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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Die Schönheit der Stadt zurückgewinnen

„Langfristig ändert sich etwas zum Positiven“ – Ein Interview mit dem Architekten und Städtebauer Prof. Christoph Mäckler

Der Architekt und Städtebauer Prof. Christoph Mäckler, Foto: Petra Kammann

Die Unwirtlichkeit der Städte: Dieses Buch von Alexander Mitscherlich machte einst Furore. Es war eine Fundamentalkritik am Städtebau der Nachkriegszeit. Der Frankfurter Architekt und Städteplaner Christoph Mäckler ist engagierter Verfechter eines Städtebaus, der auf Schönheit und auf den Typus der Europäischen Stadt setzt. Über seine Ziele und auch über exemplarische Fragen der Frankfurter Stadtplanung sprach Uwe Kammann mit dem Architekten.

Uwe Kammann: Seit  vielen Jahren üben Sie scharfe Kritik am vorherrschenden Städtebau. Sie haben als Gegenmittel vielfältige Aktivitäten entwickelt, mit Vorträgen, Symposien, Büchern. Haben Sie den Eindruck, dass die Mühe sich auszahlt, dass sich etwas ändert?

Prof. Christoph Mäckler: Ja, in jedem Fall. Als Wolfgang Sonne und ich vor zehn Jahren das Deutsche Institut für Stadtbaukunst gegründet und dabei erstmals auch wieder über Schönheit gesprochen haben, gab es einen Aufschrei des Entsetzens. Mittlerweile wird dieser Begriff der Schönheit vielfältig verwendet, auch aufgegriffen. Solche Themen werden jetzt diskutiert. An den jährlichen Konferenzen unseres Instituts zum Thema Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt nehmen viele wichtige Stadtbaudezernenten teil, da wird intensiv im Kreis von Architekten, Wissenschaftlern, Politikern und Planern diskutiert.

Die Politiker hören nicht nur zu, sondern sie nehmen etwas auf, sodass sich aus den Diskussionen auch praktisch etwas entwickelt?

Da bin ich ganz sicher. Die ersten Konferenzen waren noch viel schwieriger als die letzte, die vor kurzem stattgefunden hat. Inzwischen diskutieren wir auf einem ganz anderen Niveau. Jetzt wird mehr und mehr verstanden, dass in den letzten Jahrzehnten der öffentliche Raum, der Straßen- und Platzraum unserer Städte völlig vernachlässigt wurde. Es entwickelt sich ein neues Bild. Ich bin überzeugt, dass sich langfristig etwas zum Positiven ändert.

Auf Ihrer eigenen Homepage haben Sie einige sehr klare Thesen formuliert, die sich auch in den Veröffentlichungen des Instituts für Stadtbaukunst  – das jetzt gerade von Dortmund nach Frankfurt gezogen ist – finden. Dazu gehören als Vorgaben für gutes Bauen und guten Städtebau: Verpflichtung gegenüber der Umgebung; Einfügen in die Nachbarschaft; weiter: Mischung statt Multifunktionalität; Bezug von Innenraum und Außenraum; Rücksicht auf die Geschichte des Ortes. Eigentlich, so denkt man, sind das Selbstverständlichkeiten.

Ja, aber es sind Selbstverständlichkeiten, die uns verloren gegangen sind. Zunächst mit dem Ende des Kaiserreichs und dem darauf folgenden Siedlungsbau. Verstärkt nach dem Ende des Dritten Reichs, weil danach niemand mehr in die Geschichte schauen wollte. In den 60er Jahren gab es dann eine neue Baunutzungsverordnung, auch sie basierte auf Ideologien. Das zurückzubauen ist nicht ganz einfach. Es ist mühsam, darauf aufmerksam zu machen, dass es eben nicht selbstverständlich ist, wenn ein Haus keine Straßenfassade hat, oder wenn alles mit Wegen durchzogen ist, oder warum es keinen Block mehr gibt, keine Wohn- oder Gewerbehöfe, keine Dichte. Die Ergebnisse dieser Mängel sind leider überall sichtbar.

Typisch für die Europäische Stadt: Blockrandbebauung

Es gab eine klare theoretische Trennungslinien zwischen den – vereinfacht gesagt –Traditionalisten und Modernisten, welche allerdings lange Zeit die absolute Deutungshoheit hatten. Löst sich diese strikte Trennung allmählich auf, oder gilt weitgehend noch das alte Dogma, wie es sich in der 1933 auf einem Architektenkongress für Neues Bauen verabschiedeten Charta von Athen findet?

Die Protagonisten seinerzeit waren in ihrem Enthusiasmus gefangen, das Kaiserreich hinter sich gelassen zu haben. So haben zum Beispiel Architekten wie Ernst May oder Walter Gropius völlig neue Ideen entwickelt, um sich von dieser Epoche abzusetzen. Alles, was wir heute so sehr vermissen – wie den Erker, die Gaube, die durchgearbeitete Straßenfassade –, all das wollten sie damals hinter sich lassen.

