Künste – Städelschule – nun (endlich) mal einen Skandal?

„Frankfurter Hauptschule (FHS) is an art collective affiliated with the Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt am Main in Germany. Since 2013, they explore the frontiers of art and pain within the public sphere, (social) media and art spaces“ ist auf der Website der „Frankfurter Hauptschule“ zu lesen. Wer sie aufruft, weiß damit sofort, worum es dem Künstlerkollektiv – zumindest auch – geht: um Anstoß zu erregen, um Provokation, um das Ausloten von Grenzen nicht nur der Kunst, sondern auch des Rechtsstaats. Bekannt wurde das Kollektiv bereits durch mehrere spektakuläre Aktionen am Rande der Legalität wie beispielweise die Verbreitung (vielleicht nicht dem einschlägigen Bayreuth-Pubkikum, aber jedem genauer Hinschauenden) erkennbar gefälschter Eintrittskarten für die Bayreuther Festspiele, um ein Zeichen der Kritik zu setzen an manchen als antisemitisch kritisierten Aussagen Richard Wagners. Wer sich also das Kollektiv sozusagen ins Haus holt, muss wissen, was auf ihn zukommt.

Worum geht es? Um dieses gleich an der Einfahrt zur Städelschule unübersehbar aufgestellte Objekt:

Ein demolierter und ausgebrannter – vermeintlicher – Streifenwagen der Polizei; Foto: Erhard Metz

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Städelschule: Rundgang 2018

2018, Februar 8.

Jahresausstellung der Studierenden der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule –

Von Erhard Metz

Das diesjährige Rundgangsplakat; Design © Mahya Ketabchi, 2018, Bildnachweis: Städelschule

Einmal im Jahr öffnet die 1817 gegründete Hochschule für Bildende Künste – Städelschule – ihre Ausbildungsräume und Ateliers für die Öffentlichkeit zu den sogenannten Rundgängen, am kommenden Samstag, 10. Februar, und Sonntag, 11. Februar 2018, jeweils von 10 Uhr bis 20 Uhr. Bereits am morgigen Freitag kann das interessierte Publikum noch vor der abendlichen Eröffnungsveranstaltung einen entsprechenden „Schnuppergang“ unternehmen. Die Studierenden der international renommierten Professorinnen und Professoren Monika Baer, Johan Bettum, Peter Fischli, Douglas Gordon, Judith Hopf, Tobias Rehberger, Willem de Rooij, Amy Sillman und Haegue Yang gewähren einen Einblick in ihre Klassenateliers und Praxisräume in den beiden Hauptgebäuden Dürerstraße 10 und Daimlerstraße 32 und präsentieren dazu natürlich ihre aktuellen Arbeiten. Der Studiengang Curatorial Studies hat ein Programm von Vorträgen und Gesprächen in der Aula zusammengestellt. Die Film- und Videoarbeiten werden im Deutschen Filmmuseum gezeigt, der Master-Studiengang Architektur präsentiert aktuelle Projekte in den Klassenräumen im Gebäude Dürerstraße 24.

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Vivace – Inge Kerstings Arbeiten im Nebbienschen Gartenhaus

2018, Februar 4.

Lob des Lebens und Reminiszenzen auf die „Serenissima“

Von Hanneke Heinemann

Traces III, Aquarell

Blass-grün-blaue Bilder, organische Formen mit Symbolen und Schriftzügen, Kügelchen, die sich zu Ketten und lebhaften Grüppchen formen, Öffnungen, die einen wie Augen anschauen und immer wieder Grün und Orange als vitale Farben – die Bilder der Ausstellung sind gar nicht so winterlich, wie man es vielleicht hätte erwarten können.

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Barbara und Michael Leisgens „Mimetische Landschaften 1971 – 1975“

2018, Februar 3.

LICHT-SPUREN UND LANDSCHAFTEN

Fiktive Bewegungen mit der Natur

Künstlertalk mit Michael Leisgen in der Galerie Strelow

von Petra Kammann

Es war „der erste Künstlertalk ohne Barbara“, sagte Heike Strelow, als sie in ihrer Galerie in der Schwedlerstraße mit Michael Leisgen ins Gespräch kam und ihn sowie die Arbeiten „Mimetische Landschaften“, Schwarz-weiß-Arbeiten des Künstlerduos aus den 1970er Jahren, vorstellte. Denn Barbara Leisgen – auch wesentlicher Bestandteil und Akteurin des gemeinsamen fotografischen Werks – ist im vergangenen Jahr gestorben. Ein Verlust, der doppelt zählen dürfte…

Michael Leisgen vor der Arbeit „Wolke“ von 1972, 80 x 120 cm, s/w Fotografie Silber Gelatine auf barytiertem Papier (Ilford FB) Auflage 3/3 Exemplaren, kaschiert auf Dibond, Holzrahmen seidenmatt Schwarz, Mirogard – Museumsglas, Foto: Petra Kammann

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Wahlprüfsteine „Bildende Künstlerinnen und Künstler“ im Ausstellungsraum Eulengasse (2)

2018, Januar 31.

