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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

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Interview mit Paul de Sinety, dem französischen Commissaire General der Buchmesse

2017, Juni 18.

En marche: Die französische Sprache, die Gastfreundschaft und die Geselligkeit

Vom 11. bis zum 15. Oktober 2017 wird Frankreich Ehrengast der 69. Frankfurter Buchmesse sein. Dieser Auftritt Frankreichs auf der Frankfurter Buchmesse bildet den Höhepunkt eines französischen Kulturjahrs in ganz Deutschland mit einem vielfältigen und spartenübergreifenden Programm. Ein FeuilletonFrankfurt-Gespräch mit Paul de Sinety, dem Verantwortlichen für das Gastland Frankreich auf der kommenden Frankfurter Buchmesse und eine Vorschau auf das, was uns im Herbst erwartet.

Von Petra Kammann

Petra Kammann: Sie sind Generalkommissar für das Ehrengastland Frankreich der kommenden Frankfurter Buchmesse. In Deutschland ist Paul de Sinety noch nicht ganz so bekannt wie der neue Präsident Emmanuel Macron. Daher meine erste Frage: Wer eigentlich ist Paul de Sinety und was hat ihn motiviert, dieses Amt zu übernehmen in einer Zeit, die politisch nicht ganz unkompliziert war, zumal doch Europa und die deutsch-französische Freundschaft fast schon auf der Kippe zu stehen schienen? 

Paul de Sinety: In den letzten zehn Jahren habe ich die Förderung des französischen Buches auf internationaler Ebene betrieben. Zuletzt war ich als Berater für Kultur in Marokko verantwortlich. Zu dem Zeitpunkt, als die Entscheidung fiel, dass Frankreich das Gastland der Frankfurter Buchmesse sein würde, ist der damalige Premierminister auf mich zugekommen und hat mich gebeten, mich um das Programm zu kümmern.

Was heißt: Sie waren Berater? Was genau haben Sie gemacht? Und welche Auswirkung hat das auf Ihre jetzige Tätigkeit als Kurator des Frankreichthemas auf der Buchmesse? 

Ich habe die verschiedensten Veranstaltungen mit Autoren und anderen Intellektuellen organisiert. Und das eben auch international. So bin ich beispielsweise mit rund 40 französischen Schriftstellern quer durch Russland gereist, in einem Zug von Moskau nach Wladiwostok, wo ich dann jeweils intellektuelle Debatten organisiert habe. Etwas Ähnliches habe ich eben auch in New York oder in Los Angeles oder auch in Peking betrieben. Bei dieser internationalen Arbeit, die mit der Vermittlung französischer Literatur und Sprache zusammenhing, ist mir bewusst geworden, was es mit der Frankophonie auf sich hat, vor allem zuletzt in Marokko. Daneben habe ich die französischen Autoren und literarischen Strömungen ebenso kennengelernt wie die Verlegerszene oder auch die Kultur der Diplomatie. Wenn also bei der Buchmesse in Frankfurt die französische Sprache im Mittelpunkt stehen soll, sind die verschiedenen Facetten der Sprache und ihre vielfältigen Dimensionen zu beachten.

Auf einer Messe geht es natürlich auch um den wirtschaftlichen Aspekt. Erst dann um die Förderung der Literatur… Weiterlesen

Alfred Grossers Lob für Petra Roth

2017, Juni 10.

Wieder einmal war die Paulskirche das Zentrum einer intensiven Begegnung der zivilen Stadtgesellschaft. Die Stadt, vertreten durch Oberbürgermeister Peter Feldmann, verlieh der ehemaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth (1995 – 2012) das Ehrenbürgerrecht. Roth ist die zweite Frau, der seit 1795 diese Würde zuteil wurde; im vergangenen Jahr war die ebenfalls anwesende Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn zur ersten Ehrenbürgerin ernannt worden. Die Laudatio auf die sichtlich bewegte Petra Roth hielt Alfred Grosser, der in Paris lebende gebürtige Frankfurter, der französische Politologe und Friedenspreisträger, die FeuilletonFrankfurt im Folgenden veröffentlicht.

Erste Reihe der gefüllten Paulskirche: v.l.n.r. Ehrenbürgerin Petra Roth, OB Peter Feldmann und Laudator Alfred Grosser. Fotos: Petra Kammann

ALFRED GROSSERS LAUDATIO

1995 – 2012  Siebzehn Jahre: Das ist ein Jahr mehr als Helmut Kohl. Angela Merkel darf noch hoffen. Und dabei ein Jahr Verzicht beim dritten Mandat. In der Nachkriegszeit ist niemand anderes als Sie, liebe, verehrte Petra Roth, so lange Oberbürgermeister meiner Geburtsstadt Frankfurt gewesen. Zweimal durfte ich in dieser Zeit mit Ihnen zusammenwirken. Weiterlesen

66. Hörspielpreis der Kriegsblinden

2017, Mai 23.