Im Sinne einer unumkehrbaren Richtung?

Wenn diese Leute heute lebten, würden sie das Rad wieder umdrehen, da bin ich ziemlich sicher. Das lässt sich gut am Beispiel Le Corbusiers zeigen. Das für seine Eltern gebaute Haus war noch deutlich am 19. Jahrhundert orientiert. Dann kam die Villa Savoye, eine weiße Kiste mit Dachgarten. Zum Schluss baute er in Paris die Villa Jaoul, die gemauerte Kappendecken hat. Alles in allem eine unglaubliche Entwicklung, zu der auch die Wallfahrtskirche in Ronchamp gehört, weil es bei dieser Kapelle plötzlich wieder ein Dach gibt. Das alles zeigt, dass sich Le Corbusier im Laufe seines Lebens immer  wieder weiterentwickelt hat.

Und eine solche Entwicklung vermissen Sie generell, sehen darin einen Grund für heutige Missstände?

Viele meiner heutigen Kollegen denken einfach nicht weiter, sie bleiben, polemisch gesagt, ewig gestrig. Man muss sich aber weiterentwickeln, immer weiter lernen. Wer die Dinge ohne ideologische Vorurteile betrachtet, kann nicht übersehen, dass die neuen Stadtquartiere weniger tauglich sind als die alten und auf dem Immobilienmarkt auch weniger Wert.

Haus am Schaumainkai 101-103: Hier befinden sich das Institut für Stadtbaukunst und das Büro Mäckler Architekten, Foto: Petra Kammann 

Mangelnde Phantasie der Planer, Gleichgültigkeit, Renitenz von Anwohnern gegen jegliche Änderung ihrer Umgebung, das Streben von Investoren nach größtmöglicher Rendite, die Bodenspekulation: Sehen Sie bei solchen Faktoren des Misslingens einige, die besonders prägend sind?

Alle diese Faktoren sind prägend, aber in verschiedener Weise. Ein Investor übrigens würde mit dem alten Städtebau mehr Geld verdienen als mit dem neuen. In unseren neuen Stadtquartieren gibt es sehr viel weniger Dichte, es gibt keine Höfe und keine Häuser in der zweiten Reihe, obwohl dies ausgesprochen schön ist. In München, Frankfurt, Hamburg, Berlin, überall gibt es in den alten Stadtquartieren aber noch solche Hofstrukturen, in denen die Menschen gerne leben.

Und die heutige Renitenz von Anwohnern, von jenen, die das Bestehende gegen jegliche Veränderung verteidigen?

Natürlich gibt es eine solche Renitenz der Bevölkerung. Der kann man aber begegnen, indem man etwas Gutes liefert. Hätte man den Frankfurtern gesagt, sie sollten sich die Europaallee vorstellen wie die Champs-Elysées, dann hätten sie einen solchen Boulevard sicher befürwortet. Im Europaviertel hingegen fehlen alle Merkmale, die im 19. Jahrhundert oder auch der europäischen Stadt vergangener Jahrhunderte selbstverständlich waren. Es gab dort immer die Blockstruktur, es gab immer eine soziale und auch eine funktionale Mischung und es gab dort immer die Hinwendung zum öffentlichen Raum. Dieser öffentliche Raum spielt heute gar keine Rolle mehr. Es gibt keinen  Bezug von öffentlichen und privaten Bereichen, es gibt kein vorne und kein hinten. Die Menschen sind nicht glücklich, wenn sie in diesen neuen Stadtgebieten wohnen müssen.

Der neue Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef findet, dass das  derzeit geplante Quartier der Günthersburghöfe ein erster Schritt in eine Richtung dieser Blockrandkonzeption ist. Sie selbst sind jetzt direkt beteiligt an der Konzeption einer Neubebauung des Areals „Am Römerhof“. Geht es dort ganz konkret in Richtung Europäische Stadt alter Prägung?

Mein Ziel ist ganz klar, dort die Struktur der alten Europäischen Stadt wieder aufleben zu lassen. Wir – das Deutsche Institut für Stadtbaukunst – arbeiten dort mit Höfen, wir arbeiten mit sozialer und funktionaler Mischung, wir arbeiten mit Dichte und mit der Ausarbeitung erkennbarer Straßen- und Platzräume. Wir werden das ganze Gebiet in Zusammenarbeit mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG und in engem Kontakt mit dem Planungsdezernenten genau nach den eben genannten Kriterien planen. Natürlich wird es Widerstände geben; welche genau, ist schwer vorherzusagen, weil es ja noch keine Expertise gibt und weil eine solche Konzeption seit hundert Jahren nicht mehr ausgearbeitet wurde.

Mike Josef und Sie sind aber fest entschlossen, dieses Projekt erfolgreich auf den Weg zu bringen? Ist das der Beweis für endlich zu spürenden frischen Wind in der Stadtplanung, der lange vermisst wurde?