Von Erhard Metz

40 Sitz- und noch einmal gefühlte 40 oder mehr Stehplätze, die räumlichen Kapazitäten so restlos erschöpft wie die Raumluft, denn es wurde wie erwartet „gemütlich warm“ im Ausstellungsraum Eulengasse, und zur allgemeinen Erwärmung trugen auch die engagiert vorgetragenen Diskussionsbeiträge der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler und sonstigen Personen aus dem Kreis der Kulturschaffenden bei. Es ging, um dies in Erinnerung zu rufen, um den Stand sowie den Stellenwert der freien, nicht institutionellen Kunstszene vor allem in der Stadt Frankfurt – im Vorfeld der bekanntlich für Ende Februar bzw. Anfang März (Stichwahl) anstehenden Wahl des Oberbürgermeisters. Dazu sollten „Wahlprüfsteine“ erarbeitet werden, zu denen sich die zur Wahl kandidierenden Persönlichkeiten äußern sollten.

(v.l.) Hanneke Heinemann, Felicia Herrschaft, Oberbürgermeister Peter Feldmann, Nargess Eskandari-Grünberg, Janine Wissler und Harald Etzemüller; Foto: Erhard Metz Weiterlesen

„Wir brauchen eine zweite Aufklärung.“ – Ein Gespräch mit der Frankfurter Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig

2018, Januar 29.

Für das FeuilletonFrankfurt traf Petra Kammann die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt Dr. Ina Hartwig zu einem Gespräch.

Petra Kammann: Sie waren in kurzer Zeit mit dem Fortgang starker Kulturpersönlichkeiten konfrontiert: Der erfolgreiche Städeldirektor Hollein ging nach Kalifornien, die renommierte Susanne Gaensheimer vom MMK verließ Frankfurt in Richtung Düsseldorf, Claudia Dillmann vom Deutschen Filmmuseum trat früher als erwartet in den Ruhestand, und Prof. Dr. Niekisch schied nach fast zehn Jahren an der Zoospitze aus seinem Amt aus – lauter Abgänge von Schwergewichten.

Ina Hartwig: Holleins Weggang fiel noch in die Amtszeit meines Vorgängers. Aber Sie haben recht, er war ein sehr starker Städel-Direktor. Über die Berufung seines Nachfolgers, des von mir sehr geschätzten Philipp Demandt, habe nicht ich befunden, sondern die Städel-Administration, denn das Städelsche Kunstinstitut ist nicht städtisch. Generell gesagt, ist es mir glücklicherweise gelungen, exzellente Neubesetzungen durchzuführen und Persönlichkeiten mit großer Expertise, Kraft und Ausstrahlung, die zudem weltweit vernetzt sind, nach Frankfurt zu holen. Ich habe mit Susanne Pfeffer für das MMK, Dr. Wolfgang David für das Archäologische Museum, Ellen M. Harrington aus Los Angeles für das Deutsche Filmmuseum und den Spanier Dr. Miguel Casares als neuen Leiter für den Zoo Frankfurt großartige Direktorinnen und Direktoren gewonnen. Damit haben wir einen Generationenwechsel eingeleitet, und ich bin nun sehr gespannt auf neue Ideen und Impulse.

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Götter der Etrusker – Ausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt

2018, Januar 28.

Zwischen Himmel und Unterwelt

Text und Fotos von Renate Feyerbacher

Die letzte Etrusker-Ausstellung in Frankfurt liegt fast 30 Jahre zurück. Noch länger zurück liegt mein Besuch in dem einst etruskischen Ort Velathri, heute Volterra. Ich kann mich noch gut erinnern an den „Abendschatten“ im Museo Etrusco Guarnacci, der mich begeistert hatte. Dieses Museum, das Museo Archeologico Nazionale in Florenz und andere italienische Museen haben nun Prachtstücke für die Frankfurter Ausstellung zur Verfügung gestellt. Und auch das Frankfurter Haus zeigt erstmals seine etruskischen Schätze. Eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung, die noch  bis zum  4. Februar geht.

Gorgonenkopfantefix aus Capua – Terrakotta 6. Jh. v. Chr. in Frankfurt

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