Mit 66 in die Zukunft

Auszeichnung für den belgischen Radiomacher Lucas Derycke für „Screener“  – Preisverleihung im Deutschlandfunk in Köln

Von Petra Kammann

Die 66. Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden, die am 17. Mai im Deutschlandfunk stattfand, war in verschiedener Hinsicht eine besondere Veranstaltung. Drei Stücke waren nominiert worden, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Alle miteinander waren sie aber absolut preiswürdig: „Evangelium Pasolini“ aus der Hörspielabteilung des HR, ein erzähltes Hörspiel über das Matthäus-Evangelium von Arnold Stadler und Oliver Sturm, „Mein Herz ist leer“ von Werner Fritsch (Deutschlandradio Kultur und Radio Bremen) über japanische Haikus, das von der Wiederentdeckung der Langsamkeit und der intensiven Wahrnehmung der Natur handelt sowie „Screener“ (WDR), das Hörstück über Gewaltvideos im Internet und die damit einhergehende Verschiebung von digitalen und tatsächlichen Realitäten von Lucas Derycke. Das vom Thema her aktuell Drängendste machte dann am Ende auch das Rennen und wurde mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet.

v.l.n.r.: Juryvorsitzende Gaby Hartel, Finalisten Oliver Sturm und Werner Fritsch, Angelika Zimmermann, Stellvertr. Leiter des  des Bundes der Kriegsblinden Reinhard Zimmermann, Preisträger Lucas Derycke, Film- und Medienstiftungsdirektorin Petra Müller, WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber, Deutschlandradio-Kulturchef Mathias Gierth

Die Veranstaltung

Musikalisch eingestimmt wurde die Präsentation der von der Jury nominierten Hörspiele und ihrer Macher mit den variationsreichen Free Jazz Sounds nach der Musik von John Zorn durch das Jazztrio Vinograd Express, die virtuos von der Klarinettistin Annette Maye improvisiert wurde. Weiterlesen

Tanguy Viel und „Le silence de la mer“ – Eine Buchhandlung

2017, März 24.

Von Petra Kammann

Mitten im Zentrum des bretonischen Städtchens Vannes, in einem alten windschiefen Fachwerkhaus gegenüber der Kathedrale, nennt sich eine kürzlich eröffnete Buchhandlung: „Le silence de la mer“. „Das Schweigen des Meeres“ ist nicht nur die Übersetzung des Namens der Librairie. Der Name ist auch Programm. So steht er für den ersten Titel des literarischen Untergrundverlags Edition de Minuits, der 1942 die Novelle des französischen Autors Jean-Marcel Bruller im von Deutschen besetzten Paris unter dem Pseudonym Vercors veröffentlichte. Sie wurde zum Standardwerk der französischen Résistance und wegen ihres Erfolgs auch gleich zweimal verfilmt, 1949 von Jean-Pierre Melville und 2004 von Pierre Boutron.

Die Buchhandlung „Le silence de la mer“ in der Altstadt von Vannes

Dieser Titel könnte aber auch genauso gut über dem neuen Roman „Code Pénal 353“ des französischen Autors Tanguy Viel stehen. Weiterlesen

Joachim Gaucks Ehrung in Paris

2017, Januar 29.

À Paris, à Göttingen und demnächst à Francfort

Zum Ende seiner Amtszeit wurde Bundespräsident Joachim Gauck in Paris nicht nur vom Präsidenten der Französischen Republik, François Hollande, mit allen Ehren empfangen. Im Rahmen der „Semaine franco-allemande“, der deutsch-französischen Woche (23. bis 28. Januar 2017), traf er auch mit verschiedenen Vertretern der französischen Kultur und Gesellschaft zusammen. An der traditionsreichen, renommierten, auf Literatur, Sprachen, Geistes- und Sozialwissenschaften spezialisierten Universität Paris-Sorbonne wurde dem Bundespräsidenten in einem Festakt die Ehrendoktorwürde verliehen. Aus diesem Anlass hielt Gauck eine bemerkenswerte Rede, in der er die deutsch-französische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg würdigte und im Wahljahr in Frankreich und Deutschland an die Bedeutung Europas erinnerte.

Eindrücke von Petra Kammann

Als Joachim Gauck bei seinem offiziellen Staatsbesuch in Frankreich vor mehr als drei Jahren als erster deutscher Staatsmann das französische Dorf Oradour, das 1944 von der Waffen-SS bis auf einen Überlebenden ausgelöscht worden war, besuchte, und er die angemessenen Worte dafür fand, schien ein Bann in der aktuellen deutsch-französischen Beziehung gebrochen zu sein, und es entwickelte sich daraus eine fast emotional zu benennende Beziehung zu Staatschef François Hollande. Der empfing Gauck nun auch besonders herzlich bei seinem Abschiedsbesuch in Frankreich im Elysée-Palast.

Dies mag auch der Grund dafür sein, warum unser Nachbarland den Präsidenten, dessen Funktion mit der in Frankreich nicht vergleichbar ist, mit besonderer Aufmerksamkeit und Ehre bedachte und Gauck die Ehrendoktorwürde verlieh. Und das mitten im Herzen von Paris, im Amphithéâtre, dem AudiMax der renommierten alten Sorbonne, unter deren Kuppel das gewaltige Wandgemälde „Der geweihte Wald“ von Puivis de Chavannes die Wissenschaften illustriert. Die herausragenden Köpfe und Denker Frankreichs wie Robert Sorbon, Gründer der Sorbonne, wie die Mathematiker-Philosophen Blaise Pascal oder René Descartes oder aber der gebildete Kardinal Richelieu treten als lebensgroße klassische Statuen in den Ädikulä zwischen den klassizistischen Säulen hervor. Auch wenn der Bau der Sorbonne im Quartier latin jünger ist, so wurde die älteste Universität Sorbonne schon Mitte des 13. Jahrhunderts als Theologenkolleg gegründet, während es heute 13 unabhängige Pariser Universitäten gibt, von denen einige noch den Zusatznamen Sorbonne in der Bezeichnung tragen.

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Audi-Max der Sorbonne: das Grand Amphithéatre Weiterlesen