Ja. Ich schätze den neuen Planungsdezernenten sehr. Mike Josef ist ein hervorragender Zuhörer. Er ist jemand, der mitdenkt und weiterdenkt, der Dinge anstößt. Allerdings, leider hat er viel zu wenig Zeit. Doch gilt auf jeden Fall, dass man gemeinsam ein solches Projekt sehr gut nach vorne bringen kann.

In einem Interview zur Dom-Römer-Altstadtbebauung haben Sie vor zwei Jahren gesagt, es sei heute leichter, auch junge Architekten für diese lange Zeit eher anrüchige Art des Städtebaus zu gewinnen. Gilt das weiterhin?

Ich habe seinerzeit für diesen Bereich den Gestaltungsbeirat zusammengestellt. Als ich parallel eine Reihe von Kollegen auf den Architektenwettbewerb für das Areal angesprochen und sie gefragt habe, ob sie sich vorstellen könnten, an einem solchen Experiment teilzunehmen, waren viele völlig fassungslos. Sie haben es aus rein ideologischen Gründen weit von sich gewiesen, ein Haus mit schiefergedecktem Giebeldach im Rahmen einer Gestaltungssatzung zu bauen.

Beim Hühnermarkt in der neuen Altstadtbebauung sind die Fassaden variabel gestaltet, Foto: Petra Kammann 

Aber es gab dann doch einige offene Ohren?

Das Schöne an der Dom-Römer-Situation ist, dass wir dort jetzt einige Häuser von jungen Architekten haben, welche mit diesen überkommenen ideologischen Schemata überhaupt kein Problem haben. Und man sieht: Sie haben die schönsten Häuser gebaut. Heute würden sich an einem solchen Wettbewerb bestimmt doppelt so viele Büros beteiligen.

Hätten Sie sich vorstellen können, dass zur jetzigen Fertigstellung des Quartiers ein akademisch bestallter Architekturtheoretiker das ganze Vorhaben und darüber hinaus jegliche Rekonstruktions-Architektur in einem FAZ-Beitrag in die Nazi-Ecke stellt?

Mich wundert viel mehr, dass ein solcher Artikel  überhaupt veröffentlicht wird. Das ist schrecklich platt und dumm, es bedarf eigentlich keines weiteren Kommentars.

Zu den lange gültigen Glaubenssätzen des Denkmalschutzes gehörte, dass eine Rekonstruktion nur dann erlaubt sei, wenn man mit dem Originalmaterial ein Eins-zu-Eins-Ergebnis erzielen kann.

Im Dom-Römer-Bereich sind wir dem nicht gefolgt. Es gab auch nicht zu allen Häusern die Dokumente. Ursprünglich war der Gedanke, nur fünf Häuser wiederaufzubauen, die restlichen hingegen neu zu konzipieren. Dieses Ziel hat man leider aufgeweicht. Jeder, der ein Haus erwarb, durfte sich für alt oder neu entscheiden. Bei bestimmten, für die Gesellschaft wichtigen Gebäuden ist Originalität sicher wünschenswert.

Und sonst?

Wir sollten unter Aspekten des Denkmalschutzes auch im Bestand weiterbauen können. Ausschließlich Eins-zu-Eins-Originale zu fordern, halte ich nicht für richtig. Für falsch halte ich auch, eine neue, völlig andere Architektur an ein Bestandsgebäude anzubauen, um den Anbau nach außen selbst für den Dümmsten kenntlich zu machen, beispielsweise, indem man Blech statt Stein verwendet. Es muss weitergebaut, nicht dagegengebaut werden. Dabei spielt das Material eine ganz wichtige Rolle. Man sieht das am Aachener Dom, dessen einzelne Bauteile aus verschiedenen Epochen stammen, aber alle durch die Einheitlichkeit des Materials zusammengehalten werden.

Viele Bestrebungen beim Denkmalschutz gleichen dem Herstellen eines pädagogischen Lehrpfads, ganz egal, ob sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Oder es sollen unbedingt alte Bestandteile erhalten werden, die im Endresultat keine Rolle mehr spielen. Beim Bundesrechnungshof in Frankfurt sah es nach einer Farce aus, als nur zwei Wände des 50er-Jahre-Baus mit riesigem Aufwand bewahrt wurden.

In der Tat, das war eine Farce.

Geschützte Restfassade: ehemaliger Bundesrechnungshof, Foto: Uwe Kammann

Sehen Sie Anzeichen, dass der Denkmalschutz hier lernt, weniger starrsinnig zu sein?

Der Denkmalschutz muss lockerer werden, ja. Umgekehrt ist er dringend notwendig, um die für die Geschichte des Landes wichtigen Gebäude zu bewahren, und dazu gehören natürlich auch jene der 50er Jahre. Ich glaube, dass vor allem die Politik  lernen muss, mit solchen Fragestellungen umzugehen. Es passt beispielsweise überhaupt nicht zusammen, Grundstücke im Besitz der öffentlichen Hand – wie jetzt beim Frankfurter Polizeipräsidium – nur zu höchsten Preisen zu verkaufen und gleichzeitig Denkmalschutz einzufordern. Wie sollen die Entwickler bei Boden-Höchstpreisen noch eine dem menschlichen Maß gerecht werdende Architektur verwirklichen können?

