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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Theodor-W.-Adorno Preis 2018 an die Fimemacherin Margarethe von Trotta in der Paulskirche (1)

Eine überwältigende Lehrstunde über das Fremdsein und das Ankommen

Glücklich über die Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises: Margarethe von Trotta. Alle Fotos: Petra Kammann

In einem bewegenden Festakt in der Paulskirche wurde am 11. September 2018 der alle drei Jahre vergebene Theodor-W.-Adorno-Preis an die Filmemacherin und Regisseurin Margarethe von Trotta verliehen. Erst zum zweiten Mal wurde damit eine Frau mit diesem renommierten Preis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. Anwesend waren Menschen, denen jemand wie Margarete von Trotta viel bedeutet. So die Kulturdezernentin Ina Hartwig, die eine außerordentlich einfühlsame  Rede zur Begrüßung hielt. So der Film- und Fernsehproduzent Dr. Günter Rohrbach, der in seiner Laudatio sowohl ihre persönliche als auch professionelle Vita höchst differenziert darstellte.

Interessante Weggefährten waren erschienen. Zu ihnen gehörten Trottas früherer Ehemann, der profilierte Filmemacher Volker Schlöndorff, auch die ehemalige Frankfurter Theaterchefin Elisabeth Schweger, die frühere Frankfurter Bürgermeisterin Jutta Ebeling, Grünen-Europa-Libero Daniel Cohn-Bendit, S. Fischer-Verleger Jörg Bong, die französische Generalkonsulin Pascale Trimbach, auch Trottas Sohn Felix Moeller, ebenfalls Filmemacher, um nur einige herauszgreifen… Sie alle zeigten sich von der Vita, der Widerstandskraft und außerordentlichen Kreativität der Preisträgerin tief beeindruckt.

↑ Theatermacherin Elisabeth Schweger und die frühere Bürgermeisterin Jutta Ebeling

↓ Martin Wiebel, Fernsehredakteur, Filmproduzent und Dramaturg, hatte einst einen Filmstoff beim Tanz abgesprochen. Mit seiner Frau Dorothee Wiebel-Reinhold, war er eigens zur Ehrung aus Frankreich angereist 

Nach der Begrüßung durch Stadträtin und Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig hielt der Film- und Fernsehproduzent Dr. Günter Rohrbach – von 2003 bis 2010 Präsident der Deutschen Filmakademie – eine kluge, wie kompetente und glänzend formulierte Laudatio. Sie kulminierte in der Feststellung: „Margarethe von Trotta: In Deutschland geboren, in Europa sozialisiert, und in der Welt angekommen.“

Trottas schilderte in ihrer Dankesrede die in verschiedenen europäischen Ländern erlebten Stationen. Sie, als Kind russischer Eltern,Tochter des Malers Alfred Roloff und seiner Frau Elisabeth von Trotta, lange Zeit staatenlos, sei  in Frankfurt mit dem Preis endlich „angekommen“. Auch sie erwähnte, so wie Hartwig und Rohrbach, Theodor W. Adornos Missverhältnis zum Film (nachzulesen in dessen „Minima Moralia“) und bewertete es spitz, selbst Adorno könne einmal irren…

Stadträtin Ina Hartwig und die Filmemacherin und Adorno-Preisträgerin Margarethe von Trotta

Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig zeigte sich von der Wahl von Margarethe von Trottas überaus angetan: „In Zeiten, in denen das demokratische Fundament unserer Gesellschaft dringlicher denn je verteidigt werden muss, ist die Auszeichnung einer dezidiert gesellschaftspolitischen Regisseurin wie Margarethe von Trotta ein wichtiges Signal. Mit ihren großartigen Filmen etwa über Rosa Luxemburg und Hannah Arendt hat sie sich als eine herausragende Künstlerin erwiesen, die ein breites Publikum mit mutigen Denkerinnen im Geiste der Aufklärung, Humanität und Emanzipation vertraut gemacht hat.“ 

Petra Kammann

Glänzender Laudator: Film- und Fernsehproduzent Günther Rohrbach

Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wird alle drei Jahre von der Stadt Frankfurt am Main zum Gedenken an den Philosophen Theodor W. Adorno vergeben und dient der Förderung und Anerkennung hervorragender Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film. Theodor W. Adorno wirkte viele Jahre an der Universität Frankfurt und dem Institut für Sozialforschung und war einer der namhaftesten Vertreter der Frankfurter Schule. Seine Schriften, darunter „Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben“, „Negative Dialektik“ und die gemeinsam mit Max Horkheimer im Exil verfasste „Dialektik der Aufklärung“, zählen zu den einflussreichsten philosophischen und kulturtheoretischen Werken des 20. Jahrhunderts. 

Dem Kuratorium des Theodor-W.-Adorno-Preises 2018 gehören neben den ständigen Mitgliedern laut Satzung in diesem Jahr Prof. Dr. Petra Gehring (Technische Universität Darmstadt), Prof. Dr. Martin Saar (Goethe-Universität Frankfurt), Christian Thomas (Feuilletonleiter der Frankfurter Rundschau) und der Schriftsteller und Buchpreisträger Frank Witzel an. Vorherige Preisträger waren Georges Didi-Huberman (2015), Judith Butler (2012) und Alexander Kluge (2009). Der erste Preisträger war im Jahr 1977 der Soziologe Norbert Elias. Erstmals wurde 1995 mit Jean-Luc Godard ein Filmemacher ausgezeichnet. 

In Kürze folgte die Laudatio von Günther Rohrbach.

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