Ein Mitglied Ihres Altstadt-Gestaltungsbeirats, der Architekturkritiker Dankwart Guratzsch, hat es als Menetekel für die moderne Architektur bezeichnet, dass eine große Mehrheit der Mainzer Bürger den geplanten Bau eines Bibelturms zu Fall gebracht hat. Hat Sie diese einhellige Ablehnung gewundert?

Überhaupt nicht. Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum man an dieser Stelle so ein merkwürdiges Gebäude bauen wollte. Es hatte nichts mit dem Ort zu tun, gar nichts.

Wie kommt es denn zu diesen oft spürbaren Diskrepanzen zwischen dem Urteil einer Jury und der Beurteilung durch die Bürger?

Es gibt einfach Kollegen, die meinen, alles, was modern ist, sei auch fortschrittlich und damit richtig. Wir müssen einfach lernen, dass die Fortschrittlichkeit in der Architektur darin besteht, beim Bau unserer Häuser angemessen mit der Stadt umzugehen. Also nicht überall unsere Klümpchen hinzusetzen, sondern unsere Bauten so zu errichten, dass sie zum Stadtkörper passen und ihn sorgfältig ergänzen. Der Ort, dem ich etwas hinzufüge, sollte nicht geschwächt, sondern gestärkt werden, mit all seinen Bezügen, seinen Materialien und mit seiner Geschichte. Es erscheint in diesem Sinne vollkommen absurd, dass es Architekten gibt, die immer mit dem gleichen Material bauen, mit den immergleichen Farben, egal an welchem Ort die Architektur zu stehen kommt. Nehmen Sie Richard Meier: der hat sein Leben lang immer nur weiße Museen und Gebäude gebaut. Ist das nicht furchtbar langweilig?

Waren Sie – unabhängig vom eigenen Wettbewerbserfolg – gerade auch unter solchen Vorzeichen zufrieden, dass bei einem wichtigen Teil der Goetheplatzbebauung nicht Zaha Hadid mit einem langestreckten Raumschiff zum Zuge gekommen ist – einem Bau, der wie ein Super-Logo wirkte?

Natürlich. So etwas geht gar nicht, ein solches Gebilde hätte den Platz zerstört. In Amerika heißt so etwas Look-at-Me-Architecture. Über Einzelheiten einer solchen Architektur kann man natürlich streiten. Doch der Grundfehler des Entwurfs war, die Kleinteiligkeit der Goetheplatz-Bebauung an dieser Stelle zugunsten eines einzigen großen Schwungs aufzugeben. Damit wäre der städtische Raum genauso zerstört worden, wie es auf der anderen Seite des Platzes schon geschehen ist. Wir sollten aber grundsätzlich verpflichtet sein, im Sinne unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens so zu handeln und auch so zu bauen, dass es der Gemeinschaft dient.

↑ Zaha Hadids Vorschlag für den Goetheplatz, der nicht realisiert wurde, Foto: @Zaha Hamid architects

↓ Der realisierte Entwurf von Christoph Mäckler, Foto: Matthias Alexander

Neigen Investoren stark zu solchen Logo-Architekturen?

Zur Zeit nimmt diese Logo-Architektur sehr stark ab. Nicht zuletzt, weil sie heftig kritisiert wird.

In starker Kritik stehen hier in Frankfurt besonders zwei Neubau-Quartiere, der Riedberg und das Europaviertel. Auch Sie führen diese Projekte immer als Paradebeispiele misslungenen Städtebaus an. Glauben Sie, dass hier gleichwohl noch etwas zu retten ist? Der frühere Planungsdezernent Martin Wentz hält Korrekturen für möglich, so mit einer anders strukturierten, einen Boulevardcharakter hervorhebenden  Europaallee.

Zunächst: die Fundamentalkritik von Martin Wentz an den Fassaden der Allee teile ich nicht. Es gibt hier hervorragende Fassaden. Falsch an diesem Ort ist das städtebauliche Erschließungssystem, ist die städtebauliche Haltung. Es gibt kein vorne und hinten, kein privat und öffentlich, überall kann man durchlaufen und es gibt weder eine soziale und noch eine funktionale Mischung. Die Zeit war zu früh, um jene Ideen, die wir heute wieder propagieren, dort schon umzusetzen.

 

Von vielen kritisiert: die Europaallee im Europaviertel, Foto: Uwe Kammann

Kleinteiligkeit und Parzellierung: Mike Josef will das auch bei größeren Investorenprojekten als Ziel verfolgen und an solchen Vorhaben mehrere Architekten beteiligen. Ist das ein sinnvoller Weg, oder geht es nur über eine Parzellierung der Grundstücke?

Für den Städtebau spielt die Parzellierung von Eigentum keine Rolle. Natürlich erzielt man mit verschiedenen Bauherren  und Architekten mehr Vielfalt – manchmal auch im Übermaß; dann wünscht man sich ein ruhigeres Gesamtbild. Aber auch im 19. Jahrhundert gab es große Entwickler, die das Terrain für ganze Blöcke gekauft und dann mit einzelnen Häusern bebaut haben. Ein Haus mit vier oder fünf Wohnungen pro Etage ist in der Regel gut 22, 23 Meter breit und hat, wenn es gut gemacht ist, einen Eingang und ein Gesicht zur Straße. In einem Rhythmus von gut 25 Metern kann man mithin immer ein neues Haus haben, was folglich Vielfalt erzeugt. Dazu lassen sich verschiedene Architekten einsetzen, doch auch ein einzelner Architekt kann auf einer längeren Strecke in guter Qualität unterschiedliche Fassaden und damit ein vielfältiges Bild gestalten. Das konnten unsere Vorgänger auch.

Ein wesentliches Element der Belebung von Straßen waren und sind Läden im Erdgeschoss. Nun gibt es die Prognose, dass der Einzelhandel mehr und mehr an Boden verliert, Stichwort: Einkaufen im Netz. Steht diese Entwicklung quer zu Ihren Vorstellungen der europäischen Stadt? 

Ja und Nein. Es stimmt, der Einzelhandel wird derzeit umgekrempelt. Doch der Laden im Erdgeschoss ist nicht ausschlaggebend für die funktionale Mischung eines Stadtgebietes. In Stadtvierteln wie Bockenheim oder Bornheim sieht man Tore, die zu Höfen führen. Dort findet man kleine Betriebe, vom Rahmenmacher bis zur Elektrowerkstatt. Diese funktionale Mischung gehört zum Lebenselixier der Europäischen Stadt. Wo hingegen, wie beispielsweise im Europaviertel, nur gewohnt wird, weil die meisten Menschen tagsüber aus dem Viertel weg sind. Wie sollen dort Läden existieren können? Wir brauchen stattdessen unbedingt eine Durchmischung, also Stadtviertel, in denen Menschen auch arbeiten können. Dieses Ziel verlangt natürlich einen entsprechenden Haustypus, ein Gebäude, das auch Platz für diese Arbeitsplätze bietet.

Ein wichtiges Stichwort des heutigen Städtebaus: Verdichtung. Sie selbst waren an einem Wettbewerb für das Deutsche-Bank-Areal am Rossmarkt beteiligt. Auf diesem Areal – eigentlich ein großer Block – ist eine extreme Verdichtung geplant, mit insgesamt fünf Türmen. Steht das nicht im Widerspruch zu Ihrer Forderung nach der Europäischen Stadt? Hans Stimmann, hochrenommierter früherer Senatsbaudirektor in Berlin, kritisiert das Projekt als Hybrid-Lösung. Auf diese Weise könne kein Stadtraum entstehen.

Es wird kein Stadtraum, dazu ist diese Bebauung viel zu dicht.

Projekt „Four“ zwischen Junghofstraße und Große Gallusstraße, Simulation: Groß & Partner

Was hat Sie trotzdem bewogen, zusammen mit dem Büro Coop himmelb(l)au – das die Europäische Zentralbank gebaut hat – an dem Wettbewerb teilzunehmen, aus dem Sie am Ende mit einer Anerkennung hervorgegangen sind?

Weil wir von unserer Arbeit auch leben müssen. In unserem Büro geht es konkret um 60 Architekten, zu denen ja auch Familien gehören. Aber richtig ist: städtebaulich gesehen hat dieser Komplex – der sicher funktionieren, wahrscheinlich sogar richtig gut aussehen wird – mit dem Ideal der Europäischen Stadt wenig zu tun.

Es wird also mit dem Projekt „Four“ zwischen Junghofstraße und Große Gallusstraße vor allem eine große Maschine entstehen?

Ja.

Ihre Bauten sind in Frankfurt höchst präsent, von kleineren Objekten wie Wohnhäusern im Dom-Areal oder der Ausstellungshalle Portikus bis zu dominanten Hochhäusern wie dem Opernturm oder dem Tower 185 nahe der Messe. Ist einer der Bauten Ihr architektonisches Lieblingskind?

Für mich ist jedes Objekt in sich spannend. Es handelt sich ja nicht um Stangenware. Das erwähnte kleine Haus am Dom beispielsweise ist mit der Idee verbunden, die Höfe der 50er Jahre zu erschließen.

Der Opernturm von Christoph Mäckler

Wird dieser Gedanke weitergeführt? Für die Berliner Gropiusstadt haben Sie ja auch ein Konzept entworfen, das die offenen Strukturen neu ordnet, die Wohnriegel verbindet und damit erfahrbare neue Räume schafft. Spielt die Stadt Frankfurt hier mit?

Da bin ich ganz sicher, im großen Stil. Wo immer es geht, wird die Stadt solche Verdichtungen vornehmen. Die jetzt im Dom-Areal bestehenden Grünflächen sind beispielsweise total aseptisch, sie sind weder öffentlich noch privat und werden auch nicht von den Bewohnern genutzt.

Und welche speziellen Qualitäten sehen Sie bei Ihren anderen Bauten?

Der Opernturm ist für mich ein ganz wichtiges Bauwerk, sicher auch das der Oper gegenüberliegende Eingangsbauwerk, zwischen Fressgass’ und Goethestraße. Beide Gebäude sind städtebaulich markant, sie verwirklichen etwas, was mir seit Jahrzehnten durch den Kopf geht.

Das Haus an der Goethestraße wirkt durch die abgerundete Ecke und das Flugdach – das ja auch eine Geste des Opernturms aufnimmt – besonders elegant, es ist kein modisches Accessoire. Lag Ihnen das sehr am Herzen?

Ich habe das Flugdach ganz bewusst gewählt, um zu vermeiden, in einer  Retro-Ecke zu landen.

Das Eingangshaus an der Goethestraße mit seinem eleganten Flugdach, Foto: Petra Kammann

Ihr derzeit größtes Objekt ist das Terminal 3 für den Flughafen, das in seiner Gestaltung an Klassiker wie die Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe erinnert. Befürchten Sie manchmal, dass bei so einem Großbau manches aus dem Ruder laufen kann, so wie beim Flughafen in Berlin?

Im März letzten Jahres wurden wir beauftragt, schnellstmöglich ein zusätzliches Pier für das Terminal 3 zu planen und zu bauen, das ein Drittel des Volumens des gesamten Terminals hat. Wir haben die Generalplanung übernommen, in eigener Regie die Ingenieure ausgewählt, dann im Juli den Bauantrag eingereicht – und jetzt werden wir noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen. Das zeigt, wie effektiv man arbeiten kann, wenn Kompetenzen gebündelt werden, wenn die Abläufe und das zentrale eigene Management stimmen.

Ihr Vater hat nach dem Krieg den ersten modernen Frankfurter Flughafen gebaut, er hat auch den Wiederaufbau des Frankfurter Doms geleitet. Sie sind nun im weitesten Sinne in beiden Bereichen – Flughafen und Dom-Areal – aktiv und präsent. Empfinden Sie das selbst als besondere Kontinuität?

Ja, schon. Wobei ich gerne einmal richtig für die Katholische Kirche bauen würde. Im unterfränkischen  Waldfenster in der Röhn realisieren wir gerade ein kleines kirchliches Objekt – hier im Bistum Limburg leider noch nichts. Beim Flughafen erinnere ich mich noch, wie ich als kleiner Junge mit meinem Vater durch die riesige Baustelle gestapft bin. Er hatte den Wettbewerb 1951 gewonnen, in meinem Geburtsjahr.

Und wie ging die Flughafenbeziehung weiter?

Indem mich der Architekt Jo Franzke in den 90er Jahren eingeladen hat, an der Überarbeitung des Konzepts für den Flugsteig A mitzuwirken. Dafür haben wir dann eine Arbeitsgemeinschaft gegründet. Seither habe mit dem Flughafen zu tun, so beim Vordach und bei der Halle C des Terminals 1. Beim international ausgeschriebenen Wettbewerb für das neue Terminal 3 haben wir dann Architekturgrößen wie Sir Norman Foster und Meinhard von Gerkan ausgestochen. Darauf bin ich schon stolz – und jetzt fühle ich mich in der guten Gesellschaft meines Vaters. Diese Arbeit macht mir Spaß, auch wegen der besonderen Funktionen und der Funktionsabläufe. Das Terminal ist ein riesiger Bau, mit einer Flächenausdehnung wie vom Frankfurter Zoo bis zum Hauptbahnhof. Rund 40 Mitarbeiter arbeiten in einem eigenen Flughafenbüro an diesem Projekt.

Kommen wir zu einer ganz anderen Größenordnung, der Kleinmarkthalle. Der ehemalige Planungsdezernent Edwin Schwarz bezog so viel Prügel für die Absicht, das Areal der Kleinmarkthalle neu zu ordnen und zu gestalten, dass alles beim Alten blieb. Ein Zeichen dafür, dass Frankfurt oft kleinlich ist, kleinmütig und zaghaft operiert?

Die Kleinmarkthalle hat einen unglaublichen Charme, es wäre jammerschade gewesen, diesen Charme zu verlieren. Rundherum allerdings ist alles ziemlich desolat. Insofern war die Grundidee von Edwin Schwarz, das Ensemble in Ordnung zu bringen, absolut richtig. Eine Bürgerinitiative von durchaus ehrenwerten Leuten hat den Gesamtplan zu Fall gebracht – eben aus Angst vor dem Verlust der Kleinmarkthalle.

In viel fernerer Zukunft liegt ein Frankfurter Städtebauprojekt, das von Anfang an sehr umstritten war und noch ist: ein Erweiterungsgebiet im Nordosten der Stadt, unter Einschluss der Autobahn A 5. Halten Sie eine Stadterweiterung dort für sinnvoll, wünschenswert und realisierbar?

Aber selbstverständlich. Vielleicht können sich das viele nicht vorstellen, weil man immer nur bis zu seinem Lebensrand blickt. Als einst die Mauern um die Städte gefallen sind und in der Folge das frühere Außenland bebaut wurde, war das ein viel größerer Schritt, als jetzt eine Bauplanung zu beiden Seiten der A5. Natürlich muss die Stadt sich erweitern, und zwar nicht nach einem Klein-Klein-Muster wie am Riedberg. Es muss richtig Stadtwerden. Wenn die Erweiterung eine solche Stadt-Qualität bekommt wie in Sachsenhausen, in Bockenheim oder in Bornheim, dann wird jeder sagen: Großartig, wir freuen uns darauf. Viele haben doch nicht unbedingt vor der Bebauung Angst, sondern davor, das wir bei diesem Prozess am Ende keine städtische Qualität bekommen. Aber die wachsenden Städte brauchen neuen Raum, auf jeden Fall.

Typisch für heutigen Städtebau: Viertel am Riedberg, Foto: Petra Kammann

Liegt ein wesentlicher Fehler bei Neubaugebieten darin, dass es keine organischen Anschlüsse gibt, dass solche Viertel unverbunden mit dem bisherigen Stadtkörper bleiben, im Grunde Inseln werden? Lassen sich direkte Anschlüsse und Verbindungen projektieren und herstellen?

Natürlich. Doch leider beherrschen viele Planer die notwendigen Parameter, die Grundregeln solcher Erweiterungen nicht. Keiner denkt mehr an eine richtige Vernetzung der Straßen, stattdessen entscheiden Verkehrstechniker nach rein mechanischen Vorgaben zum Anliegeraufkommen über die Anlage von Straßen. Das führt dann in der Regel zu einem Ring mit Stichstraßen, und die Sache ist fertig. So geht aber Stadt nicht, denn Stadt ist Vernetzung. Das Straßensystem neuer Viertel muss an das alte System angeschlossen sein. Auch der Straßenraum als architektonischer Raum muss nahtlos an die bestehenden Viertel angeschlossen werden. Dies alles geht, dies alles ist machbar, selbstverständlich.

Heftige Diskussionen löst derzeit die Frage aus, wie man mit Oper und Schauspiel umgehen soll, weil das Gesamtgebilde, die so genannte Theaterdoppelanlage, laut einer Machbarkeitsstudie baulich für rund 600 Millionen Euro saniert werden müsste. Samt der Kosten für Interimslösungen werden rund 900 Millionen Euro veranschlagt. Wie stehen Sie dazu?

Ganz einfach: Das Gutachten ist völlig absurd. Das fängt schon beim Honorar von über 6 Millionen Euro an. In der Sache selbst listet die Studie minutiös alles, wirklich alles auf, was nicht den heutigen DIN-Normen und dem aktuellen Baurecht entspricht. So fehlen in manchen Büroräumen zwei Zentimeter an Deckenhöhe, um der jetzigen hessischen Bauordnung zu genügen. Aber darum kann man das doch nicht abreißen! Nach der Studie würden gerade mal die beiden Säle und das Foyer stehenbleiben, alles andere ringsum würde abgerissen und neu gebaut und sogar noch um ein Hochhaus ergänzt. Wer wundert sich dann, dass am Ende 900 Millionen herauskommen? Das alles ist schon im Ansatz absurd.

Und weiter?

Weiter ist völlig absurd, dass wie bei einem Wunschkonzert die einzelnen Abteilungen und Gewerke von Schauspiel und Oper gefragt wurden, was sie denn alles an Räumlichkeiten und Einrichtungen brauchen. Das Ergebnis kann man sich lebhaft vorstellen. Stattdessen hätte man – ausgehend vom Bestehenden – untersuchen und prüfen müssen, wo wirklich ein ernsthafter Bedarf besteht.

Sie halten also das Gebäude für sanierungsfähig?

Aber natürlich, ja. Nehmen wir nur mal die Mailänder Scala, die ja ein bisschen älter ist als unser Theater. Man hat das Haus zwei Jahre geschlossen, in der Zeit saniert, jetzt funktioniert es wieder bestens.

Ihr Kollege Christoph Ingenhoven, der in Düsseldorf das Schauspielhaus saniert, hat hier in einer Diskussion ähnlich argumentiert. Man solle prüfen, was man behalten wolle, vor Eingriffen oder Änderungen aber keine Scheu haben.

In Düsseldorf geht es doch auch ganz einfach: Das Haus wird für drei Jahre geschlossen, saniert, und dann wieder aufgemacht.

Woran hakt es denn so sehr bei solchen Aufgaben?

Unser Berufsstand leidet an der grundlegenden Änderung, dass der Architekt nicht mehr der Treuhänder des Bauherren ist. Früher wäre ein Oberbürgermeister auf einen Architekten mit dem Auftrag der Sanierung zugekommen, natürlich unter Aufstellung eines Kostenplans.

Und wie sieht es heute aus?

Heute sind wir umgeben von Quacksalbern, Projektsteuerern, Besserwissern, die alle intervenieren. Bei Baubesprechungen in heutigen Sitzungen kommen leicht 20 Teilnehmer zusammen. Beteiligt sind dann unter anderem ein Brandschutzgutachter, ein Energieexperte, ein Fassadentechniker, weiter ein Fachmann für Heizung, Lüftung, Sanitär, natürlich auch die Fachleute für Statik und Bauphysik. Und jeder aus diesem Kreis hat seine Scheuklappen und pocht auf seine Vorlage. Und wir als Architekten sollen dann alles zusammenbringen.

Immer engagiert und temperamentvoll: Christoph Mäckler, Foto: Petra Kammann

Haben Sie gleichwohl die Zuversicht, dass man diese Theatersanierung auf einen guten Weg bringen kann? Würden Sie sich beteiligen, würden Sie sich engagieren, wenn man Sie um einen Vorschlag bitten würde?

Ja natürlich, sofort. Aber unter Bedingungen. Das ist wie beim eben erwähnten Terminal 3 und dem dort hinzugefügtem Pier G, das so schnell wie möglich fertig werden sollte. Für mich, der ich als Architekt die Verantwortung tragen sollte, gehört zu den grundlegenden Voraussetzungen, selbst die Auswahl der Ingenieure und der wichtigen Mitarbeiter treffen zu können. Die Konstellation muss so sein: dort der Bauherr, hier ich, und dann geht’s los.

Beim öffentlichen Raum in Frankfurt fällt an vielen Stellen eine große Verwahrlosung auf, in jedem Sinn: von Ein- und Anbauten bis zu dem, was man Stadtmöblierung nennt. Ein Höhepunkt dieser Verwahrlosung und Lieblosigkeit: die seit vielen Jahren verlassenen Disco-Eingänge am Rossmarkt, die wie Panzersperren den Platzraum beherrschen.

Furchtbar, ja.

Seit vielen Jahren verwaist: ehemaliger Disco-Eingang am Rossmarkt

Ist das in Ihren Augen eine Frankfurter Eigenart, derart unsensibel diese optischen Verirrungen und Beleidigungen hinzunehmen?

Ja und Nein. Wenn man nach Köln geht, sieht es genauso aus. In München wird hingegen sehr darauf geachtet, dass die öffentlichen Räume schön und gepflegt sind. Diese Betonkisten vom Rossmarkt wären dort nicht denkbar. Die Schlussfolgerung aus solchen Zuständen: Es müsste einen Stadtbildpfleger geben, der die beteiligten Stellen koordiniert und klare Befugnisse hat.

Sie selbst haben immer für einen übergreifenden und festen Gestaltungsbeirat plädiert, doch gibt es dafür wenig Gegenliebe bei der Stadt, auch beim vorhin gelobten Planungsdezernenten nicht. Haben Sie noch Hoffnung, ein solches Instrument zu erleben?

Solche Gestaltungsbeiräte sind so gut wie ihre Mitglieder. Aufgrund der Erfahrung mit ideologisch verengten Gremien verstehe ich eine gewisse Skepsis. Insofern wäre es gut, einen Stadtbildpfleger zu haben, der auch beraten wird, aber ein ganz eigenes politisches Standing hat und damit etwas bewirken kann. Es geht bei all diesen Fragen des Städtebaus und der Architektur um ein klares politisches Statement: dass Gestalt für unser gesellschaftliches Leben, für unser Gemeinwesen eine ganz wesentliche Rolle spielt.

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Der Frankfurter Architekt und Städteplaner Christoph Mäckler gehört zu den profiliertesten deutschen Architekten, mit markanten Bauten wie Lindencorso und Zoofenster in Berlin, Opernturm und Tower 185 in Frankfurt, dem behutsam umgebauten Augustinermuseum in Freiburg, dem derzeit entstehenden Deutschen Romantik-Museum in Frankfurt. Zugleich ist er mit dem Ziel engagiert, beim Städtebau wieder auf Schönheit und den Typus der Europäischen Stadt zu setzten. Ein Instrument dafür ist das inzwischen in Frankfurt beheimatete Institut für Stadtbaukunst, dessen Direktor er ist – so wie er auch eine Professur am Lehrstuhl für Städtebau der Universität Dortmund wahrnimmt. Er ist er Vorsitzender des Gestaltungsbeirats, der den Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt nach dem früheren Kanon begleitet hat.

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